Full text: Newspaper volume (1932, Bd. 4)

6d)îeswig-Bolfteinifd}e 
LanDsszsîLung 
125. Jahrgang, 
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Krisis rmö tîntņahmî €ttmņnä. 
les bindende, alles brldendeund die 
alles überragen de Rolle spielt. 
In Deutschland ist es zweifellos der 
Glaube an das Blut, der die großen Auf 
triebe hervorgebracht hat, wobei die durch die 
geographische Lage oft bedingte politische Zerrissen 
heit der Deutschen dieser Lehre mit jene große 
Kraft einflößte, die auch heute gerade den Haupt« 
impuls des großen deutschen Erwachens unserer 
Tage darstellt. Und es ist deshalb wiederum kein 
Zufall, daß der Faschismus sich als Symbol das 
Zeichen härtester Staatlichkeit, das 
Liktorenbündel mit der Axt, das erwachende 
Deutschland aber das Rasse zeichen ältesten 
Ge r m a n e n t u m s, das Hakenkreuz, ge 
wählt hat. 
^ Ueber die „absolute Wahrheit" dieser Rationa 
lismen kann hier nichts ausgesagt werden. Ihr 
Wertmesser liegt auch nicht in irgendeinem Abso- 
lutum, sondern in dem Grad seelischer 
Fruchtbarkeit, der durch die Glut des Glau 
bens in dem einen oder andern Volk erweckt wird. 
Da Rußland heute zu Mittel-Asien 
zurückgekehrt ist, die anderen Nationen, ungeachtet 
vielfachen seelischen Reichtums, doch keine selbst 
ständig ausstrahlende starke Typik hervorgebracht 
haben, sondern mehr der einen oder andern ge 
schilderten sich nähern, so ergibt sich als erste Folge 
einer völkerpsychologischen Untersuchung, daß das 
Gesamt problem Europa sich zur Er 
kenntnis einer nur vierfachen gei 
stig-seelischen Lebenskraft verein 
facht. 
Wer also im Ernst Europa als organische Ein 
heit einer starken Vielfachheit und nicht als rohe 
Summation erstrebt, der muß die vier großen 
Nationalismen als vom Schicksal uns 
gegeben anerkennen und deshalb bestrebt 
sein, der von ihrem Kern ausstrahlenden Kraft 
Erfüllung zu geben. Eine Zerstörung eines dieser 
Zentren durch irgendeine Macht würde kein „Eu 
ropa" zur Folge haben, sondern ein Chaos herbei 
führen, in dem auch die anderen Mittelpunkte der 
Kultur untergehen müßten. 
Diese Art der Neugeburt der Seelen aber besagt 
in der Frage des Problems Europa etwas 
Entscheidendes: daß nämlich eine gedankliche 
Konstruktion im Sinne einer universalisti 
schen, sich gleichsam von oben herabsenkenden Idee 
nicht mehr in Frage kommt. Das Zeitalter 
des Liberalismus, das heute in Genf 
endgültig sein eigenes Grabgeläut läutet, war be 
müht, die „Einheit Europas" nur äußerlich von 
der politisch-soziologischen Seite her zu lösen. Man 
verehrte die Göttin der Vernunft und 
glaubte durch ein angeblich für alle Nationen 
passendes Schema die Probleme des öffentlichen 
Lebens meistern zu können. Die parlamentarische 
Demokratie war der Versuch, diesem „Vernunft"- 
schema innerhalb der Staaten zum Siege zu ver 
helfen und förderte naturnotwendig auf allen 
Gebieten nicht den schöpferisch.Starken, 
sondern den Bedenkenlosen. Die Philo 
sophen Pan-Europas unserer Zeit aber verwech 
selten bei der Begründung ihres Gedankens die 
Eins mit der Idee der Einheit. Die vor 
behaltlose Anerkennung lebensnotwendiger Man 
nigfaltigkeit bedeutet die Voraussetzung jeglicher 
irgendwie gedachter Einheit. Denn organische 
Einheit hat Vielheit zur Voraus 
setzung. 
Daraus ergibt sich, daß wenn von Europa 
überhaupt die Rede ist, es sich nicht um einen ab 
strakten Begriff handeln kann, von dem jede Na 
tion als wie an einem Absolutum irgendwie „Teil 
hat", sondern die Vielheit muß als Vor 
aussetzung anerkannt werden, um 
dann die verschiedenen, unserem Boden entsprosse 
nen Lebensbäume gemeinsam jenen ge 
genüberzustellen, die auf Asiens, 
auf Afrikas Boden gedeihen. Dann 
könnte sich anschaulich eine Verwandtschaft ergeben, 
die durch rein eklektische Methoden zu begründen 
ebenso zweifelhaft erscheint, wie durch universa 
listische Behauptungen und dogmatische Forderun 
gen. Entgegen allen anderen Versuchen ist die 
Nation der unverrückbar gegebene Ausgangspunkt 
alles Geschehens, die Nation als verschiedenartiges 
Ergebnis von Blut, Landschaft, politischem und 
seelischem gemeinsamem Schicksal. 
In Rom fand in diesen Tagen auf Einla 
dung der Kgl. italienischen Akademie ein Kon- 
von Politikern und Wissen 
schaftlern statt, die über das Thema 
»Europa" diskutierten. Aus diesem Anlaß 
Nt ein mehrsprachiger Sammelband mit Bei 
trägen zu dem Thema „Europa" erschienen. 
Nachstehend bringen wir den ersten Teil 
und in der nächsten Sonnabendnummer den 
3 w eiten Teil einer Abhandlung über 
wesen Gegenstand aus der Feder von A l - 
«red Rosenberg -München. 
Dieser schreibt zu dem Thema wie folgt: 
, 3n unserer Epoche, nach dem größten Krieg der 
Weltgeschichte, zerbrechen als Folge dieser tiefsten 
seelischen und politischen Katastrophe geistige 
Werte und gesellschaftliche Satzungen der vergan 
genen 130 Jahre; darüber hinaus werden weltan 
schauliche Bindungen selbst noch aus fernerliegen- 
"er Zeit und die in ihr verwurzelten Gedankenge- 
«llde^ einer neuen Kritik unterzogen. 
Inmitten einer solchen Zeit des allgemeinen Um 
bruchs kann die seelisch-geistige Krise aber nicht 
I"ehr „wissenschaftlich" untersucht werden, weil 
lede Wissenschaft stets bestimmte Voraus- 
letzu.ngen für ihr Forschen macht, von denen 
^Is gültigen Wertmesser aus sie ihre Forschungen 
^ginnt. Eine Betrachtung über Europa als 
E d e e und Erfahrung ist heute deshalb nur 
ttt der Form eines persönlichen Bekenntnisses 
Entgegen allen Doktrinen wird deshalb der 
Nationalismus und feine Auswirkung ent 
scheidend sein für das, was sich später noch 
Europa nennen soll. Jede der großen vier Na 
tionen, die hier als schicksalbestimmend erscheinen, 
hat nun ihr eigenes „Zentrum der Glückseligkeit", 
von dem heraus sie bemüht ist, sich stets neu zu ge 
stalten. 
Für Italien hat der Führer des Faschismus 
den Staat als den höchsten Wert gekennzeichnet, 
als Erziehungsmittel, als Züchter der Individua 
lität und als ihr Schirmer, als Wahrer des Star 
ken und Schützer einer bedrohten geistigen Ge 
meinschaft. Hier erklingt bewußt die Saite a l t - 
römischer Herrlichkeit, erscheint das Ee- 
dankengebilde einer Macht, die hart sein mußte, 
um entgegen dem vordringenden Orientalismus 
ihr eigenstes Wesen zu bewahren. 
Frankreichs Nationalismus ist unzertrenn 
lich mit der — man darf wohl sagen — Anbe 
tung des Bodens verknüpft. Wer auf fran 
zösischem Boden lebt, wird gleichsam durch ein 
mysteriöses Gesetz Franzose, eine Idee, welche die 
französische Kirchlichkeit mit ihrer Gegnerin, der 
Freimaurerei, noch stets geeint hat. 
England, Jahrhunderte hindurch eine fast 
unangreifbare Insel, brauchte den Mythus des 
Staates nicht, noch heute herrscht dort die Auf 
fassung der Nation als Gesellschaft. 
Wer diese Gesellschaft, ihre Sitten und ungeschrie 
benen Gesetze befolgt, wird einverleibt in das 
Britentum, weshalb auch die Tradition, die al- 
. 1II.MII vumi UUUf U'UiJ |Ut Ul-e 
'tust angestrebte Schicksal. Das nicht nur in poli- 
sichen Wirren, sondern auch in tief innerer Um 
gestaltung begriffene Deutschland z. B. stellt heute 
Mt Karlden Großen, sondern seinen Eeg- 
Herzog W i d u k i n d hin als den Wahrer 
I tner echten Art. Bei aller Größe der Hohen- 
ş^ufen hält dieses Deutschland nicht zu Var- 
a^ossa, sondern zu Heinrich dem 
o wen. Es hat sich vom Hause Habsburg 
i erblickt dafür im f r i d e r i z i a n i - 
ch e n Preußen den Retter seiner seelischen 
ì ltanz. Bei Betrachtung der s o zia I cn Aus- 
^ŗ n a n d e r s etz u n ge n der Vergangenheit steh! 
^ ^ erwachende Deutschland innerlich auf der 
^^?te der Bauern bei Wertung der großen 
^chicksalskämpfe des 16. Jahrhunderts, sieht in 
--gingen und Hutten die Träger des na- 
^ balistischen Gedankens, nicht in ihren Geg- 
, n ttt - Das junge Deutschland berauscht sich nicht 
an den lebensfernen Redensarten der 
^ volution von 1 789, es beurteilt viel- 
r; ^hr die geistig-seelische Verödung, die Materiali- 
rung,. Atomisierung des 19. Jahrhunderts als 
j: .3® eines rein abstrakten Versuches, die Mehr- 
.^r Zahl als Wertmesser über die Genialität 
K? einzelnen Schöpferischen im Staatsleben und 
^ļur anzuerkennen. 
tun ņ. ähnlicher Weise vollzieht sich eine Uinwer- 
'8 der Vergangenheit auch bei andern Nationen, 
j dies auch nur bei Italien unmittelbar faß- 
î zu beobachten ist, bei Italien, das heute nach 
t Ņiahriger Herrschaft des Faschismus noch m i t - 
f. î n einer das gesamte Leben er- 
g, * * e n & e n Revolution steht. Ueber das 
Iļļ’ 58 liberalistifche Zeitalter hinweg, bei aller 
ver;^- nņung der einzelnen Großen, greift das 
j en . Un 9* e Italien nach jenen Gedanken und nach 
«UZ^ņ. Willen urwüchsiger Kraft, aus denen her- 
tzy etn ft die Monumente des antiken Roms ge- 
che? wurden, bekennt sich nicht zu den Grac- 
j enI sondern zu den Sullas, nicht zum gren- 
dtzņ ett bedanken des späten, sondern zur bo- 
Ag.^^wurzeltenEi.genartdesalten 
Tertibe v ^alte Symbole erstehen über Jahrtau- 
Nnd Ģnweg als Gleichnisse dieser Bekenntnisse, 
Ņ wehr als ein Zufall, daß in Italien 
Aej^äitten Rom, in Deutschland vom Dritten 
D»s«-,.^E"öumt und für diesen Traum mit größter 
^reitschaşt gekämpft wird. 
Hitlers Arrs'sprachs mit HmLenburg 
Die heutige Besprechung des nationalsozialisti 
schen Führers Adolf Hitler mit dem Reichs 
präsidenten von Hindenburg wird von ganz be 
sonderer, vielleicht entscheidender Bedeutung für 
die weiteren Entschlüsse Hindenburgs sein. Seit 
der Trennung am 13. August hat Hitler kein Re- 
gierungsgebäuds mebr in der Reichshauptstadt be-
	        
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