Full text: Newspaper volume (1932, Bd. 3)

— 
ôd)îeswtg-Bolfteinifd)e Ccmdesgeffung 
125. Jahrgang. 
125. Jahrgang. 
Schrîftleîtung und Geschäftsstelle: Rendsburg. Bahnhofstraße 12/18 
Fernsprecher Nr. 2551 — Telegramm-Anschrift: Tageblatt 
Bezugspreis: Monatlich RM. 1.75. zuzüglich 25 Pfg. Bestellgeld. Bei Abholung 
RM. im — Ausgabe B mit Illustrierter Beilage RM. 2.25, bei Abholung RM. 2.05. 
Einzelnummer 10 Pfennig, Sonnabends 15 Pfg. 
«-mkkmlen! Weftholstelnische Dank. Spa» und Leih-Kaffe, D-niko-rek, A.-D.. WirNch-st-kank, Deamtenbmik, 
Schleswîg-Holstàìschr Dank, Landkreditbank A.-D. alle in Rendsburg und Gem-inde-Sp-rkals-, Dàlsdorķ. 
Poltlch-ck-Konwî K-nnîmrg 1627«. Erfüllnngso« Rŗndsbnrg. 
Bei Zahlungsverzug oder Konkurs entfällt der 
Anspruch auf einen gewährten Anzeigen - Rabatt. 
Im Falle höherer Gewalt hat der Bezieher keinen 
Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung der 
Zeitung oder aus Rückzahlung des Bezugspreisen 
Anzeigenpreis: Die 10 gespaltene Kolonelzeile 25 
Reklamen 125 W. Zahlungsziel 14 Tage. 
FSrAufnahme derAnzeigen an bestimmtenPlätzen sowie 
in den vorgeschrieb. Nummern kann keine Gewähr über. 
nommen, eine Erfatzpflicht od. Haftung bei Nichteinhaltg. 
derartiger Bestimmungen also nicht anerkannt werden. 
SsnnàĶ, den 3. Mi 
ung aus den Fesseln der Reparationen den be 
ginn einer neuen Aera zwischen den Völkern, 
Mit den Lausanner Verhandlungen ist aufs eng 
ste verknüpft gewesen die Erörterung der politi 
schen Fragen, die die Deutschland durch den Ver 
sailler Vertrag vorenthaltene Gleichberechtigung 
betreffe,,. Durch zahlreiche Besprechungen zwischen 
den führenden Staatsmännern sind sie der Lösung 
weiter entgegengeführt. Unser Standpunkt in die 
ser Lebensfrage des deutschen Volkes ist durch die 
Lausanner Verhandlungen festgelegt und kann, 
wenn er auch hier noch nicht von allen Nationen 
angenommen ist, nie wieder aus der Erörterung 
verschwinden. Die Reichsregierung wird die durch 
den Vertrag von Lausanne gewonnene außenpoli- 
tischs Freiheit benutzen, um die politischen Fragen 
auch weiterhin mit größter Energie zu betreiben. 
Sie AusnchM cntf Ui Gegenseite. 
Herriot und Macdonald enthusiasmiert. 
Der englische Ministerpräsident Macdonald rief 
nach der heutigen großen entscheidenden Sitzung, 
an der sämtliche sechs Mächte teilnahmen, der 
Presse zu: „Sehr gute Nachrichten! Wir sind fertig!" 
Macdonald verließ als Erster den Sitzungssaal. 
Eine Viertelstunde später verließen auch die Deut 
schen die Sitzung. Das Kompromißabkommen von 
Lausanne scheint damit zustandegekommen zu sei::. 
Herriot umarmte beim Verlassen des Hotels ein 
deutsches und ein französisches junges Mädchen und 
erklärte: „So will ich Deutschland und Frankreich 
miteinander vereinigen!" 
De?- Mmg vm England 
Die Abschlutzreden der Staatsmänner in Lausanne. 
TU. London, 9. Juli. (Eig. Funkmeldung). Der 
König hat eine persönliche Botschaft an den Mini 
sterpräsidenten Macdonald gesandt, in der er ihn 
zu der in Lausanne erreichten Einigung beglück 
wünscht. 
(Weiteres siiehe nächste Seite.) 
Amnestievorlage in Preußen gefallen, 
TU. Lausanne, 9. Juli. (Eig. Funkmeldung.) 
Der Vertrag von Lausanne ist am Sounabend 
vormittag in der feierlichen Schlußsitzung der 
Konferenz von sämtlichen beteiligten Mächten 
unterzeichnet worden. 
Die feierliche Schlußsitzung der Lausanner 
Reparationskonferenz fand am Sonnabend 
vormittag in dem großen Kuppclsaal des Ho 
tels Beau Rivage statt. Wieder füllten in dich 
ten Reihen gedrängt die Delegierten, die 
Presse und ein zahlreiches Publikum den Saal, 
^er vis auf den letzten Platz besetzt war. 
Sämtliche Delegationen nahmen der Reihen- 
solge nach an dem großen viereckigen, mit grü 
nem -ruch bedeckten Tisch Platz. 
Die Sitzung begann mit einer gleichlauten 
den Erklärung h^r Vertreter Englands, 
Frankreichs und Italiens, öerzufolqe die Re- 
Eine stürmische Landtagssitzung. — Kube (Rat. Sog.) über die Vürgerkriegsvorbereitungen des Reichsbanners 
Vertagung des Landtages auf unbestimmte Zeit. 
Die gestrige Sitzung des preußischen Landtages eins ausreichende politische Amnestievorlage zu erheben.) Die nationalsozialistische Fraktion stell 
nahm einen stürmischen Verlauf und zeigte die verabschieden wünschten. hierzu fest, daß etliche ihrer Abgeordneten berci 
Schwierigkeiten einer geordneten Staatsarbeit Infolge der Auseinandersetzungen im Aeltesten- seien, eidesstattlich zu versichern, einen solchem 
durch das gespannte Verhältnis zwischen der ge- rat lag iàr der Landtagssitzung schon zu Beginn Zwischenruf nicht gemacht zu haben. (Einzelne Zu 
schästssührenden Regierung und der nationalen ^ine gewisse Unruhe. Vor Eintritt in die Tages- rufe bei den Sozialdemokraten lösen bei den Na 
Opposition, die bekanntlich bereit ist, die volle Ver- ardnung erhält tionalsozialiften erneut lebhafte Unruhe aus, di 
antwortung in Preußen zu übernehmen. Der vom 0 . sich zu Drohungen gegen die Sozialdemokraten 
Stoatsrat vorgelegte Amnestieentwurf wurde rm «dg. Gaule,ter Loche (Nat.-Soz.) namentlich den Abg.Kuttner, steigert.) Diese schäm 
Landtag abgelehnt, da die hier vorgeschlagene poli- das Wort zu einer Erklärung. Unter erregten losen Lügen, so fährt der Redner fort, könne m» 
tische Amnestie fast vollkommen wirkungslos ist. Protesten seiner Parteifreunde verliest der Redner erfinden, wer selbst kein Vaterland kenne, da 
Nationalsozialisten und Deutschnationale haben in ein sozialdemokratisches Flugblatt, in dem gegen Deutschland heißt. (Stürm. Händeklatschen bei de- 
Erkenntnis dessen, daß jegliche fruchtbringende Ar- Lohşe der Vorwurf erhoben wird, er habe am 23. Nat.-Soz.) 
beit in Preußen bei den derzeitigen Machtverhält- Juni im Landtag die Ehre der Frauen, die ihre J, . Taaesordnuna liebt dann als ersie 
niffen der geschäftsführenden alten Negierung nn- Söhne in den Krieg geschickt hätten, in schamloser ^,,«kt die ~ 3 ~ 3 ' . 
möglich ist, gefordert und den Antrag gestellt, daß Weise angegriffen. Die Abgeordneten der natio- ^ 
nalsozialistischen Fraktion erheben sich fast restlos Ainnestievorlage. 
von den Plätzen und begleiten die Ausführungen Als dazu Justizminister Dr. Schmidt das Woi 
des Redners mit stürmischen Entrüst,mgskund- ergriff, verließ die nationalsozialistische Fraktio 
gebungen und drohend erhobenen Fäusten zu den geschlossen den Saal. Der Justizminister gibt ein 
sozialdemokratischen Bänken. Abg. Lohse erklärt Erklärung ab, in der er sich gegen die von de 
weiter, das Flugblatt sei eine dreiste Erfindung Nationalsozialisten im Landtage gegen die Just! 
der sozialdemokratischen Volksbctrüger und schmut- und ihre Beamten gerichteten heftigen Angriff 
zige Wahlmnche. Vor der gesamten deutschen Oes- rvendet. Diese Angriffe hätten eine starke Erreguu 
fentlichkeit weise er nicht nur für seine Person, (n den beteiligten Kreisen ausgelöst. Der Ministe 
sondern auch für alle Mitglieder der Fraktion die betont, daß er gegen diese Angriffe aufs schärfst 
in dem Flugblatt enthaltenen frechen Lügen Verwahrung einlegen müsse, 
zurück. Außerhalb der Tagesordnung erhält darau 
Vor Eintritt in die Tagesordnung spricht weiter während die Nationalsozialisten wieder im Sac 
Abg. Freisler (Nat.-Soz.). Er führte in einer Er- erscheinen, Abg. Dr. Freister (Nat.-Soz.) da 
klärung aus, daß im gesamten Lande ein Lügen- Wort zu einer Erklärung, in der er sagte, daß di 
und Verleumdungsfeldzug gegen die National- Vorwürfe gegen die Anwaltskämmeru voll au 
sozialistische Partei begonnen habe. Den Gipfel- rechterhalten werden müßten. Im Anwaltsstank 
punkt an Schamlosigkeit stelle die sozialdemokrati- hätten Judenjungen übelster Sorte Platz gefui 
sche Behauptung dar, daß im Landtag ein natio- den und würden dort geschützt. Ein Teil der pre, 
nalsozialistischer Zwischenruser gesagt haben soll: Hischen Richter, Anwälte und Staatsanwälte st 
„Ihr dummen Ziegen, weshalb schickt Ihr Eure den Anordnungen parlamentarischer Schieber g< 
Kinder ins Feld, damit sie als Kanonenfutter folgt und habe das Recht zur Dirne der SPZ 
dienen konnten." (Stürmische Zwischenrufs bei beit gemacht. 
Nationalsozialisten, die sich wieder von den Plätzen Als Minister Schmidt den Saal verlassen wil 
kommens hinauvgeimooen wird, *tm diesen 
Mächten die Möglichkeit zu gehen, in der 
Zwischenzeit eine endgültige Regelung der 
gesamten Kriegsschulden mit der amerikani 
schen Regierung herbeizuführen. 
Unter lautloser Stille des Saals begann die 
feierliche Unterzeichnung des „Aktes von 
Lausanne" durch die sechs einladenden Mäch 
te England, Frankreich, Italien, Dcutzchland, 
Belgien und Japan. Als Erster unterschrieb 
mit einer goldenen Feder der englische Mini 
sterpräsident Macdonald, dann die weiteren 
Glänbigermächte und zum Schluß Dentsch- 
lcmö, da der Vertrag zwischen den fünf Gläu- 
L4g er mäch ten auf der einen und Deutschland 
auf der anderen Seite abgeschlossen wird. Es 
wurden dann der Reihe nach sämtliche Proto 
kolle einzeln unterschrieben. 
T.-U. Berlin, 8. Juli. Im Preußischen 
Landtag fanden am Freitag die Abstimmungen 
über die politische Amnestie statt, gegen die 
der Staatsrat Einspruch erhoben hat. Für die 
Vorlage wurden 244 gegen 157 Stimmen ab 
gegeben. Die erforderliche Zweidrittelmehrheit 
ist also nicht erreicht. Damit ist die vom Land 
tag gewünschte politische Amnestie infolge 
Einspruchs des Staatsrates gescheitert. 
Schon die vorhergehende Sitzung des Aeltesten- 
rats war nach wenigen Minuten aufgeflogen, da 
die Nationalsozialisten erklärten, die vom Staats 
rat verabschiedete Amnestievorlage sei so unge 
nügend, daß an ihrer Ablehnung gar nicht zu 
zweifeln sei. Unter diesen Umständen würden die 
Nationalsozialisten einer Vertagung des Land 
tagsplenums für einige Zeit im Juli nicht zu 
stimmen können, da sie unter allen Umständen 
äis
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.