Full text: Übersicht der in Schleswig-Holstein angebauten Kernobst-Sorten

Unterstützt wurde Herr Dr. Lucas bei diesem Unternehmen einmal durch 
eine andere bewährte Kraft, Herrn Müschen aus Belitz in Mecklenburg, der aus 
60jähriger pomologischer Thätigkeit gerade mit den Obstsorten des norddeutschen 
Küstengebiets besonders bekannt ist, und einen jüngern tüchtigen Pomologen, Herrn 
Obergärtner Lesser zu Gülzow in Lauenburg. Obwol nun dieses Revidieren und 
Bestimmen bereits 3 Tage vor der Eröffnung der Ausstellung mit den nach und 
nach eintreffenden Sammlungen begonnen und, solange es nur Tageslicht und 
Kräfte zuließen, fortgesetzt wurde, so war es wegen der oben angeführten Umstände 
doch nicht möglich, alle Sortimente dieser Prüfung zu unterziehen. Je größer die 
Zahl der richtig benannten Früchte in einer Sammlung ist, desto schneller kann 
die Revision vor sich gehen. Des in das Auge gefaßten Hauptzweckes wegen mußte 
also zunächst mit derartigen Sammlungen begonnen werden; dann ging es weiter 
an die weniger mit richtigen Namen versehenen. Auch diese und selbst ein erheb— 
licher Teil solcher Sammlungen, bei denen alle pomologischen Namen fehlten, 
konnten noch der Bestimmung unterzogen werden, insoweit sie gut ausgebildete und 
hinreichend bezeichnete Früchte enthielten. Aber nicht ganz gering war doch auch 
die Zahl der Früchte, welche so unvollkommen ausgebildet waren, daß von vorn— 
herein davon abgesehen werden mußte, sie bestimmen zu wollen. 
Besonderes Interesse mußten diejenigen Früchte für sich in Anspruch nehmen, 
welche als s.g. Lokalsorten hier in größerm Umfange angebaut werden, obwol 
sie vielleicht pomologisch noch garnicht näher bekannt oder systematisch untergebracht 
sind. Nicht wenige derselben sind wahrscheinlich ursprünglich auch hier im Lande 
entstanden. Diese Sorten waren es vor allem, welche einer weitern Beobachtung 
und genaueren Prüfung unterzogen werden mußten. Doch erstreckte sich dieses auch 
auf eine nicht geringe Zahl anderer Sorten, deren sofortige sichere Bestimmung 
nicht möglich war, die aber aus irgend einem Grunde interessant erschienen. So 
wurden denn nach Schluß der Ausstellung auch noch zwei Kisten voll Früchte zu 
diesem Zwecke an Herrn Dr. Lucas nach Reutlingen gesandt. 
Die so revidierten Listen der einzelnen Einsendungen wurden dann der 
nachfolgenden Zusammenstellung zu grunde gelegt, und zwar waren es etwa 70 
Sammlungen, welche das Material dazu geliefert haben. Aufnahme haben indessen 
nur diejenigen Sorten gefunden, welche mit hinreichender Sicherheit erkannt 
werden konnten und von denen gut entwickelte Früchte vorlagen. 
Die Klassifikation ist nach dem jetzt so ziemlich von allen deutschen Pomo— 
logen adoptierten s. g. Lucas'schen Systeme (bekanntlich eine weitere Ausbildung 
des ursprünglich Diel'schen Systemes) vorgenommen. Zum allgemeinen Verständnisse 
schien es zweckmäßig, eine kurze Charakterisierung der einzelnen Klassen beizufügen. 
Bei der großen Verschiedenheit, welche Boden und Klima, also diejenigen 
Faktoren, von welchen das Gedeihen der Früchte besonders abhängt, in unserer 
Provinz, trotz ihrer verhältnismäßig geringen räumlichen Ausdehnung, zeigen, 
konnte man nicht wol dabei stehen bleiben, nur die überhaupt in dem ganzen 
Bereiche unseres Landes angebauten Sorten neben einander zu reihen, es erschien“ 
vielmehr zweckmäßig, auch die Verteilung derselben über die einzelnen Landschaften 
in das Auge zu fassen. Da entstand denn freilich die schwierige Frage, in welcher 
Weise diese lokalen Abschnitte gebildet werden sollten. Weder die althistorische, 
noch die neue politische Einteilung nach Kreisen konnte dabei ausschließlich zur 
Grundlage genommen werden, vielmehr mußte man sich nach größern, aber durch 
die oben genannten Verhältnisse hinlänglich charakterisierten Abschnitten umsehen.
	        
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