Full text: Das dänische Kirchenregiment im Herzogthum Schleswig

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So war denn wieder eine Hoffnung dahin, daß die Sache 
endlich zur Entscheidung gekommen sein möchte. Die Zeit war 
schrecklich. Der Geist war in Gefahr, zu verdumpfen. Mancher 
möchte vielleicht sagen: aber die Wissenschaft konnte doch nicht ge⸗ 
nommen werden, und das reiche schöne Feld der Privatseelsorge! 
Aber was das Letztere betrifft, so vergißt man, daß mir die Aus⸗ 
übung geistlicher Functionen verboten war, und hinzufuͤgen kann 
ich, daß das Visitatorium, wie mir wiedererzählt ward von den 
Befragten, sich vielfach danach erkundigte: ob ich mich auch auf 
solche Weise beschäftige, und was ich überall treibe? Als einer 
befragt: ob ich viel mit den Gemeinegliedern verkehre? geantwor⸗ 
tet hatte: „nein, vielmehr lebt der suspendirte Prediger ganz still 
in seinem Hause und auf einsamen Wegen“, — hatte Wolfhagen 
entgegnet, daß Solches auch nach dem mir gewordenen Verbot 
meine Pflicht sei. — Nun, und die Wissenschaft? Der Wievielste 
hat denn wohl die Kraft, daß er sich ernst wissenschaftlich beschäftigen 
könnte in täglicher Erwartung einer Entscheidung, die vielleicht 
sagt: „innerhalb 2 mal 24 Stunden mit Weib und Kind das Land 
„verlassen“, denn selten wurde eine längere Zeit bewilligt. Irdische 
Sorge habe ich immer auf den Herrn geworfen, wenn sie sich wollte 
geltend machen; aber die lieben Freunde, die liebe alte Heimath, 
die liebe theure Gemeine — drängten sich doch immer mit zwi⸗ 
schen die Zeilen. Wenn ich so der vergangenen Zeit gedenke, kann 
ich nur die große Macht Dessen preisen, der mich und die Meinen 
stark machte, auf diese Weise 22 Jaehre zu verleben! Und dabei 
der tägliche Anblick der mehr und mehr alles höhere Leben im 
theuren Vaterlande verstörenden Macht des Bösen! 
Nachdem man in Angeln durch das wunderlich widersprechende 
Benehmen Moltke's stutzig geworden war und das Petitioniren 
fast aufgeben wollte, — erschien plötzlich ein Erlaß aus dem Mi— 
nisterium, in welchem eine äͤltere Verfügung in Betreff der Petitio— 
nen wieder eingeschärft und umständlich angegeben ward, wie der— 
gleichen Gesuche abzufassen seien, und daß nament— 
lich jede Unterschrift fidemirt werden müsse u. s. w. 
Da jubelte das Land mit einem Male wieder auf. Man sagte sich:
	        
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