Full text: Newspaper volume (1932, Bd. 4)

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?25. Jahrgang. 
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Freitag, den 11. Member 
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für öss zmsķofe lrreörtfchöpfzrns. 
Reykjavik. Wenn, cs Sort, ziemlich dicht unter 
dem nördlichen Polarkreis, auch nicht zu solch 
entsetzlichen Zusammenstößen unter so ausge 
prägt weltrevolutionärer Tendenz wie in der 
südlichen Völkerbundsstadt Genf kam, so hören 
wir doch von einer früher in diesem Erdstrich 
unbekannten Entladung wirtschaftlicher und 
sozialer Krisenverhältnisse. 
Die Stadtverordnetenversammlung Reyksa- 
viks hatte Lohnkürzungen vorgenommen. 
Dagegen protestierten Sozialdemokraten und 
Kommunisten, die in das Versammlungslokal 
eingedrungen waren und sich mit allem mög 
lichen, was sie fanden, bewaffnet hatten. Die 
Polizei geriet mit den Sozialdemokraten und 
Kommunisten in einen Kampf, wobei es ans 
beiden Seiten Verletzte gab. Auf der Straße 
setzte sich der Kampf fort. Tie Stadtverord 
netenversammlung lehnte es ab, die Lohnkür 
zungen zurückzunehmen. Man erwartet den 
Ausbruch eines Generalstreiks. Die Hälfte der 
Neykjaviker Polizei ist verwundet worden. Es 
handelt sich im ganzen um 28 Polizisten. 
Das dänische Büro Nitzan schildert die Vor 
kommnisse, die sich am Mittwoch zugetragen 
haben, folgendermaßen: Die Stadtvertretung 
beriet über die Herabsetzung der Löhne für 
Notstandsarbeiten. Vor dem Rathause hatten 
sich Erwerbslose in großer Zahl angesammelt. 
Plötzlich stürmten sie das Rathaus und dran 
gen iil den Sitzungssaal ein. Ihr Wortführer 
forderte sofortige Zurückziehung der Vorlage. 
Der Bürgermeister schloß die Sitzung. Die 
Demonstranten versuchten nun, sich einiger 
Stadtvertreter zu bemächtigen. Herbeigerufene 
Polizisten griffen ein, und es entwickelte sich 
eine Saalschlacht. Zehn Polizisten und ebenso 
«. ■ - viele Demonstranten blieben verletzt auf dern 
Islands Hauptstadt Schlachtfeld liegen. 
Prof. Sombart über Sie «rfacheņ tsti» MSgķichààļ, Ser Behebung Ser WirļschaftàişiS 
t In einem in Reclams Universum erschie- Politik wird vielmehr davon auszugehen ha 
rnen Artikel „Schafft neue Kaufkraft!" ben, zunächst für einen sicheren Markt Sorge 
kennzeichnet einleitend Professor Werner zu tragen. Ein solcher kann aber nur im Jn- 
^ombart, der berühmte deutsche National- land geschaffen werden, und zwar an einer 
okonom, die beiden Fronten, die sich im Kampf einzigen Stelle, wo eine dauernde Verwehrung 
um die Führung und Gestaltung der deutschen der Gütererzeugung gleichzeitig einen Markt 
Wirtschaftspolitik gegenüberstehen. Uns schei- schafft, und das ist die Landwirtschaft." 
nen seine Ausführungen so beachtlich zu sein, Aus dieser Einstellung heraus fordert Pros, 
und die wahre Lage so zielsicher zu treffen, Sombart eine „Kreditfchöpfung ans Staats- 
oaß wir sie nachstehend im Wortlaut wieder- initiative" und Aenderung des deutschen 
^öen: Währuugssystews in der Art, daß die Reichs- 
„Jn der Beurteilung der Weltkrise und bank den erforderlichen Betrag, den Prof, 
chrer Heilmittel sondern sich immer deutlicher Sombart auf 3 bis 4 Milliarden schätzt, „als 
llvei Ansichten voneinander ab. Die einen sind zusätzliche Kaufkraft zinslos dem Wirtschafts- 
Meinung, daß die Krankheit in: mesent- lebe» bezw. zunächst dem Staate zur Verfü- 
ucheu konstitutionell ist und durch die Natur gung stellt". Mit Hilfe dieser Kreditsumme soll 
pß Kranken selbst geheilt werden müsse und die deutsche Wirtschaft von der Landwirtschaft 
^vnne. Er wird sich von selbst erholen, und es aus wieder belebt werden. Prof. Sombart 
mit vyx allem, in ihm das Vertrauen auf Bes- betont: 
lcrung zu wecken und wach zu erhalten. Nach „Es gibt zahlreiche Aufgaben im Bereiche 
^ouchcher Methode wird man ihn immer selbst der deutschen Landwirtschaft, die der Lösung 
vrederholen lassen müssen: „Es wird schon harren: Siedlung, Bodenmcliorationen, Ber- 
Meöcr besser"; höchstens kann man ihm von besserung des landwirtschaftlichen Genossen- 
zeit zu Zeit eine Kampferinjektion machen: schastswesens, Nationalisierung namentlich der 
>as ist im wesentlichen der Standpunkt, den Bauernwirtschaft u. a. Die Inangriffnahme 
>!e heutige (Oktober 1932) Regierung und mit svlcher»Arbeiten würde aber zunächst einmal 
hr die Großbanken vertreten. Nach der ande- Hunderttausenden, wenn nicht Millionen von 
:en Ansicht ist aus rein konstitutionellen Arbeitslosen Beschäftigung gewähren. Durch 
kräften des Kranken ans eine Heilung nicht zu die Aufträge an das Gewerbe, die sich nok 
Hindenbueg, Kanzler und Parteien 
Grundsätzliche nationalsozialistische Bereitschaft für eine Koalition 
Amtlich wird mitgeteilt: Reichspräsident von Reichspräsidenten von Hindenburg mit einem wei- Absaaen m erwarten ftnf, 
Hlndcnburg nahm gestern d-n Vortrag des R-ichs- ter und tiefer greifenden Aufbauprogramm pen mit seinem nawen S 
kanz ers von Pap°n über die Auffassung des K°- zu dienen, als sich das Papensche Programm bis- m Wir ver aa un 
b'n-tts zur rnnerpoMtschen Lage entgegen. Der her dargestellt hat. Es müßte auch ziemlich rasch ge- sätzl ck einer 1 
Re,chspra,ident betonte, daß er an dem der Ml- handelt werden, so daß der neue Reichstag bei sei- S! Jj«1-fl 
dung der Negierung von Papen zugrunde liegen 
den Gedanken einer nationalen Konzentration 
auch weiterhin festhalte. Dementsprechend beauf 
tragte er den Reichskanzler, in Besprechungen mit 
den Führern der einzelnen in Frage kommenden 
Parteien festzustellen, ob und inwieweit sie gewillt 
feien, die Regierung in der Durchführung des in 
Angriff genommenen politischen und wirtschaft 
lichen Programms zu unterstützen. 
Der Reichskanzler wird voraussichtlich noch vor 
seiner Reise nach Dresden, die am Montag statt 
findet, mit den Parteiführern erste Fühlung neh 
men. Papen kehrt von Dresden nach Berlin zu 
rück, um die Verhandlungen fortzusetzen, ehe er 
seine Reise nach Süddeutschland antritt. Von zu 
ständiger Stelle heißt es, daß das Kabinett ernst 
haft bemüht sei, sich mit den Parteiführern ans- 
zufprechen, um eine nationale Konzentration zu 
versuchen. Am Präsidialcharakter der Regie 
rung solle auch nach der Besprechung mit den Par 
teiführern nichts geändert werden, die Regierung 
wolle lediglich die Parteien für ihr Programm ge 
winnen. 
Ausführungen, die unter Umständen für die Ent 
wirrung der Lage von Bedeutung stirb, ent 
hält der gestrige „Angriff" des Reichstagsabgeovd- 
neten Dr. Goebbels. Diese Ausführungen bekunden 
im wesentlichen die grundsätzliche nativ- 
nalsozialistische Bereitschaft für 
eine Koalition, wobei man freilich den Be 
griff einer nationalen Konzentration anders auf 
faßt, als das im Kabinett von Papen der Fall zu 
sein scheint. Man hält den Anspruch auf das Kanz 
leramt aufrecht. Die genannte nationalsozialistische 
Zeitung schreibt unter Berührung einer Einigungs- 
M ö g l i chk ei t das Folgende: 
„Niemand verschließt sich der unumstößlichen 
Tatsache, daß nach dem Ausgang der Wahl die 
Stellung der derzeitigen Regierung unhaltbar 
geivordcn ist, mit Ausnahme der Regierung 
Papen selbst. Dafür besitzt man die kindliche 
Naivität, die sogenannte 
Bitten AaņmMick 
£ht Altona hat gestern frühmorgens die 
Polizei mit großem Aufgebot alle Herbergen, 
Logierhäuser, verdächtigen Lokale und Quar 
tiere überholt, wöbet auch recht viel vaga 
bundierende Jugend, Burschen und 
Mädchen asts allen Himmelsrichtungen, be 
troffen wurde. Bor allem in Hausgängen und 
Kellern stieß man auf Jugendliche, die sich 
seit einiger Zeit in immer größerem Maße 
auf Altonaer Gebiet aufhalten, Jugend zwi 
schen 13 und 20 Jahren. 
Die jungen Menschen wurden vorläufig in 
Schutzhaft genommen, um ihren Angehörigen 
oder dem Jugendamt zugeführt zu werden. 
Wahrscheinlich werden unter den Ertappten 
auch Ausreißer sein, wie es sie immer gegeben 
hat. Im besonderen aber dürfte der Pickizei- 
bericht auf ein erschütterndes sozia 
les G egen mar tskapitel hindeuten. 
Not daheim wird wohl manchem der Ju 
gendlichen den Nachhanseschub nicht als pures 
Glück erscheinen lassen. 
Ein greller Ausschnitt aus dem Bild unse 
rer Zeit! Der Segen geregelter Ar 
beit, die unserm Volk zum inneren Frieden 
verhelfen soll, würde sich auswirken bis in 
jene trüben kalten Nester des Elends, die man 
in Altona aufgestöbert hat. Jede Versäumnis, 
Hand an die Schaffung deutscher Arbeit zu 
leaen. erscheint Sünde. 
.nationale Konzen 
tration" auf dem Wege durchführen zu wollen, 
baß die in Frage kommenden Parteiführer sich 
plötzlich bcreiterklären sollen, das soeben vom 
Volke abgelehnte sozialreaktionäre Programm 
des Papenkabinetts anzuerkennen und sich für 
eine Zusammenarbeit im Sinne dieses Pro 
gramms zur Verfügung zu stellen. Wir können 
jedenfalls schon jetzt eindeutig erklären, daß 
die NSDAP, sich zu einer solchen Komödie nicht 
hergeben wird. Die 12 Millionen, die ihre 
Stimme für Adolf Hitler abgaben, haben dies 
nicht getan, damit wir hinterher die Politik des 
Lohnraubs und der Rentcnkürzungen des 
Papenkabinetts doch sanktionieren. Da auch von 
anderen in Fraae kommenden Parteien ähnliche 
Die vorstehenden Mitteilungen aus Berlin könn 
ten auf eine Stagnation der innerpolitischen Lage 
vorläufig zu Gunsten des Kabinetts von Papen 
schließen lassen, wenn nicht auch andere Faktoren, 
vor allem der schließlich zu ganzen Entscheidungen 
zwingende allgemeine Notstand, in Rech 
nung zu stellen wären. Für den nächsten inner 
politischen Entwicklungsabschnitt wird es sehr we 
sentlich darauf ankommen, ob die für eine auf brei- 
tere^ Kreise des Volkes gelagerte nationale Konzen 
tration in Frage kommenden Parteien sich im 
Hinblick auf die Nation ernsthaft und ehrlich zu- 
sammenfinden, und ob sie in der Lage sind, dem
	        
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