Full text: Newspaper volume (1932, Bd. 4)

Der völlig umgebaute Rennwagen „Blauer 
Vogel" des englischen Weltrekordinanncs 
Campbell (rechts-», der jetzt mit einem 2500 
PS. starkem Rolls Royos ausgerüstet wurde. 
Campbell hofft, mit dem Motoren-Ungetüm 
eine Geschwindigkeit von 300 Stundenmeileu 
.. Blick auf die Stadt Glatz mit ihrer hochgelegenen Festung, 
von Friedrich dem Großen angelegt wurde. Da das Innere der alten Wehranlage 
^ehr und mehr in Verfall geraten ist, soll die Festung jetzt einer gründlichen Erneue 
rung unterzogen und unter dem Namen „Friedrichsfeste" zu einem Wahr- 
«erchcn des Ostens umgestaltet werden. Am Gcburts- und Sterbetag des großen 
Preußenkönigs sollen Festspiele 
gleich 483 Stundenkilometern zu erreichen. 
deutsche- 
Mehr als Sie von einem Gerät dieser Preislage erwarten können. Er ist mit allen Neuerungen 
der Funktechnik ausgestattet, spielend leicht empfängt er alle maßgebenden Stationen Europas 
— also kein Ortsempfänger —, und der eingebaute 5elektionskreis ermöglicht die absolute 
Ausschaltung des Ortssenders. Geeichte Skala. Alle diese Vorzüge und nicht zuletzt die fabel 
hafte Tonfülle und Klangschönheit des dyncsmisclten Lautsprechers begeistern seine Besitzer. 
Sein Preis? Sie werden es kaum glauben - er kostet einschließ!. Röhren und dynarri. Lautsprecher 
nur RM. 143.-, für Gleichstrom RM. 155,- Mendo, die führenden Radiowerke. Belegschaft mehr als 2000 Personen 
Berliner Chronik. 
Kunst mb Brot. 
Nachklänge zur Hauptmann-Feier. — Schlechte Regie. —Der Tenor im Sportpalast 
Lessing noch immer in Geldnöten. 
Wenn in alten Zeiten das Volk murrte, ver 
suchte man es mit zwei Mitteln zu befriedigen: 
îudem man seinen Hunger vorübergehend stillte, 
und indem man etwas zu seiner Zerstreuung tat. 
-Brat und Zirkusspiele" war die bewährte For- 
Ulel, die die Römer zuerst anwendeten. Die gute 
vlts Zeit ist dahin. Wenn das Volk murrt, wird 
mit Notverordnungen und Eondergerichten be 
ruhigt, und an Zirkusspiele denkt niemand mehr. 
Nur manchmal besinnt sich die Obrigkeit auf ihre 
chflicht, UNS sowohl zu erheben wie zu amüsieren. 
-3um Beispiel, wenn ein berühmter Dichter 70 
Bahre alt wird. Nun sind zwar die Geburtstags- 
oterlichkeiten für Gerhart Hauptmann, die uns 
oit einem guten halben Jahr in Atem halten, bei 
nahe abgeschlossen,' aber bei dem außerordentlichen 
Erfolg, den dieser E-eburtstag in Berlin hatte, 
^ird man ihn gewiß um eine Woche verlängern. 
Şo bald gibt es solche schöne Einmütigkeit und so 
uiel Ernst, Komik, Freude und Acrger in buntem 
Kranze nicht wieder. Daran soll man sich noch ein 
Weilchen ergötzen. 
Manchmal war es im Verlauf dieses Festes ganz 
K wie in einer der großen Komödien des Dichters. 
Wenn mit ihren Glückwünschen die Vertreter jener 
^ŗeise antraten, die Hauptmann selber unsterblich 
Setnacht hat, wenn sich zum Dankeswort an ihn die 
Kister einfanden, deren Vorläufer er unbarm 
herzig entlarvt hat, und wenn sich im Wettlauf 
^ie^feindlichen Minister mit der gleichen Medaille 
^înfanden, dann schien es, als wäre es ein Stück 
?un ihm. Aber auch die Gestalt des Mannes hat 
'u diesem Trubel nicht an Würde gewonnen. Man 
staunte, wie er, ein zweiter Nurmi, es fertigbrach- 
sa. an einem Abend in drei Bühnenhäusern die 
Ovationen der Berliner entgegenzunehmen, und 
^«lleicht dachte mancher dabei an einen anderen 
Rosien Dichter unserer Tage, an den Norweger 
stnut Hamsun, der sich an seinem Jubiläumstage 
vr die Berge zurückgezogen hatte, unauffindbar für 
^le Huldigungs- und Ecnsationslustigen. 
Das Volk hielt sich fern. Es war ein Schauspiel 
oir die Wenigen, die sich das noch leisten können; 
^icht für die Helden der „Weber", des „Biberpelz" 
Md der anderen Stricke, die dem Dichter seine so- 
isale Prägung verliehen. Wohl trat er auch vor 
uie studierende Jugend, indes nur d i e Studenten 
Eilten an der Feier teilnehmen, die den Eintritts- 
stîeis in die Aula der Universität aufbringen. Da- 
uai kam es zu einem ordentlichen Krach, und dies 
mal roar das Motiv, im Gegensatz zu den sonstigen 
Universitätsunruhen, durchaus verständlich. Hier 
^lrg eine unfähige und unpsychologisch« Regie die 
schuld an der Störung, während es in einem an- 
ŗ^ken Fall, bei der Feier, welche die Herren Kol 
ken dem Dichter gaben, die Tücke des Objekts 
die sich unliebsam einmischte. Ein bekannter 
^hvaterkritiker hielt die Festrede. Sie war nicht, 
Uste seine literarischen Produkte sonst, satzweise 
^Martert; dafür handelte sie durchweg von der 
Uursönlichkeit des Redners. Die Zuhörer wurden 
'"tmer unruhiger und ein technischer Glücksfall 
^rhinderte einen Skandal. Der Schallverstärker, 
4^ im Saal angebracht war, übernahm die Rolle 
7^ Kritik und ließ unentwegt ein schrilles Pfei- 
' e,t ertönen. Man atmete auf. Und als dis Stö- 
— Die schwere Hand der Stars. 
rung endlich beseitigt war, war auch der Monolog 
zu Ende. 
Unterdessen verschaffte sich -das Volk Berlins 
seine Sensation im Sportpalast, wo die 6 Tage 
auf dem Holzkreisel ausgefahren wurden. Wie im 
mer war es das reine Tollhaus, eine keineswegs 
solide Mischung von Sport und Unterwelt, von 
Spitzen und Abschaum der Gesellschaft, von Ge 
schäft und Vergnügen, von Reklame und Begeiste 
rung. Und noch war der Dunst und Geruch dieses 
Rummels aus dem Riesenstall nicht völlig heraus 
gezogen, als der -große Sänger Venjamino Gigli 
einzog und den Betrieb mit anderen Mitteln fort 
setzte. Es ging nicht weniger sportlich zu -als vor 
her. Der Start war glänzend gelungen. Blitzlich 
ter flammten auf, die Menge tobte, der Heuboden, 
wi» die Galerie des Sportpalastes heißt, brach in 
Zurufs aus, als beginne die letzte Jagd der letzten 
S-echsta-genacht, Ansichtskarten des Sängers wur 
den „zum Andenken an die Erinnerung" feilge 
boten, jeder Laut brach sich vielfach verstärkt an 
den Wänden der Halle, und dann legte Gigli los, 
spielend nahm er alle Hindernisse und ging mit 
vielen Längen vor allen Konkurrenten durchs Ziel. 
Ein Weltmeister des Gesanges, ein Champion, der 
wahre Nachfahre des großen Caruso. Er sollte frei 
lich, im Interesse seines Erbes, die Kunst nicht 
allzu unbefangen in den Dienst des Geschäfts 
stellen. 
Was sonst aus dem Bereichs des Geistes und 
der Kunst -an Wochenneuigkeiten zu melden ist, 
steht unter dein dunklen Zeichen der Notzeit. Das 
dem Andenken und Schaffen Gotthold Ephraim Les 
sings gewidmete kleine Museum ist in Gefahr. 
Berlin, das für so vieles Zweifelhafte etwas übrig 
hat, ist nicht imstande, die Mittel zu beschaffen, 
mit denen man die Wohnräume und Sammlungen 
des einzigen -großen Geistes der klassischen Epoche, 
der in dieser Stadt gewohnt hat, vor dem Zu 
sperren bewahren könnte. Und noch ein kostbares 
Werk ist bedroht: die Marie Seebach-Stiftung, die 
den alten, mittellosen Vühnenangehörigen Unter 
kunft, Ruhe und Sorgcnfreiheit sichert. Wie leicht 
müßte es sein, hier zu helfen, möchte man denken, 
wenn die Garde der hoch- und höchstbezahlten 
Bühnenkünstler und -kllnstlerinnen diese Sorge 
übernimmt. Aber, so unglaubhaft es klingt — aus 
den beteiligten Kreisen erfährt man, daß just die 
aus der Höhe ihres Ruhmes und Einkommens 
wandelnden Stars, und unter ihnen namentlich 
die Großen des Films, selbst wo es sich um die 
allerklcinsts Unterstützung dieses edlen Zwecks han 
delt, am schwersten herumzukriegen sind. „Bei hun 
derttausend Mark im Jahr", sagt ein Sachwalter, 
der sich viel Mühe macht, die Lose einer Lotterie 
zugunsten dieser Stiftung an den Mann und an 
die Frau zu bringen, „hört die Solidarität ans." 
Ein tiefes Wort, gültig nicht für den Fall, der 
es schuf. 
Der Kanal zwischen dem Eismeer und der 
Ostsee, dessen Bau vor etwa einem Jahre be 
gonnen wurde, ist nun fertiggestellt- er ist 
226 Kilometer lang und führt vom Weißen 
Meer über den Onega- und den Ladoga-Sec, 
sowie die Newa zur Ostsee. 
Friedrich der Große am Lagerfeuer nach der Schlacht von Lcuthen (5. Dezember 1757). 
Nw 5. Dezember jährt sich zum 175. Male der Tag, an dem die preußischen Truppen 
unter der Führung des Großen Friedrich die gewaltige Uebermacht der Oesterreicher 
schlugen und damit Schlesien für Preußen gewannen. Berühmt ist die ergreifende 
Szene am Abend nach der Schlacht, als an allen Lagernfencrn das Lied „Nun danket 
alle Gott" zum Nachthimmcl emporstieg. 
Die Feste Glatz soll wieder hergestellt werden. 
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M)m Ws dem Brocken. 
TU. Halbcrstadt, 25. Nov. Ans dem Brocken 
herrscht seit etwa 24 Stunden anhaltender 
Schneefall. Die Schneedecke, die bis weit arcs die 
Brockenchaussee herunter reicht, hat eine Höhe 
von 25—30 Zentimeter bei einem leichten 
Nordivcstwind zeigt das Thermometer 3 Grad 
unter Null. Der Schneepflug des Brockenhotels 
glättet die Brvckenstraße und Antos, die mit 
Schneeketten versehen sind, können den Brok- 
kengipfcl bequem erreichen. 
* 4 * 
EmsiMMglück 
m;s hm ZMM'ŞŞŞen. 
TU. Breslau, 25. Nov. Das Oberbergamt 
Breslau teilt mit: „Am Donnerstag, dem 24. 
November, abends, sind auf den Dcllbrück- 
schächten in Hiildenburg bei ciucm Gebirgs- 
nicdcrschlag in Redenflöz Teile des Abbaues 
zn Bruch gegangen. Dadurch wurden vier 
Mann abgeschlossen und verschüttet. Z:vei 
Mann geben noch Lebenszeichen. Die Ret- 
tnngsarbeiten sind sofort eingeleitet worden 
und werden ununterbrochen fortgesetzt. Sie 
sind aber.schwierig. 
* 
Drei der Verschütteten noch am Leben. 
TU. Hindenburg, 25. Nov. Wie von der Lei 
tung der Dellbrück-Schächte mitgeteilt wird, 
sind die Rettungsmannschaften am Freitag 
mittag in der zit Bruch gegangenen Strecke so- 
iveit vorgedrungen, daß mit einer Bergung 
der verunglückten Bergleute in einigen Stun 
den gerechnet werden kann. Drei der verschüt 
teten Bergleute sind noch am Leben, da ihr 
Jammern von den Rettungsmannschaften ge 
hört wird. Bon dem vierten Verschütteten 
konnten Lebenszeichen bisher nicht wahrge 
nommen iverdcn. 
m\b el'M 500 Tiere verbrämn. 
TU. Arrklam, 25. Nov. Am Frcitagnachm.ittag 
brach durch Fnnkcnflug ans der Dreschmaschine 
in der Kornschenne des Gutes Priemen (Kreis 
Anklam» Feuer ans, das iir kurzer Zeit die 
ganze Scheune mit 3000 Zentner Getreide In 
halt in Flammen setzte. Der starke Wind übcr- 
trilg das Feuer ans den etwa 150 Meter lan 
gen Viehstall. Etwa 200 Schafe, 200 Lämmer 
und 160 Schweine kamen in den Flammen um. 
Rssrre PsL. 
In der internationalen Flugzcugausstellung 
irnPariS brach ein Brand aus, dem ein itali 
enisches Flugzeug zum Opfer fiel. 
* 
Auf der Insel Oeland (Schweden) wurden 
außer einem Rettungsboot zwei Matrosenlci- 
chen angetrieben, die allem Anschein nach der 
fünfköpfigen Besatzung des Hamburger Damp 
fers „Hertha Grube" angehörten, der bei dein 
Unwetter der letzten Tage untergegangen sein 
dürfte. Tic übrigen drei Besatzungsmitglieder 
müssen auch als verloren gelten. 
* 
Der Mitinhaber der Sektkellerei Matthäus 
Müller, Dr. Paul Müller, ist auf der Fahrt 
nach Niedcrwallof mit seinem Auto tödlich 
verunglückt. , 
* 
An der Anden-Expedition nimmt u. a. auch 
Hoerlin, Mitglied des Physikalischen Instituts 
der Technischen Hochschule Stuttgart, teil. 
Hoerlin hat drei Apparate von Prof, Rogener, 
die in den Bergen Perus die Ultrastrahlcn 
auszeichnen sollen, mitgenommen. Die Messun 
gen haben nach bisher eingetroffenen Nach 
richten einen erfreulichen Verlauf genommen 
-h 
Das Stettiner Gericht verurteilte den sozial 
demokratischen Abgeordneten Topper, der an 
dem Ueberfall auf Nationalsozialisten im Ne- 
garter Walde beteiligt war, wegen Aufruhrs zu 
3 Jahren 6 Monaten Gefängnis. 
à 
Tie Trockenlegung der Zuidersee soll, ent. 
gegen anderslautenden Nachrichten, trotz der 
Verschlechterung der holländischen Staats- 
finanzen fortgesetzt werden- der holländische 
Ministerpräsident gab dieser Tage bekannt, daß 
die Mittel dafür in einem Nachtragsetat zum 
Staatshaushalt angefordert werden würden. 
Campbell will »och schneller fahre». 
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Zum 175. Jahrestag -er Schlacht bei Leuthen.
	        
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