Full text: Newspaper volume (1931, Bd. 4)

Aber nirgends darf fehlen 
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Mo«tag, den 14. Dezember 1831 
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121. Jahrgang / Nr. 282 / Zweites Blatt. 
Rendsburg, den 14. Dezember 1931. 
Marmrbrsuch in Rendsburg — 
Weiterfahrt mit Hindernissen. 
Unsere Marine hat von jeher mit Rends 
burg und seiner Einwohnerschaft enge und 
herzliche Beziehungen unterhalten. Jedes 
Schiff unserer Flotte, das durch den Kanal 
läuft, wird mit stolzer Freude begrüßt. Alle 
Marinebesuche der letzten Jahre haben einen 
freudigen Widerhall gefunden. So auch der 
für Sonnabend angekündigte Besuch der bei 
den Torpedoboote T 190 und G 7, beide aus 
der Vorkriegszeit stammend und in den Jah- 
ker, und schon bald sah man in den Straßen 
blaues Tuch. 
Am Sonntagmorgen sollten die Boote um 
7.30 Uhr durch die Untereider nach Tönning 
über die Nordsee nach Brunsbüttelkoog und 
durch den Kanal in die Ostsee zurückfahren. 
Man fuhr auch rechtzeitig ab, doch die Eider 
hat ihre Tücken. Sie ist nicht sehr tief und 
vor allem vor Rendsburg verschlickt. Deshalb 
wird sie auch von größeren Fahrzeugen nicht 
rcn 1910/12 gebaut. Als die Boote, zur 1. Tor- 
peöobootshalbflottille in Swinemünde gehö 
rend, unter dem Kommando des Halbflottil 
lenchefs Kapitänleutnant König schon eine 
halbe Stunde vor der angekündigten Zeit ge 
gen 1411 Uhr in den Obereiderhafen einliefen, 
hatte sich schon eine ganze Anzahl Interessier 
ter eingefunöen, um dem Durchschleusungsma 
növer zuzusehen. Nach der Durchschleusung 
gingen die Boote im Untcreiderhafen vor An 
gern und nur mit größter Vorsicht befahren. 
Die Boote waren nur eine ganze kurze 
Strecke weit gefahren, als das Führerboot 
an einer scharfen Biegung des Eiderlaufes 
hinter dem Klint sich in dem zähen Schlick 
festgefahren hate. Beim Versuch, dieses Boot 
loszubekommen, fuhr sich das andere fest. 
Heute früh soll ein Schlepper Hilfe bringen 
und die Weiterfahrt ermöglichen. & 
* Das Linienschiff „Schlesien" passierte Sonn 
abendmittag auf der Kanalfahrt nach Westen 
unsere Stadt niit klingendem Spiel. 
* Die letzte Fahrt des „Panther". Am Sonn 
abendnachmittag nach 4 Uhr lief das frühere Ka 
nonenboot „Panther", das an eins Abwrackfirma 
verkaulft ist, im Schlepp eines holländischen Damp 
fers «ach Wilhelmshaven. Das Schiff ist vor dem 
Kriegs durch den bekannten „Panther"-Sprung 
«ach Agadir bekannt geworden. 
* Der gestrige silberne Sonntag brachte bei mil 
dem, wenig winterlich anmutendem Wetter eine 
gewaltige Menschenmenge auf die Beine. Im Zen 
trum der Stadt herrschte zeitweise ein lebens- 
grfährliches Gedränge. An den im Hellen Glanz 
der Lampen erstrahlenden Geschäften vorbei 
drängte man sich schrittweise vorwärts. Auch in 
den Geschäften sah man zum Teil lebhaften Be 
trieb, so daß man wohl annehmen kann, daß der 
größte Teil des Publikums der vernünftigen Mah- 
nnng des Reichspreiskommissars, in Anbetracht 
der auf vielen Gebieten bereits erfolgten Preis 
senkung, die Weihnachtseinkäufe nicht zurückzu 
stellen, gefolgt ist. 
* Der Kreuzer „Emden", der kürzlich von seiner 
Auslandsreise, zurückgekehrt ist, wird heute abend 
zwischen 11 und 12 Uhr auf seiner Kanalfahrt 
unsere Stabt passieren. Auf seiner Rückfahrt wird 
der Kreuzer am 18. Dezember wieder durch den 
Kanal fahren, hoffentlich dann am Tage. 
Theater für ämöer. 
Sonntagnachmittag stand die Stadthalle für die 
Kinder offen. Die Freie Volksbühne hatte 
ihnen die in der Weihnachtszeit übliche Märchen- 
aufführung bereitet. Und sie waren zuhauf ge- 
kommen, die kleinen Buben und Mädel, sorglich 
geleitet von Mutti oder Vati, von Onkel oder 
Tante. 
Das war ein Geplapper und Gescharre, ein 
großes Erwarten und kinderseliges Erstaunen, als 
schließlich der Vorhang hochging! Das heißt, bevor 
die Märchenwelt geöffnet wurde, trat ein fah 
render Gesell vor den Vorhang, sprach lustig und 
queck zu dem Gewimmel unten und oben im 
Hause und wies auf die Dinge hin, die dann 
kamen. 
Es kam ein Märchen von dem großen Märchen- 
ersinner H. C. Andersen anspaziert, „D i e Prin 
zessin auf der E r b s e", für Kindergemüt 
und Bühne mit allerhand Drum und Dran zurecht 
gemacht. Ja, was lehrt dies Märchen eigentlich? 
Lehrt es, daß mau' den Menschen an Winzigkeiten 
erkennen kann? Oder im Gegenteil, daß eine an 
der Etikette kleände Welt kleine Aeußerlichkeiten 
über Gebühr zu bewerten pflegt? Vielleicht lehrt 
uns das Märchen beides. 
Alle Personen der Andersenschen Erzählung 
kamen auch in dem von Robert Vürkner verfaßten 
Märchenspiel vor, und noch einige dazu. Der Prinz, 
der auf der Suche nach einer Braut war, die eine 
Prinzessin, aber eine richtige, sein sollte: die 
Prinzessin, die äußerlich keine Prinzessin schien, doch 
eine war, wie sich an der Erbse, die sie nachts unter 
zehn oder zwanzig aufeinandergelegten Eider 
daunenkissen spürte, zeigte: ein artiges und wacke- 
res Brüderlein, das die Prinzessin schützte; die 
kluge Königin, welcher die Prüfung mit der Erbse 
Sşufiel: der väterliche König, eine wehleidige Hof 
dame, ein schnurriger Doktor Eisenbart und ein 
dummer Diener, der den tollsten Unsinn trieb. 
Die Kinder kamen an Freude und seltsamem 
märchenhaften Erlebnis auf ihre Kosten, um so 
mehr, als das Prinzeßchen und sein Brüderchen 
mit dem Kuckuck, der Nachtigall und dem Glüh 
würmchen wie mit besten Freunden verkehrten. 
Biel zu sehen und zu bewundern gab es im Wald, 
im Thronsaal des königlichen Schlosses und im 
Schlafgemach der Prinzessin. Lore Schaffner- 
R h e i n d o r f hatte in den drei bunten Bühnen 
bildern mit Farben und Formen nicht gespart. 
Und die Spieler vom Nordmark-Lande s- 
t heat er bewiesen wahrlich, daß sie sich neben 
manchem anderen auch auf den Märchenton ver 
stehen. Sie spektakelten nicht ungebührlich, wie 
man das schon in Märchenaufführungen für Kin 
der erlebt hat. Statt dessen ging es in allem mit 
dem richtigen Zuschnitt her, und Kinderaugen und 
Kinderherzen mißten an Lustigkeit nichts. 
Wenn ich mir's auch versagen will, alle Spieler 
mit Namen zu nennen (sie waren in einem Hin 
weis vor der Vorstellung aufgeführt), so sei doch 
wenigstens erwähnt, daß irrt Mittelpunkt des 
Spiels Bärbel Wolff mit Liebreiz und Un 
befangenheit die Prinzessin darstellte. 
Die Kinder erwiesen sich als allerdankbarste Zu 
schauer. Wenn in der Pause die Klingel rief, dann 
waren sie hurtig wie die Eichhörnchen. 
Die Kleinen in ihrer Freude zu beobachten, 
war für die erwachsenen Begleiter ein Geschenk. 
Auch sie waren zwei Stunden im Märchenland 
und hatten die unbarmherzige Wirklichkeit eine 
Weile draußen gelassen. 
Wenn irgendwo im Stücklein sich ein licht 
geschmückter Tannenbaum gezeigt hätte, so wäre 
das als weihnachtliches Zeichen für dis Kinder zu 
begrüßen gewesen. A. G. 
* ^ * 
* ol. Veterauenhilfe. Es dürfte nicht allen 
Veteranen bezw. Veteranenwitwen von 1870- 
1871 bekannt sein, daß bei mehreren öffent 
lichen und privaten Stellen noch Uvterstüt- 
zungsbeträgc vorhanden sind, die auf Antrag 
an hilfsbedürftige Veteranen oder deren Wit 
wen in der jetzigen Notzeit verteilt werden. 
Es befindet sich bei den Versorgungsämtern 
ein Unterstützungsaltfonös und in Berlin W 
9, Potsdamer Straße 126, ein privater Reichs- 
verüand zur Unterstützung deutscher Vetera 
nen: ferner vermittelt jeder Kriegerverein 
Unterstützungsanträge aus der Wilhelm li- 
Stiftung, deren Beträge am 18. Januar, dem 
Reichsgründungstage, verteilt werden. Tic 
staatl. Veteranenbeihilfe, die in monatlichen 
Beträgen zur Auszahlung gelangt, wird wohl 
jeder bedürftige Kriegsteilnehmer, der 1870-71 
den Krieg in Feindesland mitgemacht hat, er 
halten: wenn nicht, find Anträge an die Lan 
desämter zu richten. 
* Ueber das Thema „Was die Hausfrau 
über sogenannte Gifte, giftfreie Heilweisen 
und angebliche Ernährungsreformen wissen 
muß" sprach am Sonnabendnachmittag aus 
Einladung der Vereinigten Frauenverein« 
Rendsburgs in der Harmonie der Chemiker 
Dr. Lehmann, Berlin. Der Vortragende 
machte klar, daß man unter „Gift" alles oder 
nichts verstehen könne. Für jede Hausfrau 
lehrreich waren dabei die Ausführungen über 
Gifte im Haushalt, wonach nach Ansicht des 
Redners in allen, ja selbst den harmlosesten 
Nahrungs- und Genußmitteln der Tod ruhen 
kann, wenn man nämlich dies oder jenes im 
Uebermaß genießt! Ein Zuviel ist eben im 
mer schädlich. Interessant waren die Ausfüh 
rungen des Redners über die heute vielfach 
beliebten „Reformen" in der Bolksernährnng. 
An Hand der Forschungsergebnisse der Pro 
fessoren von Nooröen, Seydüerhelm, Fried-' 
länder u. a. wurde nachgewiesen, daß alle 
diese Bestrebungen überflüssig, ja manchmal 
direkt schädlich sind und daß die menschliche 
Nahrung in ihrer üblichen gemischten Zusam 
mensetzung: Obst, Gemüse, Kartoffeln, Brot, 
Zucker, Fleisch, Milch und Eier zur Erhal 
tung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit 
des modernen Menschen durchaus genügt. 
Fernerhin erwähnte der Redner, daß der her 
vorragendste deutsche Vitaminforscher, Pro 
fessor Scheunert, Leipzig, nachgewiesen hat, 
daß die nach dem modernen Verfahren unter 
Luftabschluß hergestellten Konserven einen 
reichlichen Gehalt an Vitaminen besitzen, der 
dem Vitamingehalt der küchenmäßig herge 
stellten Gemüse weit überlegen ist. Seiner 
Ansicht nach können die deutschen Konserven 
gerade in den Wintermonaten die ausländi 
schen Frischgemüse wohl ersetzen! Weiterhin 
haben auch die groß angelegten Untersuchun 
gen von Professor Dr. Längstem, Präsident 
der Reichsanstalt zur Bekämpfung der Säug 
lingssterblichkeit, und von dem Leiter der Kin 
derheilanstalt Braunschweig, Dr. Reiche, er 
geben, daß die Obst- und Gemüsekonserven 
eine vorzügliche Beikost für Säuglinge und 
Kleinkinder darstellen! Im übrigen ist auch 
der Mineralgehalt der Konserven für die Er 
nährung sowohl der Erwachsenen wie auch 
der Kinder vollauf ausreichend. (Prof. Mar 
Rubener.) Schließlich führte der Referent 
noch an, daß die Arbeiten des Prof. v. Noor 
den, Prof. Hindhede, Dr. Süßkind u. a. er 
geben haben, daß gegen ausschließliche Roh 
kost schwere Bedenken zu erheben sind. 
* Wohltätigkeftsabcnd der nationalsozialistischen 
Frauenschaft im Schützenhof. Am Sonnabend fand 
im vollbesetzten Schützenhof der Wohliätigkeits- 
abend der nationalsozialistischen Frauenschaft statt, 
der von nahezu 1000 Personen besucht war. Der 
Reinertrag der Veranstaltung fließt der national 
sozialistischen Erwerbslosenhilfe zu. Eingeleitet 
wurde der Abend durch die Begrüßungsansprache 
von Frau Carstensen. Dann ergriff der Ortsgrnp- 
penleiter Krabbes das Wort. Der Redner beleuch 
tete im Rahmen der neu herausgekommenen Not 
verordnung die augenblickliche politische Lage, ge 
dachte des Anfangskampfes der jetzt so stark ge 
wordenen Bewegung und gab der Zuversicht Alb 
druck, daß Adolf Hitler das deutsche Volk wieder 
in eine glückliche Zukunft führen werde Reicher 
.Beifall und das von den Anwesenden gesungene 
Horst-Wessel-Lied folgten den temperamentvollen 
Ausführungen des Redners. Hieran jchlossen sich 
Gedichtvorträge, gesprochen von Frau Eribbohm
	        
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