Full text: Newspaper volume (1931, Bd. 2)

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124. Jahrgang. 
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derartiger Bestimmungen also nicht anerkannt werden. 
Amerikas offizielles Eingreifen 
Ein welthistorischer Vorgang: Das Angelfachfenium isoliert Frankreich 
Wie wird Frankreich antworten? 
TU. Newport, 21. Juni. Präsident Hoover 
hat, wie das Weiße Haus am Sonnabend spät 
abends offiziell bekannt gab, 
den europäischen Nationen eine einjährige 
Suspendierung aller Schuldenzahlungen an 
die Vereinigten Staaten sowie eine einjäh 
rige Suspendierung der Reparationszahlung 
an die Alliierten vorgeschlagen, um Deutsch 
land vor dem Chaos zu retten. 
Dis Erklärung ist das Ergebnis der Bespre 
chungen Hoovers mit den Kongreßführern. 
zu gestatten, ihre Prosperität wieder zu erlangen. 
Ich schlage daher dem amerikanischen Volke vor, 
daß es in seinem eigenen Interesse ein weiser 
Gläubiger und ein guter Nachbar sein soll. 
Ich wünsche diese Gelegenheit zu ergreifen, 
um offen meine Ansichten 
über unsere Beziehungen zu den deutschen 
Reparationen und zu den Kriegsschulden der 
alliierten Regierungen kundzutun. 
Unsere Negierung hat an der Festsetzung der 
Reparationszahlungen keinen Anteil genommen 
und hat auch hierzu von seiner Stimme keinen 
Gebrauch gemacht. 
Wir haben absichtlich weder an den allge 
meinen Reparationen noch an der Verteilung 
der Kolonien oder des Eigentums teilge 
nommen. 
Die Zahlungen der Schulden, die uns von 
den Alliierten für im Kriege gemachte oder zum 
Wiederausbau gegebene Vorschüsse zustehen, wur 
den auf einer Grundlage geregelt, die weder in 
einem bestimmten Verhältnis zu den deutschen 
Reparationen oder mit ihnen überhaupt in irgend 
einer Beziehung steht. Daher sind deren Rück 
zahlungen notwendigerweise ein rein europäisches 
Problem, mit dem wir nichts zu tun haben. 
Ich stimme auch nicht im entferntesten Sinne 
einer Streichung der an Amerika fälligen Schul 
den bei. Das Vertrauen in der Welt würde durch 
eine solche Handlungsweise, die auch von keinem 
unserer Schuldner vorgeschlagen worden ist, nicht 
erhöht werden. Aber da die Grundlage dieser 
Schuldenregelung die Zahlungsfähigkeit des 
Schuldners bei normalen Verhältnissen war, so 
würden wir nur in Uebereinstimmung mit unserer 
Politik und unseren Grundsätzen stehen, wenn 
wir die anormalen Bedingungen, die jetzt in der 
Welt herrschen, in Rechnung stellen. 
Ich bin sicher, daß das amerikanische Volk 
nicht den Wunsch hat, zu versuchen, irgend welche 
Summen, die über die Zahlungsfähigkeit irgend 
eines Schuldners hinausgehen, herauszuziehen 
und es ist unsere Ansicht, daß ein großzügiger 
Ausblick von unserer Regierung die Anerkennung 
der Lage, wie sie tatsächlich ist, erfordert. Diese 
Art der Handlungsweise steht vollständig in 
Uebereinstimmung mit der Politik, die wir bisher 
verfolgt haben. 
Wir sind in einer Erörterung eines rein euro 
päischen Problems verwickelt, von dem die Zah 
lung der deutschen Reparationen nur eines ist. 
Wir stellen unsere Bereitwilligkeit dar, einen 
Beitrag zu einer baldigen Wiederherstellung der 
Prosperität in der Welt zu machen, an der unser 
Volk sehr stark interessiert ist. 
Obwohl diese Handlungsweise mit der Kon 
ferenz zur Beschränkung der Landrüstungen, die 
im nächsten Februar stattfindet, nichts zu tun hat, 
so möchte ich dennoch in der Erkenntnis, daß die 
Bürde der Wettrüstungen zur Herbeiführung der 
Depression beigetragen hat, hinzusetzen, daß wir 
zuversichtlich hoffen, durch diesen Beweis unseres 
Willens zu helfen, zu dem allgemeinen guten 
Willen beigetragen zu haben, der für eine Lösung 
dieser noch wichtigeren Frage so notwendig ist. 
europäische Katastrophenpolitik mit ihren dos 
Gleichgewicht der Welt zerstörenden Auswirkungen. 
Zugleich ist die jetzige Wendung als ein unbestritte 
ner außenpolitischer Erfolg Brünings zu werten. 
Diese notwendige Anerkennung hat nichts zu tun 
mit der jeweiligen Stellung zu Einzelmaßnahmen 
der gegenwärtigen Reichsregierung und der jewei 
ligen parteipolitischen Konstellationen. Wenn das 
indirekte Ergebnis von Chequers zunächst nur da 
geblieben wäre, daß sich die Vereinigten Staaten 
aktiv in die europäische Politik gegen Frankreichs 
Macht und Reparationspolittk eingeschaltet hätten, 
so wäre das in sich schon ein welthistorischer Erfolg, 
denn damit beginnt die Isolierung Frankreichs im 
Wirtschaftskrieg der Nachkriegsperiode gegen Mit 
teleuropa deutlich sich abzuheben. Frankreich steht 
nunmehr in diesem Kriege mit seinen kleinen 
Vasallenstaaten in Europa allein da, die früheren 
Verbündeten Amerika, England und Italien haben 
die Folgerungen gezogen und stehen jetzt gegen 
Frankreich. Eine solche Wendung wird von über 
ragender Bedeutung werden, wenn der Wirtschafts 
krieg auf Konferenzen von der Diplomatie zu Ende 
gebracht werden soll und dann die gewichtigen 
Stimmen der angelsächsischen Staaten für Mittel 
europa Geltung bekommen werden. 
Frankreich steht nunmehr vor einer für die 
Welt und für Europa schicksalsschwersten Entschei 
dung. Es hat jetzt nur noch einen Weg, die begin 
nende Liquidation von Versailles, Poung und 
Dawes zu sabotieren, nämlich den, das Verbrechen 
eines Präventivkrieges ernstlich ins Auge zu fas 
sen, ein Verbrechen, das ohnegleichen in der Ge 
schichte der Kulturvölker dastehen würde. Daß 
Kräfte in Frankreich dieses Ziel verfolgen, kann 
nicht in Zweifel gezogen werden. Die Vorgänge 
in der Innenpolitik Frankreichs, insonderheit der 
Ansturm auf Briand haben zu deutlich gemacht, 
wo diese Kräfte in Frankreich stehen und wie 
stark sie sind, denn sie haben Doumer auf dem 
Präsidentenposten Frankreichs gestellt und Briand 
zu einer parlamentarischen Redeweise in außen 
politischen Dingen gezwungen, die nur aus der 
gefühlsmäßigen Stimmungsausnutzung für seine 
Person aus den. Munde Briands verstanden wer 
den konnte. Der Gedanke eines Präventivkrieges 
in Frankreich muß also leider mehr als nur eine 
leere Phantasie angesehen werden. (Wir verweisen 
diesbezüglich auf eine Nachricht „Briand kaltge 
stellt" in der heutigen Nr., die zeigt, wie stark 
die Kräfte sich erneut gegen Briand einsetzen). 
Daß die früheren „Verbündeten" diese Gefahr 
deutlich sehen, geht aus dem Schlußsatz der Hoo- 
verschen Erklärung hervor, der die einjährige 
Atempause nicht nur als Vorspiel endgültiger und 
vernünftiger wirtschaftlicher und finanzieller Li 
quidation des Weltkrieges, sondern auch von der 
Seite der Gefahr der übersteigerten Nüstungs- 
Politik her politisch betrachtet. 
Durch diese Meldung werden die ersten Aus 
sehen erregenden Meldungen über ein beabsichtig 
tes zweijähriges Schuldenmoratorium überholt. 
TU. London, 21. Juni. Die Erklärung Hoo 
vers hat folgenden Wortlaut: 
Die amerikanische Regierung schlägt für die 
Dauer von einem Jahre eine Zahlungseinstellung 
auf alle Zahlungen sowohl Kapital wie Zinsen 
hinsichtlich aller Schulden zwischen den Regierun 
gen der Reparationen und der Relief-Schulden 
vor. Hierin sind aber Verpflichtungen der Re 
gierungen gegenüber Privaten nicht enthalten. 
Vorbehaltlich der Zustimmung durch den 
Kongreß wird die amerikanische Regierung einen 
Aufschub auf alle Zahlungen von den Schulden 
der ausländischen Regierungen an die amerika 
nische Regierung gewähren, die während des am 
1. Juli beginnenden fiskalischen Jahres zahlbar 
sind, jedoch unter der Bedingung eines gleicharti 
gen einjährigen Moratoriums auf alle zwischen 
den Regierungen bestehenden Schulden, die den 
wichtigsten Eläubigerländern geschuldet werden. 
Dieser Methode des Handelns haben die fol 
genden Senatoren (es folgt eine Liste von 21 Se 
natoren, unter denen sich Ashurst, Bingham, 
Borah, Morrow, Moses, Davis und Re-ed befin 
den) und die folgenden Mitglieder des Repräsen 
tantenhauses (es folgt eine Liste von 18 Namen) 
zugestimmt. Sie ist auch von Charles E. Dawen, 
dem amerikanischen Botschafter in Großbritannien 
und Mr. Owen D. Poung gutgeheißen worden. 
Der Zweck dieser Handlungsweise besteht 
Der Schritt Amerikas ist nicht nur als der 
„heroische" Versuch im Dienste der amerikanischen 
Hochfinanz und der wirtschaftlichen Prosperity 
Amerikas zu werten, nämlich einem vor dem Kon 
kurs stehenden Großschuldner einen geregelten 
Zinsendienst zu ermöglichen, sondern er ist auch eine 
aktive politische Stellungnahme gegen Frankreichs 
Das neue Wiener Kabinett. 
et wieder Außenminister. - Keine Preisgabe der Zollunionspläne. 
WM kalļgesļellļ. 
(Laval macht Politik auf eigene Faust.) 
Wie aus Paris gemeldet wird, hat Minister 
präsident Laval die Absicht, auf eigene Faull Po 
litik zu machen und dabei den ihm immer noch 
zu sanftmütigen Briand in die Ecke zu drängen. 
Wenn die weitere Entwicklung nicht trügt, dürfte 
Briand bald nur noch die Rolle eines Strohman 
nes in außenpolitischen Fragen spielen. So soll 
jetzt Laval im Einverständnis mit dem Finanz 
minister Flandin und Tardieu über den Kopf des 
Quai d'Orsay hinweg das österreichische Anleihe 
problem zur sofortigen Ausübung des bekannten 
politischen Druckes benutzt haben, während Briand 
eins entgegenkommendere Haltung eingenommen 
haben wissen wollte. Aber Laval habe seinen 
Standpunkt auf der ganzen Linie durchgesetzt. In 
dieser Linie liegen auch die Bemühungen des 
Ministerpräsidenten in Rom, um dort einen neuen 
Bundesgenossen gegen die Anschlußfrage zu fin 
den. Der Finanzminister Flandin soll auf einen 
besonderen Wink hin auch mit den französischen 
Industriellen Fühlung genommen haben, um in 
der Frage der kurzfristigen Kredite an Deutsch 
land den Standpunkt und die Wünsche der fran 
zösischen Regierung durchzudrücken, was einem 
maskierten Eingreifen des Staates in die Privat 
wirtschaft gleichkomme. Aus alledem geht hervor, 
daß Frankreich von dem heißen Wunsch beseelt ist, 
Deutschland dauernd neue Schwierigkeiten zu be 
reiten. Es muß ein beispielloser Haß dazu gehören, 
den besiegten Gegner noch trotz aller in Genf ge 
droschenen Phrasen mit allen Mitteln einer ge 
wissenlosen Eeheimdiplomatie zu Grunde richten 
zu wollen. Aber die Geschichte wird ihren eigenen 
Weg gehen und damit beweisen, daß auch der 
Stärkere den Schwachen a:*' dig Dauer nicht un 
gestraft bedrücken kann 
härter als unser eigenes getroffen. Einige von 
diesen Ländern fühlen in einem ernsten Ausmaß 
den schwächenden Einfluß dieser Depression auf die 
Wirtschaft des Landes. Das Gefüge der regie 
rungsseitigen Schulden, das sich in normalen 
Zeiten tragbar gestaltet, wiegt schwer inmitten 
dieser Depression. 
Aus einer Mannigfaltigkeit von Ursachen, 
die sich aus der Depression ergeben, wie der Sturz 
în ausländischen Produkten und der Mangel an 
Zutrauen in die Wirtschaft und politische Stabi 
lität des Auslandes hat sich ein anormaler Zu- 
şluh von Gold nach den Bereinigten Staaten er 
heben, der die Tributstabilität vieler ausländischer 
Zander vermindert. 
Diese und andere Schwierigkeiten im Aus- 
lande verringern die Kaufkraft für unsers Ex 
porte und sind in einem gewissen Maße die Ur 
sche für unsere dauernde Arbeitslosigkeit und die 
Dauernde Senkung der Preise für unsere Land- 
Zie Wchsbank unö die mm Lage. 
T.-U. Berlin, 22. Juni. (Eig. Funkmeld.) 
Durch die vermehrten Dcvisenanforderungen 
an die Reichsbank gegen Ende der Vorwoche 
ist der Bestand an Deckungsmitteln des In 
stituts auf etwa 1,35 Milliarden Reichsmark 
abgesunken. Infolge der vermehrten Privat 
diskonteinreichungen, die am Sonnabend das 
Ausmaß der Devisenabschlüsse erreichten, sah 
sich die Rerchsbank bekanntlich am Sonnabend 
zu einer Streichung der Privatdiskontnotiz 
veranlaßt. Die Wechsel konnten nur an den 
Schaltern des Instituts eingereicht werden, 
was einer Restriktion gleichzusetzen war. Es 
besteht durchaus die Möglichkeit, daß diese 
Maßnahme auf die g e f a m t c n W e ch- 
scleinrichtungen ausgedehnt wer 
den wird. Die durch die Bekanntgabe des 
amerikanischen Moratoriumsplanes geschaf 
fene neue Lage hat jedoch zu Besprechungen 
Anlaß gegeben, über deren Ergebnis erst in 
den Nachmittagsstunden Näheres zu erwarten 
sein wird. Der Generalrat tagt seit 11 Uhr. 
te - Freunde jenseits deî 
. Weises und zeitlich richtig angebrachtes Han- müssen, daß selbst ö j 
şşln sollte dazu beitragen, den Druck von diesen lagernden Franken 
^günstig wirkenden Kräften in ausländischen Ketten verwendet w 
Indern zu erleichtern und sollte zur Wiederher- *— 
I» 11 .l in 3 des Vertrauens helfen und auf diese „Do X"ist in Ri 
l^iss den politischen Frieden und die wirtschaft- Im DÜNNwalöi 
Ae Stabilität in der Welt zu fördern. f, er Vorarbeiter Oll 
~ . Der Kernpunkt dieses Vorschlages liegt darin, Männern überfalle 
4et i au geben, um den Schuldnerregierungen es I Lohngelder geraubt
	        
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