Full text: Newspaper volume (1931, Bd. 4)

Unterhaltung 
Nr. 260 
Beilage der Schleswig-Holsteintschen Landeszeitung (Rendsburger Tageblatt) 
Donnerstag. Sen 5. November 1931 
Auf der Hetzjagd nach dem Golds. 
Der blinde Abenteurer. - Schwarze sterben zu kaufenden in den Minen. — GeheimnisvoLe Goldberge am Amazonas. 
Kostbarer Wein funkelte in meinem Glase. Ich 
laß als Gast eines Millionärs in den Räumen des 
vornehmen Rand-Elubs in Johannesburg Um uns 
Lfrr nur Luxus. 
Da drängte sich mir die Frage auf: »Wie lange 
wird es wohl dauern, bis diese Schatzgvnben hier. 
Goldminen, erschöpft sind?" — Der Millionär 
Kuckte lächelnd die Schulter: „Wer soll das wissen? 
Der will sich darüber Gedanken machen? Solange 
ich lebe, wird es hier immer Gold gebend 
Zwischen diesem Abendessen in Gesellschaft des 
Iohannesburger Millionärs und dem, was mir ein 
einsamer Goldgräber vor kurzem in den abessini- 
şchen Bergen vorsetzen konnte, war ein gewaltiger 
Unterschied. Es kostete mich damals große Mühe, das 
Ļager dieses Mannes zu finden. Doch ich hatte dem 
Postamt in Addis Abeba versprochen, zwei an den 
Einsamen gerichtete Drahtnachrichten abzaàfern. 
Es war ein alter Mann mit wundervoller weißer 
Mähne. Er hatte Mr zwei Somalis als Träger und 
krn lächerlich kleines Zelt bei sich. Doch begrüßte er 
Mich höflich. 
Nervös fingerte er dann an den Telegrammen: 
. »Sie entschuldigen." Er riß die Umschläge auf, 
Zeugte sich ein, zwei Minuten lang über das Pa 
pier. ©ein« Hand zitterte. „Bitte", flüsterte er 
schließlich, „bitte lesen Sie mir die Telegramme vor! 
Ich bin halb blind. Zwei Jahre Aufenthalt in dieser 
verdammten grellen Sonne! Me Somali dürfen 
Vichts davon wissen. Sie würden nicht länger einem 
Manne folgen, der nicht zielen kann." 
So las ich ihm die Telegramme vor. Eines kam 
von einer bekannten Minengesellschaft in Johan 
nesburg: Solange -der Goldsucher nicht eine vom 
Kaiser Tafari unterzeichnete Konzession für die an- 
Üblich entdeckten Goldfelder vorweisen könne, würde 
Vichts in bas Unternehmen hineingesteckt. 
„Mese Konzession erstrebe ich nun schon seit einem 
Jahr", murmelte -der Goldsucher. „Ich halbe es mit 
Bestechungsgeldern versucht, doch es war nicht ge- 
vug." — „Haben Sie denn Ihr Goldfeld gefunden?" 
fragte ich. 
Er sah mich mit dem Mißtrauen des einsamen 
şGolÄsuchers an. „Zwei Meilen von hier", flüsterte er 
öann. „Oben taugt es nichts, sieht es nach nichts 
v-us. Doch es ist eines 'der besten Goldfelder in 
Afrika. Was steht aber im zweiten Telegramm?" 
Es sagte, Joyce würde am 10. November heiraten 
vnd die Familie hoffe, der Vater möchte bis dahin 
vach Johannesburg zurückgekehrt fein. Es schloß mit 
den Worten: „In Liebe Deine Mary." 
„Meine Frau", sagte der Alte. „So, so, Joyce, 
Vnseve Jüngste, will heiraten! Ich habe seit drei 
wahren keinen von der Familie gesehen. Stets nach 
Gold gesucht. Sie haben mir immer wieder geka 
belt, ich sollte zurückkommen. Aber ich kann 'das 
Feld hier ni'cht ausgeben. Ich stehe ja unmittelbar 
vor dem Glück. Uebrigens, welches Datum "haben wir 
heute?" — „Den 10. November." 
Einen Augenblick schwiegen wir beibe. Me So- 
viali breiteten eben eine Decke auf die Erde. Dann 
bam das Essen. Eine Dose Sardinen, ein Laib Brot, 
Kwei Tasten dampfenden Tees, 'das war alles. Der 
Alte bat um Entschuldigung: „Nicht einmal Schnaps 
habe ich. Sie nehmen es mir doch nicht übel?" — 
8ch schüttelte den Kopf, hob die Tasse: „Auf Joyce's 
Wohl!" Der Goldsucher im weißen Haar beugte den 
Kopf. Ich sollte wohl ein paar Tränen nicht sehen. 
Dieser Mann dort in tier àssinischen Wildnis 
brar nur einer Mter Tausenden seiner Art. Er 
stürmte seiner Zeit als einer der Ersten nach dem 
Aukon, er hatte in Australien nach Gold gegraben. 
v>«r ànn noch dem Rand gekommen. Zweimal hatte 
fr ein Vermögen erworben, zweimal alles wieder 
verloren, nur nicht den Mut. 
. Ein paar Wochen später saß ich auf der Terrasse 
kines Hotels in Port Sudan am Roten Meer. Da 
Ņm à schwarzgebrannter Engländer, der nur einen 
Stock trug, die Treppe herauf, bestellte Eisgetränke 
vud ein heißes Bad. Auch ein Goldgräber. Er war 
Zwischen den Bergen herumgestrichen, die so lebhaft 
Cn eine Mondlandschaft erinnern, immer auf der 
Suche nach der Quelle jener Goldkörner, die man 
hş'er und dort am Strand des Roten Meeres findet. 
Wir kamen ins Gespräch. „Hier herum", sagte er, 
»vruß irgendwo ein richtiger Goldberg sein. Ich 
sverde ihn finden, und wenn ich mein ganzes Leben 
^vng suchen muß." Dierundzwanzig Stunden später 
Erließ er wieder das Hotel. 
, Auf der ganzen Erde geht diese Hetze nach dem 
Golde weiter. Doch während einzelne Menschen un 
erhörte Strapazen durchmachen, um das gelbe Me- 
zu finden, liefern die Schatzgruben um Iohan- 
^sburg noch immer den größten Teil des Goldes 
lstv alle Welt. 
»Wir können, was Goldförderung anlangt, jeden 
üchlogen", sagen die Optimisten von Johannesburg, 
k'şşun wir haben die besten Maschinen und die bil- 
'Şsten Arbeitskräfte." Sie haben recht. Tausende 
i° n Schwarzen werden im Randgebiet hinter Sta- 
îldrohtzäunen zusammengehalten. Aber selbst diese 
quelle von Arbeitskräften ist nicht unerschöpflich. 
den Goldbergwerken um Johannesburg wütet 
. ' Schwindsucht. Sie verlangt jedes Jahr Tausende 
Aì Opfern. Schwarze, die glücklicher gewesen sind, 
kehren nach zweijähriger Arbeit in den Minen im 
Besitze eines Einglases und gelber Handschuhe in 
ihre Dörfer zurück, um dort ein Weib zu kaufen 
und sich niederzulassen. 
Je tiefer die Schächte der Goldbergwerke in das 
Erdinnere hineingetrieben werden, um so tödlichere 
Wirkungen üben Staub und Hitze aus. Bor zwei 
Jahren erreichte eine Iohannesburger Miene mit 
rund 2500 Meter die größte Tiefe, die je in einem 
Bergwerk erbostet wurde. Welche Gluttemperatur 
dort unten herrschen muß, kann sich jeder ausrech 
nen. Ich war selbst dort und kroch mit den Schwar 
zen in Löcher, in denen wir schwitzten wie in eiitem 
türkischen Bad. Wenn dann noch die Bohrmaschinen 
arbeiteten, war der Lärm so ohrenbetäubend und 
der Staub so erstickend, daß olles Gold auf Erden 
mich nicht zu dieser Arbeit locken könnte. 
Verschiedene Bergsachverständige erklären, drei 
Kilometer wäre die größte Tiefe, die man im 
Randgebiet erreichen könne. Möglich, daß die mo 
derne Wissenschaft den Goldbergarbeiter mit einer 
Ausrüstung ausstatten wird, die ihm eine Tätigkeit 
in noch größerer Tiefe erlaubt. Doch dann werden 
die Unkosten wahrscheinlich zu hoch. 
Augenblicklich werden aus den Minen des Rand 
gebietes jährlich für rund 800 Millionen Mark Gold 
gewonnen.' Das ist die Hälfte der Weltgewinnnng. 
Sachverständige Berechnungen schätzen den noch ab- 
baufähigen Vorrat an Golderz im Iohannesburger 
Gebiet auf rund 550 Millionen Tonnen. Das heißt: 
Die Ausbeute wird noch für weitere drei Jahre auf 
der augenblicklichen Höhe bleiben, um dann ständig 
zu sinken. 
So suchen einzelne Männer, Gesellschaften Md 
Finanzgrößen auf der ganzen Welt nach neuem 
Gold. Es ist ganz interessant, sich Gedanken darüber 
zu machen, wo die nächsten großen Funde wohl er 
folgen werden. Ich nannte schon öie obessinischen 
Berge. Me Erzählungen vom dortigen Gold sind 
nicht reine Märchen. Eingeborene haben dort schon 
oft gegraben, und das gelbe Metall findet sich in so 
reinem Zustande, daß es weich wie Blei ist. Die Gier 
nach dem Golde Abessiniens stand hinter den großen 
Ehrungen, die europäische Md amerikanische Diplo 
maten dem Kaiser gelegentlich seiner kürzlich erfolg 
ten Krönung erwiesen. 
In Australien befinden sich augenblicklich zwei 
Expeditionen auf der Suche nach einer anderen 
Schatzgrube dieser Art. Beide sind mit Flugzeugen 
ausgerüstet, die ihnen bei der Erkundung des unbe 
kannten Inneren und — wenn nötig — bei der 
Verproviantierung und Rettung verirrter Expodi- 
tionsmitglieder helfen sollen. Die Erzählung von 
diesem gesuchten Goldfeld geht auf die Berichte eines 
Goldsuchers namens Carle zurück, der vor etwa 
dreißig Jahren aus dem Inneren Australiens wun 
dervolle Proben goldhaltigen Qrmrzes mitbrachte. 
Er ergänz!te seine Erzählung von einer fabelhaften 
Goldhöhle, die durch Eingeborene bewacht werde, 
durch eine in rohen Zügen entworfene Geländeskizze. 
Seit drei Jahrzehnten haben seine Erzählungen die 
Goldsucher Australiens nicht ruhen lassen. 
Wer eines schönen Abends ein gewisses Kaffee- 
haus im Pariser Stadtteil Montparnasse betritt, 
wird wahrscheinlich einen entschlossen aussehenden 
jungen französischen Ingenieur beim Dominospiel 
antreffen. Das ist der Mann, der behauptet, das Ge 
heimnis wahrer Berge von Gold zu kennen, die in 
den Urwäldern Brasiliens liegen sollen. Roger 
Courteville unternahm vor einiger Zeit eine Reise 
nach den Quellen des Amazonenstroms, um bort 
einen Flughafen für eine Gesellschaft anzulegen, die 
ihr Flugnetz über Südamerika ausspannen will. „Ich 
habe mit Goldsuchern gesprochen", sagt Courteville, 
„die behaupten, soweit sie hätten sehen können, wä 
ren Stapel von Gold ausgebreitet gewesen. Me Ver 
mögen der Ford und Rockefeller seien im Vergleich 
dazu Bagatellen. Aber diese Goldsucher haben eine 
derartige Angst vor den vergifteten Pfeilen der 
Indianer, vor den Schlangen und Moskitos, vor 
dem Verhungern, daß nichts auf der ganzen Welt 
sie zur Rückkehr dorthin veranlassen könnte." 
Diese geheimnisvollen Goldberge sollen nördlich 
von Cuyaba im Herzen Brasiliens liegen. Courte 
ville hielt sich dort mehr als zwei Jahre lang in Be 
gleitung seiner Fron, einer Brasilianerin, eines Me 
chanikers und einiger eingeborenen Ruderer auf. 
„Es gibt keinen Zweifel", sagt er, „daß dort Gold in 
großen Mengen vorkommen muß. Allein schon das 
viele gelbe Metall, das sich in den Flußbetten findet, 
beweist, daß dieses Gold von den Bergen herab- 
gewaschen wurde. In verschiedenen Gegenden, die 
Hunderte von Kilometer voneinander entfernt la 
gen, sah ich die Frauen Halsketten aus großen Gold- 
körnern tragen." 
Wen dieses Dorado nicht lockt, der schließt sich viel 
leicht lieber der Legion von Goldsuchern an, die in 
Mexiko so gut wie, in China oder im Kongogebiet 
die Erde durchwühlen. 
Doch wenn ich in die Verlegenheit käme, mich an 
einer Jagd nach Gold zu beteiligen, so würde ich nach 
Neuguinea gehen. Denn hier wird das Dorado von 
morgen sein. In den fast undurchdringlichen Ur 
wäldern der Insel sind große Goldvorkommen ent 
deckt worden. Eine Expedition schlug sich trotz Krank 
heiten, Hunger und Verfolgung durch Kopfjäger mit 
zweitausend Unzen (rund 115 Pfund) Gold zum 
nächsten europäischen Posten durch. Mehr hatten die 
Leute nicht frügen können. 
Jetzt halten sich viele australische Goldgräber auf 
Neuguinea auf. Doch nur wenige haben es gewagt, 
in die Urwälder einzudringen. Die Aengstlichen su 
chen in den Flußbetten nach dem gelben Metall, das 
aus dem Innern gespült wurde. Aber nur Männer, 
die einen abgehärteten Körper besitzen, können die 
sem Beruf nachgehen. Der Goldtopf, den jeder zu 
finden hofft, ist nicht leicht zu erreichen. Doch die 
eigentliche Freude an der Arbeit liegt weniger im 
Finden als gerade im Suchen. 
William I. Makin. 
Wnà Welt. 
Ein „zeitgemäßer" Werbefeldzug. 
Unter dem Losungswort „Trinkt mehr 
Champagner!" haben sich in Frankreich die Er 
zeuger des prickelnden Getränkes zusammen 
gefunden, um dem Sekt seine alte Stellung zu 
rückzuerobern. Die wachsenden Absatzschwierig 
keiten, die durch die Prohibition in Amerika, 
den Umsturz in Rußland, vor allem aber durch 
die allgemeine Wirtschaftsdepression herbeige 
führt und verschärft worden sind, haben den 
Sekterzeugern die Notwendigkeit nahegelegt, 
diesen Zustand der Dinge nicht länger mehr 
untätig mitanzusehen. Man will jetzt energisch 
die Offensive ergreifen. Der Stadtrat von 
Reims hat zu diesem Zweck einen Hilfskredit 
von 10 000 Mark bewilligt, um den „Fonds" 
der Champagnerverteidigung" zu verstärken. 
In einer Versammlung der beteiligten Kreise, 
die kürzlich in der Hauptstadt der Champagne 
stattfand, wurde ein Ausschuß gewählt, der 
über Mittel und Wege beraten soll, das In 
teresse für den Champagner wieder zu beleben. 
Man hat vor allem beschlossen, durch eine aus 
gedehnte Reklame in Restaurants und in der 
Presse sowie durch besondere Propagandaschrrf- 
ten dem Sekt neue Märkte zu eröffnen. Ferner 
will man sich zu diesem Zweck die Bühne dienst 
bar machen und unter dem Titel „Cyampag- 
nerschaum" eine Musikposse aufführen. Alle 
führenden Vertreter der „Champagneraristo 
kratie" einschließlich der Firmen, die in Eper- 
nay, Chalons und anderen Orten der Sekt- 
erzeugung ihren Sitz haben, haben versprochen, 
diese Bestrebungen energisch zu unterstützen. 
Dabei darf freilich nicht unerwähnt bleiben, 
daß die Besucher der Nachtlokale auf dem 
Montmartre u. Montparnasse mehr und mehr 
die Neigung zeigen, Whisky-Soda statt der 
üblichen Flasche Champagner von zweifelhaf 
ter Qualität zu bestellen, die früher obligat 
war. Die Champagnerfabrikanten können wohl 
Rezepte verschreiben, aber diese werden nur 
auf dem Papier stehen^fo lange das Geld fehlt. 
seiner Liebe zum Champagner praktischen 
Ausdruck zu geben. 
St. Bürokratius 
oder die Komödie der Ehewirrungen. 
Einen wahren Rattenkönig ehelicher Wir 
rungen stellt ein Fall dar, über den sich die- 
Juristen in Paris zurzeit den Kopf zerbrechen. 
Die Gattin eines Kaufmanns, der im Pariser 
Geschäftsleben eine große Rolle spielt, mar 
mährend des Weltkrieges geisteskrank gewor 
den und mußte in eine Irrenanstalt gebracht 
werden. Viele Jahre später verliebte sich der 
Kaufmann in eine andere Frau, die er auch 
heiraten wollte, aber alle seine Bemühungen, 
eine Scheidung von seiner irrsinnigen Frau 
durchzusetzen, waren erfolglos, da das franzö 
sische Gesetz Geisteskrankheit als Scheidungs 
grund nicht anerkennt. Angesichts dieses un 
überwindlichen Hindernisses entschloß sich der 
Kaufmann kurzerhand, sich mit der geliebten 
Frau trauen zu lassen, selbst auf die Gefahr 
hin, wegen Doppelehe belangt zu werden. So 
geschah es denn auch, aber er wurde freigespro 
chen, da er unter einem unabweisbaren Zwan 
ge gehandelt hatte. Trotz diesem Freispruch 
aber blieb das alte Dilemma weiter bestehen. 
Inzwischen war die erste Frau X. in der Ir 
renanstalt gestorben. Der Gatte begab sich 
sofort mit dem Totenschein zum Standesamt, 
um seine Trauung anzumelden. Er wurde auf 
gefordert, den Geburtsschein seiner „Braut" 
vorzulegen. Dabei stellte sich heraus, daß auf 
der Urkunde seine vollzogene Trauung ver 
merkt war, und daß er daher bei Lebzeiten 
keine neue Ehe mehr eingehen konnte. Vergeb 
lich bemühte sich der Mann. dem Standesbeam 
ten den Sachverhalt klar zu machen. Er wurde 
immer und immer wreder darauf verwiesen, 
daß er nach dem Gesetz ein Witwer und seine 
Frau nach dem Gesetz eine Witwe sei. Ter Un 
glückliche ist jetzt bemüht, eine Scheidung von 
seiner zweiten Frau zu erreichen, damit er in 
der Lage ist, sie wieder heiraten zu können. 
Neuer schwerer Bergrutsch in Cochem 
an der Mosel. 
Blick auf die Burg Cochem. 
Der Cochemer Berg, von dem schon im Frühjahr 
große Teile abrutschten, ist erneut ins Wandern 
geraten. Felsmassen von insgesamt etwa 1000 
Kubikmetern haben sich gelöst und sind herunter 
gestürzt. Die geologischen Untersuchungen haben 
ergeben, daß mehr als eine halbe Million Kubik 
meter Felsmasse lose geworden ist und kaum mehr 
aufzuhalten sein wird. 
Kants Bibel. 
Ueber Kants Handbibel, die vor kurzem von 
dem Marburger Oberbibliothekar Dr. Reinhold 
der Königsberger Staats- und Universitätsbibli 
othek zugeeignet worden ist, macht der jetzt er 
schienene Jahresbericht der Bibliothek nähere Mit 
teilungen, die das „Börsenblatt für den deutschen 
Buchhandel" wiedergibt. Es ist ein gewöhnlicher 
Vibeldruck vom Jahrs 1751, der aber zahlreiche 
Eintragungen und Unterstreichungen von Kants 
eigener Hand enthält. Auf der Rückseite des Vor 
satzblattes hat Kant einen längeren Exkurs über 
die Chronologie der Genesis aufgezeichnet. Auf 
der Vorderseite ist eine bisher unbekannte Va 
riante der sogenannten Hippelschen Kant-Silhou 
ette ausgeklebt, die der Bericht wiedergibt. Die 
Bibel war von Professor Gensichen, dem Erben 
von Kants Bibliothek, seinem Famulus Reumann 
geschenkt worden, aus dessen Familie sie jetzt an 
die Königsberger Bibliothek kam. 
Heike««. smUt Knek-ote« 
Ein orientalischer Fürst fragte einmal seine 
Höflinge: „Wen haltet Ihr für größer, meinen 
Vater ober mich?" 
Die Frage war heikel und ihre Beantwor 
tung zweischneidig. Doch fand sich ein diploma 
tischer Staatsmann unter der verlegenen 
Schar, der sprach: 
„Euren Vater, Herr! Denn wenn Ihr auch 
in allen Dingen gleichwertig seid, so hat doch 
Euer Vater das vor Euch voraus, daß er einen 
bedeutenderen Sohn sein eigen nennen kann 
als Ihr, Herr!" 
Das war die erste Stufe zu des Höflings 
Aufstieg. 
Ein Theaterdirektor hat es nicht leicht. Ter 
Berliner Direktor Zickel ist aber dafür be 
kannt, daß er durch alle Fährnisse seines En 
sembles geschickt durchzusteuern versteht. Da 
kam einst ein Schauspieler zu ihm, beschwerte 
sich bitter über seinen Kollegen, der Intrigen 
gegen ihn spann. Sagt Zickel mitfühlend: 
„Ja, ja — ganz recht mein Lieber. Die Schau 
spieler sind eine widerliche Gesellschaft. Seien 
Sie nur froh— daß Sie nicht dazu gehören!" 
Bremen löst seine Gesandtschaft in Berlin auf. 
Dr. Friedrich Nebelt hau, 
der Gesandte der Freien Stadt Bremen in Berlin, 
hat der preußischen Regierung die Mitteilung ge 
macht, daß mit Wirkung vom 31. März 1932 Bre 
men seine Gesandtschaft in Berlin auslöse. 
UflO 1 
dos 
storch'
	        
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