Full text: Newspaper volume (1931, Bd. 4)

6d)teswig-Bolfteinifd>e 
Landeszsîlung 
124. Jahrgang. 
124. Jahrgang. 
EinzelverkairfSpreis 15 Goldpfennļg * 
Echriftleîtung und Geschäftsstelle! Rendsburg, Bahnhofstraßk 12/1Ö 
Bezugspreis: Monatlich 8 — Reichsmark einschließlich Bestell- bezw. ASHokgeld 
Ausgabe 8 einschließlich Illustrierte Wochenbeilage Reichsmark 2.30. Einzeln 15 Rpfg. 
Fernsprecher Nr. 2551 — Telegramm-Anschrift! Tageblatt 
«-ickkonini! Wkstholsteînîsch» Want. Spm> und Lelhâtze, Banb°kred> A.G., WirUchast-danli, Be-nnt-ņbļmîd, 
8chl«ļw>,-HolstetniIch» Band, LsndKreditban» A..(S. alle iņ Sîend-bmģ and GemeiàLparkaff» Büdelsdors. 
VostlcheL-Konwr Hambur, IK273. LĢUIunsro« ķîendķbur» 
r Anzeigenpreis! Die tv gespaltene Kolonelzeile 25 i 
r ReLlamen 125 !fy£, Zahlungsziel 14 Tage. r 
j FürAufnahme derAnzeigen an bestimmten Plätzen sowie ! 
; in den vorgeschrieb. Nummern kann kein» Gewähr über» * 
I nommen. eine Ersatzpflicht od. Haftung bei Nichteinhaltg. ! 
! derartiger Bestimmungen also nicht anerkannt werden ; 
4»»».*.»»...4.»»». 
Del Zahlungsverzug oder Konkurs entfällt der 
Anspruch aus einen gewährten Anzeigen - Rabatt. 
Im Falle höherer Gewalt hat der Bezieher keinen 
Anspruch aus Lieferung oder Nachlieferung der 
Zeitung oder aus Rückzahlung des Bezugspreise» 
Gestern erfolgten im Reichstag die mit größter 
Epannung erwarteten Abstimmungen. Das Haus 
füllt sich nahezu bis auf die letzten Plätze. Es wird 
^nächst abgestimmt über die Mißtrauensanträge 
öer Nationalsozialisten, der Deutschnationalen und 
°er Kommunisten gegen die Neichsregierung. 
Mit der Rechtsopposition stimmen f ü r die An 
läge die Kommunisten, der größte Teil des Land- 
ö oIfs, die meisten Mitglieder der Deutschen Volks 
partei, die Sozialistische Arbeiterpartei. Dage 
gen stimmen mit den Regierungsparteien (Zen 
tum, Vayr. Volksp., Staatspartei, Konservative 
^olkspartei) die Sozialdemokraten, die Wirt- 
Ich a f t s p a r t e i, die Christlich-Sozialen, die 
Volksnationalen und der Bayr. Bauernbund. Ent 
haltungskarten gaben u. a. die deutsch-hannooer- 
fchen Abgeordneten ab. 
Die Mißtrauensanträge werden mit 295 Stim 
men gegen 27g Stimmen bei 3 Enthaltungen ab 
gelehnt. (Beifall bei den Regierungsparteien.) 
Mit der Ablehnung der Mißtrauensanträge ge- 
3en das Eesamtkabinett schien auch das 
Schicksal der Mißtrauensanträge gegen einzelne 
Minister besiegelt. 
Abg. Dingeldey (Dtsch. Volksp.) gibt eins Er 
klärung ab, wonach die Deutsche Volkspartei es, 
Nachdem sie durch dis erste Abstimmung ihre Hal 
ing zum Ausdruck gebracht habe, ablehne, kom- 
strumstischen Demonstrationsanträgen ' zuzustim 
men. 
Zm selben Sinne äußert sich Abg. Döbrich 
(Landvolk). 
Der kommunistische Mißtrauensantrag gegen 
den Reichswehrminister E r o e n e r wird mit 321 
gegen 233 Stimmen bei 18 Enthaltungen abge 
lehnt. 
Das Haus geht zur namentlichen Abstimmung 
über den 
Mißtrauensantrag der Kommunisten gegen 
den Reichsarbeitsminister Stegerwald 
ü^er. Nach Mitteilung des Präsidenten sind zu 
şşser Abstimmung 577 Karten abgegeben, so daß 
danach der Reichstag vollzählig versammelt sein 
piüßte. Da aber bekannt ist, daß einige Abgeord- 
ņ^te, u. a. wegen Krankheit, nicht anwesend sein 
"ņnen, muß ein Fehler bei der Zählung vorliegen. 
vorläufige Abstimmungsergebnis lautet auf 
.28 Stimmen gegen 235 Stimmen, welch letztere 
lür den Mißtrauensantrag waren. 16 Abgeord 
nete haben sich der Stimme enthalten. 
Es folgt die namentliche Abstimmung über den 
kommunistischen Mißtrauensantrag gegen den 
Ernährungsminister Dr. Schiele. 
Der Antrag verfällt mit 337 gegen 233 Stimmen 
der Ablehnung. 
Die Anträge der Nationalsozialisten, Dentsch- 
Nätionalen »nd Kommunisten ans Auslösnng des 
^eichstages nnd Neuwahlen wurden mit 328 gegen 
' 1>ä Stimmen abgelehnt. 
Anträge auf Aufhebung der seit dem 10. 
àbruar 1031 erlassenen Notverordnungen wer- 
eit mit 336 gegen 233 Stimmen abgelehnt. 
einfacher Abstimmung wird mit großer 
Mehrheit der Antrag abgelehnt, die beiden Not 
verordnungen zur Bekämpfung politischer Aus- 
schen Lebensforderungen nicht in einem Ein 
zug in Wien, sondern in weisester Mäßigung 
sah. Wenn es wirklich jetzt nur darum gehen 
wird, der schaffenden Arbeit in Deutschland 
wieder die Lebensmöglichkeiten zu geben, die 
sie unter dem Schatten von Versailles und den 
hinter Versailles stehenden Kräften des inter 
nationalen Leihkapitalis in weitestgehendem 
Maße verloren hat, so werden sich dem Kanz 
ler keine verantwortlich denkenden nationalen 
Kräfte zur Mitarbeit entziehen dürfen. 
Die Entwicklung in England und zum Teil 
auch schon in Amerika läßt klar erkennen, daß 
auch die außerdcntsche Welt der Wirtschaft und 
Arbeit die Zusammenhänge in den Auseinan 
dersetzungen der Zeit, in der Ausbeutung der 
Arbeit zugunsten des Goldes, erkennt und zu 
handeln bereit steht. Inner- und außenpoli 
tisch deuten alle Anzeichen auf die Notwendig 
keit hin, die Kräfte zusammenzufassen. Gelingt 
uns diese Zusammenfassung nicht, sei es auch 
dadurch, daß Brüning die Anerkennung sich 
durch ganz großzügige Taten aus dem Gebiet 
des Kreditwesens und der Wirtschaft im Sinne 
seines vor dem Reichstag erklärten Pro 
gramms nicht erzwingt, sondern bleibt man in 
Berlin im Mißvergnügen zwischen Harzburg 
und Berlin ohne Initiative stecken, dann wird 
man für den Winter die schwersten Erschütte 
rungen befürchten müssen. Die Opposition der 
270 Stimmen ist zu stark, um mißverstanden zu 
werden, und eine Reichstags-Neuwahl, die 
heute mit sofortiger Wirkung ausgeschrieben 
worden wäre, würde auf der äußersten Rechten 
und Linken ein anderes Bild der Kräfte erge 
ben, wie sie im derzeitigen Reichstage sich ge 
zeigt haben. Nach der Reichstagsschlacht und 
der Harzburger Kampfansage bleibt die Ver 
antwortung für Brüning und die Opposition 
gleich groß. 
Wird man nach diesem „Königgrätz" den 
Weg zu einer großen deutschen Kräfteentwick 
lung durch Taten suchen, oder wird man im 
engen Raume der Jntercsscnpolikik die Zu 
kunft der deutschen Nation und ihre augenblick 
liche geschichtliche Aufgabe preisgeben? DaZ ist 
die Schicksalsfrage, die nunmehr gestellt wor 
den ist. ■ 
BütTftiec Presse 
mb RàîW-ŞàM. 
Die Berliner Morgenblätter nehmen aus 
führlich zu den Vorgängen im Reichstag Stel 
lung und kommen dabei auch auf die Rede des 
Reichskanzlers zu sprechen. Die „Germania" 
bezeichnet das Ergebnis der Abstimmung über 
die Mißtrauensanträge als einen Erşolg des 
gesunden Menschenverstandes. Das Ergebnis 
sei aber auch in hohem Maße ein persönlicher 
Erfolg des Kanzlers. Eine kleine Mehrheit 
der nüchternen nnd sachlichen Arbeit sei 
schließlich wertvoller als eine große Mehrheit 
der Phrase und des parteipolitischen Klassen- 
kampses. Das neue Kabinett stehe heute vor 
uns als eine entschlossene Willens- und Tat- 
gemeinschaft, die nichts weiter tun wolle als 
Arbeit für unser notleidendes Deutschland zu 
leisten. Das wichtigste Ziel dieser Arbeit werde 
die Lösung der großen wirtschaftlichen Fragen 
in Gerechtigkeit und Ausgleich sein. 
Der „Tag" sagt, über einen Notsteg in die 
Amtsstuben zurück, aus dem Reichstag zurück 
zur Notverordnungspraxis mit wenigen 
Stimmen Mehrheit, die nicht aus Vertrauen 
erwachsen sei, sondern aus Zufall, Taktik und 
politischer Schwäche. Bei Licht gesehen sei der 
gestrige Tag die historische Entscheidung über 
die Parteien und Männer gewesen, die noch 
nnmer şşiicycn oen großen Fragen, zwischen rischen Verhältnisse hätte etwas anderes er- 
Lem und Nichtsein des Ganzen allein an ihre wartet. Der entscheidende Punkt liege nicht in 
vNltcressen dachten. Dre Offensive von rechts der Abstimmung eines Parlaments, das nach- 
irraü!,rs! sOl ^ņnrnen. Tie Zeit des Sowohl- weislich den Willen der Nation nicht mehr ver- 
.ļ/âuch ser vorbei, das werde in kurzem auch körpere, sondern in der restlosen Klärung der 
o,,s^ņîrum spuren. Der nächste politische Lage und der politischen Gruppierung durch Mc 
ņņuushalt- nationale Opposition. Die weitere Entwicklung 
u ,^ te drv Bruning-Kurses zerbröckele, werde zwangsläufig sein. 
Die „Teutsche Allgemeine Zeitung" bezeich- Die Boisiià Keituna" erklärt Laß die Aik- 
uet den şiîederhàn Hinweis Brünings auf Z ffieS Ä 
C orir?JIn bedeutsam. Stärkung erfahren habe, einmal durch die 
DelitMmiiHmtmî Entscheidung des Reichstages und dann durch 
Rede Ķ beiwobnten^ ^ ^ ļîsten der öcn Erfolg öertz Reichsbahnanleihe, die 170 
I T ^wohnten. Millionen geflüchteten und versteckten Kapi- 
. Die "Berliner Börsenzeitung" bemerkt, was tals hervorlockte. Es habe sich bestätigt, daß das 
rn diesen -ragen in dem Kampf um die 20 zweite Kabinett Brüning trotz der geringen 
stimmen, auf die es ankam, sich ereignet habe, Veränderungen einen anderen Charakter tra- 
' eine der übelsten Episoden in der Geschichte ge als öte Regierung der drei Notverordnun- 
oe» Parlamentarismus, eine Episode, für die gen. Die Personen seren geblieben, aber Lei 
die gewiß nicht schmeichelhafte Bezeichnung Geist habe sich gewandelt. 
Kiihhandel noch viel zu milde sei. Der „Vorwärts" schreibt, der Ansturm de. 
Der „Lokalanzmger" nimmt Stellung gegen Faschismus sei abgeschlagen. Das sei der Sinn 
den Umfall der ^vrrtschaftZpartei, die der Re- der Reichstagsabstimmung. Die sozialdemokra- 
grerung Brüning zu ihrem „Sieg" verholfen tische Reichstagsfraktion habe mit ihrem Ein. 
treten für die Regierung nicht das Vertrauen 
Die „Deutsche Zeitung" schreibt, was sich am für die Regierung Brüning und ihre Politik 
Freitag im Reichstag abgespielt habe, sei keine ausgesprochen, sondern das schärfste Mißtraue» 
geschichtliche Entscheidung gewesen. Kein auch gegen das, was nach dem Sturz der Regierung 
nur oberflächlicher Kenner dieser parlamenta- Brüning gekommen wäre.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.