Full text: Newspaper volume (1932, Bd. 4)

Heels RettdsêM§. 
Hohenwestedter Kampfgen.- u° Krieger- 
verein beschließt Wiedereintritt in den 
Kyffhäuserbund. 
ai. Hohenwestedt, 21. Nov. Der Kampfge 
nossen- und Kriegerverein von Hohenwestedt 
und Umgegend hielt gestern in seinem Ver 
einslokal „Harmonie" eine außerordentliche 
Generalversammlung ab, um eine Abstim 
mung darüber herbeizuführen, ob der anläß 
lich der bekannten General von Horn-Affäre 
am 28. Februar gefaßte Beschluß (vorläufiger 
Austritt aus dem Kyffhäuserbund) endgültig 
sein solle oder ob der Verein dem Kyffhäuser 
bund wieder beitreten will. Ter Vorsitzende 
gab einen Antrag aus dem Verein, sowie eine 
Zuschrift des Kreisverbandes, die ihn zur Ein 
berufung dieser außerordentlichen General 
versammlung veranlaßt hatten, bekannt. Er 
erläuterte alsdann das Für und Wider ein 
gehend und teilte mit, daß der Vorstand nach 
reiflicher Prüfung der Angelegenheit der Ver 
sammlung den Wiedereintritt in den Kyff- 
häuserbund empfehle. Er betonte ausdrücklich, 
daß der Vorstand sich dadurch keineswegs mit 
den Handlungen des 1. Vorsitzenden, General 
der Artillerie a. D. van Horn, einverstanden 
erkläre, er mache diesen Vorschlag lediglich, 
um in einem großen Verband mitarbeiten und 
mithelfen zu können, vorhandene Mißstände 
abzustellen. Ganz besonders aber empfahl der 
Vorstand den Wiedereintritt im Interesse un 
serer bedürftigen Veteranen und Kameraden, 
sowie der Kriegsbeschädigten und Hinterblie 
benen, um diesen ihren Anteil an den Wohl 
fahrtseinrichtungen des Kyffhäuserbundes zu 
sichern. In der nachfolgenden Aussprache wur 
den nur Stimmen für den Anschluß an den 
Kyffhäuserbund laut. Kamerad Trede (Hans) 
wies noch eingehend auf die Vorteile hin, die 
der Verein durch die Zugehörigkeit zum Kyfft 
Häuserbund habe, und zeigte die großen Auf 
gaben, die der Bund zu erfüllen habe, ins 
besondere auf dem Gebiete der Erziehung und 
Ausbildung der Kriegerwaisen, der Unter 
stützung bedürftiger Kameraden, der Kriegs 
gräberfürsorge usw. Kamerad Martens bat 
die Kameraden, die Horn-Affäre nach erfolg 
ter Abstimmung als begraben zu betrachten 
und wenn die Abstimmung nicht nach dem 
Sinne des einen oder anderen Kameraden 
ausfalle, so bat er diesen, sich dem Beschluß der 
Mehrheit unterzuordnen und nicht etwa diese 
Abstimmung als Veranlassung zu nehmen, 
dem Verein den Rücken zu kehren. Die dann 
nach einer kurzen Pause vorgenommene Ab 
stimmung ergab fast einstimmig den Wieder 
eintritt in den Kyffhäuserbund. Nur eine 
Stimme war dagegen und zwei Stimmen muß 
ten als ungültig erklärt werden. Der Vor 
sitzende begrüßte das Resultat,' er wies in 
schlichten Worten darauf hin, daß nur Einig 
keit stark mache. Nach dem gemeinschaftlichen 
Gesang des Deutschlandliedes wurde diese 
Angelegenheit als erledigt betrachtet. In der 
folgenden allgemeinen Aussprache wurde ein 
Antrag auf Herabsetzung der Stimmen im 
engeren Vorstand des Kyffhäuserbundes bezw. 
um Kosten zu sparen auf Verkleinerung dieses 
Vorstandes gestellt und der Vorstand mit der 
Formulierung und Weiterreichung an die 
übergeordneten Verbände beauftragt. Kamerad 
Trede (Hans) wies noch auf notwendige Aen 
derungen der Satzungen des Kyffhäuserbundes 
inbezug auf Wahl und Dienstzeit des 1. Vor 
sitzenden hin. Nachdem der Vorsitzende noll- 
kurz über die Fahnenüberführung in Schles 
wig berichtet hatte, ging man zur Erledigung 
einiger interner Bereinsangelegenheiten, be 
sonders das Fecht- und Sammelwesen betref 
fend, über. 
ai. Hohenwestedt, 17. Nov. Sitzung des Pacht- 
einrgungsamtes. Infolge der schweren wirt 
schaftlichen Verhältnisse in der Landwirtschaft 
haben sich viele Pächter gezwungen gesehen, 
auch in diesem Jahre wieder das Pachteini 
gungsamt zwecks Ermäßigung des Pachtzinses 
anzurufen. Vor dem hiesigen Pachtcinigungs- 
amt beim Amtsgericht wurde in 12 Sachen 
verhandelt. Es handelte sich hier um Pächter 
von Kirchenländereien. Im vorigen Jahr hatte 
der Vorstand den Pächtern freiwillig eine Er 
mäßigung um 20 Prozent des Pachtpreises zu 
gebilligt, in diesem Jahre aber mit Rücksicht 
auf die eigenen ungünstigen Verhältnisse eine 
Ermäßigung abgelehnt. Auch begründete die 
Kirchenverwaltung ihre Ablehnung damit, daß 
sie lediglich mit Rücksicht auf die schlechte Ernte 
des Vorjahres eine Ermäßigung um 20 Pro 
zent im Vorjahre zugebilligt hätte, während 
in diesem Jahre die Ernte doch verhältnismä 
ßig günstig ausgefallen sei. Das Pachleini- 
gungsamt billigte verschiedenen Pächtern eine 
Ermäßigung der Pacht um 10 Prozent, in 
einem Falle sogar um 15 Prozent zu. 3 An 
träge wurden mit Rücksicht auf die an sich gün 
stigen wirtschaftlichen Verhältnisse der Antrag 
steller abgelehnt. Eine Sache wurde vertagt. 
eins ist, zum Singeabend nach der Schule gegangen 
war, merkte feine Frau, die zufällig vom Singen 
heimgeblieben war, daß an der Eingangstür zur 
Werkstatt gearbeitet wurde. Sie eilte hinaus und 
verscheuchte mit dem Schein der Taschenlaterne den 
Einbrecher, der mittels eines Dietrichs die Tür be 
reits geöffnet hatte. Es muß sich um eine Person 
gehandelt haben, die ortskundig ist und mit den 
besonderen Umständen genau Bescheid weiß, denn 
der Gesangabend war ausnahmsweise aus den Frei 
tag verlegt. 
ar. Osterrönfeld, 21. November. Der Turn- und 
Spielverein hier veranstaltete am Sonnabend einen 
Werbeabend bei Mester. Ein starker Besuch zeigte 
schon das Interesse an der Arbeit unseres Vereins. 
Die gezeigten Vorführungen an Reck, Barren und 
Psevd legten Zeugnis ab von dem Eifer und dem gu 
ten Willen der Turner, ob klein oder groß. Der 
jetzige Vorturner Kurt Eggers zeigt sich den Anfor 
derungen wohl gewachsen und befähigt, die vor 
marts strebende Linie, die durch den vorjährigen 
Vorturner Jahns begonnen, weiter zu führen. In 
uneigennütziger Weise stellt er seine turnerische Fä 
higkeit und seine Arbeit in den Dienst der Jugend 
ertüchtigung. Reicher Beifall lohnte die Turner samt 
Vorturner und Helferinnen. Ein lustiges Theater 
stück schloß sich an. 
Frau getrennt lebt geschickt hatte. Der Vate> 
hatte sich geweigert, seine Kinder bei sich aus 
zunehmen, so daß der Polizei einstweilen nichts 
weiter übrig blieb, als die Kleinen dem Kin 
derheim zuzuführen. — Ein herrenloses Zwei 
spänner-Fuhrwerk wurde gestern nachmittag 
in der Ehndorfer Straße aufgegriffen und zur 
Polizei gebracht, der es bisher nicht gelaug- 
den Eigentümer zu ermitteln. — Acht bla»e 
Brieftauben und ein Goldfasan wurden in letz 
ter Nacht einem Bewohner des Hauses Groß 
flecken 8 entwendet. Fahndungen nach dem Ta 
ter blieben bisher erfolglos. 
Osterrönfeld, 21. November. Ein Fahrrad vom 
Bahnhof gestohlen. Vor einigen Tagen wurde vom 
Bahnhof Osterrönfeld abends, innerhalb der Sperre 
ein Fahrrad Marke Gritzner Nr. 457 320 gestohlen. 
Das Rad war schwarz lackiert und hatte schwarze 
Bereifung. 
Aus Uôldeifá 
Vom Spiel in den Tod. 
zz. Nortorf, 21. Nov. Schwindler. Auf dem 
Pferdemarkt am 14. d. M. bemühte sich ein 
Mann, ein Pferd zu verkaufen. Einem inter 
essierten Käufer, dem der Kaufpreis auffallend 
niedrig schien, kam die Sache verdächtig vor. Er 
ging zum Schein auf den Handel ein, erkun 
digte sich aber telefonisch über den rechtmäßi 
gen Erwerb des Pferdes. Der Verkäufer hatte 
dies wohl bemerkt und verschwand unter Zu 
rücklassung des PfeöeS. Jetzt hat sich der recht 
mäßige Besitzer des Pferdes, ein Landmann 
aus Ostersteöt, gemeldet und sein Pferd wieder 
in Empfang genommen. — Ehrlicher Finder. 
Ein für heutige Verhältnisse bedeutender grö 
ßerer Geldbetrag wurde als gefunden ans dem 
Polizeibüro abgeliefert. 
US. Ostenfeld, 21. November. Einbrecher am Werk. 
In gewissen zeitlichen Abständen wird bei dem Auto- 
fchlosser Steenwerth eingebrochen. So wurde ein 
neuer Versuch am Freitagabend unternommen. 
Während Steemverth, der Mitglied des Gefangver- 
llctcrsen, 21. Nov. Während des Spielens mit 
anderen Kindern lief die achtjährige Tochter des 
hiesigen Musikers Pank im Großen Sand vom 
Bürgersteig direkt gegen den Anhänger eines vor 
überfahrenden Lastzuges. Das Kill'd erhielt von 
dem Anhänger einen Stoß und stürzte auf das 
Straßenpflaster und »erlitt dabei einen schweren 
Schädelbruch, so daß der Tod auf der Stelle ein 
trat. Den Führer des Lastzuges trifft keine Schuld. 
Schwerer Unfall auf der Hubertusjagd. 
Kellingyusen, 21. Nov. Auf der am Sonnabend 
abgehaltenen Hubertusjagd ereignete sich ein 
schwerer Unfall. Ein Angehöriger der Jtzehoer Ar 
tillerieabteilung stürzte so unglücklich, daß er mit 
Rippenbrüchen und einer Verletzung. der Wirbel 
säule ins hiesige Krankenhaus geschafft werden 
mußte. 
* ^ * 
S- Nerrmürrster, 21. Nov. Zwanzig Kaninchen 
gestohlen würben in letzter Nacht dem in der 
Gartenstadt wohnenden Arbeiter Kaminsky. 
Bon den Tätern fehlt jede Spur. — Kinder- 
Tragödre. In letzter Nacht wurden von einem 
Anwohner der Altonaer Straße zwei Kinder 
im Alter von 7 und 8 Jahren angetroffen, die 
obdachlos und frierend umherirrten. Die be 
dauernswerten .Kleinen wurden zur Rathaus- 
Polizeiwache gebracht, wo festgestellt werden 
konnte, daß die Mutter der Verlassenen nach 
Neustadt abgereist war und die Kinder vor 
ihrem Fortzuge zu ihrem in der Lornsenstraße 
wohnenden Vater, der geraume Zeit von seiner 
Mordversuch in Barkenholm. 
Barkenholm, 22. Nov. Am Sonnabend uw 
6.30 Uhr begab sich das bei dem Landmann Otto 
Stoltenberg in Barkenholm beschäftigte I 7 
Jahre alte Dienstmädchen Minna Vobzin nach 
draußen vor die Tür. Plötzlich vernähme" 
Stoltenbergs, die soeben die Abendmahlzeit 
eingenommen hatten und sich noch in der Kückll 
befanden, die Worte: „Nu hebt se mi schotend 
Als Stoltenbergs hinauscilten, fanden sie das 
Mädchen blutüberströmt bei der Haustür z" 
sammengebrochen vor. Die Verletzte war be 
sinnungslos, es mußte sofort Hilfe eines Arz 
tes in Anspruch genommen werden, der eine 
sofortige Ueberführung ins Heider Kranken 
haus anordnete. Lebensgefahr soll nicht beste 
hen. 
Die Verletzte erklärt, daß sie sofort nach den? 
/ Roman von Gert Rothberg. 
(Nachdruck verboten). 
1. Kapitel. 
Silbern schimmerte das Wasser des Teiches im 
Park von Werdenfels. Unzählige Wasserrosen 
schwammen darauf und weiter hinten quakten die 
Frösche. Ein betäubender Dust kam von dem 
blühenden Gebüsch, in das sich der Geruch der Kie 
fern und der vielen Edeltannen mischte. 
Und die Rosen! 
In allen Farben standen sie hüben und drüben 
der gewundenen, sorgsam gepflegten Wege auf 
schlankem Stamm und sandten ihren köstlichen Duft 
durch den stillen Park. 
Der Kies knirschte. 
Von seinem großen Jagdhund begleitet, kam Graf 
Werdenfels-Loringen auf den Teich zu. 
Der große, breitschultrige Mann liebte diese ein 
samen Spaziergänge. Sie waren ihm Bedürfnis 
geworden. 
An den Daum der alten Kiefer gelehnt, blickte 
Graf Werdenfels sinnend über dos Wasser. Drüben 
bei dem kleinen Steg schaukelte noch das Boot, das 
Anneliese stets benutzt. Die schöne, eigenwillige 
Anneliese! 
Wie ausgestorben war das Schloß, seit ste es ver 
lassen hatte. Ein Fest hatte das andere gejagt, die 
junge Frau tanzte, lachte, verschwendete. 
Und er sah ihr schweigend zu, ließ ste gewähren, 
gab ihr das Geld mit vollen Händen. 
Und fühlte doch täglich, daß sie sich fremder wur 
den. 
Hatte er ste wirklich einst geliebt? 
Diese Frage stieg immer wieder vor ihm auf. Er 
war ehrlich genug, vor sich selbst zuzugeben, daß ste 
ihm gefallen, daß er sie begehrt hatte. 
Doch Liebe? Nein, Liebe war es wohl nicht gewe 
sen. Und das war seine Schuld, die er an der zer 
brochenen Ehe trug. 
Schuld! Einen Teil der bestehenden Schuld! Hatte 
er sie vernachlässigt, als er ihre Hohlheit erkannte? 
Als er erkannte, daß seine Ideale starben in dieser 
nur auf rauschende Feste eingestellten Ehe? War die 
innere Leere und Einsamkeit schuld, daß er sich im 
mer weiter von Anneliese entfernte? 
Und er hatte doch immer wieder ein gutes Einver 
nehmen gesucht um Klein-Loris willen. 
Aber auch das Kind hatte nicht vermocht, das 
Band wieder enger zu knüpfen. Im Gegenteil, Anne, 
liefe mochte das Mädelchen nicht oft um sich haben, 
sondern meinte wegwerfend: 
„Dazu ist die Bonne da. Ich habe keine Lust, meine 
Nerven aufs Spiel zu setzen." 
Zorn packte ihn dann und einmal hatte er ihr 
Handgelenk mit fast brutalem Griff gepackt. 
„Ich verbiete dir, in solchem Tone von dem zu 
sprechen, was dir das Höchste sein müßte." 
Und Anneliese warf den schönen Kopf mit den 
schwarzen Locken zurück. Und lachte! Dann sagte sie: 
„Ich hatte bisher nicht Gelegenheit, den Kavalier 
in dir zu vermissen. Gib meine Hand frei, du tust 
mix weh." 
Sofort trat er zurück, leicht mit der Hand über 
die heiße Stirn streichend. 
„Verzeih, doch ich kann es nicht begreifen, wie dir 
unser Kind eine Last sein kann." 
Sie zuckte unmutig die schönen Schultern. 
„Eine Last? Wie du doch alles gleich drehst. Wenn 
Lori erst größer sein wird, dann —" 
„Dann braucht sie dich nicht mehr, dann wirst du 
ihr fremd geworden sein", unterbrach er sie schroff. 
„Du hast doch aber nie glauben können, daß ich 
mich zur unmodernen Kindermuhme entwickeln 
will?" fragte sie außer sich. 
Er lachte bitter. 
„Nein, Anneliese, das wivd keiner hoffen, der dich 
kennt." 
Sie schwieg, aber sie nagte an der Unterlippe und 
er wußte, daß sie sehr verärgert war. 
Es störte ihn nicht mehr. Die Enttäuschung, die 
diese Frau ihm bereitet, war zu groß. 
Das war nur eine von den vielen Auseinander- 
setzungen. Und er war der Reibereien ko müde. So 
oft es seine Feit erlaubte, holte er sich das Kind. 
Und es kam dann auch, wie es kommen mußte. Klein- 
Lori wandte das Köpfchen trotzig zur Seite, wenn 
Anneliese ihr Kind wirklich einmal aus einer guten 
Laune heraus streicheln wollte. Dann schlug sie es 
empört. 
„Eine echte Werdenfels, trotzig und —" 
Unter des Gatten zornigem Blick sprach sie nicht 
weiter. Und sie entzog sich ihm im Laufe der Zeit 
immer mehr. 
Es konnte ihn nicht einmal mehr verletzen. 
Oft schon hatte er sich gefragt, wie lange das wohl 
nun so weitergehen würde. 
Und dabei war Schloß Werdenfels fast immer mit 
Gästen angefüllt. 
Es war nur noch eine Frage der Zeit, wann er 
das ein für allemal verbieten würde, das wußte der 
Graf. 
Einmal sprach er mit seiner Schwägerin darüber, 
der Schwester Annelieses, einem großen, schönge 
wachsenen Mädchen mit aschblondem Haar. 
„War Anneliese denn eigentlich schon immer so 
vergnügungssüchtig, liebe Edith? Ich meine, das hier 
grenzt doch ans Krankhafte. Und ich weiß bereits, 
daß man in der Nachbarschaft längst die Köpfe schüt 
telt und mir meine Nachgiebigkeit verdenkt. Ihr seid 
doch nicht so erzogen, daß es nicht auch einntal ohne 
Feste und sonstige Vergnügungen gehen könnte?" 
In den graublauen Augen Ediths glomm es selt 
sam. Doch ruhig sagte sie: 
„Ich weiß nicht, was Anneliese sich denkt. Sie 
müßte wissen, daß du dir deine Frau anders gedacht 
hast." 
„Ja, das müßte ste. Glaube mir, es ist furchtbar, 
wenn ein Mensch so unzugänglich ist den einfachsten 
Vernnnstgründen gegenüber." 
„Niemand weiß es besser als ich, daß Anneliese 
von. jeher ihren Willen durchgesetzt hak. Mama hat 
ihr ja jede Laune erfüllt. Und meine Schwester hat 
es noch nie gekümmert, ob ein anderer gelitten hat." 
Die Worte klangen alle tonlos, zerrissen, und 
Werdenfels blickte mit einem sonderbaren Gefühl im 
Herzen aus Edith. Sie war einige Jahre älter als 
Anneliese und er hatte von ihr eigentlich bisher sehr 
wenig Notiz genommen. Nun kam es ihm plötzlich 
vor, als Hape Edith die schöne, jüngere Schwester. 
Irgendwie graute ihm vor den kalten Augen. Sie 
waren für ihn plötzlich etwas Unheimliches. Und 
doch wußte er nicht, wie er diesen Gedanken recht 
fertigen sollte. Ihre schönen, schlanken Hände mit 
den spitzen, weißen Fingern zogen des öfteren sei- 
nen Blick auf sich. Es waren Hände, die man ob 
ihrer Schönheit unbedingt bewundern mußte, doch ex 
empfand nur Abwehr gegen diese schönen Frauen- 
hünde. 
„Bin ich wirklich ungerecht, daß ich nun Abnei 
gung entgegenbringe, nur weil ihre Schwester nickst 
imstande war, mir eiv gutes, großes Glück zu schen 
ken?" dachte er dann wieder und er bemühte s'$' 
liebenswürdig gegen sie zu sein. 
Eines Tages überraschte er Edith, wie sie ihre 
Augen haßerfüllt auf der Schwester ruhen ließ, die 
in einem weißen, duftigen Kleide entzückend aus 
sah und spöttisch auf Ediths hochgeschlossenes, ein 
faches, schwarzes Kleid blickte. Das war Haß in den 
Augen Ediths, kalter Haß! 
Da wußte er, daß irgend etwas zwischen den 
Schwestern war. 
Was ober? 
Er bereute, mit ihr über Anneliese gesprochen J" 
haben. Er hatte sie überhaupt nur aus Mitleid nack! 
Werdenfels kommen lassen, damals, als die Gene- 
ralin staxb und ihre Aelteste unversorgt zuriicklşş 
Das Vermögen hatte die Inflation verschlungen Usid 
Edith hätte in irgend einer Weise ihr Brot verbie' 
nen müssen. 
Er hatte damals die Generalin und ihre 
Töchter in Bad Elster kennengelernt und sich 'st 
Anneliese kopfüber verliebt. Er hatte kurz« 8 ctI 
wirklich an sein Glück geglaubt, weil ihm der dunw 
Lockenkopf und die blauschwarzen Augen alle Siu'" 
berauschten. 
Wie sehr er fehlgegriffen, erkannt» er nur zu bcst^ 
Doch da war es zu spät! Dann hatte er gedacht» e 
werde mit der Zeit noch alles gut werden. Und slU ^ 
da irrte er sich. Anneliese trieb es immer toller» 
machte ihm wilde Szenen, wenn er sich einmal diesis' 
wüste Leben in seinem alten, schönen Schlosse »erbe > 
und pochte auf ihre Jugend und Schönheit. . , 
Onkel Werdenfels, der Gardeoberst a. D., nist" 
einmal: 
„Ein junges Füllen will springen. So lange 
unter deinen Augen geschieht, laß es gut sein. 
idy dir auch raten würde, die Augen offen zu Halts 
Hm, eine Suppe eingebrockt hast du dir eigenst" 
Na, die Generalin von Oehme war schon immer st" 
gute Rechnerin. Der Majoraisherr auf Werdest^ . 
war keine schlechte Partie! Nun, sieh nur zu, wie 
mit deiner Frau fertig wirft. Wer ohne SkaU^ 
bitte! Die Familie würde außer sich sein, wenn ® 
in dieser Hinsicht etwa eines Tages Aufregungen e ' 
wachsen." 
(Fortsetzung folgt). 
Amerikanischer Dampfer 
vor Brunsbüttelkoog aufgelaufen. 
Vruttsbüttelkoog, 21. Nov. Der 6 976 To 
große Dampfer „Gateway City" des United 
States Shipping Board ist am Sonntagabend 
bei Tonne 22, unweit Brunsbüttclkoog, aufge 
laufen. Die Albringungsarbeiten bei dem auf 
gelaufenen Amerikaner „Gateway City" wa 
ren bis Montagmittag erfolglos geblieben. De 
Havarist liegt gerade vor dem Deich, hinter 
dem das Bauerngut Hermannshof bei Bruns 
büttel liegt, auf Grund. Der Kurs läuft aus 
den Hof zu. Am Montagmorgen, 9 Uhr, hatten 
die vier zur Hilfe abgesandten FairplaY- 
Schlcpper zunächst ihre Tätigkeit eingestellt 
sie müssen Hochivasser abwarten, wenn ihre 
Bergungsversnche Aussicht ans Erfolg haben 
sollen. Am Deich stehen Schulklassen ans der 
Umgegend; die Lehrer erklären den Kinder" 
den Vorgang der Strandung. Der Unfall ist 
wahrscheinlich bei dem Versuch des AnkeriE 
geschehen,' Nebel und Abtrift haben de" 
Dampfer auflaufen lassen. Der Steven wächst 
immer höher ans dem abebbenden Wasser her 
aus. Wahrscheinlich wird man um 14 Uhr trok- 
keneu Fußes an Bord gehen können. Ma» 
hofft auf auffrischende westliche Winde,' neuer 
Ostwind würde eine Abbringung vereitelU- 
Lanöleute betrachten das Schauspiel. Hest noch 
Glück hatt, dat de Diek vör din Hoff liggt, sag/ 
einer zum Besitzer des Hermannshofes, fünft 
barst dat Schipp in'n Appelgoröen hatt . - ♦ 
Am Montag tun 18.30 Uhr ist der Dampfet 
unter Schlepperhilse wieder freigekommen und 
hat seine Reise fortgesetzt. 
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' I
	        
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