Full text: Newspaper volume (1931, Bd. 4)

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124. Jahrgang, 
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NZnsà hm 17. NŞMher 
Der Sumpf. — Das System. — Was weiter? 
Nach reichlich einem Monat Arbeit in dem 
Dickicht des Sklarek-Sumpfes zeigt nicht nur die 
Oeffentlichkeit, sondern auch das Gericht bereits 
Spuren von Ueberdruß und Unlust, sich weiter 
durch dieses wüste Gewirr hindurchzuarbeiten Er 
fahren zwar hat man in diesen Wochen bereits ge 
nug. Man kennt aber noch nicht alle, die sichs in 
jenem Sumpfklima wohl sein ließen, wenngleich 
man bereits erkennen kann, daß schon verschiedene, 
noch außerhalb des Prozesses stehende Persönlich 
keiten an den Ansteckungsstoffen jenes Sumpfes 
bedenklich erkrankt sind oder mit Sicherheit noch 
erkranken werden. Man hat festgestellt, in welchem 
Maße dis Sklarek-Atmofphäre die Verwaltungen 
der Reichshauptstadt infiziert hat, man weiß 
jetzt, daß die merkwürdige Stellung der Sklareks 
nicht im geringsten ein sorgfältig gehütetes Ge 
heimnis war, sondern daß man sowohl in der Zen 
trale wie in den Bezirken genau wußte, wie wich 
tig es sei, mit jener illegalen Verwal 
tungsmacht gut zu stehen. Es hat offenbar 
Zeiten gegeben,, wo man einfach erst durch Be 
ziehungen zu Sklareks für wichtige Posten oder 
einträgliche Geschäfte „befähigt" wurde. 
Die Schnoddrigkeit der beiden Brüder Sklareks. 
die sich mit unnachahmlichem Geschick bei allen 
heiklen Wendungen, die der Prozeß zu nehmen 
droht, hinter die schützende Krankenzimmertür 
ihres Bruders Max zurückziehen, hat das ganze 
Milieu farbig und deutlich werden lassen. Es be 
durfte nicht mehr der Vorweisung jenes klassischen 
silbernen Pokals mit den eingravierten Namens 
zügen treuer Freunde aus merkwürdig weit aus 
einanderliegenden Lagern, um zu wissen, daß die 
Sklareks einmal h e i m l i ch e K ö n i g e i n Be r- 
li n gewesen sind, zu denen man sich auch dann 
wohl gedrängt hätte, wenn sie mit Anzügen für 
8,50 Mark einerseits, gutem Sekt und noch besseren 
Weinen andrerseits nicht so großzügig und frei 
giebig gewesen wären. 
So viel und noch vieles andere ist klar gewor 
den. Nur eines nicht, die Hauptfrage nämlich, an 
deren einwandfreier Klärung vor allen Dingen 
der Oeffentlichkeit liegen muß: Was war eher da, 
der Sumpf oder das S y st e m ? Das System 
nämlich, das auf jeden Fall in dieser Sumpf- 
Atmosphäre erschreckend gediehen ist. Gedieh es, 
weil der Sumpf schon da war und erst durch das 
Eingreifen der Sklareks seine pompöse Aufmachung 
erhielt, oder war es schon vorher innerlich so 
inorsch und fragwürdig, daß sich darum herum 
dieser Sumpf bildete, mit innerer Notwendigkeit 
bilden mußte? Hier setzt das berechtigte Interesse 
aller derer ein, denen noch mehr an einer Säu 
berung der Atmosphäre gelegen ist, als daran, daß 
ihr empörtes Rechtsempfinden befriedigt wird. 
Hier aber zeigt sich nun auch schon etwas bedenk 
lich deutlich eine gewisse Müdigkeit des Gerichtes. 
Als dem Gericht die berüchtigte schwarze 
Kladde vorgelegt wurde, gab der Vorsitzende 
seinem Wunsche Ausdruck, den Rahmen dieses 
Prozesses nun nicht noch mehr erweitert zu sehen. 
Er begründete diesen Wunsch mit der Rücksicht ans 
Personen, die dabei unverschuldeter Weise in Mit 
leidenschaft gezogen werden könnten. Allein hier 
ist — und das hätte der führende Richter in die 
sem Prozeß eigentlich sogleich selbst empfinden 
müssen — das Interesse der Oeffentlichkeit und 
der Allgemeinheit der Rücksicht auf Interessen von 
Einzelpersonen unbedingt überzuordnen. Der Sinn 
dieses Monstre-Prozeffes kann und darf sich nicht 
in der Zuteilung von ein paar Jahren Freiheits 
strafen erschöpfen: er kann es nur in der völligen 
und bis auf den Grund gehenden Bereinigung 
Pariser Blätter schlagen sich auf die Seite des Stärkeren, nämlich Japans 
Während die Japaner auch weiterhin Minen 
wringen lassen gegen eine Aktion des Völker 
bundes bezüglich der Verhältnisse in der 
Mandschurei, ist gestern der Völkerbundsrat 
su Paris zu seiner Mandschurei-Konferenz zu 
sammengetreten. Als es anfing, interessant zu 
werden, wurde die Oeffentlichkeit ausgcschkos- 
Kn. Man rechnet damit, daß die Konferenz 
rnre Woche zusammenbleibt. 
Sehr bezeichnend ist eine Parteinahme der 
heutigen Pariser Rechtspresse zu Gunsten Ja 
vans. Man scheint eingesehen zu haben, daß 
'wpan sich durch den Völkerbund nicht ein- 
lchüchtern läßt, und nimmt nun die Partei des 
Stärkeren. So schreibt z. B. der „ F i g a r o ", 
"aß her Kanonendonner aus der Mandschurei 
höchst eindringlich an die Tatsachen erin 
nere und sich wenig um die Genfer Methoden 
kümmere. Das Rechtsbatt wirft dem Völker- 
ölknd vor, man habe China in seiner von Sow- 
Zetrußland geschürten fremdenfcindlichen Hal 
tung ermutigt, während Japan, der für Äch 
tung vor den Verträgen eintretende Anwalt 
öer Ordnung, zurückgewiesen worden sei. In 
"er geheimen Sitzung des Völkerbundsrates 
stab der Chinese Dr. Sßc der Hoffnung Aus 
druck, daß der Völkerbundsrat so schnell wie 
Möglich zu einer Lösung gelange. 
Die japanischen Truppense«dun 
st e n nach der Mandschurei halten an. In Muk- 
öen fand eine, offenbar von den Japanern ar 
rangierte, Kundgebung gegen die Einmischung 
öes Völkerbundes in den mandschurischen 
Streit und gegen eine Zurückziehung der ja 
vanischen Truppen statt. Die Dinge um den 
vtanöschurischen Kaiser von Japans Gnaden, 
Purst, liegen noch im Dunkeln. Tokio lehnt sich 
^uch gegen eine Ueberweisung des Mandschu- 
veikonfliktes an den Haager Gerichts 
hof, sie der amerikanische Botschafter in 
London, Dawes, vorgeschlagen hatte, auf. 
Chinesische Kavallerie im Gefecht. 
TU. London, 17. Nov. (Eig. Funkm.) Airs der 
techten Flanke der japanischen Front kam es erneut 
Iniganschi gemeldet wurden. Chinesische Ka- Tschekiang Warenlager der japanischen Großhandels 
ie versuchte in der Nähe von Tasching eine firma Iwai Polo Compagnie in Brand gesteckt. De: 
buhnbrücke in die Luft zu sprengen. Sie wurde Schaden wird auf etwa ^ Million Mark geschützt. 
Mm ösefe Drucks isbi öss Schlecht in -er Mandschurei. 
: 
Japanische Posten bewachen die Eisenbahnbrückc über den Ronnifluß. 
Die große Schlacht, die den Ausbruch der offenen Feindseligkeit in der Mandschurei einte! 
bete, ist an der Eisenbahnbrücke über den Ronnifluß unweit von Tsitsikar im Gange. 
Am Montagmorgen führten die chinesischen Eisenbahnverbindungen auf der Strecke Taonc 
Truppen unter Führung Mas einen Angriff Aganfchi wieder aufgenommen. Die Chinesen 
auf die japanischen Stellungen bei Tasching aus. ben also einen Z w ei fr o n t e n a n g r i f f di 
Es kam zu einem heftigen Gefecht, dessen Ausgang geführt. Der Kavallerieangriff bei Taonan n 
noch nicht bekannt ist. Gleichzeitig hat eine chine- lich der Ronnibrücke bezweckte die Maskierung 
fische Kavalleriebrigade die japanischen Verbin- Hauptvorstoßes im Süden der Brücke du^ch 
dungslinien zwischen der Ronnibrücke und Taonan die für den Japaner außerordentlich wick 
durchbrochen. Japanischen Meldungen zufolge war Eisenbahnverbindung mit der Südmandschurei' 
der chinesische Erfolg nur von kurzer Dauer. Die der die Truppen- und Lebensmitteltransporte 
Chinesen seien bereits zurückgeworfen und die folgen, abgeschnitten werden soll. 
Die Tatsache und das Problem 
[ 3n regierungsņchen Mimt Kreisen 
wird die Bedeutung der Landtagswahlen in 
Hessen, durch die die Nationalsozialistische 
Partei zur größten Partei wurde, nicht ver 
kannt. Man ist der Änsicht, daß es nach Lage 
der Dinge nunmehr an dem hessischen Zentrum 
liegt, den einzuschlagenden Weg zu finden, 
wobei man in Zentrumskreisen darauf hin 
weist, daß sich in dem großen Umbildungs 
prozeß der Wählermassen das Zentrum als 
ein Block der Mitte erwiesen habe, der bei den 
Hessenwahlen sogar noch habe verstärkt wer 
den können (gegenüber den Reichstagswahlen 
von 13,9 ans 14,3 v. H. der gesamten Stimmen). 
Es schälten sich also drei große Blocks heraus, 
der marxistische (Sozialdemokraten und Kom 
munisten), der Zentrumsblock und der natio 
nalsozialistische Block, der auf Kosten der bis 
herigen Mittelparteien immer noch weiter zu 
zunehmen scheine. Ob das hessische Zentrum 
aus der gegenwärtigen Lage die Folgerungen 
ziehe, nunmehr ein Zusammengehen mit 
den Nationalsozialisten zu versuchen, lasse sich 
von Berlin aus nicht bestimmen. Was die 
Vcrhältniffo im Reich angehe, so müßten hin 
ter der Außenpolitik in dem gegenwärtigen 
Augenblick größter und die deutsche Zukunft 
bestimmender Entscheidungen die Koalitions- 
lFortsetzung siehe nächste Seite.) 
bes Zentrums, rn öre natronalsozralr- vorigen Landtagswahl über 940 339 be 
Kche ģlngelparter rechts, sodann weiterer Reichstagswahl auf jetzt 955185. Nur 
ie@ şi Cr Sozialdemokraten besonders an ,„an diese Zahlen mit dem gestern verö 
e Kommunrsten ganz lmks - lebhaft eror- lichten Zahlenmaterial vergleicht, kann 
! r n Selbstverständlich steht dabcr auch das ein ganz klares Bild von der politischer 
ictin '\ c - m . e r ol 1 tron zwischen deutung der Wahl gewinnen. Dadurch, 
alsozialrsten und Zentrum tn Hessen öer prozentuale Anteil an der höheren 8 
-i e? Bewältigung der Regrernngsschwrerrg- beteiligung und die viel höhere Zahl 
Vordergrund. Da» Zentrum soll sich Stimmberechtigten mit in Erwägung ge, 
ntwi^/ņ- "bciln die sturmartige bisherige werden mutz, wird der Stimmverlust, z. 5 
"Wicklung anhält, wird das Zentrum heute der Sozialdemokratie, als eine noch citi 
ihiÄ töen 'Och einmal iil den es noch sauer den ere Abkehr von ihr erwiesen, vor 
îîden neuen Koalitionsapfel beißen mils- Dingen gehört der Strom der Ncuwähler 
itûàişîàŗerseits erhellt aus der gegenwärtigen also der Jugend der Nation, den Flüge 
eff 01 wieder die Wichtigkeit der Schlüssel- teien, insonderheit der Nationalsozial 
nks ^ à' Zentrums zwischen , rechts und und es dürfte kein Zweifel darüber Herr 
ļotzte Erklarung fnr die politische saß unter diesen jugendlichen Wählen 
«tS'Vt şàt man in der auch in erheblichem Matze die Arbeiter;, 
chieri, ,' dm tathvlnche cknleil an der Be- befindet, denn sonst würde bei der aus; 
n Ä?L?outschlands nicht weniger als rund öentlich erhöhten Zahl der Stimmberecht 
entru '" ļ betragt. Die Wählerschaft des der Stimmverlust der Sozialdemokratie 
sche» «w?, "Ģzu lOOprozentig tnt katho- so groß sein. Die Wahl ist zudem ein 
Bevolkerungvteil zu suchen. kenntnis zum richtig verstandenen soz 
. * Gedanken, der zugleich in sich die Abkehr 
oer Wahl in Hessen-Darmstaöt werden internationalen Leihkapitalismns in K 
»e statistische Zahlen von Interesse be- und Wirtschaft bedeutet. 
dieser ganzen Angelegenheit. 
Man sollte darum auf die gründlichste Erschöp 
fung aller nur irgendwie auftauchenden Fragen 
und Fragwürdigkeiten dringen. Hierbei darf man 
an einen Vorgang in dem anderen zur Zeit kau 
fenden Monstre-Prozeß, dem Favag-Prozeß, er 
innern. Dort tauchte die Frage auf, wie es mög 
lich gewesen sei, daß ein früherer Direktor, dessen 
Handlungen sich jetzt als unverantwortlich enthüllt 
haben und die damals schon nicht verantwortbar 
schienen, ohne weiteres und vorbehaltlos für alle 
diese Handlungen bei seinem Ausscheiden Ent 
lastung erhalten habe. Sein Nachfolger, so wurde 
entschuldigend erklärt, konnte sich doch nicht mit
	        
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