Full text: Newspaper volume (1931, Bd. 2)

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ZņchthSilsler als SrstziņbŞekle 
Ern origineller Betrug 
Das thüringische Städtchen Raņhcnstein, einst 
Sitz einer blühenden Porzellanindustrie, hat jetzt 
trübe Zeiten durchzumachen. Die Fabriken stehen 
still und alle Bemühungen, wieder Arbeit zu schaf 
fen, sind ohne Erfolg geblieben. Eines Tages ge 
riet aber das Städtchen in freudigen Aufruhr, als 
sich zwei auswärtige Fabrikanten bereit fanden, 
in Rauhenstein eins neus Industrie, die Matten 
fabrikation, einzuführen. Im Triumphzug wur 
den die „Retter" ins beste Hotel der Stadt gelei 
tet. Sofort begannen die Konferenzen. Die Fa 
brikanten legten Zeichnungen einer selbsterfunde- 
«en Maschine vor, die, wie sie sagten, vermöge 
ihrer fabelhaften Konstruktion jede Konkurrenz 
aus dem Felde schlagen müsie. Bald darauf schritt 
man zur Verwirklichung der großzügigen Pläne. 
Alte Fabriken wurden hergerichtet, Handwerker 
und Geschäftsleute erhielten Aufträge, Beamte, 
Tippfräuleins und Arbeiter wurden eingestellt, 
kurz, die Mattenfabrikation hätte bald beginnen 
können. Die Sachs hatte allerdings einen Haken. 
Dis Unternehmer konnten vorerst noch keine Zah 
lungen leisten, da, wie sie sagten, das Geld von 
einer aufzunehmenden Hypothek noch nicht verfüg 
bar war. Schließlich wurde die Sache den Rauhen- 
steinern zu bunt und als sie Erkundigungen ein 
holten, erhielten sie dis niederschmetternde Aus 
kunft, daß sie geichlckten Hochstaplern ins Garn ge 
gangen waren. 
Die beiden „Unternehmer" entpuppten sich als 
der Zuchthäusler Wilhelm Schröder aus Bonn 
und der Werkmeister Wilhelm Kowalsky aus 
Dummeudorf, ein wirklicher Fachmann, der dem 
Schröder im Zuchthaus das Mattenflechten gelehrt 
hatte. Es stellte sich heraus, daß die Stadtkasse 
um 1000 Mark erleichtert worden war und viele 
andere Personen große Geldsummen eingebüßt 
hatten. Auch ein Auto, das die „Unternehmer" 
natürlich hoben mußten, war unbezahlt geblieben. 
Dabei hatten die beiden ihre Sache so geschickt ein 
gefädelt, daß ihnen in vielen Fällen eine Betrugs 
absicht nicht einmal nachgewiesen werden konnte. 
Schröder wurde zu einem Fahr Gefängnis, Ko 
walsky zu zwei Wochen Gefängnis wegen Beihilfe 
verurteilt. 
WeiLrermerr mit öem Tode. 
Durch die Angst irrsinnig geworden. 
Salzburg, 16. Mai. Beim Bau des neuen 
Salzburger Elektrizitätswerkes hat sich ein schwe 
rer Unfall ereignet. Der Schlossermeister Wilhelm 
Riegler hatte die Ausführung mehrerer Spreng 
arbeiten für einen Zuleitungsschacht übernommen. 
Er legte in der Tiefe des acht Meter hohen senk 
rechten Schachtes sieben Bohrlöcher und versah sie 
mit Sprengladungen. Als er die Zündung be 
tätigte, fiel ihm ein, daß er vergehen hatte, die 
nötigen Vorsichtsmaßregeln zu treffen und er 
jeden Augenblick in der Tiefe des Schachtes durch 
dis Sprengfchüsse getötet werden könne. Während 
dem Manne die furchtbars Gefahr, in der er sich 
befand, zum Bewußtsein kam, ertönte bereits der 
erste unterirdische Sprengschuß. Riegler wurde 
von den emporfliegenden scharfkantigen Stein 
trümmern getroffen und erlitt mehrfache schwere 
Verletzungen. Trotz der schweren Wunden begann 
der Mann in Todesangst in dem engen Schacht 
emporzuklettern. Das Seil, an dem der Schlosser 
emporgezogen werden mußte, war entfernt und 
er mußte mit Händen und Füßen in dem engen 
Schacht vor dem Tode fliehen. In dem Augen 
blick, als der blutüberströmte Mann den Ausgang 
'des Schachtes erreichte, erfolgte die Explosion. 
Man fand den Schlossermeister, dem das 
Wettrennen mit dem Tode gelungen war, be 
wußtlos unmittelbar neben dem Schachteingang 
liegen. Doch die wahnwitzige Flucht hatte ihn 
Ein eigenartiges Autounglück. 
Lastkraftwagenzug stürzt von der Langen Brücke 
in Magdeburg in dis Elbe. 
Ein eigenartiges Verkehrsunglück ereignete 
sich in Magdeburg. Ein Lastauto mit zwei An 
hängern überfuhr auf der Langen Brücke das Ge 
länder und stürzte in die Elbe. Einer der An 
hänger mußte von der Feuerwehr abgeschweißt 
werden und versank gleichfalls im Fluß. Der 
Führer des Lastautos kw"t-» sich noch rechtzeitig 
retten. 
Zum Stapeüauf des Panzerkreuzers „Deutschland". 
So wird das jüngste Schiff der Reichsmarine nach seiner Fertigstellung aussehen. 
Am 19. Mai tauft Reichspräsident von Hindenbuvg den von Stapel laufenden Pan 
zerkreuzer A (Ersatz Preußen) auf den Namen „Deutschland". 
leider nicht retten können. Riegler wurde in 
lebensgefährlich verletztem Zustand in das Kran 
kenhaus übergeführt, wo dis Aerzte feststellten, 
daß der Bedauernswerte anscheinend durch die er 
littene Todesangst wahnsinnig geworden war. 
Außerdem hat er durch den ersten Sprengschuß 
derartige Verletzungen erlitten, daß an seinem 
Aufkommen gezweifelt wird. 
Ķm Ģàrtt bswrchàs 
ßsworöer?. 
Schweres Autounglück auf dem Semmering. 
Semmering. 18. Mai. Infolge eines seltsamen 
Vorfalles ereignete sich auf dem Semmering eine 
folgenschwere Autokatastrophe. Der Hotelier 
Alois Lantner aus Spittal an der Drau fuhr in 
seinem Privatwagen nach Baden bei Wien, wo er 
seine Frau, die dort zur Kur weilt, besuchen 
wollte. Lantner chauffierte selbst und neben ihm 
saß der Kaufmann Josef Pichler, während im 
Fond des Wagens eins Freundin der Eatrfn 
Lantners Platz genommen hatte. Am Fuße des 
Semmerings verlor Lantner während voller 
Fahrt plötzlich das Bewußtsein. Pichler versuchte 
noch im letzten Augenblick das Lenkrad zu ergrei 
fen, doch war es schon zu spät. Das Automobil 
überschlug sich zweimal und die Insassen worden 
hinausgeschleudert. Allo drei Personen blieben 
bewußtlos liegen. Sie wurden eine Stunde nach 
dem Unfall aufgefunden und von der Rettungs 
abteilung der Feuerwehr auf den Semmering ge 
bracht. Der Hotelier Lantner und der Kaufmann 
Pichler haben schwere Verletzungen erlitten und 
Pichler mußte sofort einer Operation unterzogen 
werden. Frau Dragatin kam mit leichteren Ver 
letzungen davon. Das Auto wurde vollkommen 
zertrümmert. 
Ile Lswßl SS« MsŞsà 
Wie man den Fremden in Paris das Gruseln 
beibringt. 
Die,„Löwin von Mouffetard" stand dieser 
Tage als Klägerin vor Gericht. Eie verlangte 
von einem Pariser Reisebureau 25 000 Franc 
Schadenersatz wegen vorzeitiger Lösung ihres En 
gagements. Sie hatte nämlich die Aufgabe gehabt, 
Fremden, welche die Pariser Unterwelt kennen 
lernen wollen, eine Schauerszene vorzuspielen. Es 
ist in der Seinestadt Uebung, daß die Reisegesell 
schaften abends durch gewisse Mertel geführt wer 
den, wo man angeblich das Gruseln lernen kann. 
Da man aber gruselige Erlebnisse nicht so ohne 
weiteres beschaffen kann und es auch nicht wagt, 
die Fremden in die wirklichen Verbrecherkreise ein 
zuführen, inszeniert man schaurige Vorfälle. Man 
verpflichtet Schauspieler, die als Apachen den 
Fremden in den Weg treten oder in dazu herge 
richteten Lokalen allerlei Firlefanz vormachen. So 
war auch Frau Jxo, die den Spitznamen „Löwin 
von Mouffetard" hat, aufgenommen worden, um 
den Fremden eins Komödie vorzuspielen. 
In dem Mouffetard-Mertel, in dem es von 
herabgekommenen Existenzen wimmelt, brachte 
man die Fremden in eine „Katakombe", in die sich 
die „Löwin" angeblich zurückgezogen hatte, weil sie 
Ursache hatte, sich vor der Polizei zu verbergen. 
In Lumpen gehüllt sang und tanzte sie mit ver 
zerrtem Gesicht unter Kastagnettengeklapper vor 
den Fremden, begleitet von einem blinden Har 
monikaspieler, der jeden Abend seinen achtzigsten 
Geburtstag feierte. War sie fertig, öffnete sich die 
Tür zu einem Raum, in dem sich der Anhub der 
Weltstadt auf dem Stroh wälzte. Es lagen dort 
einige Puppen aus einem Panoptikum neben ein 
paar Kanalstrottern. Dieses Schauspiel wurde 
eins Zeitlang Abend für Abend geboten. Dann 
ersann das betreffende Reisebureau eine andere 
Schauergeschichte und verzichtete auf Frau Jxos 
Dienste. Deshalb brachte sie die Klage ein. In 
der Verhandlung machte sie solchen Lärm, daß der 
Richter ihr ermahnend sagte: „Hier sind Sie nicht 
die Löwin und wir sind nicht ln der Katakombe." 
Die Klage wurde schließlich abgewiesen. Die „Lö 
win" will aber weiter kämpfen. Sie hat gegen 
das Urteil Berufung eingelegt. 
18 Sekunden leuchtet das grüne Licht autoķ 
tisch wieder auf und bleibt solange, bis von 
einem Fußgänger wieder auf den Knopf 
drückt wird. Eine äußerst geschickte Einriß 
tung bewirkt jedoch zwangsläufig, daß do- 
grüne Licht mindestens 35 Sekunden leucht^ 
so daß es praktisch unmöglich ist, daß der 
Fußgänger diese Sclbstschutzeinrichtung nu8' 
braucht und dadurch den Wagenverkehr über 
Gebühr hemmt. Tie Säule selbst, an der dieß 
Einrichtung angebracht ist, ist deutlich kennt 
lich gemacht. Durch eine Lichtinschrift wen 
den abends die Uneingeweihten auf dieß 
Neueinrichtung aufmerksam gemacht. Tie 
Säule ist augenblicklich probeweise an del 
Front des Arts aufgestellt. 
Wieder um eine Illusion ärmer. 
Kürzlich warf die Fachzeitschrift »Nature" di« 
interessante Frage auf, ob die bei der: Ausgrabungen 
in Aegypten, so im Grabe Tutanchamons, gefun 
denen Saaten noch keimfähig seien. Es wurde auf 
Grund von Experimenten angenommen, daß dies 
der Fall sei und daraus leitete man den wichtigst 
Schluß ab, daß Saaten wohl dreitausend Jahre und 
noch länger, wenn auch nur latent, am Leben blei 
ben. Nun sind aber durch andere Untersuchungen 
negative Ergebnisse festgestellt worden, was zur 
Frage veranlaßt, ob diejenigen, die ein positives 
Resultat erreichten, die Sicherheit hatten, daß ti)# 
Saaten wirklich so alt waren. Die Eingeborenen 
verwenden nämlich die Aegyptergräber als Getreide 
scheunen, weshalb es sehr leicht möglich ist, daß ein 
dort gefundenes Getreidekorn durchaus nicht Jahr- 
hunderte alt ist. In den letzten Jahren kommt es 
sogar vor, daß Touristenführer »Mumien von Ge 
treidekörnern" ausgraben, die sie am Tage vorher 
selber dort hingelegt haben. Es scheint also, daß 
kein einziges sicheres Beispiel keimfähiger Getreide 
körner, die tausende Jahre alt sind, vorhanden ist* 
Die Menschheit ist daher wieder um eine Illusion 
ärmer. 
300jShriges Betriebsjubiläum einer Faßfabrtk. 
Die Lüneburger Faßfabrik Reichenbach blickt 
gegenwärtig auf ein 300jähriges Bestehen zurück. 
Sie ist aus einem Böttcherbetriebe entstanden, de» 
der Böttchermeister Rudolf Reichenbach vor etwa 
300 Jahren gegründet hak. 1865 übernahm ihn 
Johannes Reichenbach, richtete ihn 1875 als Dampf 
betrieb ein und verlegte ihn 1889 vor die Tore d«l 
Stadt in das Industriegebiet. Ioh. Reichenbach 
wurde Ehrenbürger der Stadt. Ihm ist der Brun 
nen auf dem Sande gewidmet. Jetziger Inhaber 
'der Fabrik ist Hermann Reichenbach, der die Fabrik 
nach einem Schadenfeuer 1924 vollständig neu er 
baute und mit allen technischen Neuerungen versah 
Ueber die Stürme der Inflation wurde das Unter- 
I nehmen mit hinüber gerettet und hak es trotz der 
ļ schwierigen Wirtschaftslage verstanden, seinen Absatz 
I zu halten. Gegenwärtig werden etwa 120 Arbeiter 
ļ beschäftigt. Zum großen Teil gehen die Erzeugnisse 
, nach Hamburg, wo sie in der Export-Industrie oer- 
wendet werden. 
Ein interessante Verkehrsnenerung in Paris. 
In der Pariser Verkehrsregelung ist eine 
Neuerung eingetreten, die darin besteht, daß 
die Fußgänger beim Ueberschreiten der Stra 
ßen die Lichtsignale, die den Verkehr regeln, 
selbst in Tätigkeit setzen. Ein elektrischer 
Knopf, der an einer hierzu bestimmten Säule 
angebracht ist, ermöglicht es den Fußgängern, 
das rote Licht aufleuchten zu lassen, um den 
Fuhrwerken das Haltezeichen zu geben. Nach 
Das schwere Eisenbahnunglück auf dem Bahnhof Essen-Nord. 
WchertW. 
38c« waren uns unsere Kolonie»? — Was würde ihr- 
Wiedergewinnung heute bedeuten? — Fragen, di« heute W 1 
der Wirtschaftskrise immer lauter gestellt werde». „D>r 
Woche" hat sie aufgegriffen und in ihrer großen Kolonşş 
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Der heutigen Gesamtauflage der »Landeszei 
tung" ist ein Prospekt der Firma Rudolf Karstadt, 
Kiel, als außergewöhnliche Beilage angefügt. WK 
empfehlen den Prospekt der Beachtung unserer 
Leser. 
Zum 20. Todestag Gustav Mahlers. 
Die vom Brückengleis auf die Straße herabgestürzte Lokomotive. 
Auf dem Bahnhof Essen-Nord stürzte eine Rangierlokomotive von eine: Ileberführiing 
auf die Straße hinab, wobei der Lokomotivführer und der Heizer getötet wurden, 
durch ein Wunder wurde auf der belebten Straße nur ein Kind verletzt. 
Wie 
Rodins Mahler-Büste wird der Wiener 
Staatsoper überreicht* 
Die Witwe des berühmten Komponisten und 
Dirigenten Gustav Mahler hat der Wieriek 
Staatsoper eine Porträtbüste - des Künstlers 
zum Geschenk gemacht, die der große franzķ 
sche Bildhauer Rodin modellierte. Die Busts 
soll am 20. Todestag Mahlers, am 18. Mab 
in der Wiener Oper feierlich aufgestellt 
werden. 
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