Full text: Newspaper volume (1932, Bd. 3)

der 12. Schkeswig-Hsķfiàffche HKKSweàsàg foröerr 
Umbau -er Organisation öcs deutschen Handwerks. 
12. Kreis- und Provinzial-HandwerkerLag in Rendsburg. — Wichtige Entscheidungen über den Organisationsaufbau des deutschen Handwerks: 
Handwerkskamrnertag und Reichshandwerkerbund. 
Scharfe Kritik'au see Arbeit -es Rrichsverbmrses des Deutschen Handwerks. 
Der 12. Schleswig-Holsteinische Handwerkertag 
begann am Sonnabenbnachmittag mit einer Vor- 
standssitznng des Krcishandwerkervundes Nends- 
bnrg und einer Ausfchntzsitznng des Landesver 
bandes Schleswig-Holstein des Nordwestdeutschen 
Handwerkerbundes, in welcher die Anträge zum 
Schleswig-Holsteinischen Handwerkertag eingehend 
beraten und zum Teil abgeändert wurden. Am 
Sonnabendabend vereinigte ein 
Empfangs- und Begrüßungsabend. 
der Ortsgruppe Rendsburg die Rendsburger Hand 
werker mit ihren Familienangehörigen und den 
auswärtigen Gästen im Conventgarten zu einem 
geselligen Beisammensein. Nach einigen Musik 
vorträgen hieß der Ortsgrirppenvorsitzenöe von 
Rendsburg, Schlossermeister Balkc, die Anwesen 
den herzlich willkommen. Er begrüßte insbesondere 
die Vertreter der Behörden, der Stadt und des 
Kreises, des Landesverbandes, der Handwerkskam 
mer und der Landwirtschaft. In kurzen Umrissen 
wies er dann auf die Aufgabe des Handwerker 
bundes als einer Kampforganisation hin, die 
immer wieder gestärkt werden müsse im Jntcr- 
efle der handwerklichen Standesvertretung. 
Kreisvorsitzender Schmiedemeister Wriedt sprach 
im Namen des Kreisvorstanöes und begrüßte es, 
daß trotz der dunklen Zukunft die Ortsgruppe 
Rendsburg den Teilnehmern des Handwerker 
bundes einige Sutnden der Freude und Gemüt 
lichkeit bescheren wolle. Von den Gästen ergriff 
Bürgermeister Dr. de Haan 
das Wort zu den folgenden beachtenswerten Aus 
führungen: 
Ich habe den Auftrag, Ihnen im Namen der 
städtischen Kollegien der Stadt Rendsburg ein 
herzliches Willkommen zuzurufen. Das Handwerk 
in Not? Nein, nicht in Not, sondern in wilder 
Verzweiflung. Die Not in allen Teilen des Volkes 
wächst von Tag zu Tag bis zur Unerträglichkeit. 
Das gesamte Unterstiitzungswesen ist im Wanken 
und droht zusammenzubrechen. Die öffentlichen 
Körperschaften vegetieren nur noch von Staatszu 
schüssen. 
Wenn sich die Befürchtungen weitester Kreise 
unseres Volkes bewahrheiten sollten, daß uns auch 
das neue Wirtschaftsprogramm der Regierung nicht 
die Massen unserer Erwerbslosen an die Ar 
beit bringen wird, so erivarten und verlangen wir, 
daß weitere andere oder neue Wege gesucht und 
beschritten werden, die uns, die unser Volk wiedr 
in die Arbeit bringen. 
„Her mit der Arbeitsbeschaffung", „Neuaufbau 
von Staat und Wirtschaft", unter diesem Motto 
tagt der Schleswig-Holsteinische Handwerkertag in 
Rendsburgs Mauern. Manche Umwälzungen auf 
staatlichem und wirtschaftlichem Gebiet nahmen 
ihren Ursprung in unserer Stadt. Möchte auch 
diese Tagung für Staat und Wirtschaft fruchtbrin 
gende und aufbauende Erfolge erzielen, das ist 
unser Wunsch. 
Her mit der Arbeitsbeschaffung — dann wird 
es auch nicht nur unserem Deutschen Handwerk, 
sondern auch uns allen und nicht zum mindesten 
uns Leitern von Städten und Gemeinden wieder 
möglich sein, zu arbeiten und aufzubauen, nicht 
wie jetzt als Sparkommissar oder Konkursverwal 
ter, sondern als Glied einer Kette znm Wieder- 
ansbau eines geeinten, wirtschaftlich gesunde», 
großen Deutschen Vaterlandes. 
Einige Violinvorträge von Herrn O. Riedel 
(Beethoven-G dur-Romanze, Mozart-Menuett, 
Sträßer-Arioso) ließen auch die Freunde guter 
Musik auf ihre Rechnung kommen. Reicher Bei 
fall lohnte den Vortragenden für seine Darbie 
tungen. 
In einer kurzen Ansprache beleuchtete Kreis- 
geschäftsführer Dr. Feddersen die Aufgaben des 
Handwerks im Wirtschaftsleben als Mittler zwi 
schen Kapital und Arbeit und seine Zusammen 
arbeit mit der Landwirtschaft. Im Kampfe gegen 
die internationale Finanz würden alle Gruppen 
des Mittelstandes sich zusammenfinden müssen mit 
dem Ziel, durch Arbeitsbeschaffung die Krise zu 
überwinden. 
Der Lanöesvorsihende Schneidermeister Kohrt, 
Kiel, überbrachte die Grüße der Kammern, der 
Bünde und des Nordwestdeutschen Handwerker 
bundes. 
Hanöwerkertag 
öeÄ Rttifts Nenösburg. 
Am Sonntagmorgen um 8.30 Uhr wurde in der 
Schweizerhalle durch den Kreisvorsitzenden, 
Schmiedemeister Wriedt, Rendsburg, der 12. Kreis- 
handwerkertag Rendsburg eröffnet. In seinen 
Ausführungen beleuchtete der Vorsitzende kurz 
den Entwicklungsgang des Sclbsthiilsegedankens 
von der Ausgleichskasse Rendsburg bis zum Ar> 
bcitsbeschaffungsprogramm des Landgemeindever- 
banöes. das jetzt auch inhaltlich das Programm des 
Landesverbandes Schleswig-Holstein, des Bauern 
bundes und anderer Organisationen geworden 
sei, obgleich es noch vor Jahresfrist von allen Sei 
ten bekämpft wurde. Der vorliegende gedruckte 
Geschäftsbericht wird von Dr. Feddersen eingehend 
erläutert und ergänzt. 
Die satzungsmätzig ausscheidenden Vorstandsmit 
glieder Wriedt (Vorsitzender) und Friedrichse» 
(Kassierer) werden einstimmig wiedergewählt. Für 
das ebenfalls ausscheidende Vorstandsmitglied 
Kühl, Fockbek, hat die Wahl durch die Mitglieder 
im Bezirk Hohner-Haröe zu erfolgen. Als Kaffen- 
revisorcn werden Balke, Rendsburg, wieder- und 
Wulff, Nortors, neugewählt. Der nächste außer 
ordentliche Handwerkertag wird in Nortors abge 
halten werden. Unter Verschiedenes entspann sich 
eine kurze Auseinandersetzung über den Eigen- 
heimbunö Niedersachsen, an der sich u. a. Balke und 
Ditting beteiligten. 
12. WesVlg-HMeiliWr 
HMNttSerliz. 
Anschließend an den Kreisha:rdwerkertag Rends 
burg begann um 10 Uhr im Schützenhof der 12. 
Schleswig-Holsteinische Handwerkertag, der von 
dem Landesverbandsvorsitzenden 
Schneidermeister Kohrt-Kiel 
eröffnet und geleitet wurde. Der Besuch der Ver 
anstaltungen war trotz des schlechten Wetters und 
der wirtschaftlichen Schwierigkeiten über Erwarten 
gut. Der Geschäftsbericht liegt der Versammlung 
gedruckt vor. Auf eine mündliche Wiedergabe wird 
verzichtet. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder 
Bayer, Plamveck und Reimers werden einstimmig 
wiedergewählt. 
Eine Bestätigung der Beschlüsse des Ausschusses 
vom 18. Januar über eine Ergänzung des Vor 
standes durch den Handwerkertag erübrigt sich, de 
die Angelegenheit inzwischen durch die Verhältniße 
überholt ist. Ein Antrag Rendsburgs aus eine Er 
gänzung des Lanöesverbandsvorstandes nach gewis 
sen Grundsätzen wird zurückgezogen, da inzwischen 
vom Ausschuß ein Antrag angenommen worden ist, 
nach welchem zum Vorstand des Landesverbandes 
je ein Vertreter aus Schleswig und Holstein tritt, 
die Stimmrecht bei allen Beschlüssen und Beratun 
gen haben. Durch diesen Beschluß wird eine Aende 
rung der Satzungen vermieden und trotzdem eine 
engere Zusammenarbeit zwischen Kiel und dem 
Lande gewährleistet. Es sind gewählt worden,' 
Wriedt-Rcndsbnrg und Frahm-Faulück. 
Zwei Anträge von Altona-Pinncberg, die bas 
Stimmverhältnis und das Stimmrecht der einzel 
nen Kreishanöwerkerbünde auf dem Verbandstag 
nach den aufgebrachten Beiträgen bemessen wollen, 
werden von der Versammlung gegen die Stimmen 
de: Antragsteller abgelehnt. 
Er folgt sodann ein Vortrag von dem Verbands-- 
syndikus Dr. Köhler-Kiel über 
Die Grsamfatimisfrage öes ömtfchm Handwerks 
in Gegenwart and Tukrrnft 
der geeignet ist, die ordganisatorifche Entwicklung 
des nordwestdeutschen und darüber hiuans des deut 
schen Handwerkerstandes entscheidend zu beeinflus 
sen. Die Schlußfolgerungen dieses Vortrages gehen 
dahin, daß eine Trennung in der Reichsspitze ge 
fordert wird, und zwar der Vertretung der freien 
Organisation auf der einen Seite und der gesetz 
lichen Körperschaften auf der anderen Seite. Wir 
geben im folgenden die Ausführungen von Dr. 
Köhler im Auszuge wieder: 
„Die Organisationsfrage des Handwerks ist eine 
der Schicksalsfragen des Standes, an der man nicht 
vorübergehen kann bei der Neuordnung der hanö- 
werkerlichen und nationalen Zukunft. Im Zusam 
menhang damit ist auch die Frage zu lösen, wie eine 
Vercinsachung der Organisationssorm und damit 
Verstärkung der Schlagkraft des Handwerks ermög 
licht werden kann. Eine wesentliche Rolle hierbei 
spielt auch die finanzielle Seite der Angelegenheit, 
die ihre Verschärfung erfährt im Zusammenhang 
mit der FührunPsfrage im Spitzenverband. Weiter 
gesehen müssen diese Auseinandersetzungen betrach 
tet werden im Rahmen des Gegensatzes: Individua 
lismus — Universalismus. 
Eine Schätzung des Beitragsaufkonnnens des 
deutschen Handwerks ist möglich, wenn man an 
knüpft an Untersuchungen von Dr. Rieser, die die 
ser in verschiedenen Aufsätzen veröffentlicht hat. 
Wenn man ausgeht von einem Beitragssatz von 30 
RM. pro Jahr und Handwerker, so kommt man für 
1931 auf eine Veitragshöhe von etwa 36—40 Millto- 
neu Mark. Im Verhältnis zu den Leistungen ande 
rer Berufsstände ist dies keine so ungeheuer hohe 
Summe, wie es zunächst den Anschein hat. Die Höhe 
des Beitrages bezw. das Urteil darüber hängt im 
wesentlichen doch davon ab, ivie der einzelne Vei 
tragszahler das dafür Gebotene und Geleistete ein 
schätzt. Im allgemeinen soll man aber nach dem 
Prinzip vorgehen: Größte Leistung bei möglichst 
niedrigen Beiträgen. 
Seit Jahr und Tag sind wir mit der Führung des 
Spitzenverbandes unzufrieden. Andere Berufe ha 
ben in den letzten Jahren bei gleichen Vorausset 
zungen mehr erreichen können als das Handwerk. 
Der Reichsvcrband hat z. B. erklären müssen, daß 
im Wirtschaftsbeirat, der vor einigen Jahren gebil 
det wurde, die Angehörigen des gewerblichen Mit 
telstandes überhört und in den Hintergrund ge 
drängt würden. Die Aeußerungen des Reichsver- 
bandes treten weiter in der Tagespreise nicht in 
dem Maße in Erscheinung, ivie es bei den maßgeb 
lichen Aeußerungen anderer Berufsstände der Fall 
ist, z. B. Landwirtschaft und Hauptgemeinschaft des 
deutschen Einzelhandels. Dann hat das Handwerk 
den mehr als zweifelhaften Vorzug, daß seine Spit 
zenvertretung nicht in Berlin, in der Zentrale, son 
dern in Hannover ihren Sitz hat, was bei keiner 
anderen Organisation von Bebeeutung der Fall ist. 
Wäre es nicht zweckmäßiger, den gesamten Apparat 
in die Reichshauptstadt zu verlegen? Aus dieser 
Drr Meöörrkoog. 
Ein schleswig-holsteinischer Roman von Henriette von Meerheimb. 
82) 
Max Seyfert, Verlagsbuchhandlung, Dresden. 
Nachdruck verboten. 
Nach einiger Zeit lag der Schloßplatz wirklich dun 
kel und menschenleer da. Die angezündeten Pechfak- 
keln warfen einen roten, wildflackernden Schein über 
die graue Fassade des Schlosses. 
„Wollen Sie ins Palais zurück, Exzellenz?" fragte 
Torp. Er stützte den Grafen, dessen Arm er immer 
boch festhielt. 
Holm schüttelte den Kopf. „Nein — zu meiner 
Tochter!" 
„Ich bringe Sie hin." 
„Kommen Sie einen Augenblick mit herauf, Torp! 
^îarin wird Ihnen danken wollen." 
„Wofür?" 
„Zuerst für meine Rettung. Was wäre aus mir 
geworden ohne Ihre tatkräftige Entschlossenheit? 
kind dann haben Sie doch auch mit wahrhaft könig 
licher Verschwendung Karin mit Blumen über 
schüttet." 
„Die Rettung Euer Exzellenz war ein glücklicher 
8ufall. Ich ritt gerade mit meinen Husaren in den 
bchlohhof ein, als dieser Messerheld Sie bedrohte, 
îs machte mir großen Spaß, den frechen Burschen 
sür einige Zeit unschädlich zu machen. — 
„Dem König graut -davor, das Blut seines Dol- 
ses zu vergießen." 
Torp lachte höhnisch. „Was liegt daran?" 
„Sagen Sie so etwas jetzt nicht laut. Ein neues 
Ministerium kommt unter Orla Lehmann ans Ru- 
^r. Er wird Minister ohne Portefeuille. Die Herr- 
şchaft des Volkes, geleitet von den fanatischen Eider- 
"änen, steht uns bevor." 
„Nicht auf lange", entgegnete Torp gelassen. 
»Dollen wir wetten, daß bereits in wenigen Mona- 
dieses Ministerium wie eine Seifenblase zer 
setzt und wir die schönste Reaktion haben — hier 
“ob in Preußen ebenfalls?" 
<Sr<3f Holm antwortete nicht. Er stützte sich schwer 
°uf Torps Arm. Jetzt, nachdem die Gefahr vorüber 
^r, fühlte er erst, was er seit Stunden durchge- 
^ocht hatte. 
Karin stürzte ihnen am Eingang des Hauses ent 
gegen. Dom Fenster aus hatte sie jede Einzelheit der 
schrecklichen Vorgänge und Torps energisches Ein 
greifen beobachtet. Sie griff stürmisch nach seiner 
Hand. Wenn er sie nicht rasch weggezogen hätte, 
würde sie dieselbe geküßt haben. 
„Ich danke Ihnen!" schluchzte sie auf. „Nein — es 
gibt keine Worte, um das auszudrücken, was ich für 
Ihre Heldentat empfinde! Sie haben meinen Vater 
gerettet — mit Einsetzung Ihres eigenen Lebens. 
Mein Vater! Ohne den hätte ich auch nicht mehr 
leben können!" , 
Graf Holm drückte die Tochter wortlos an sich. 
Torp versuchte die ganze Sache als eine Bagatelle 
hinzustellen. 
Aber Karin schüttelte den Kopf. „Sie werdên mir 
nie ausreden, daß ich Ihnen gegenüber eine unend 
liche Dankesschuld trage, Herr von Torp." 
Er belächelte zwar ihre exaltierte Dankbarkeit, 
aber sie tat ihm doch wohl. Der Blick ihrer mit enthu 
siastischer Bewunderung auf ihn gehefteten Augen 
ging ihm wie ein Feuerstrom durch die Adern. 
Graf Revcntlow begrüßte beide Herren etwas 
steif. Auch der Glückwunsch, den er Graf Holm zu sei 
ner Rettung, Torp zu seinem schneidigen Eingreifen 
aussprach, klang ein wenig gezwungen. „Da ich 
Karin jetzt in väterlichem Schutz weiß, Exzellenz, 
möchte ich gleich ins Hotel übersiedeln, wo meine 
Freunde und Kommissionsmitglieder wohnen", 
meinte er. 
„Verehrter Graf, tu diesem Augenblick ist es noch 
nicht ratsam- durch die Straßen von Kopenhagen 
zu fahren", mischte Torp sich ein. „Das Volk rottet 
sich gewiß noch an allen Ecken und Enden zusammen. 
Und wenn Ihnen auch nichts Schlimmes passiert, so 
könnten Sie doch unangenehm belästigt werden. Vor 
allem, wenn man an Ihrer Sprache errät, daß Sie 
Deutscher sind. Denn diesen ganzen Putsch heute 
zettelten nur die fanatischen Dcutschhaffer, die Eider- 
dänen an." 
Graf Reventlow überlegte. Wenn er in irgend 
einer Weise Aufsehen erregte, so konnte das seiner 
Sache nur schaden. Er gab darum nach, erst am 
kommenden Tage ins Hotel zu ziehen. „Werden Sü- 
Seine Majestät morgen früh sehen?" wandte er sich 
an Holm. „Können Sie uns eine Audienz verschaf 
fen? Wir haben dem König eine Petition, die fünf 
Bedingungen enthält, vorzulegen." 
„Seine Majestät wird keine schleswig-holsteini 
schen Kommissionsmitglieder empfangen, keine Pe-- 
tition.auch nur lesen", antwortete Graf Holm ent 
schieden. „Orla Lehmann regiert setzt in Kopenha 
gen und wird jede Anbahnung einer Verständigung 
mit Schleswig schroff zurückweisen." 
Gras Reventlow sah finster vor sich hin. „Wenn 
wir nicht einmal empfangen werden, so ist das solche 
Beleidigung für unser ganzes Vaterland, daß 
Schleswig-Holstein darauf nur mit einer Kriegser- 
klärung antworten kann", entgegnete er scharf. 
Graf Holm zuckte die Achseln. „Das können Sie 
halten, wie Sie wollen. Ich sage Ihnen eine abschlä 
gige Antwort voraus. Die Reise hierher konnte die 
Kommission sich sparen. Seien Sie froh, wenn Sie 
bei dem aufgepeitschten Deutschenhaß mit heiler Haut 
hier wieder hinauskommen." 
„Es war von vornherein meine Ansicht, daß nur 
Kränkung, Aerger und Zeitverlust die Folgen dieser 
Reise sein würden", stimmte Graf Reventlow mit 
einem ärgerlichen Seufzer bei. 
„Ihr Sohn ist immer noch auf dem Mcdderkoog?" 
fragte Holm statt aller Antwort. 
„Ja — und da soll er auch bleiben", entgegnete 
Reventlow kurz. 
„Ob das wohl klug gehandelt ist?" Graf Holm 
blickte mit vielsagendem Lächeln auf Torp, der mit 
Karin unter den Palmen im Nebenzimmer stand. 
Karin sah mit strahlenden Augen zu dem Rittmei 
ster auf, und er mit einem triumphierend zärtlichen 
Lächeln zu ihr herunter. 
„Ihr Sohn täte gut, bald herzukommen", fuhr 
Graf Holm fort. „Bei diesen kriegerischen Aussich 
ten erwartet man eigentlich die freiwillige Rückkehr 
eines beurlaubten dänischen Offiziers." 
„Christian sst schleswig-holsteinischer Edelmann, 
und sein Platz ist auf der heimatlichen Scholle, wenn 
er sie verteidigen muß", fuhr der alte Graf heraus. 
„Ich habe Ihnen Karin zurückgebracht, Exzellenz, 
weil's in Schleswig vielleicht bald nicht mehr sicher 
ist; aber will sie jemals zu uns zurückkehren, so muß 
sie sich entschließen, eine gute Deutsche zu werden 
und unser einfaches Leben zu teilen." 
«Vorläufig ist alles noch so unsicher", wich Graf 
Holm aus. „Nichts läßt sich festsetzen, ehe man nicht 
weiß, was die nächste Zukunft uns bringen wird." 
„In den schleswig-holsteinischen Fragen muß ich 
aber eine entscheidende Antwort haben", beharrte 
Reventlow. „Wollen Sie den König um eine Audienz 
morgen früh bitten?" 
„Bitten kann ich ja. Aber die Antwort wird ab- 
lehnend lauten, darauf können Sie sich verlassen." 
Die Herren verhandelten noch eine Weile weiter, 
während Torp in dem Blumenzimmer nebenan Ka 
rin die verschiedenen Orchideenarten erklärte. „Mein 
verstorbener Onkel war ein kluger Bankier und lei 
denschaftlicher Botaniker. Für eine seltene Pflanze 
wie diese Stanhope zum Beispiel gab er gern fünf 
zigtausend Kronen aus. Sein ganzes Haus ist mit 
Raritäten und Kunstschätzen, seine Treibhäuser mit 
Palmen und Orchideen angefüllt", erzählte er. 
„Wie schön muß das sein! Darf ich es mir einmal 
besehen?" - 
„Bewohnen sollen Sie es, Gräfin Karin." 
„Bewohnen — ich?" 
„Gewiß — bewohnen und besitzen!" Seine Augev 
logen mit zwingender Gewalt auf ihr. 
„Was soll das heißen, Herr von Torp?" 
Er trat näher zu ihr heran. „Ich biete das unbe 
nutzte Haus meines Onkels Ihrem Vater an und 
stelle ihm alles, was darin ist, zur Verfügung. Mir 
genügt meine jetzige Wohnung. Ihr Vater erweist 
mir den größten Dienst, wenn er die Aufsicht über 
alle die Kunstschätze führt." 
„Mein Vater hofft wieder Minister zu werden." 
„Die Aussicht auf einen Ministerposten hat Orla 
Lehmann gründlich zerstört. Ich sagte Ihnen das 
bereits. Und in diesen paar Zimmern können Sie 
doch auf die Dauer unmöglich bleiben?" 
„Aber doch auch nicht in einen: Hause, das Ihnen 
gehört, Herr von Torp!" 
„Was mir gehört, lege ich alles zu Ihren Füßen 
nieder, Gräfin Karin. Schalten Sie damit nach Be 
lieben. Glaubten Sie wirklich mir zu entrinnen, als 
Se nach Schleswig gingen in diese Reventlowsche 
Heimat? Ich wußte, daß Sie es niemals dort aus 
halten würden." 
„Ich war allerdings immer eine Fremde dort", gab 
sie zu, „aber Christian kommt nach Kopenhagen zu 
rück, und dann heiraten wir bald." 
(Fortsetzung folgt.)
	        
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