Full text: Newspaper volume (1932, Bd. 4)

6d)5eswîg-Bolf{eînifd}e 
LanLsszeitung 
125. Jahrgang 
125. Jahrgang. 
Ecķiriştleitung und Geschästsstklle: Rendsburg. Dahnhofflratze >2/18 
Fernsprecher Nr 2551 — Telegramm-Anschrift: Tageblatt 
BczngSvreiS: Monatlich RM 1.75. zuzüglich 25 Pfg. Bestellgeld Bei Abholung 
NM. 1.80. — Ausgabe B mit Illustrierter Beilage RM 2.25, bei Abholung RM. 2.VL 
Einzelnummer 10 Pfennig, Sonnabends 15 Pfg. 
Vsnkkonren: Westhalfteinlsche Dank. Spar» mrd Leļh.Kafle. Bankverein A.»G WìrtîchaftsdanL. BeanrteņdanA, 
Schleswia-Lolştàisch- Bank. LandLredrtbanb A.-G ļn Rendsburg and Gemeinde-Sparkasse. Bûdàdorļ- 
PoMcdņk'Kantai fcatnfwre 1627JI LrfiMunasan «mb«bttto- 
Anzeigenpreis: Die 10 gespaltene Kolonelzeile 25 
Reklamen 125 H/. Zahlungsziel 14 Tage. 
FürAufnahme derAnzeigen an bestimmtenPläpen sowie 
in den oorgeschried. Nummern kann keine Gewähr über, 
nommen, eine Ersahpstichi od Haftung bei Nichteindaltg. 
derariiger Bestimmungen also nicht anerkannt werden. 
Be« Zohlungsnerzug -der Kontzne, entMllt der 
Antvrucd aus einen gewährten Anzeigen - Rabatt. 
Im Falle höherer Gewalt hat der Bezieher keinen 
Anspruch aus Lieferung oder Nachtieserung der 
Zeitung oder aus Rückzahlung de» Bezugspreise» 
SsmalMh. den 31. 
jyzr, tin Jahr örs Aebeegarrgs 
sche Volk des „autoritären" Führergedankens 
oder das klassische Volk der „Demokratie". Für 
beide Behauptungen liehen sich aus der 1000- 
jährigen Geschichte Deutschlands Beweise bei 
bringen. Sicher ist jedoch, daß dem deutschen 
Volkscharakter die freiwillige und freigewäsilte 
Gefolgschaft gegenüber dem Führer am ehesten 
entspricht. Diese freiwillige Gefolgschaft ist zu 
gleich ein gefühlsmäßig betontes Bekenntnis 
gegenüber der Führerpersönlichkeit als sol 
cher und der Welt, die er vertritt. Zu einer 
solchen Grundeinstellung steht der Parlamen 
tarismus im Sinne von Kompromiß und Koa 
lition in schroffem Widerspruch. 
So steht am Ende dieser Entwicklung heute 
ein System des Regierens, das sich in allen 
entscheidenden Regierungssra^en praktisch nur 
noch auf den Notstandsartikel 48 der Reichs 
verfassung stützt, wogegen der gewählten 
Volksvertretung nur noch die passive Rolle 
öes nachträglichen „Nichtablehnens" in sach 
licher und des „Tolerierens" in persönlicher 
Hinsicht gegenüber der Regierung übrig bleibt, 
wenn sie nicht Gefahr laufen will, aufgelöst 
und immer wieder aufgelöst zu werden. Ein 
Zustand, der von der überwältigenden Mehr 
heit des Volkes auch nur als Not- und Zwr- 
schenzustand angesehen wird, wogegen die 
Verfassung des Deutschen Reiches nach einer 
Reform geradezu schreit. In welcher Richtung 
diese Reform gehen wird, wie weit mit ande 
ren Worten, sei es die normale Fortentwick 
lung, sei es die Tat des Regierenden einmal 
den Anstoß geben wird, wenn nicht gewalt 
same Ereignisse die Entscheidung bringen sol 
len, ist heute noch nicht zu übersehen. Sicher ist 
nur: der Parlamentarismus in dem Sinne, 
daß eine mehr oder weniger anonyme Koali- 
tionsmehrheit eine Regierung herausstellt und 
von sich abhängig hält, hat sich sowohl aus 
allgemeinen Gründen der sicherlich noch län 
ger fortbestehenden nationalen und inter 
nationalen Notzeit, aber auch aus Gründen 
des Nationalcharakters für das deutsche Volk 
als unmöglich erwiesen. Das ist eine Erkennt 
nis, mit der das Jahr 1932, ein Jahr des 
Uebergangs, im ungewissen Zwielicht 
k o m m e n d e r Entscheidungen ab 
schließt. 
ķàrrkrn zur Jahreswende 
zuprüfen juchte, der infolgedessen aber nie — oder 
wenigstens immer zu spät — zu dein Entschluß 
kam. Und vor allem, er hatte sich in eine Elends- 
stiminung hineingearbeitet, die ihm selbst jede Zu 
versicht raubte, die ihm aber auch die Kraft nahm, 
anderen den Glauben an eine Besserung zu geben 
Was wir also brauchten, war eine Art Coueismus 
auf politischem wie auf wirtschaftlichem Gebiet. 
Dafür hat Herr vou Papen gesorgt, der das Steuer 
im richtigen Augenblick um volle neunzig Grad 
herumwarf und damit zunächst wenigstens das 
weitere Abgleiten verhinderte. Es wird sein blei 
bendes Verdienst sein, daß er mit frischem Wage 
mut an die Dinge herangegangen ist und zunächst 
einmal auch auf psychologischem Gebiet die Mög 
lichkeit eines Wiederaufstiegs vorbereitet hat. Er 
ist gefallen, weil er zuviel vom Kavalleristen in 
sich hat, der die W i d e r st ä n d e u n t e r schätzt 
und ebensowenig wie Brüning, dem Nationalsozi 
alismus durch positiven Einsatz für den Staat die 
Chancen der vollem Verantwortung zu geben be 
reit war, trotzdem eine Mandatszahl von 230 Ab 
geordneten ihm eine diesbezügliche Verpflichtung 
in gewissem Sinne auferlegte. Warum will man 
Hitler nicht eine Verantwortung übertragen, 
die er zu übernehmen willens ist? Bkit dieser 
höchst aktuellen Frage schließt das alte, beginnt 
innenpolitisch das neue Jahr. 
bewältigen. Die Rücksicht auf das Kompromiß, 
die das Kennzeichen von Koalitionen und der 
von Koalitionen ausgehandelten Regierungen 
ist, erwies sich immer dann als eine geradezu 
tödliche Schwäche, wenn es sich darum han 
delte, im Interesse des Landes Entschlüsse zu 
fassen, die weder Kompromiß noch Anfschub 
dulden. 
Abgesehen von diesen Grundschwierigkeiten, 
die in der Krisenlage der Welt überhaupt be 
gründet sind, sind die jeweiligen Natioual- 
charakterc zu verschieden, als daß sich die Ein- 
sorm eines einzigen Regierungssystems in der 
gesamten Welt verwirklichen ließe. Zudem ist 
es ein Irrglaube, zu meinen, daß die Uni 
formität der parlamentarischen Regieruungs- 
systeme die Friedlichkeit internationaler Be 
ziehungen verbürge. Wenn der vierjährige 
Weltkrieg gegen die europäischen Zentral 
mächte im Namen der westlichen Demokratie 
einschließlich Nordamerikas geführt worden 
ist, so haben 14 Jahre friedelosester Nach 
kriegszeit trotz Demokratie und Völkerbund 
bewiesen, daß dieser Kreuzzug eine mehr oder 
weniger bewußte Unwahrheit war. 
wie auf sozialem Gebiet durchschüttelt werden und 
an seelischen Eindrücken, aber auch an tatsächlichem 
als unsere Eltern in einem Menschenalter. Man 
konnte in den Jahren nach dem Kriege sehr oft den 
Eindruck gewinnen, daß die Charakterstärke dem 
deutschen Volke verloren gegangen sei. Wir waren 
im Abrutschen und hatten kaum mehr den Mut. 
uns dagegen zu wehren. Von oben her fand sich die 
Negierung mit der müden Resignation des Fata 
lismus m das Schicksal, von unten her das Volk 
mit stoischer Verzweiflung. Es ist das unbestreit 
bare Verdienst der Nationalsozialisten, daß sie diese 
geistige Stumpfheit durchbrochen, das Volk wie 
der wachgerüttelt und damit Voraussetzungen für 
den Cesundungsprozeß geschaffen haben. Es ist 
aber gleichzeitig die Tragik unserer Politik, daß 
die Regierung mit dieser wieder erwachenden na 
tionalen Widerstandskraft nichts anzufangen 
wußte, daß sie es vor allem nicht verstand, sie 
rechtzeitig aus der Gefahr der Negation zu be 
freien linb in d i e aktive Verantwort 
lichkeit einzuschalten. In der Tragik die 
ser Gegensätze stehen wir an der Wende des 
Jahres, und sie wird auch die nächsten Wochen be 
herrschen und deutsches politisches Schicksal weit 
gehend mitbestimmen. 
Im Deutschen Reich, das im Jahre 1919 als 
Republik iu seine Verfassung entscheidende 
Bestandteile der in Westeuropa üblichen par 
lamentarischen Regierungsform übernahm, ist 
die Frage der dem deutschen Nationalcharakter 
gemäßesten Staatsform noch immer hart um 
stritten. Die Tatsache dieser Umstrittenheit 
allein ist aber Beweis genug, daß jedenfalls 
der in der Weimarer Verfassung nach Sinn 
und Geist gewollte und lange Jahre geübte 
Parlamentarismus von weitesten Kreisen 
nicht als geeignete Negierungsform empfun 
den wird. Darin offenbart sich eine rein inner 
deutsche Krise des Parlamentarismus, die ihre 
besonderen, dem Nationalcharakter entstam 
mende Gründe hat. Es genügt nicht, wenn 
man sagen wollte, Deutschland sei das klassi- 
Weltwirtschaftskrise — Krise der friedlichen 
Beziehungen der Länder untereinander — 
Krise des Abrüstungsgedankens, des Völker 
bundes — gibt cs auch eine Weltkrise des 
Parlamentarismus? Tic Frage ist nicht mit 
einem einfachen Ja oder Nein zu beant 
worten. Sicher aber ist, daß die Schwierig 
keiten, auf die das „Parlamentarismus" ge 
nannte Regierungssystem in fast allen zivili 
sierten Staaten der Welt stößt, eng mit den 
allgemeinen wirtschaftlichen und sonstigen 
Krisenerscheinungen zusammenhängen. Ucber- 
all, wo solche Schwierigkeiten auftauchten, hat 
es sich erwiesen, daß koalitionsgebundene 
Regierungen nicht in der Lage waren, sie zu 
Wahlen, die wir im vergangenen Jahr erbeb 
ten — ?ivei Präsidentenwahlen, zwei Reichstags- 
wahlen und in fast allen Ländern dazu noch eine 
Landtagswahl , hat es sich immer um das eine 
Problem gedreht, wie sich der Staat zum Natio 
nalsozialismus stellen soll. Brüning ist daran 
gescheitert, Papen ist, wenn auch aus entgegen 
gesetzten Gründen, daran gescheitert, und Schlei 
cher versucht jetzt von einer ganz anderen Ebene 
her, die Ausgabe Zu bewältigen, ohne irgendwelche 
Sicherheit, daß er nun den echten Ring gefunden 
hat. Brüning. Papen, Schleicher, drei Menschen 
ganz verschiedener Prägung in ihrem Charakter 
und auch in ihren Methoden. Brüning versuchte, 
dem Parlament gegenüber sein Ziel zi, erreichen, 
in dem er ein E u m m i b a n d über den Weg 
spannte, das sich aber zuletzt nicht als stark genug 
erwies, um dem Ueberwuchern des Parlamenta 
rismus hinreichend Hemmungen entgegenzusetzen. 
Herr von Papen versuchte es mit einer Granit- 
mauer, die zwar den Stoß aushielt, aber nur, 
um ihn mit voller Kraft gegen den Maurermeister 
abzulenken. Herr von Schleicher endlich verzichtete 
auf jede Barriere, er steht an der Straße und 
redet den Parteien mit Versprechun 
gen g u t z u , um sie dadurch von dem Betreten 
des gefährlichen Gebiets abzuhalten. Eine Taktik, 
die ihre Reize, aber auch ihre Fallstricke in sich 
birgt. 
Das rrrrre Jahr in btt Imt btt ļnllchei-rmg 
Was tmatitn Sie vsm Jahre ĢZ?" — Ķrttwo 
Zone der Entscheidung eine ganz bp 
sondere Bedeutung beimißt. # 
wieder rundet sich ein Jahr, und ein neues 
'"cht ans dem Schoße der Zeiten herauf, 
unkel umgibt die Schicksale, welche das Jahr 
' I "ft. Brennend heiß aber ist aller 
", daß es im neuen 
1933 bereithält. f~ 
guten Deutschen Wunsch, 
Jahre glücke, das Aergste 
und Sorgen zu überwinden, vor allem mit 
.e st e m entschlossenen Griff die 
Hauptaufgabe der Arbeitsbeschaffung zu för 
dern, damit Millionen darbender Volksgenos 
sen wieder ein Lichtblick zuteil wird. Still und 
zurückgezogen, allein mit ihren Gedanken und 
Ucberlegungcn, werden die einen die Jahres- 
wende verbringen, andere zu Silvester der 
Fraktionsführer 
und 
Jahreswechsel. 
Der Parlamentsdienst der Telegraphen-Union hat 
an die Vorsitzenden der Reichstagsfraktionen die 
Umfrage gerichtet „Was erwarten Sie vom Jahre 
1933?". Er hat daraus eine Reihe bemerkenswerter 
Antworten erhalten, die wir nachfolgend in Stich 
worten andeuten. 
Staalsminister a. D. Dr. Frick (NSDAP.) spricht 
die Erwartung ans, daß im neuen Jahre die deutsche 
Freiheitsbewegung vor den Reichskarren gespannt 
und ihrem Führer Adolf Hitler das Steuer anver 
traut werde. 
Abgeordneter Dr. Oberfohren (Dntl) erwartet 
eine Selbstbesinnung der Wählerschaft mit dem 
Ziele, daß es endlich wieder als eine Ehre angesehen 
werden könne, Mitglied eines deutschen Parlaments 
zu sein. 
Abgeordneter Dingeldey (DVP.) wünscht die 
Durchsetzung des Gedankens der Wehrgleichheit, die 
endgültige Erledigung der internationalen Schul- 
denfrage, eine starke, von Tagesströmungen unab 
hängige Staatsführung und einen auf dem Ge 
danken der Volksgemeinschaft beruhenden Umbau 
der Verfassung. 
Geselligkeit als Ausdruck des Lebensmutes 
huldigen. Alle werden über ihren Kreis hin- 
Es hat vor Jahren einmal eine sehr geistreiche 
Auseinandersetzung zwischen Stresemann und 
Rathenau gegeben um die Frage, ob die Politik 
oder die Wirtschaft unter Schicksal bestimmten. Für 
solche Doktorfragen fehlt uns heute das rechte Ver 
ständnis. Die Dinge sind auch seither zu eng mit 
einander verflochten, als daß cs genügte, von einer 
Seite her anzugreifen. Der Hebel muß an beiden 
Stellen gleichzeitig angesetzt werden. Wir brauchen 
in der Politik ein rasches Zupacken, das der 
Entscheidung nicht ausweicht, dabei aber doch di? 
Verbindung mit dem Volk nicht ver 
liert: und wir brauchen in der Wirtschaft 
Ruhe, damit die Ansätze einer Besserung, die sick> 
überall zeigen, sich zu entwickeln vermögen. Auch 
hier haben wir immer noch unter der Erbschaft 
der Aera Brüning zu leiden. Brüning war sicher 
lich ein Mann, der mit seiner Aufgabe schwer rang 
vor der Entscheidung alle Möglichkeiten durch 
aus auch an Deutschland denken. 
Erwartungen, Wünsche und Hoffnungen 
liegen, wie sich aus folgenden Berichten er 
gibt, zum Jahreswechsel ans dem poli 
tischen Leben vor. Wann nach dem Adagio 
zwischen Weihnachten und Januar ein leb 
hafter Neuanstakt in der i n n e r c n P o l i t i k 
beginnen wird, ist nicht genau zu sagen. Doch 
werden wohl schon die ersten Wochen des 
neuen Jahres größere Gewißheit bringen. Bei 
politischen Erwägungen ist nicht ZN vergessen, 
daß wir nicht allein inner-, .sondern auch 
inner. 
a u ß e n p p l i t i s ch noch im Kampfe stehen: 
es sei z. V., worüber sich Nadolny heute näher 
ausläßt, an Deutschlands Kamps in der Ab- 
rüstungsfrage erinnert. Man dürfte nicht zu 
viel sagen, wenn man dem Jahre 1933 in der
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.