Full text: Newspaper volume (1934, Bd. 3)

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Venn das ein Zenļscher 
^ geşchrieden hätte. . . 
^ttiBtpr^ ^eed, der Privatsekretär und Mit- 
Ņlich - ""U Lloyd George, veröffentlicht ein 
eine „ns-t-k è^ur Titel „Blind mouths". Es ist 
àitlilia "siche Novelle, die in allen englischen 
>»ir^ 8 iĶ von Format sehr stark besprochen 
^Ut'sKs e spielt im nationalsozialistischen 
/ 8 vö und in Oesterreich. 
^uch ist im Frühjahr abgeschlossen 
Giftet ’ '"rd Tweed läßt den österreichischen 
sterbe»^ ‘ïr! a * ön ** en 3'vlgen eines Attentats 
Vf)e ' ^iese Tatsache gibt naturgemäß dem 
^ieiîĢ den Ereignissen vom 25. Juli in 
^Nkt „ me . besonders interessante Note. Man 
willkürlich: „Was hätte das Ausland 
io[(t) e $2 weitn ein deutscher Schriftsteller eine 
>!> i>i°s/^Elle mit einem solchen Ausgang 
5D[J e ? Jahr verfaßt hätte?" 
u . f Ziemlich sicher sein, daß ein solches 
Rix ņZ genau so übel ausgelegt worden 
ills à^-îî manche Bücher in Deutschland, die 
sill nnt wahrer Lust aufgriff, um sie 
blliZ j,, meisteshaltung des Nationalsozialis- 
rantwortlich zu machen. 
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Goldlagcr der Erde. 
ş* der Goldgewinnung in Rußland. 
Q T*iha nach wie vor Hauptiieferant. 
Ģoldproduktion der Welt stieg nach den 
»o* 2n o öen . öer Transvaal-Bergwerkskammer 
ļļitf z/^Ņtillionen Feinuuzen im Jahre 1932 
'lllh^ 'ì.Mill. Feinunzen im abgelaufenen 
Eîşter'n- . bse Produktionssteigerung ist in 
^ņîe auf die Zunahme der Goldgewin- 
şş er ll. d. S. S. R. (Zunahme gegenüber 
h- or - 000 Feinunzenj, Australiens 
^64"o 6 *, Süd- und Nordrhodeüenv 
,+ 5?^ Mexikos (+ 63 000), der Goldküste 
Wn?*' Japans (+ 63 000), des belgischen 
iHtjuf (+ 45 000) und Indiens (+ 5150) 
Die Ausbeute der bisher 
ik» j ^ Goldlagerstütten der Welt zeigte dage- 
^hllix. /^ten Jahre gegenüber 1932 eine Ab- 
şank die Produktion Transvaals in 
^ H^Peichszeit um 536 069 Feinunzen, die 
itt) ,,.^'ņigten Staaten um 865 274 Feinun- 
^ ^ die Kanadas um 117 382 Feinunzen. 
\j)> - öle Entwicklung rückt die Sowjet- 
^iti'^ļche die Ausbeutung ihrer Gvldvor- 
îîņ Rahmen des zweiten Fiinfjahres- 
besonders steigerte, an die dritte Stelle 
^elt goldproduzierenden Ländern der 
k[ c 'j te bislang von den Vereinigten Staa- 
ll^'! 8 Enommen war. An weitaus erster 
e ^t àr, wie die Zusammenstellungen 
^' vach wie vor die Südafrikanische Union, 
^oldlagerstätte im Witwatersrandgebiet 
î Aste Lieferant von Gold für die Welt 
le )> in weitem Abstande folgen Kanada, 
ö. S. Ş. R., die Bereinigten Staaten 
Mstralien. 
Produktion 1933 Anteil an 
in der Welt- 
Feinunzen Produktion 
11017 495 44,9 % 
rfferT Nordrhodesien 645 086 2,6 % 
% 
/sie 
,r»li 
336 362 
!) Neuseeland, 
uinea 1 167 639 
^ķìk^te Staaten 
«. R. 
Hbi-, 
gebiete 
?^5.ien 
2 937 618 
334 725 
2 152 726 
647 000 
2 490 000 
463 000 
373 696 
1,4 % 
4,7% 
12,0 % 
1.4 % 
8,8 % 
2,6 % 
10,1 % 
1,9 % 
1.5 % 
ß 
320 000 1,3 % 
1 673 000 6,8 % 
kjoeiu "vorläufigen Zahlen über die Gold- 
? kti ^ Transvaals in den ersten sechs Mo- 
Jahres und dem großzügigen Pro- 
dij^vgramm der Randmiuen zu urtei- 
|.\ f.!‘ e der Anteil der Südafrikanischen 
üoch im Jahre 1931 über die Hälfte 
Äï Produktion lieferte, wieder ansteigen^ 
ö^teil gestaltete sich in den Jahren seit 
L Jahre der Ausschließung der Gold- 
IjM im Witwatersrandgebiet, wie 
% rt einer Feinunze = 4,25 Pfd. Ster- 
^kltproduktion 
tn 1000 Pfd. St. 
iS 
25 
ļ ô 3ļ 
21 735 
22 644 
25 375 
24 421 
40 843 
52 312 
77 756 
93 332 
97 218 
69 739 
80 817 
88 507 
96 927 
101500 
104 300 
Anteil 
Transvaals 
0,8 % 
4,3% 
5,9 % 
7,7% 
21,7% 
2,8 %* 
26,8 % 
34.3 % 
39.7 % 
49.7 % 
50.4 % 
51,4% 
47.7 % 
48,4% 
44,9 % 
^echnung Ser Wertzahlen über die 
lit ^Ute Auktion sind die Zahlen über die 
V ô - Ş. S. R. nur grob geschätzt, 
^»Ue r 193 1 auf 1500 000 Feinunzen. 
** 29,28 Gramm. 
Volkenbruchschäden am Mein. 
Ueber Nackenheim zwischen Mainz und 
Worms ging zum dritten Male in diesem Jah 
re ein schwerer Wolkenbruch nieder. Schnell 
wuchsen die Wassermassen zu einem reißenden 
Strom, der sich durch die Straßen des Ortes 
ergoß. Die Gebäude und Fabrikanlagen der 
Vereinigten Nackenheimer Kapselfabriken 
wurden weggespült. Gärten, Höfe, Keller und 
Scheunen wurden im Nu von den Fluten, die 
teilweise einen Meter hoch in den Straßen 
standen, überschwemmt. Die Wassermassen 
flössen nur langsam ab, da Schlammengen, 
Feldfrüchte usw. die Kanäle verstopften. In 
den Weinbergen und Feldern wurde ein vor-- 
läufig noch nicht zu übersehender Schaden an 
gerichtet. 
* . * 
Bliļs verursach! Grotzfeuer. 
Telephonischen Hilferufs beraubt. 
DNB. Erfurt, 31. Aug. (Eig. Funkmeldg.). 
Das im thüringischen Landkreis Hildburghau 
sen gelegene Dorf M a r i s f e l d ist durch 
eine verheerende Feuersbrunst heimgesucht 
worden. Während eines schweren Gewitters 
schlug der Blitz in die Scheune eines Land 
wirtes und zündete. Zu allem Unglück wurden 
die Fernsprechleitungen während des Gewit 
ters zerstört, so daß die Nachbarwehren nicht 
zu Hilfe gerufen werden konnten. Da die 
Ortswehr allein zu schwach war, um des 
Feuers Herr zu werden, fraßen sich die Flam 
men mit unheimlicher Schnelligkeit weiter 
und erfaßten drei Wohnhäuser, 5 Scheunen 
und 10 Nebengebäude, die in Schutt und Asche 
gelegt worden. Tie gesamte Ernte, landwirt 
schaftliche Maschinen und viele Geräte sowie 
Kleinvieh wurden ein Raub des Brandes. 
* * * 
BàhmgsAMt k Bà 
Bled, 30. August. In der Villa des Prinzen 
Paul von Südslawien fand ein Gala-Diner 
anläßlich der Verlobung des Prinzen Georg 
von England mit Prinzessin Marina von 
Griechenland statt. König Alexander und Kö 
nigin Maria von Südslavien, Prinz Paul und 
seine Gemahlin, Prinzessin Olga sowie der 
Vater der Braut nahmen an der Feier teil. 
Am Schluß erschien ein junges Mädchen in 
slovenischer Volkstracht und überreichte dem 
Brautpaar die Nationalspeise „Dulcata". 
Es verlautet, daß die Hochzeit im Frühjahr 
nach anglikanischem Ritus stattfinden wird, 
obwohl die Prinzessin Marina streng ortho 
doxen Ritus' ist. 
* * * 
ïï\î andere Beile! 
Geschlossene kommunistische Veranstaltungen 
im Saargebiet wieder gestattet. 
Saarbrücken, 31. Aug. Die kommunistische 
„Arbeiterzeitung" meldet triumphierend, daß 
die Negierungskommission des Saargebiets 
das am 19. April 1933 ausgesprochene Verbot 
der geschlossenen kommunistischen Veranstal 
tungen aufgehoben habe. 
Die Regierungskommission ist somit gewillt, 
der üblen Hetze, die gerade von separatistischer 
Seite ausgeht und die unter allen Umständen 
eine gewalsame Aenderung der Verhältnisse 
im Saargebiet erstrebt, Tür und Tor zu 
öffnen. 
Ans d§r Spur des 
DD. Berlin, 29. August. In der „Medizi 
nischen Welt" macht der Biologe Dr. Brehmer 
die aufsehenerregende Mitteilung, daß er im 
normalen Menschenblnt einen Mikroorganis 
mus gefunden habe, der unter gewissen Be 
gleitumständen einen krankmachenden Charak 
ter annehmen und dadurch zum Erreger des 
Krebses werden könne. Bekanntlich wurde 
bisher der Standpunkt vertreten, daß die Ent 
stehungsursache des Krebses nicht bakterieller 
Art sei. Der bakterielle Befund Dr. Brehmers 
ist von dem führenden Blutwrscher Professor 
v. Schilling-Berlin als solcher bestätigt wor 
den, allerdings wird die Frage, ob damit der 
Krebskeim gefunden wurde, offen gelassen. 
* * * 
Moskau läßt wieder vier fahrlässige Eiseu- 
p, bahnbcamte erschießen. 
Wie aus Moskau gemeldet wird, wurden 
wieder vier Eisenbahnbeamte, durch deren 
Fahrlässigkeit sich unlängst ein großes Unglück 
ereignet hat, zum Tode durch die Kugel ver 
urteilt. 
Folgen der Agrarkrise. 
Bei Kill in der Grafschaft Waterford im 
irischen Freistaat kam es wegen der Beschlag 
nahme von Vieh bei Steuerschuldnern zu 
einem Zusammenstoß zwischen 200 Farmern 
und 100 Polizisten. Die Farmer hatten allem 
Anschein nach mehrere Verletzte, die sie jedoch 
mit sich nahmen. 
Deutsche Flieger ehren Zwirko und Wigura. 
DNB. Warschau, 30. August. (Eig. Funk 
meldung.) Der Präsident des Deutschen Aero- 
Clubs, von Kahler, legte in Begleitung des 
Ozeanfliegers von Gronau und des stellver 
tretenden Militürattachees der deutschen Ge 
sandtschaft, Kinzel, am Grabe der polnischen 
Flieger Zwirko und Wigura einen Kranz nie 
der. Dem feierlichen Akt wohnten die Vertre 
ter des polnischen Luftfahrtwesens sowie des 
Zlero-Clubs bei. Präsident von Kühler wür 
digte in einer Ansprache die ritterlichen Tu 
genden der beiden Flieger, deren Namen auch 
in Deutschland unvergessen bleiben würden. 
Zwirko und Wigura waren die Sieger im 
Europarundflug 1932. Sie stürzten kurz nach 
Beendigung dieses Wettbewerbs im Septem 
ber 1932 auf einem Fluge nach Prag tödlich ab. 
Verzweiflung eines fast Hundertjährigen. 
In dem ostbulgarischen Dörfchen Bresna 
verübte ein 99jähriger Greis Selbstmord durch 
Erhängen. Der Alte war Junggeselle und be 
saß keine Verwandten. Man nimmt an, daß 
ihn Not und Verlassenheit zu seinem Ver- 
zweiflungsschritt getrieben haben. 
Zeppelinfahrt. Aus einer von der Hamburg- 
Amerika-Linie veröffentlichten Statistik geht 
hervor, daß mit „Graf Zeppelin" zwischen 
Europa und Südamerika 50 v. H. mehr Fahr 
gäste befördert worden sind, als im Vorjahre. 
Filmexpcdrtion ins Amazonasgebiet. 
DD. Rio de Janeiro, 29. August. Die ameri 
kanische Metro-Goldwyn-Maycr - Filmgesell 
schaft hat bei der brasilianischen Regierung um 
die Genehmigung einer Filmexpeöition nach 
gesucht, die im Gebiet des Rio Negro, des größ 
ten Nebenflusses des Amazonas, einen Natur 
film aufnehmen soll. Aus den Szenen soll spä 
ter in Hollywood ein Spielfilm hergestellt wer 
den. Der Staat hat seine Zustimmung erteilt, 
wird aber der Expedition verschiedene Fach 
leute mit auf den Weg geben, die ihre Arbeit 
kontrollieren werden. 
Achtung! 
■© 
Gin Tat-achenbrrîcht vs:r Nolarrd LLrunlr und Lr. Martin Rilrli. 
(23. Fortsetzung.) 
„Man muß Nischii sprechen!" sagt Mills und 
beobachtet durch McLeods Feldglas vorgehen 
de Japaner, die versuchen, längs der Stadt 
mauer ans Nordtor zu kommen. 
„Nischii?" Das ist doch der Divisionsgeneral, 
der mich nach meiner Verwundung bei Tschgo- 
jangssu im Juli so nett begrüßte! Nischii! Na 
türlich! Meine Verwundung ist die beste Vi 
sitenkarte für ein ausgiebiges Interview. 
Mills sieht Möglichkeiten. 
„Abends trachten wir ranzukommen. McLeod 
soll mal erkunden, wo der Stab steht!" 
Unweit unseres Quartiers ist ein japanischer 
Verbandsplatz, dort geht's hoch her. Wir gehen 
nach dem Essen, das McLeods Boy serviert, 
mal rüber. Die Aerzte sprechen alle deutsch, sie 
haben ihre Kunst in Deutschland studiert, die 
medizinischen Fakultäten Deutschlands sind in 
Japan hoch im Kurs. 
„Ville Bauckschusse!" sagt der Stabsarzt und 
steckt seine blutigen Gummihandschuhe in 
kochendes Wasser. Auf den Tragbahren längs 
der Wände der Hilfsstation, ein Büro der Kai- 
lan-Mining-Transportverwaltung, liegen die 
Jungens. Keiner stöhnt, das wäre unwürdig 
eines „buschi"! Sie leiden wortlos, immer noch 
kommen neue. Immer noch wimmern die Ex 
plosionen. 
„Na — bei den Chins sieht's ärger ans," 
meint Mills, und wir wissen, was er denkt. 
Drüben gibt es keine Aerzte, drüben krepieren, 
verbluten die armen Teufel ohne Hilfe, wer 
eventuell nach Peking abtransportiert werden 
kann, wird dort in stinkende, verdreckte Spi 
täler gepfercht, falls er nicht das unerhörte 
Glück hat, ins Rockefeller-Hospiz zu kommen. 
Beim Tee studieren wir die große Karte 
Noröchinas. Werden die Japaner jetzt an Je- 
hvl rangehen? Werden sie an der Großen 
Mauer stehenbleiben oder bis an die Verbo 
tene Stadt marschieren? Wenn ja, was werden 
die Gesandtschaften machen? 
„Ich muß Kabel heimschicken," sagt Mills, 
„ich brauche Nachrichten!" 
McLeod hat das Quartier der Japaner her 
ausgekriegt,' bei Dämmerung gehen wir rüber, 
um den ganzen Bahnhof rum, weit ab von der 
eigentlichen Kampffront, die aber trotzdem nur 
400 Meter vom Generalstab abliegt. Ueberall 
müssen wir Posten, Patrouillen passieren, die 
kleinen Leute sehen in ihren Pelzstiefeln und 
Kappen wie junge Bären aus, alle haben die 
„Jnfektionsklappe" vor den Mund gebunden. 
So haben wir das Zeug getauft, das wir zum 
ersten Male in Harbin sahen, als wir japani 
schen Truppen begegneten. Es ist Verbandstoff 
mit Watteeinlage, der mit Bändern hinter den 
Ohren befestigt wird und die Atmungswegc 
der gegen Kälte und Wind sehr empfindlichen 
Japaner schützt. 
Nischii lag mit seinem Stab im Ostteil der 
Bahnhäuser. Cr war mit Teilen seiner Divi 
sion zur Verstäikung aus Tschintschau gekom 
men tt.,1 telephoniern' eben mit Mukden, wo 
der Stab der Kwantuugàrmee gespannt au» 
Berichte wartete. Man war etwas erstaun», 
ausländische Berichterstatter hier zu sehen. Es 
schien, daß wir nicht sehr willkommen waren. 
Der Chef der Nachrichtenabteilung nahm sich 
schließlich unser an. Er sprach leidlich englisch 
und gab vorsichlig und zögernd Auskunft. Ein 
zelne Fragen Ntills ignorierte er, offensichtlich 
wollte man über Jehol und Peking nicht spre 
chen. Vielleicht waren sich die Herren hier vorne 
auch gar nicht klar, was hinten beschlossen war. 
Auffallend wartzdie Nervosität,' man schien bei 
den Chinesen drüben starken Widerstand zu 
erwarten, auch soll gerüchtweise bereits von 
Peking eine interalliierte Militärmission der 
Attaches unterwegs sein, was wir aber »ich» 
glauben, denn man ignoriert gerne, seitens des 
diplomatischen Korps die Dinge solange, wie 
es nur angeht. 
Der Major spricht ausschließlich über chine 
sische Maßnahmen. Demzufolge hat der Dritte 
Generalkongreß der dtationalpartei am 16. De 
zember in Nanking beschlossen, zwecks Rückge 
winnung der verlorenen mandschurischen Pro 
vinzeil den Truppen der Nordregierung, also 
Tschang, moralische Unterstützung in vollstem 
Maße zu gewähren und die antijapanische Agi 
tation verstärkt aufleben zu lassen. Das ist 
billig für Stanking. Tschang soll daraufhin in 
Jehol, in der Linie Lingyuan bis Schanhai- 
kuan Schützengräben mit Rückhaltstellungen 
geschaffen haben. Er konzentrierte seine Pe 
kingarmee an der Jeholgrenze und forderte 
den bis dahin schwankenden Gouverneur Je- 
hols, General Taug-Ziu-lin, auf, energisch und 
eindeutig gegen. Japan Stellung zu nehmen, 
wofür er dessen Truppen verproviantierte und 
ausrüstete. Japanischen Berichten zufolge stan 
den nun außer Tschangs Armee in Jehol ca. 
25 000 Mann Tang-An-lin-Truppen und nahe 
an der Strecke Mukden Schanhaikuan, also fast 
im Rücken der Japaner, die berühmten Frei 
willigenbanden Tschangs. 
„Und die Ursache der Schlacht da draußen?" 
fragt Mills. 
„Chinesische Soldaten haben, verhetzt von den 
Agenten Tschangs, die Kaserne der japanischen 
Gendarmerie angegriffen. Diese, verstärkt 
durch die Wache, also unsere kleine Vertrags- 
garnisou. har daraufhin den Distrikt beim Süd 
hafen Nangwan nach den Schuldigen durch 
sucht und ist ins Gefecht mit Tschangs Trup 
pen gekommen. Alles übrige ist eine logische 
Folge!" 
„Wie lveit werden diese Folgen gehen?" 
Der Major zuckt die Achseln. „Wir werden, 
friedliebend wie immer, Tschang ein Ultima 
tum stellen, seine Truppen in eine bestimmte 
Zone zurückzunehmen. Falls er uns noch wei 
ter bedroht, müßten wir zur Wahrung unserer 
Interessen eine neutrale Zone schaffen." 
Als wir schon gehen wollen, fügt er noch zu: 
„Die japanseindliche Verhetzung soll in 
Tientsin heute zu neuen Angriffen chinesischer 
Soldaten gegen unsere Konzession geführt ha 
ben. Tie Bvykottbewegung im Süden lebt 
ivieder aus!" 
Draußen, es ist sternenklar und kalt, sagt 
Mills: 
„Die gehen nach Peking!" 
Es knallt die ganze Nacht, es knallt den gan 
zen nächsten Tag, mit dem Morgenlicht kom 
men auch wieder die Flugzeuge, die Granaten 
der Kreuzer. Drei Tage und drei Nächte wum 
mern Tonnen Stahl und Ekrasit auf die alte 
Stadt herab. Da drin kann kein Stein mehr 
auf dem anderen stehen. Und Panadopoulos? 
Erst am 4. Januar konnten wir in die Stadt 
herein. Sie war ein rauchender Trümmerhau 
fen, die alten historischen Tempel weggefegt 
von Schiffsgeschützen, der.uralte Trommelturm 
zerschossen und von Brandbomben zerfressen. 
Zwischen den glimmenden Balken der Häuser 
längs der einstürzenden, durchlöcherten Stadt 
mauer herrscht Grabesruhe. Hunde knabbern 
an verbranntem Menschenfleisch, Gefallene 
liegen kreuz und quer auf den Straßen. Hoch 
darüber zieht ein Flugzeug seine Kreise wie 
ein Raubvogel, der nach den letzten Spuren 
von Leben sucht. 
Tschangs Truppen haben sich hinter den 
Taschi Ho, einen kleinen Fluß südlich der Stadt, 
zurückgezogen. Japanische Kavallerie besetzte 
den Tschiumenkou-Paß, die Pforte, durch wel 
che Peking seine Truppen unterstützte. 
Mills fuhr nach Mukden zurück, Panadopou 
los ist verschwunden, der Kampf steht, wird 
zumindest solange stehen, als diese bittere 
Kälte alles in lähmende Bande schlägt. Beider 
seits benützt man die Pause zum Vorbereiten 
auf den Endkampf. Ich muß jetzt nach Peking, 
dort sitzt man wie in einer Loge, während die 
Drahtzieher den Frühling erwarten. Dort lau 
fen jetzt die Fäden der Politik zusammen, und 
was Europa, Genf sagt, hört man auf den 
Tees der Gesandtschaften, beim Sonnabend- 
diner im Waggon Lits Hotel. 
(Fortjetzung folgt). 
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