Full text: Newspaper volume (1932, Bd. 3)

ôd)!eswîg-Bolfteînifd)e LanDeszsîtung 
125. Jahrgang. 
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VechrmölLmgesr mrö VermrttrmDM, 
Ein Bild aus größtem Notgebiet. 
Dis wirtschaftliche 
Notlage in Thüringen. 
In etwa 400 Gemeinden Thüringens bahnen 
sich Verhältnisse an, die in aller Kürze ein Chaos 
befürchten lassen, wenn Reich und Land nicht 
durchgreifend helfen. Vor einiger Zeit haben di« 
Bürgermeister des Landkreises Gotha der Regie 
rung die Niederlegung ihrer Aemter angedroht, 
weil sie die Verantwortung für das, was zwangs 
läufig in ihren Gemeinden eintreten werde, nicht 
übernehmen könnten. Auch die Landräte sind 
machtlos; sie können nicht mehr helfen. Nach dem 
jetzigen Stand beträgt der Jahresaufwand für 
Wohlsahrtserwerbslofe in den Kreisen 31 Mil 
lionen Mark, die Einnahmen ans Reichssteuer 
überweisungen, Realsteuern und sonstigen kleinen 
Steuern aber nur 25 Millionen jährlich. Die Ee- 
samtschulden der Gemeinden betragen 197 Bil 
lionen und der Schnldendienst jährlich 18 Mil 
lionen. Jeder Pfennig, der seit einem Jahr und 
schon vorher hereingekommen ist, wird restlos für 
die dringendsten Wohlfahrtsaufgaben verwandt. 
Rechnungen, Schuldenzinsen, ja selbst Sozialver 
sicherungsbeiträge für die Angestellten und Ar 
beiter, sogar Feuerversichcrungsprämien, bleiben 
unbezahlt. 
Im vorigen Herbst mußten die Landkreise dazu 
übergehen, Sieche, Krüppel und Kranke aus den 
Anstalten herauszuholen, weil die Gemeinden 
ihren Anteil an den Kosten nicht mehr aufbringen 
konnten; Fürsorgezöglinge wurden zurückgeholt, ja 
sogar die Schwerkranken aus den Irrenhäusern 
mußten wieder auf die Menschheit losgelassen wer 
den. Alle diese Maßnahmen wirken sich zum Nach 
teil der Gesamtheit aus. Soweit es sich um die 
Nichterfüllung der laufenden Verpflichtungen han 
delt, bedeutet das, daß der gewerbliche Mittelstand 
zugrunde gerichtet wird. Trotzdem können 
schätzungsweise 15 000 anerkannt unterstützungsbe 
rechtigte Familien nicht unterstützt werden, weil 
die Mittel fehlen! 
Mit Hilfe eines Anteils von 5,7 Millionen an 
den Reichsfonds für die notleidenden Kommunen 
konnte bisher noch das Schlimmste abgewendet 
werden. Jetzt sind diese Mittel aber völlig aufge 
braucht. Es sieht auch keinerlei andere Einnahme 
quelle zur Verfügung, und in den meisten Ge 
meinden Thüringens hat es gar keinen Zweck, die 
für die Gemeinden als letzte Reserve gedachte Bür 
gersteuer zu veranlagen, weil niemand mehr 
da ist, der sie bezahlen kann. Ruhe, Sicherheit und 
Ordnung sind in größter Gefahr. 
Bedrohungen der Bürgermeister, von denen die 
meisten schon lange noch nicht einmal die paar 
Mark für ihre meist ehrenamtliche aufreibende 
Tätigkeit erhalten können, sind an der Tagesord 
nung. Daß in den letzten Monaten einige Landräte 
von den Bürgermeistern ernstlich gewarnt wurden, 
bestimmte Orte zu besuchen, weil ihre Sicherheit 
nicht garantiert werden könne, mag dieses traurige 
Bild vervollständigen. 
Ş Die Versteifung in der Kabinettsfrage 
scheint mit Beginn der hochpolitischen und 
entscheidenden Unterredungen in Berlin zwi 
schen Reichspräsident und Reichskanzler einer 
seits, Kanzler und Parteiführern andererseits 
weichen zu wollen. Es ist sehr lebendig gewor 
ben um die Kernfrage der gegenwärtigen 
Situation, nämlich, ob dem nationalsozialisti 
schen Führer Hitler das Reichskanzleramt 
übertragen werden und er demgemäß dem 
Reichspräsidenten die Zusammensetzung des 
Kabinetts vorschlagen soll. Faßt man alle 
Nachrichten und Gerüchte zusammen, so schei 
nen die Aussichten Hitlers, mit der Führung 
der Staatsgeschäfte betraut zu werden, ge 
wachsen zu sein. Bei der gegenwärtigen, un- 
gemein schwierigen Lage Deutschlands käme 
einer mit der Besetzung anderer wichtiger 
Kabinettspoen verbundenen Uebernahme 
des Kanzleramtes und damit der staats 
politischen Verantwortung vor dem rettende 
Leistung erwartenden Land die allergrößte 
Bedeutung zu. Es besteht Grund zu der An 
nahme, daß Hindenburg vor einer Betrauung 
Hitlers von diesem im Hinblick aus das ge 
samte innerpolitische Leben einige verpflich 
tende Zusagen fordert, die wahrscheinlich der 
Vorstellung des. Reichspräsidenten von einer 
überparteilichen Präsidialregierung entspre 
chen. Ob das zur Rede Stehende sich ausdehnt 
bis auf die Grundfragen um Sozialis 
mus und Kapitalismus (der bisherige 
Reichskanzler Papen gilt als Vertreter 
k a p j t a l i st i s ch e r Anschauungen), 
sei noch dahingestellt. 
Ueber die 
augenblicklichen Kombinationen 
sei gesagt: Man nimmt an, daß eine Ne u - 
bildung der Reichsregierung, also nicht nur 
eine U m bildung, wie es ursprünglich hieß, 
erfolgen wird mit Adolf Hitler als Reichs 
kanzler, Gregor Straffer als Reichsinnen 
minister, Göring möglicherweise als Reichs- 
verkehrsminister, und dem jetzigen Reichs- 
kanzcr von Papen als Außenminister und 
Vizekanzler. Die übrigen Ressorts würden 
in den Händen der bisherigen Kabinetts 
mitglieder bleiben. Reichsanßenminister 
von Neurath solle wieder Botschafter in Lon 
don werden und Reichsinnenminister v. Gayl 
Dberpräsident von Ostpreußen. Amtlicherseits 
Usird diese Kombination noch nicht bestätigt: 
die Entscheidung steht aus. Reichsmehrminister 
von Schleicher dürfte in einem wie immer ge 
arteten Kabinett seinen Posten behalten. 
Eîue andere Kombination verweist auf die 
-Wichtigkeit einer gleichzeitigen Neuordnung 
m Preußen. Zwei Lesarten gibt es hier. 
-cach tzxr einen soll beabsichtigt sein, den Na 
tionalsozialisten auch entscheidende Mitver- 
znng des Reichskabinetts statt, über deren et 
waige Beschlüsse eine Mitteilung nicht vor 
liegt. Gestern abend empfing der Kanzler den 
dentschnationalen Parteiführer Dr. Hugen- 
bcrg. Für heute nachmittag ist ein Empfang 
der Abgeordneten Ivos und Bolz, west- bzw. 
süddeutsche Zentrumsführer und letzterer auch 
Staatspräsident von ' Württemberg, vorgese 
hen. Verhandlungen des Kanzlers mit Hitler 
erwartet man morgen. Dies Arrangement 
deutet wohl an, daß man einer von den Na 
tionalsozialisten geführten oder wesentlich be 
stimmten Reichsregierung eine Mchrheits- 
rcsonanz im Reichstag zu geben sucht, wobei 
es eine Frage für sich ist, inwieweit die ganze 
und rasche Entschlüsse gebietende Aufbauarbeit 
überhaupt noch an parlamentarische Voraus 
setzungen anknüpfen kann. Nach Mitteilung 
der D. A. Z. soll denn auch bei den Bespre 
chungen mit den Parteiführern der Gedanke 
eines Ermächtigungsgesetzes, auf Grund des 
sen man den Reichstag ein halbes Jahr nach 
Hanse schicken würde, eine große Rolle spielen. 
Die letzte Entscheidung 
liegt beim Reichspräsidenten. Das bringt auch 
Hitlers politischer Beauftragter Goering zum 
Ausdruck, der sich soeben bei einem privaten 
Besuch in Stockholm über die Lage in Deutsch 
land befragen ließ und dabei äußerte, das 
Wort habe jetzt der Reichspräsident. Goering 
bemerkte ferner, vermutlich werde Papen an 
der neuen Regierung teilnehmen, doch nicht 
als Kanzler. 
* 
Zu Hugenbergs Unterredung mit Papen, 
Wie man aus deutschnationalen Kreisen hört, trug 
die Besprechung rein informatorischen Charakter. 
Der Reichskanzler wollte nicht verfehlen, die Deutsch- 
nationalen um ihre Meinung zu befragen. Er hatte 
anscheinend jedoch nicht die Absicht, die Deutschna 
tionalen aufzufordern, von sich aus Vertreter in das 
neue Kabinett zu entsenden. Da die Deutschn«tiona- 
len keine Schlüsselstellung innehaben, w hält sich die 
Partei in der Reserve und wird auch nicht bin 
dend zu den geschilderten Kombinationen Stellung 
nehmen. 
Ausrolkmg Mt Mgmungs- 
ftßgg in Preußen. 
TU. Berlin, 11. August. (Eig. Fnnkmeldg) 
Die Zentrumsfraktion int preußischen Land 
tag hat für Sonnabendvormittag zu einer 
Besprechung der Nationalsozialisten, der 
Dentschnationalen und des Zentrums einge 
laden. Gegenstand der Beratung soll sein die 
Wahl des Ministerpräsidenten in Preuße« und 
die damit zusammenhängende Bildung einer 
preußischen Negierung. 
T-U. Grünberg (Schlesien), 11. Aug. (Eig. Funk 
meldung.) Gegen das Haus des Stadtverordneien- 
vorstehers und sozialdemokratischen Eewerkschafts- 
fekretärs Karl Lindner wurde in der Nacht zum 
Donnerstag eine Stielhandgranate. Modell 18, ge 
worfen. Die Granate, die nicht explodierte, wurde 
von der Polizei sichergestellt. 
T-ll. München, 11. Aug. (Eig. Funkm.) Wie die 
R.S.K. aus Regensburg meldet, wurden nachts 
auf die Wohnung des Ortsgruppenleiters der 
NSDAP, in Kelheim, Dr. Donderer, zwei Schüsse 
abgegeben, die die Fenster zertrümmerten. Don 
derer, der sich einen Augenblick vorher vom Fen 
ster ins Innere des Zimmers begeben hatte, blieb 
unverletzt. 
Spanien macht gegenwärtig eine neue Erschüt- Bürgergarde in die Hände des Generals Cavab 
terung durch. In der Hauptstadt Madrid brach canti gelegt worden ist. 
unter wesentlicher Beteiligung von Offizieren, die Um allen Gerüchten von vornherein die Spitzc 
auf Grund einer vom Ministerpräsidenten Azana abzubrechen, betont man auch in amtlichen spani 
getroffenen Reform pensioniert worden waren, scheu Kreisen, daß Exkönig Alsons von Spanier 
ein Militäraufstand mit vermutlich monarchisti- der Bewegung vollkommen fernstehe, 
scher Tendenz aus. Es wurde gekämpft, und es soll San Jurjo verschwunden, 
an die 10 Tote und eine Reihe Verwundete ge- , 
geben haben. Angeblich ist die Ruhe wiederherge- «RļiMşilşiîWMN. 
stellt. In Madrid und im Lande erfolgten viele T-U. Madrid, 11. Aug. (Eig. Funkm.) Die Re^ 
Verhaftungen. gierung ist wieder Herr der Lage in Sevilla. Im 
Auch Andalusien im Süden des Landes ist von Innenministerium wurde am ' heutigen frühen 
dem Aufstand ergriffen. Die dortige Aufstandsbe- Morgen den Journalisten mitgeteilt, daß General 
wegung wird von dem General San Jurjo in Se- San Jurjo aus Sevilla verschwunden sei. Roch un- 
villa geführt. Für dis republikanische Regierung bestätigt ist die Meldung, nach der der aufrühreri- 
gilt es, die Erhebung in Andalusien niederzu- W« General verhaftet ist. Ist das der Fall. dann 
ķrfen. dürfte er sofort von einem Kriegsgericht abgeur 
teilt werden. Eine andere Mitteilung aber besagt, 
Daß der ehemalige König Alfons XIII. bei der daß San Jurjo im Flugzeug nach Afrika entkom- 
Umsturzbewegung seine Hand rm Spiels habe, ist men sei. Die fernmündliche Verbindung mit So 
sehr unwahrscheinlich. Jedoch ist der Herzog von villa ist wieder hergestellt. 
Jnfantado angeblich beteiligt. Exkönig Alfons Nachts kam es in Sevilla zu Ausschreitungen, 
weilt als Gast des jungen Fürsten Alfons Metier- ll. a. wurde der Klub der Grundbesitzer von einer 
»ich auf Schloß Königswart in Böhmen. Arbeitermenge in Brand gesteckt. Eine gestern von 
Die neuesten Nachrichten aus Spanien lauten: f ûn "5V"r° del Rw entsandte Abtei- 
' / / * lung, die den Auftrag hatte, eine Brucke zu spren- 
îlltìÏÏllftfsiMneft in Akàlîàn gem wurde durch regierungstreue Gendarmerie 
«mjmijlUüWUJ lil ŞMìşşU. gefangen gesetzt. Eine andere Brückensprengung. 
^41. Paris, 11. Aug. (Eig. Funkm.) Die Um- ebenfalls in der Nähe von Sevilla, mißglückte. In 
sturzbewegung in Spanien wird von der Pariser verschiedenen Städten kam es zu Ausschreitungen, 
Presse vorläufig noch mit einiger Zurückhaltung z. V. in Granada, wo das Haus eines aristokrati- 
besprochen. Das Hauptaugenmerk ist im Augen- scheu Klubs angezündet wurde. In Santander 
blick auf Andalusien gerichtet, wo General San steckte die Menge das Gebäude eines aristokrati- 
Jurjo vorläufig Herr der Lage ist. In den Abend- schen Segelklubs, ein klerikales Parteilokal und 
stunden des Mittwochs hat er bereits ein Kabinett Parteilokals verschiedener reaktionärer politischer 
gebildet, in dem General Barrera das Kriegs- Gruppen in Brand. Zuletzt schoß die Polizei und 
Ministerium übernimm^ während die Führung der tötete .einen Mann, 
6m Auņem&lkk 
Der Kreis Winsen in Nordhannover hatte 
zum Zweck der Protesterhebung eine Abord 
nung n a ch B e r l i n geschickt, um zu er 
reichen, daß, wenn die Zusammenlegung der 
Kreise Winsen und Harburg nicht verhindert 
werden könne, der neue Kreissitz nach Winsen 
verlegt werde. Der Worthalter im Bürger- 
kollegium erklärte, daß die Abfertigung'der 
Protestkommission in Berlin mehr als traurig 
gewesen fei. Von einem Schließer im Mi 
nisterium sei kurzerhand gesagt worden, in 
der Angelegenheit der Kreiszusammenlegung 
könne niemand empfangen werden. 
Wir finden, das Land war bisher im Ertra 
gen von Enttäuschungen und Not so brav, daß 
man sich gesittet auftretende Abgesandte in 
Berlin wenigstens anhören. sollte. 
Reformen in Ehren — zu guter Letzt muß 
ein vernünftiger und gerechter Zentral- 
wille für den Ausgleich der Interessen Sorge 
tragen —, die lleberraschung mit der Zusam 
menlegung aber muß den Kreisen zumindest 
das Recht geben, ihre Lebensangelegenheiten, 
Bedenken und Sorgen an zuständiger Stelle 
genügend vorzutragen. # 
Die Lerlmer VerhaMWgen 
E" gestern dergestalt, daß Kanzler und 
Allster dem Reichspräsidenten von 
, « urg über die inner- und außenpoli- 
berichteten. Im Mittelpunkt des 
Rapens stand natürlich die Ka-
	        
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