Full text: Newspaper volume (1931, Bd. 4)

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124. Iahrgimg. 
124. Jahrgang. 
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des OtttfcheiöuttISkampf ņm èen Tribut. 
Die ņeņe Nervenprobe für unser Volk 
Wasi steht für DeAtschSanö mf öem Spiel mb was für bk anbeten 7 
deutschland-Politik. Frankreich glaubt, daß ein 
Abweichen von dem Wege, der von Versailles zum 
Noungplan führte, das ganze System ins Wanken 
bringen könnte. Deshalb verwendet es alle Kraft 
darauf, dieses System zu halten, gleichzeitig aber 
will es, um das allgemeine Chaos zu vermeiden, 
dem deutschen Volk die Lebensfähigkeit erhalten, 
jedoch nur die Lebensfähigkeit einer von dein 
französischen Gärtner notdürftig mit Licht und 
Wasser versehenen Treibhauspflanze. So sind die 
französischen Anerbietungen zu verstehen, die. 
während Laval sich noch auf dem Ozean befand, 
in der französischen Presse hier und da auftauch 
ten: kleine Erleichterungen und „Umschichtungen", 
die den Deutschen Sklavenarbeit und den Franzo 
sen den Nutzen geben und die gleichzeitig mit der 
Forderung deutscher Garantien für die Erhaltung 
des Status quo und für die Zustimmung zur fran 
zösischen Abrüstungskrise verbunden sind. Frank 
reich will die deutsche Wirtschaftskrise solange Hin 
halten, bis Deutschland in einem derartigen Kom 
plex von Anerbietungen den letzten Rettungsring 
sieht, nach dem der Ertrinkende greift. Frankreich 
hofft, daß dies vor dem Zusammentritt der Ab 
rüstungskonferenz und vor weiteren weltwirt« 
schaftlichcn Ereignissen geschieht, die, wie die Ab 
rüstungskonferenz, die Einheitsfront der Vernunft 
und die Isolierung Frankreichs offenkundig wer 
den lassen könnten. Dann will Frankreich vor die 
anderen, die Engländer, die Italiener die Ameri 
kaner, hintreten und sagen: Was wollt ihr — wir 
haben Deutschland saniert, Deutschland braucht 
niemandes Hilfe mehr, eure Aktion ist gegen 
standslos geworden. 
Ein dramatisches Rennen zwischen dm 
Weltkrise, dem französischen Machtstreben und der 
letzten deutschen Lebcnsencrgie hat begonnen. Wir 
glauben, daß dieser Rest deutscher Lebenskraft groß 
genug ist, um das Nennen zu gewinnen — wenn 
diese Kraft richtig angesetzt wird. Hieraus erhellt 
die Größe der Verantwortung, die auf den Schul 
tern der Regierung liegt." 
Ş Es ergibt sich immer klarer, daß Deutsch 
land in den Entscheidungskampf um die Tri 
butlast eingetreten ist. Der Gegner, als der 
sich bisher Frankreich unter Assistenz der 
Morgan-Hochfinanz — das amtliche Amerika 
hat seine Karten noch nicht unmißverständlich 
aufgedeckt — erweist, will Deutschland weiter 
unter einem Tribut, vielleicht etwas gemil 
dert und geändert, zappeln lassen. Ihm gilt 
der Nachkrieg mit Tribut als Mittel seiner 
Politik bewußter Schwachhaltung Deutsch 
lands. Wir können und wollen keine Doung- 
tribute, die, nebenbei bemerkt, ein Schlag ins 
Gesicht des Völkerfrieöens sind, mehr zahlen. 
Daß man den Uoungplan zunächst ein Jahr 
lang suspendiert hat, beweist die Notwendig 
keit nicht nur nicht seiner Revision, sondern 
seines Abbaues. Ter Gipfel des Unverstan 
des ist's, Deutschland die Verzinsung und Ab 
tragung der Milliarden privater Auslands 
schulden und dazu Tribntleistnngen irgend 
welcher Art zuzumuten. 
Es geh^ also um private Schulden (auslän 
dische Kredite), die anerkannt werden von 
uns, und eine politische Schuld (Tribut), die 
erpreßt war und die wir nicht mehr anzuer 
kennen. vermögen. Der Kampf, dessen Ge 
plänkel wir nun schon seit einer Reihe Tage 
erleben, wird erbittert und gigantisch sein. 
Es gilt, den Alp einer bösen Vergangenheit 
endlich loszuwerden und eine hellere Zukunft 
anzusteuern, die uns vor Aufbauarbeiten stellt. 
An Droh u n g e n gegen Deutschland wird es 
nicht fehlen. Aber die anderen, die hoffentlich 
gespalten sein werden, laufen, wenn sie 
Deutschland zur Verzweiflung treiben, eben 
falls große Gefahren. Der Strudel der inter 
nationalen Wirtschaftskrise dürfte sich ver 
größern, und der Bolschewismus lauert auf 
die Ablösung einer Epoche, die sich nicht mehr 
zurechtzufinden droht, da sic zaudert, sich von 
überlebten machtpolitischen Vorstellungen zu 
trennen. 
, So gehen wir in einen inner- wie außen 
politisch schweren Winter hinein, der eine 
enorme Nervenprobe bedeuten wird. Diese 
Auffassung kommt hier und dort in Zeitnngs- 
aufsätzen zum Ausdruck. 
sind nicht so gering, wie es auf den ersten Blick 
scheint, wenn wir uns klarmachen, was auch für 
den Gegner auf dem Spiel steht. Ein finanzieller 
Zusammenbruch Deutschlands würde nicht nur 
ganz Europa mit sich reißen, er wurde auch 
an Frankreich nicht spurlos vorübergehen. Jene 
Geldgeber aber, die nns zehn Jahre lang ihr teu 
res Geld förmlich aufgedrängt haben, führen durch 
ihre sauoe-qui-peut-Stimmung den Zusammenbruch 
geradezu herbei, dem sie zu entgehen trachten. Ein 
Deutschland, das man politisch in Ruhe läßt, dem 
man tragbare Zins- und Amortisations-Bedingun 
gen für seine kommerziellen Schulden 
zubilligt, kann, wenn seine Wirtschaft sich erholt, 
seinen Verpflichtungen im Laufe der Jahre voll 
nachkommen. Ein Deutschland aber, das man 
plötzlich aller Barmittel beraubt, dem man das 
Blut seiner Wirtschaft entzieht, kann gar nichts 
zahlen und wird es auch ablehnen, durch Verkauf 
seiner letzten politischen Rechte sich ein Sklaven- 
lebett zu sichern. Das muß Frankreich sich von 
vornherein gesagt sein lassen. In kurzem beginnen 
die neuen Stillhalteverhandlungen, zu deren Vor 
bereitung man auch den Wtttschastsbeirat heran 
gezogen hat. Es hieße diese Verhandlungen zur 
Erfolglosigkeit verdammen, wollte man Deutsch 
land als lästigen, bedürftigen Bittsteller betrach 
ten. Eine Haltung des internationalen Gemein 
interesses allein kann die Lösung herbeiführen, die 
allen Teilen gerecht wird." 
fähig, den Druck ans Deutschland auszuüben, den 
sie früher anwandten, um Deutschland zu Tribu 
ten zu zwingen. Versucht man, diesen Druck doch 
auszuüben, so wird eine offene Empörung 
in Deutschland die Antwort sein. Die Poli 
tiker der Welt sollen es sich gesagt sein lassen, daß 
sie ans einem Pulverfaß sitzen dessen Zünd 
schnur sic in Brand sehen, wenn sic ernsthaft ver 
suchen wollen, Deutschland zur Wiederaufnahme 
der Noungzahlungen zu zwingen. Wir können nicht 
mehr und wir wollen auch nicht mehr! Und wir 
wissen, daß auch die Völker der Welt, soweit sie 
überhaupt eine freie Meinung haben und nicht 
durch eine Haßpsychose hypnotisiert sind, der glei 
chen Auffassung sind wie das deutsche Volk. Die 
Wiederaufnahme der Noungzahlungen ist unmög 
lich und wird nicht erfolgen!" 
Dr. Jügler sagt in „Endkampf" betitelten Be 
merkungen in der „Berliner B ö r s e n - Z e i - 
tung" das Folgende: „Es kann als sicher gelten, 
daß das Hooverjahr nicht verlängert wird. Viel 
sicherer aber noch ist es, daß für Deutschland eine 
Wiederaufnahme der Zahlungen nach dem Noung 
plan nicht in Frage komnlt. Also muß der Noung 
plan revidiert und damit die ganze Tributfrage 
neu aufgerollt und endgültig bereinigt werden. 
Frankreich widersetzte sich dieser Notwendigkeit. 
Nach der französischen Einstellung ist eine Revision 
des Aoungplanes gleichbedeutend mit einem Ver 
lassen des starren Prinzips von Versailles, 
mit einem Abbröckeln der ans Logik und Brutali 
tät gemauerten Zwingburg der französischen Antt-> 
Dr. Hans Möller schreibt im „H a m b u r g i - 
şchen Correspondent": „Darüber darf man 
sich keiner Täuschung hingeben: in Liesen Ausein- 
onbersetzungen politischer, wirtschaftlicher und 
stnanzieller Art stehen wir isoliert da. Wir haben 
«ns auseinanderzusetzen mit unserm Reparations- 
Släubiger Frankreich und mit allen Geldmächtcn, 
äie uns durch Abzug ihrer Kredite bedrohen. Nach 
äein Fiasko von Washington hat es der Teilhaber 
Bankhauses Morgan, Thomas Lamont, 
îertig gebracht, das machtlose Deutschland ans den 
^8eg zu. verweisen, den das reiche und mächtige 
Amerika ungangbar gefunden hat: den Weg der 
"Verständigung" mit Frankreich. Man darf wohl 
stunchmen. daß dem Mitarbeiter Morgans die 
şinanziellc Lage Deutschlands und Frankreichs 
uicht unbekannt ist. Und da Morgan in und an 
Frankreich interessiert ist, wünscht er natürlich 
Möglichst hohe Reparationszahlungen an seinen 
Klienten abgeführt zu sehen, weshalb er die deut 
le Zahlungsfähigkeit ans eine Milliarde jährlich 
veranschlagt. Frankreich kann also sicher gehen 
seiner Gerich tsvollziehcrtätigkeit 
dieser Seite volle Unterstützung zuteil wird. 
Glaubt man heute noch an eine ehrliche Verstän- 
èìgung Frankreichs mit Deutschland, wo dieses 
Frankreich endlich am lang erstrebten Ziel zu sein 
Staubt? Wo endlich die Früchte Clemcnceaus 
Krisen und die finanzielle Abhängigkeit Deutsch- 
snüs in einen ganz großen politischen Gewinn 
Frankreichs umgesetzt werden kann! 
Der Widerstand dagegen ist freilich die stärkste 
Ķ^rve «probe, der Deutschland seit dem 
^ìegc ausgesetzt worden ist. Aber unsere Chancen
	        
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