Full text: Newspaper volume (1932, Bd. 4)

LandeszsîLung 
Schlsswîg-kolslsînîschs 
125. Jahrgang 
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die Aufnahme öer Mimchems 
Die Entlarvung des Schneiders Ignaz Hum 
mel aus Offenburg ist in der deutschen Oeffentlich- 
keit fast stärker beobachtet worden als die Mün 
chener Rede des Reichskanzlers. Warum? Sie 
fiel wie ein Stein in den dunklen See des deut 
schen Gemüts. Als die Deutschen, von dem Plät 
schern erschreckt, die Köpfe hoben, sahen sie, dag 
dieser See nicht nur an den Rändern moorig und 
sumpfig geworden ist. Die N o t brodelt in seiner 
Tiefe. Und nur, weil diese Not so groß ist, war 
der Fall Daubmann-Hummel überhaupt möglich. 
Wie konnte eine Volksbewegung um diesen 
Mann mit den stechenden Augen und der fahrigen 
Unrast eines unsteten Wesens überhaupt ent 
stehen? Es geht Millionen Deutschen so schlecht, 
daß sie erschüttert aufblicken, wenn es einem 
Menschen noch schlechter geht. Da war dieser ver 
hungerte, herumgehetzte Kriegsteilnehmer, dieser 
angebliche Frontsoldat, den seine Freunde das letzte 
Mal sahen, als er blutend und wimmernd zwi 
schen dem Drahtgewirr der Gräben auf der fran 
zösischen Erde lag. Er war 13 Jahre nicht wie ein 
Mensch, sondern wie ein Verbrecher durch die La 
zarette und afrikanischen Gefängnisse geschleppt 
worden. Während wir Revolution und Inflation 
erlebten, brannte die glühende Sonne Afrikas 
auf seinen Schädel. Unendliche, verzweiflungsvolle 
Monate hindurch. Bis ihm eines Tages die Flucht 
gelang und der Kranke und aus der Welt Aus 
gestoßene bei einem deutschen Konsul in Italien 
auftauchte und um ein paar Pfennige Unter 
stützung zur Heimfahrt bettelte. 
So sah mau Daubmann. Und alles, was noch an 
nicht ganz überwundenen Kriegserinnerungen, 
was an seelischen Kriegsleiden und Mitgefühl in 
Deutschland lebendig war, heftete sich, als die Zei 
tungen davon erzählten, auf einmal an die Person 
dieses leidenden und gequälten Menschen. Man 
fühlte die eigene Not ins Riesenhafte vergrößert. 
Und man ging hin, baute Ehrenpforten und sam 
melte sich an den Bahnhöfen, durch die der Zug 
mit dem Zurückkehrenden fuhr. Man riß Taschen 
tücher hervor und winkte und schrie. Man holte 
Daubmann im Triumph zu seinen alten Eltern. 
Eine wahre Welle schmerzlich tiefer Teilnahme 
brandete über die Menschen dieses merkwürdigen 
Schickfalsvorganges zusammen. 
Und die Wirklichkeit? Ein vielfach vorbestrafter, 
abenteuerlicher Schneider fuhr, als das Geschäft 
schlecht ging, auf seinem Fahrrad nach Italien. 
Er trieb sich nach Landstreicherart im sonnigen 
Süden herum, vagabundierte und nächtigte im 
Freien. Und als er kein Geld mehr hatte, ging er 
in die nächste Stadt zum nächsten deutschen Konsul 
und erzählte ihm ein Märchen, um möglichst bil 
lig. sozusagen auf Reichskosten in die Heimat zu 
rückbefördert zu werden. 
Aber an dieses Märchen heftete sich nun dis 
P o l k s p h a n t a f i e!. Man hat oft darüver ge 
stritten, ob es so etwas wie Volksphantasie gibt. 
Aber diesmal war sie wirklich vorhanden. Sie er 
griff wie ein Dämon die Geschichte dieses Heim 
kehrers. Jeder, der zu Haufe davon erzählte, schrieb 
mit an seinem Roman. Die Setzmaschinen, die Zei 
tungen und illustrierten Zeitschriften waren wie 
angesteckt von diesem Schicksal. Selbst die kritischen 
Köpfe konnten sich in dieser Sturmflut nicht be 
haupten. Sie mußten klein beigeben oder schwei 
gen. Auch der so seltsam gefeierte und zum Nach 
kriegsmärtyrer Gewordene erlag widerstandslos 
dem dämonischen Treiben, das sich um ihn ab 
spielte. „Ich wußte nicht mehr," so bekannte er, 
„wie ich wieder herauskommen sollte". 
Das Traurigste: auch die Eltern des toten 
Daubmann glaubten an ihren wieder erstandenen 
Sohn. Vis zum letzten Augenblick wehrte sich die 
alte Mutter dagegen, die Entlarvung anzuerken 
nen. Unvorstellbar, was sich zwischen diesen ein 
fachen Menschen im Hause der Eltern Daubmanns 
abgespielt haben muß! Ein Gespinst von Lüge 
hing in jedem Winkel, lag über Tischen und Stüh 
len. Es verdeckte die sonst so klar blickenden Augen 
«uch der nächsten Freunde und Nachbarn. 
Warum das alles? Gerade wenn man sich all 
die schauerlichen Einzelheiten des tragischen Spie 
les mit heiligsten Gefühlen und Sehnsüchten vor 
stellt. kann man nicht nur an ein persönliches 
Mißgeschick, an ein grobes Täuschungsblendwerk 
glauben. In Wahrheit war diese traurige Groteske 
um einen angeblichen Heimkehrer und Totgeglaud- 
Schwerwisgeà àagmr à? Ws§e Mr MĶarchZs — KZttàârĢmZàLW rm 
Nà§àr? 
Hillers icifif m\ Mt Mens. 
TU. München, 12. Okt. Hitler sprach am Mittwoch 
in Pocking im unteren Inntal. Es waren etwa 10 0(H) 
Bauern aus Niedevbayern und Umgebung sowie von 
jenseits der Grenze aus Oesterreich gekommen. Hitler 
kritisierte scharf das Papenfche Wirtschaftsprogramiii, 
das in Wirklichkeit nur dazu führe, die furchtbare 
materielle und seelische Notlage des deutschen Volkes 
noch mehr zu verschärfen. Darüber könnten auch alle 
noch so dialektischen Reden nicht hinweghelfen. Der 
wahre Sinn des 13. August fei nichts anderes ge 
wesen als der Versuch, deļ nationalsozialistischen Be 
wegung die Verantwortung aufzubürden, ohne ihr den 
entsprechenden Einfluß zuzubilligen. Das wisse heute 
das ganze deutsche Volk. Nur Herr von Papen be 
haupte jetzt noch immer das Gegenteil. „Entweder, 
es wird in unserem Sinne regiert, dann tragen wir 
die Verantwortung. Oder es wird nicht in unserem 
Sinne regiert, dann trugen die anderen sie. Ich 
glaube an kein Regiment, das nicht im Volke selbst 
verankert ist. Ich glaube an kein wirtschaftliches Re 
giment, das das Pferd von hinten aufzäumt. Nicht 
von oben kann man ein Haus aufbauen, sondern von 
unten muß man beginnen. Die Fundamente eines 
Staates sind nicht die Regierung, sondern das Volk." 
Den bürgerlichen Parteien und Politikern, die seit 
dem November 1918 geschlafen hätten, während der 
Nationalsozialismus gearbeitet hätte, antworte er: 
Heute ist nicht mehr eure Zeit, sondern unsere Zeit. 
Papen, der erst vor drei Monaten aus der Zentrums 
partei ausgetreten sei, in der er ein Dasein unter Aus 
schluß der Oeffentlichkeit geführt habe, habe bis heute 
nichts geleistet. Wenn Papen sage: „Sie sind nur da, 
weil die Not da ist", dann antworte er: „Ja, wenn das 
Glück da wäre, dann brauchte ich nicht hier zu sein, 
und ich würde nicht hier sein." Ich werde nicht dulden, 
daß diese sogenannten bürgerlichen Politiker die vom 
Nationalsozialismus in harter Arbeit aufgebaute Volks 
gemeinschaft wieder auseinanderreißcn, sondern ich 
werde dieses deutsche Volk im Innern wieder aus 
söhnen. Ich weiß, daß ich damit die Voraussetzung zu 
neuer Größe der deutschen Nation schaffe." 
Der Reichskanzler von Papen ist aus Bayerns 
Hauptstadt wieder nach Berlin zurückgekehrt, nach 
dem er gestern nachmittag noch dem Kronprin 
zen Rupprecht einen Besuch abgestattet und 
dkl einem Besuch im Akademisch-Politischen Klub 
Ziel seiner Innenpolitik die Herstellung einer 
dauerhaften Verbindung zwischen Regierung und 
Dolkswillen sowie die Gründung einer neuen 
Volksgemeinschaft bezeichnet hatte. Bei einer ab 
schließenden Abendveranstaltung erklärte der Prä 
sent des Bayerischen Jndustriellenverbandes, 
Pohlinger, die Wirtschaft wolle zu ihrem Teil im 
Şinne der Ausführungen des Kanzlers mithelfen, 
das Vaterland wieder zur Gesundung zu führen. 
Papen sprach noch einige verbindliche Worte, und 
dann wurde es bald Zeit, den Nachtschnellzug nach 
Perlin zu besteigen. 
Im Mittelpunkt der öffentlichen Vsran- 
şialtungen in München stand Papcns Rede vor den 
Industriellen, über die auf der 3. Hauptblattfeite 
Weiter berichtet wird. Diese Rede, die außen- und 
înnerpolitisch, wirtschafts- und sozialpolitisch so- 
versassungspolitisch gegliedert ist, verdient auf 
l^den Fall große Beachtung, ob man Pa- 
Pens Politik volles Vertrauen entgegenbringt, 
Zder nicht. Die Dauer seines Wirkens als Kanzler 
Pt noch nicht abzuschätzen, vorläufig waltet er sei 
nes Amtes mit der ihm eigenen Entschlossenheit, 
ş^ofûr sein in München zitiertes Wort Treitschkes 
^-Ņîänner machen die Geschichte" ein Beleg ist. 
.Im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen wohl 
die Ausführungen des Reichskanzlers über die 
Verfasfungs- und Reichsreformpläne 
der^ Reichsregierung, die in der Presse verschieden 
artig aufgenommen werden, teils mit offener Zu- 
ailnmung, teils abwartend und teils ablehnend, 
größte Aufmerksamkeit verdient die Stelle in der 
?iîde Papens, an der den Ländern eine neue 
o a a t l i ch e Autonomie zugesagt wird. Die 
^tonts Zustimmung des Kanzlers zum zweiten 
7-eil der Weimarer Verfassung ließ die Frage er 
gehen: Wie steht die Reichsregierung zum e r ft e n 
>^il der Weimarer Verfassung, in denen die 
Grundformen und Grundrechte des republikani- 
jîn Deutschlands verankert sind? Was soll von 
oieseņ Artikeln durch ein weitreichendes Reform- 
^rk aufgehoben werden? Diese Frage wird in 
bn nächsten Wochen nach allgemeiner Auffassung 
ķ sehr in den Mittelpunkt der politischen Dis- 
Vsionen treten, daß vorläufig nur mit einem 
Z^rzen Wort auf die vom Kanzler bezeichnete Pro- 
. iematik hingewiesen sei. Wie Papen sagte, soll 
Ländern — und man wird dabei nicht nur an 
.Iberische, sondern auch an württembergische Wim 
mle denken müssen — Verfassungsautonomie zu- 
şibilligt werden. Was heißt das? Nach Artikel 17 
. ^ bisherigen deutschen Reichsversassung muß je- 
îs deutsche Land „eine freistaatliche Verfassung" 
üben. Es muß mit andern Worten „Republik" 
ş'n. Eine Aenderung dieser republikanischen Ver- 
ichlung war bisher ohne Zustimmung des Reiches 
^ņô^ohne Abänderung der Reichsverfassung nicht 
^ Ehalten die Länder jedoch Versaffungsauto- 
so ist — vorläufig nur theoretisch gesprochen 
i1ö şşr Fall denkbar, daß ein deutsches Land, ob- 
M es dem Deutschen Reiche angehört, doch tief- 
^llende Verfassungsänderungen bei sich einführt, 
uuş . nen bisherigen republikanischen Eharakier 
J neue Staatsform umstellen. Man dis- 
în politischen Kreisen unter dem Eindruck 
£ ^ '^nzlerworte den folgenden Fall: Erhält 
ä Bayern die absolute Verfassungsautono- 
5g ’ Şîn steht kein staatsrechtliches Bedenken im 
Ke, etwa — wiederum nur theoretisch gesprochen 
Dļinllş" bayerischen Kronprinzen Rupprecht zum 
Ņb; ^Präsidenten oder zum Landesverweser zu 
Nis»/Die Umwandlung der deutschen republika- 
ņ Verfassung in eine solche einer 
iväre ņ^uen konstitutionellen Monarchie 
öunäsg?"? durchaus in dem Sinne möglich, daß 
Ņ einmal „von unten her", d. h. von einem 
einzelnen Lands oder von mehreren Ländern, diese 
Umformung eingeleitet würde. Später, wenn sich 
auch für das Ausland die Ungefährlichkeit eines 
solchen Vorgehens ergeben hätte, ließe sich dann 
auch für die Gesamtheit des Reichs eine ähnliche 
Reichsverweserschaft, oder wie man als Vorberei 
tung weiterer Entwicklungen eine solche Zwischrn- 
stufg nun nennen will, einrichten. Eine derartige 
Entwicklung läge durchaus auf dem Wege, oen 
die Kanzlerrede gewiesen hat. Denn wenn von 
einem Heiligen Deutschen Reich und einem sacrunr 
Imperium als dem Zukunftsziel der deut 
schen Entwicklung gesprochen wird, dann ist ein 
solches imperium kaum ohne einen Führer denkbar, 
der auch in seiner Haltung und seinem Titel die 
ses imperium im Sinne der Ueberlieferung 
verkörpern würde. 
Wie gesagt, derartige Betrachtungen sind durch 
die Kanzlerrede in München in vielen politischen 
Zirkeln ausgelöst worden. Sie stimmen mit man 
chem überein, was in der letzten Zeit aus deutsch- 
nationalen und anderen Kreisen in die Oeffent- 
lichkeit hineinfloß. Auch wenn vorläufig noch eine 
rasche Verwirklichung dieser auf Jahre berechneten 
Entwicklung dementiert wird, so ist doch 
die Möglichkeit eines Umbaues Deutschlands 
in dieser Richtung 
nicht mehr ohne weiteres als „Spiel müßiger 
Köpfe" abzutun. Die Rede in München hat diese 
seit 14 Jahren verschütteten Fragen von neuem 
vor die politische Oeffentlichkeit gestellt. Der Mei 
nungskampf hat damit eine politische Bereicherung 
erhalten, die weit über die sonstigen politischen 
und verfassungsrechtlichen Diskussionen der letzten 
Monate und Jahre hinausgreift. 
Wie aus Papens Rede hervorgeht, wird das 
Kabinett in der Zeit bis zu den Wahlen den Ent 
wurf einer neuen Verfassung fertigzustellen suchen, 
so daß sich der neue Reichst a g damit be 
schäftigen kann. Weil aber voraussichtlich der Ent 
wurf vom kommenden Reichstag nicht verabschie 
det werden wird bezw. kann, weil zu seiner An 
nahme eine Zweidrittelmehrheit gehört, so beab 
sichtigt dem Vernehmen nach die Reichsregierung 
noch im November die Einberufung einer 
Nationalversammlung, 
wobei man von Potsdam als Einberufungsort 
spricht. Eine solche Nationalversammlung hätte 
sich mit den drei von Papen betriebenen Kardi 
nalproblemen zu beschäftigen: Parlamentarische 
Umformung durch Schaffung einer Ersten Kam 
mer sowie Wahlrechtsreform, Beseitigung des Du 
alismus zwischen Preußen und Reich durch Ver 
schmelzungsmaßnahmen und Befriedigung der 
übrigen Länder durch die dargelegte Zuerkennung 
einer Verfassungsautonomie. Die nicht verstummen 
wollenden Gerüchte, daß die Nationalversamm 
lung den Auftakt zu einer Neichsverweserschaft mit 
dem Endziel der Wiederherstellung der Monarchie 
bilden solle, seien mit Vorbehalt wiedergegeben. 
Papens Vayernfahrt bestätigt abermals, daß 
wir, so oder so, in einem entscheidenden 
Abschnitt politischer, um nicht zu sagen ge 
schichtlicher Entwicklung uns befinden. Mit dem 
sacrum imperium, dem Heiligen Reich, hat Papen 
Begriffe aufgerührt, die bis in vorbismarckifche 
Zeit zurückführen. Ob ein in absehbarer Frist aus 
dem Zustand der Theorie in den der Aktualität 
übergehender 
Kampf um die Staatsform 
geeignet ist, die Sammlung der Ration für vor 
dringlichst lebenswichtige Eefamtziele zu bewirken, 
fei dahingestellt. Was das Volk zunächst vor allem 
braucht, ist, alles in allem gesehen, ein Staat, in 
dem stch's leben läßt und in dem Gerechtigkeit ge 
übt wird. Für einen solchen Staat, aber nur für 
einen solchen, wird der Mann des Volkes durchs 
Feuer gehen. Allein Taten führen einen solchen 
Staat herauf. 
Frick zur Kanzlerrede. 
Bei einer nationalsozialistischen Beamtcnkund- 
gebung gab Dr. Frick seinem Bedauern Ausdruck, 
daß der Kanzler in München erneut den Stand 
punkt vertreten habe, baß die Nationalsozialisten 
die ganze Macht beansprucht hatten. Eine solche 
Behauptung werde auch durch Wiederholung nicht 
wahrer. Wenn der Kanzler in München Ver 
trauen als die notwendige Voraussetzung für 
Arbeit und Brot bezeichnet habe, so habe er sich 
mit dieser Erklärung selbst das Urteil gesprochen. 
Denn die Abstimmung im Reichstag habe ge 
zeigt, daß er weniger Vertrauen besitze als irgend 
einer seiner Vorgänger. 
Wels protestiert bei Meißner. 
TU. Berlin, 13. Okt. (E!g. Funkmeldung.) 
Der Führer der Sozialdemokratischen Partei, 
Otto Wels, hat, wie der „Börsenkurier" mel 
det, gegen den Passus der Münchener Neichs- 
kanzlerrede, das) jeder ein Feind des Volkes 
sei, der sich nicht eindeutig hinter die Negie 
rung Papen stelle, noch am Mittwoch bei dem 
Staatssekretär des Reichspräsidenten schärf- 
stens Protest erhoben und ihn zugleich ersucht, 
diesen Protest an den Reichspräsidenten wei 
ter zu leiten. Meißner erklärte, diesem Wun 
sche sofort entsprechen zu wollen. Die Sozi 
aldemokratie erblicke, so heißt es, in der 
Aeußerung Papens eine Vrüskierung von 
Millionen Volksgenossen, die für Deutschland 
im Felde geblutet und an seinem Wiederauf 
bau nach 1918 mitgearbeitet hätten. 
Der Danzrger Volkstag lehnte den 
national-sozialistisch-kommunistischen Antrag 
auf Auflösung mit 46 gegen 15 Stimmen ab.
	        
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