Full text: Newspaper volume (1932, Bd. 4)

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125. Jahrgang. 
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MimM, hm 28. Seiember 
Nerchsiag mb fmbtmit 
3n Erwartung der Entscheidung 
Beiderseits der Adria. 
kriegsangft im Süöostm. 
In letzter Zeit wurde verschiedentlich über die 
italienisch-südslawische Spannung berichtet,/ die 
Streitpunkte an der dalmatischen Küste betrifft. 
Diese Spannung im Verein mit Kontroversen 
zwischen andreren Staaten wirkt sich aus den gan 
zen europäischen Südosten, insonderheit den 
Balkan, aus. Ueber die dort zunehmende 
Kriegsangst und die friedenbedrohenden Zusam 
menhänge berichtet der Balkanvertreter des H. F. 
das Folgende: 
Wer um Weihnachten mit politischen Kreisen 
der Südoststaaten in Fühlung stand, roird zugeben, 
daß überall auf dem Balkan und in seinen Nach 
bargebieten eine Kriegsangst festzustellen ist. wie 
sie feit Jahren nicht mehr spürbar war. Es fällt 
nicht schwer, in Gesprächen die Faktoren zu fin 
den. ans denen sich dieses unerfreuliche Ergebnis 
zusammensetzt, es gibt kaum eine Familie, kaum 
ein Geschäft, kaum ein amtliches Büro, in denen 
nicht von ihnen gesprochen wird: Der heftig ge 
wordene Gegensatz zwischen Slldslawicn und 
Italien, der nicht minder heftige zwischen 
Bulgarien und S ll d s l a w i e n , der Revisi 
onskampf zwischen Rumänien und Ungarn, 
dix Rüstungen Südslarviens, die Generalstabskon 
ferenz der Kleinen E n t e n t e in Belgrad, die 
außerordentliche Konferenz dieses Verbandes int 
Dezember — das sind die Teile, aus denen erregte 
Herzen sich die Kriegsangst zusammengezimmert 
haben. 
Kein Zweifel, daß übertrieben wird: aber auch 
kein Zweifel, daß die Reden, die auf beiden Ufern 
der Adria gehalten worden sind, an Schärfe 
kaum etwas zu wünschen übrig ließen, daß die 
letzte Grenzverletzungsnote Belgrads nach Sofia 
ebenfalls alles andere als gutnachbarlichen Tones 
war, ^ daß die ungarnfeindlichen Ausschreitungen 
in Siebenbürgen nicht gerade erfreulich anmuten. 
Bildet alles dies schon die Atmosphäre, aus der 
ein Krieg entstehen kann? Will jemand hier den 
Krieg? 
Kroatische Fanatiker, denen alles, was Belgrad 
tut oder läßt, ein Dorn im Auge ist. behaupten, 
man wolle in „Serbien" den Krieg gegen Italien: 
man wolle ihn. um die militärischen Sehnsüchte 
nach dem Besitz von Fiume und T r i e st. m be 
friedigen, und man walle ihn, weil er ein Mittel 
wäre, den Staat zu einigen, die Gegensätze zwi 
schen den Stämmen zu überbrücken. Serbische Pa- 
trioten wiederum meinen das Gegenteil. Richt in 
Afrika wolle sich Italien Land holen sondern auf 
dem Balkan, uno es heiße, diesen Wünschen ge 
wappnet gegenüberzustehen, daher müsie mau 
rüsten, sich stärken, durch Konferenzen feststellen, 
wo die Freunde im Falle eines solchen Konfliktes 
stehen — aber es scheint, daß mindestens die Mi- 
nisterkonferenz der Kleinen Entente nicht erwie 
sen hat, daß man sich gerade bei vielem Konflikt 
auf die Freunde in Prag und Bukarest ver- 
üampf um öerr ReichshaushM. — MgesxmWS rrkksrimg sw Màmmî vrxsmMch erst 
irr öer rweiim HLîşiê öss MmmrS. — Schtticher mb HM§r. 
Die Tatsache, daß der Aeltestenrat des sen, die Regierung von sich aus keinen Schritt Parlaments könne man sich keinen besonderen Erst 
Reichstages erst am Mittwoch, dem 4. Januar, tun, unr die Fühlungnahme mit Adolf Hitler versprechen. Wenn jedoch der Reichstag dara 
zusammentritt, wird in politischen Kreisen als wieder aufzunehmen. Der Weg über dritte Wert legen sollte, schon in den ersten Ianuartag 
Anzeichen dafür gewertet, daß man versucht, sei aber nach wie vor vorhanden. Man dürfe zusammenzutreten, so würde die Reichsregierui 
es nicht sofort zum parlamentarischen Bruch wohl annehmen, daß der Reichskanzler sich keine Schwierigkeiten machen, jedoch verlangen, d 
kommen zu lassen und, zunächst wenigstens, dabei nicht nur als passive Natur erweisen bann der Reichstag sofort und eindeutig für od 
keine Zwischenfälle ereignen, so würde mut 
maßlich die Regiernngserklärnng im Reichs 
tage etwa um den 17. Januar herum abgege 
ben werden. Die zweite Hälfte des Januars 
wäre damit der äußerste Termin, zu dem die 
Reichstagsparteien offiziell zum Kabinett 
Schleicher Stellung zu nehmen hätten. 
Die Meldung, wonach die Reichsregierung 
beabsichtige, den neuen Reichshaushalt durch 
Notverordnung in Kraft zu setzen, eilt zum 
mindesten den Tatsachen insofern voraus, 
als die Reichsregierung gewillt ist, den Haus 
halt auf dem ordnungsmäßigen Wege zu ver 
abschieden. Ob dies möglich ist, hängt angeb 
lich nicht von ihr ab, sondern von der Stel 
lungnahme der Parteien. Eine vorzeitige 
Konfliktmöglichkeit bildet der von dem Vor 
sitzenden Kommunisten Torgier bereits für 
den 10. Januar einberufene Hanshaltsaus 
schuß des Reichstages. Die Einberufung er 
folgte, obwohl der Finanzminister hatte mit 
teilen lassen, daß er zu diesem Zeitpunkt den 
geforderten genauen Aufschluß über den 
Stand der Reichsfinanzen und über den 
Haushalt noch nicht werde geben können. Der 
Reichsfinanzmittister wird sich bemühen, den 
Wünschen des Haushaltsausschusses so früh 
zeitig wie möglich Rechnung zu tragen, und 
jedenfalls von sich aus keinen Konflikt mit 
dem Ausschuß suchen. Es ist nicht ausgeschlos 
sen, daß er dem Ausschuß wenigstens einen 
vorläufigen Bericht erstattet oder erstatten 
läßt. 
Was die Haltung der NSDAP, gegenüber 
benr Kabinett Schleicher angeht, so hat sich an 
ihrer grundsätzlichen Opposition bisher nichts 
geändert. Es. sei. so meint die T. U.. auch 
nicht anzunehmen, daß der „Fall Straß er", 
über den nach Ablauf des Straßer von Hitler 
erteilten dreiwöchigen Urlaubs am 2g. Dezem 
ber eigentlich irgendeine Entscheidung fallen 
müßte, die Haltung der NSDAP, zu Gunsten 
der Regierung beeinflussen werde. 
Die Kriegsgreuelmärchen 
in einer dänischen Wochenzeitung. 
in Kopenhagen. 
Kürzlich wurde von uns Verwahrung ein 
gelegt gegen Veröffentlichungen einer Kopcn- 
hagener Wochenschrift, die Memoiren einer 
Spionin darstellen sollen und in sensationeller 
Aufmachung die sattsam bekannten, beleidi 
genden Greuelmärchen über das Verhal 
ten deutscher Soldaten gegen die belgi 
sche Zivilbevölkerung im Kriege wiederholten. 
Dazu erfahren wir jetzt, daß sich der deutsche 
Gesandte in Dänemark, Freiherr v o n R i ch t - 
Hofen, nach Bekanntwerden der bewußten 
Veröffentlichung sofort an die zuständige amt 
liche dänische Stelle sowie an die betreffende 
Zeitung — sie erscheint im Verlag der „Ber- 
lingske Tidende" — beschwerdeführend 
gewandt hat. Die Veröffentlichung ist in 
Romanform gehalten, und der Roman selbst 
scheint aus einer englischen Zeitschrift 
übernommen worden zu sein und schon viele 
Jahre zurückzuliegen. 
Der Verlag hat die Zusicherung gegeben, daß 
bei Fortsetzung der Publikation Stellen, die 
für Deutschland kränk-end sind, ge st ri 
ch e n würden. Ter Roman erscheint jetzt stark 
gekürzt und enthält, soweit sich bisher über 
sehen ließ, nichts mehr, was zu beanstanden 
wäre. 
Bemerkenswert ist im übrigen, daß dem be 
treffenden Kopenhagener Verlag, wie wir 
weiter hören, eine überaus große Zahl Be 
schwerdebriese aus dänischen Kreisen zuge 
gangen ist. Das wird man deutscherseits mit 
*"iw m-merken. 
Die bisherige Haltung der Nationalsoziali 
sten lasse, so heißt es in der nationalsozialisti 
schen Presse, keinen Zweifel über ihre aktive 
Gegnerschaft gegen das Kabinett Schleicher zu. 
Zu dem Gerücht, daß während der Weihnachts- 
feiertage neue Verhandlungen zwischen dem 
Reichskanzler von Schleicher und Adolf Hitler 
stattgefunden hätten, hört das Nachrichtenbüro 
des BDZ. aus nationalsozialistischen Kreisen, 
daß diese Tatsache schon deshalb den Tatsachen 
nicht entsprechen könne, weil Hitler während 
der Weihnachtsfeiertage in den bayerischen 
Bergen weilte, während der Reichskanzler sich 
in Berlin aufgehalten habe. Von Berliner 
zuständigen Stellen wird erklärt, daß von 
abermaligen Verhandlungen zwischen dem 
Reichskanzler und Hitler nichts bekannt sei. 
Der „Deutsche", das Blatt der Christlichen Ge 
werkschaften, teilt mit, daß die Reichsregierung das 
Bestreben zeige, den Reichstag so früh wie möglich 
zusammentreten zu lassen, weil ste eine schnelle 
entscheidende Klärung der innerpolitischen Verhält 
niße erstrebe Demgegenüber verlautet, daß die Dar 
stellung des „Deutschen" nicht ganz den Aufsaffun- 
şi ket Reichsregierung entspreche. Die Regierung 
wünsche, ungestört ihre gesetzgeberische Arbeit im 
Einvernehmen mit den Parteien durchführen zu 
können. Don einer allzuschnellen Einberufung des 
Aenderung der Miltelinstanz im Schulwesen, 
In politischen Kreisen Berlins glaubt man, 
daß ein Zusammentritt des Reichstages am 
9 oder 10. Januar nicht in Frage kommt, son 
dern daß man in jedem Fall den Versuch ma 
chen wird, die entscheidenden Kampftage bis 
zur Mitte des Januars, ja möglichst über 
diese hinweg, zu vertagen. Man betont dabei, 
daß eine so späte Einberufung mit den inter 
nationalen Konferenzvcrpslichtnngen kaum in 
Widerspruch kommen könne. Das Büro der 
Abrüstungskonferenz tritt zwar bereits am 
23. Januar in Genf zusammen. Die eigent 
liche Abrüstungskonferenz wird aber kaum 
vor Ansang Februar beginnen. Bis zu diesem 
Zeitpunkt hätte man genügend Spielraum, um 
die Entscheidung im Inneren Deutschlands 
herbeizuführen. 
Wie diese Entscheidung letztlich aussehen 
wird, ist im Augenblick immer noch nicht zu 
sagen. Der Anti-Schleicher-Kurs der NSDAP, 
und ihres nur aus wenigen Männern be 
stehenden Führergremiums hat bisher noch 
keiner anderen Einstellung Platz gemacht. 
Man möchte jedoch in politischen Kreisen nicht 
daran glauben, daß die offene Feldschlacht 
zwischen dem Reichskanzler und der NSDAP, 
tut Parlament ohne den Versuch vorheriger 
Neuveryandlungen zum Austrag kommt. 
Zwar werde, so will ein Nachrichtenbüro wis- 
Zwischenbemerkung. 
Man muß noch kurz zurückkommen auf die 
von der belgischen Behörde ausgerechnet am 
Heiligen Abend verfügte A us w e i s u n g ei 
nes katholischen Geistlichen aus Euven dem 
Hauptplatz jenes Belgien einverleibten ehe 
mals rheinischen Grenzgebietes, Der ausge 
wiesene Kaplan Gilles war Führer eines 
Jünglingsvereins und dem Vernehmen nach 
in Eupen recht beliebt. 
Die Landesverweisung, die als deutsch 
feindliche Maßregel zu werten ist, er 
folgte am gleichen Tage, an dessen Morgen der 
Papst in einer Rundfunkrede den Regierun 
gen der Völker ins Gewissen redete, anş Ge 
rechtigkeit, Nächstenliebe und Friede bedacht 
zu sein. Diese päpstliche Weihnachtsbotschaft 
scheint aus die Regierung des als katholisch 
geltenden Landes Belgien nur kehr geringen 
Eindruck gemacht zu haben, ob'chvn sich der 
Papst der Natur der Sache nach in erster Linie 
an die katholische Welt gewandt hat, 
Tie Brüsseler Regierung legt mit dem Fall 
keine Ehre ein. Er paßt schlecht zum 
weihnachtlichen „Friede auf Erden", Es dart 
angenommen werden, daß sich die deutsche Re 
gieruna der Angelegenheit annimmt. 
ZWàMZmUcher Amrochn. 
In Preußen hat über Nacht der Umban der Mittel 
instanz des Schulwesens eine erhöhte Bedeutung ge 
wonnen. Der Abbau von führenden Persönlichkeiten 
der ProvinzialschulkoNegien droht Protest zu entfesseln, 
der dem bei der Zusammenlegung der Landkreise be 
obachteten ähnlich ist. Man wird jedoch mit seinem 
Urteil solange zurückhalten müssen, bis wirklich alle 
Namen der zur Disposition gestellten oder abgebauten 
höheren Beamten veröffentlicht sind. Vorläufig spreren 
bei der Beurteilung politische Animositäten eine allzu 
große Rolle. Das Kultusministerium versichert, daß an 
eine völlige Beseitigung sozialdemokratischer Oberschul 
räte und Oberstudienräte keineswegs gedacht sei. Die 
Maßnahmen hielten sich auf überparteilicher Grund 
lage. Sie bildeten den letzten Schritt jener Umgrup 
pierung in den preußischen Mittelinstanzen, der auf 
den anderen Gebieten bereits endgültig vollzogen sei. 
tungsvereinfachung in der Mittelinstanz, in der vor 
gesehen sei, daß die Provinzialschulkollcgien den Ober 
präsidien unterstellt würden. Die entsprechenden Spar 
maßnahmen sollten jetzt zur Durstführung gelangen. 
Noch vor dem 1. Januar würde den in Frage kommen 
den Beamten die Persorialveränderung zugestellt wer 
den, Die Veröffentlichung der Personalveränderungen 
erfolge erst, wenn die Betroffenen in Kenntnis gesetzt 
seien. Die Darstellung, daß lediglich sozialdemokratische 
Beamte abgebaut und andere an deren Stelle treten 
sollten, sei falsch Es würden selbstverständlich außer 
sozialdemokratischen Beamten auch. politisch anders 
denkende Beamten betroffen werden. 
In einem Aufruf des Stahlhelmführers 
Seldte zur Jahreswende wird das Jahr 1933 
E n t s ch e i d u n g s j a h r bezeichnet: Jetzt 
rücke, sagt Seldte, die Zeit des Einsatzes der 
nationalen Kräfte in Deutschland heran. 
Zu der Meldung des „Vorwärts" über Personalver- 
ändernngen innerhalb der Schulverwaltung wird von 
zuständiger Stelle noch mitgeteilt, es handele sich um 
die Ausführung der Verordnung über die Verwal- 
Dic schwedische Regierung will 200 Milli 
onen Kronen für Notstandsarbeiten 
aufwenden.
	        
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