Full text: Newspaper volume (1930, Bd. 2)

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Landsszeîtung 
123. Jahrgang 
123. Jahrgang. 
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Aushebung faschistischer Parteimitglieder. 
Während am gestrigen Sonntag 1300 Mit 
glieder der Mailänder Vortruppengruppen zu 
vollwertigen faschistischen Parteimitgliedern 
ausgchoben wurden und Geivchr und Partei- 
ausweis erhielten, gab der italienische Nadio- 
sender in rascher Folge den in Spezia, Triest, 
Castcllamare, Sestri und Mvnfalcone erfolg 
ten Stapellaus der' beiden 10 000-Tvnncn- 
Kreuzer „Zara" und „Fiume", der beiden klei 
nen Kreuzer „Alberta da Ginssanv" und „Gio 
vanni dellc Baildc Älere", ferner des Tauch 
bootes „Delfino" bekannt. Bei den zwei großen 
Kreuzern wurde die Bestückung mit je 8,208 
Zentimeter, bei den kleinen Kreuzern die auf 
40 Knoten berechnete Fahrtgcschwindigkeit her 
vorgehoben. In ganz Italien wurden gestern 
90 000 neue Parteimitglieder ausgehobcn und 
in das Milizheer eingereiht. 
Die Ergebnisse der diesjährigen Bctriebs- 
ratSwahlen liegen, wie uns aus Berlin ge 
schrieben wird, jetzt im allgemeinen vor, und es 
ergibt sich, daß die Kommunisten trotz ihrer 
überaus großen Anstrengungen nur dort Vor 
teile errungen haben, wo sie bisher aktiv in 
Arbeitcrkämpfe nicht eingriffen. Im Westen, 
iit Obcrschlcstcn und teilweise auch in Berlin 
haben die Kommunisten einen Stimmenzu 
wachs zu verzeichnen ans Kosten der Sozialde 
mokraten zusammen mit den Unorganisierten. 
Aber überall dort, wo sie in der letzten Zeit 
Streiks usw. inszenierten, ist der Mißerfolg 
ganz offenkundig. Hier hat ihre Taktik fehlge 
schlagen. Das beweisen die Ergebnisse bei den 
Dpclwcrken, wo sic die Hälfte der vorjährigen 
Stimmen verloren, nachdem sie kurz vor beit 
Wahlen auf das Werk den bekannten Sturm 
unternahmen. Ebenso hat ihre praktische Betä 
tigung ihnen auch bei'dcr Berliner Vcrkchrs- 
gesellschaft und anderen städtischen Werken 
einen Rückschlag eingebracht. Hinzu kommt 
wohl noch der Wechsel der Direktiven aus 
Moskau. Noch vor wenigen Wochen galt als 
oberster Grundsatz der kommunistischen Taktik 
das Bündnis mit den Unorganisierten, und 
nun ist die neue Parole der Zcllcnbildung in 
dcu alten Freien Gewerkschaften ausgegeben 
worden, die vor einer Reihe von Fahren schon 
einmal das Grundprinzip kommunistischer 
Taktik dargestellt hat. Selbst im sonst so radika 
len Sachsen hat die kommunistische Bewegung 
diesmal einen Rückschritt erleben müssen. 
Bessere Erfolge haben dagegen im allge 
meinen die Christlichen Gewerkschaften auszu 
weisen, die in Mitteldeutschland und in Berlin 
und auch in ihrem alten Gebiet, dem industri 
ellen Westen, ihre Betriebsratsmandate dank 
einer zähen und gleichmäßigen Propaganda 
vermehren konnten. Einzelerfolge haben fer 
ner die Nationalsozialisten zu buchen, während 
beim frcigcmcrkschaftlichcn Bestand im allge 
meinen große Veränderungen im Gesamter 
gebnis nicht zu verzeichnen sind, und bei den 
Angestellten der Afa-Bnnd sogar beträchtliche 
Verluste nicht vermeiden konnte. Dagegen ge 
lang es der christlichen Bewegung, bei den An 
gestellten weitere Fortschritte zu machen, wäh 
rend Kommunisten und Nationalsozialisten 
hier keine Erfolge mitteilen können. 
Sollte die geplante Katastrophe zu einem Kriegsbrand in Osteuropa führen? 
Die Warschauer Presse meldet die Entdeckung „Nk gk0ߧ MļerNkļlSNSle MM". 
•» ««-m- 3. 
[er Sprengkraft gewesen sei, habe in der Höhe Zum Abschluß der Verhandlungen zur Rcge- 
s zweiten Stockwerks gelegen, wo sich die Wohn- lung der Ostreparationen schreibt der „Tempo", 
nine des Gesandten befinden. Die Blätter sehen e5 habe des guten Willens aller beteiligten Par- 
dcnr Anschlag einen Versuch polnischer Abenteu- leien bedurft, um die Schwierigkeiten zu übcr- 
:-Elcinente, zwischen Polen und der Sowjet-, winden, dis manchmal alles zu gefährden drohten, 
ion Verwicklungen hervorzurufen. Die Ilhr, Die Verständigung sei vor allen: dem Opferwillen 
- durch einen elektrischen Draht mit der Höllen- l»cr Großmächte Frankreich, Großbritannien und 
rschine verbunden war, war auf 20 Uhr ein- Ftalien zu verdanken. Nunmehr könne man mit 
kellt, und zwar gerade auf die Stunde, zu der Necht hoffen, daß die politische Atmosphäre in 
w Zusammenkunft des gesamten Gcsandtschafts- Mitteleuropa beruhigt sei. Die Erledigung der 
csonals im Vcratungsskkal der Gesandtschaft Ostreparationen sei unentbehrlich gewesen für die 
ttfinden sollte. Die Höllenmaschine war in dem Inkraftsetzung des Poungplans und das regel- 
imin, der sich neben dem Versaminlungssaal be- mäßige Arbeiten der BIZ. Um den Wog voll- 
det, in der Höhe desselben befestigt. Man ver- ständig freizumachen, fehle jetzt nur noth die Zu 
cket, daß die Täter über die Gesandtschaft außer- stimmung Englands und Italiens zuin Sjoungplan. 
wirklich gut unterrichtet gewesen sind. Dadurch Der „Temps" glaubt, diese Ratifikationen noch 
der Gedanke aufgekommen, daß sie unter Um- im Laufe der Woche erwarten zu können, so daß 
nden den Kreisen der sowjetrussischcn Opposition ‘ îl den ersten Maitagen die große internationale 
gehören könnten. Probe beginnen könne, von der man „so wertvolle 
Nach einer Meldung der amtlichen sowsetrus- ^msse für die Befestigung des Friedens« er- 
Jr. Seipel Wh her Mann mil 
den Vapierfchmtzeln. 
Wien, 27. April. Als sich Dr. Seipel am Sonn 
abend in das Kapuziner-Kloster am Neuen Markt 
begeben wollte, trat ein Unbekannter auf ihn zu, 
hinderte ihn am Weitergehen und verlangte, daß der 
Prälat sich mit ihm zu dem Führer der Kleinrent 
nerbewegung begeben solle, um „wegen der 160 000 
Schillinge" mit diesem einmal reden zü können. 
Ein Kriminalbeamter nahm den Mann. der eine 
große Aktentasche voller Papierstznitzel bei sich hatte, 
fest. Er ist geistig nicht normal und machte sich häu 
fig unbefugt als Fremdenführer an Ausländer her 
an. Vor einigen Monaten war .ihm von der Polizei 
eine Geldstrafe auferlegt worden. Was der Mann, 
der Kleinrentner ist, von Seipel wollte, konnte bis 
jetzt nicht festgestellt werden. 
Verschärfung der Zensur in Indien. 
TU. London, 28. April. (Eig. Funkmeld.) 
Mit Rücksicht auf die Verschärfung der Lage und 
die zunehmende Propaganda der Anhänger Gan 
dhis hat der Vizekönig von Indien eine Verfügung 
herausgegeben, durch die das Pressegesetz von 1918 
wieder in Kraft gesetzt wird. Die gemäßigte in 
dische Presse soll dadurch in ihrer Bewegungs 
freiheit nicht beschränkt werden. 
Die indische Frage hat in London alle 
anderen innen- nnd außenpolitischen Ereig 
nisse in den Hintergrund gedrängt. 
Zerren des französischen parlamenls. 
Kammer und Senat in Frankreich haben sich 
endgültig über die Steuersenkungs- und Sozial- 
versicherungsvorlago geeinigt. Diese sind damit 
erledigt. Das Parlament ist bis zum 3. Juni in 
die Ferien gegangen. Das Sozialversicherungs 
gesetz wird am 1. Juli in Kraft treten. 
Die Stellungnahme der Landwirtschaft des 
Landes Ratzeburg zu der Frage des Anschlusses 
an Preußen wurde in der Frühjahrstagnng des 
Bauernvereins für das Land Ratzcburg besprochen. 
Korvettenkapitän a. D. 
Reichsreform zu vollziehen. Vielmehr ist die Ten 
denz der Landzugewinnung durch Angliederungen 
festzustellen. 
Abgesehen davon, ist die Enklavenfrage —, 
wobei in unserem engeren nordwest'deutschen Ge 
biet der zu Mecklenburg-Strelitz gehörende Lan- 
destcil Ratzeburg und das dem Staate Oldenburg 
zuzählende Ländchen Eutin in Betracht kommen 
— eittc Angelegenheit, die allein schon ans ver 
waltungspolitischen Gründen eine vernunftgemäße 
und natürliche Regelung im gesamtdeutschen In 
teresse finden muß, nüchterner ausgedrückt: im 
Interesse der Steuerzahler. # 
LemMer Eingabe ans Ministerium. 
Die Nachwirkung des blutigen Ostersonntags. 
In einer Eingabe an das sächsische Innen 
ministerium schildert der Rat der Stadt Leipzig 
eingehend die Vorkommnisse beim Ncichsjugendtag 
der KPD. Er hebt besonders die großen Störun 
gen im Straßenverkehr und die im Publikum ent 
standene große Beunruhigung hervor. Der Rat 
bittet das Ministerium, für die Zukunft Vorkeh 
rungen zu treffen, um eine Wiederholung derarti 
ger Ereignisse zu unterbinden. Es wird u. o. 
empfohlen, dafür zu sorgen, daß in Zukunft Mas 
senversammlungen und große Demonstrationszüge 
im Innern der Stadt durch Gesetz oder Verord 
nung überhaupt untersagt werden, und zwar soll 
sich das Verbot auf alle größeren Umzüge und Ver 
sammlungen politischer und nichtpolitischer Rich 
tung beziehen. Zum Schluß heißt es: Die Stadt 
Leipzig hat Anspruch darauf, daß im Wege der Ge 
setzgebung und Verfassung unverzüglich völlig hin 
reichende Sicherungen geschaffen werden, die eine 
Gefährdung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und 
Sicherheit ausschließen. 
Ledebonr - Schönberg 
warnte dringend davor, wegen des Grundzinses 
in den Fehler der Anschlußverhandlungen zu ver 
fallen, und trat entschieden für die Selbständig 
keit von Mecklenburg-Strelitz ein. In gleicher 
Weise äußerte sich Landtagsabgeordneter Vierig, 
der erklärte, daß er auf seine Frage, wie es bei 
einem etwaigen Anschluß an Preußen mit dem 
Lande Ratzeburg stehe, vom Ministerium den 
schriftlichen Bescheid erhielt, daß man schleunigst 
Verhandlungen mit Preußen anknüpfen solle. Wei 
ter teilte Vierig mit, daß ihm Staatsrat Fröhmcke 
mit wirtschaftlichen Strafmaßnahmen gegenüber 
dem Lande Ratzeburg gedroht habe, wenn inan 
nicht so mitmache, wie die Regierung wolle. Auch 
die Landtagsabgeordneten Burmeister nnd Ottcn 
bekundeten sich als Gegner des Anschlusses. Sie 
meinten, daß im Landtag die erforderliche %= 
Mehrheit nicht erzielt werden könne und auch 
eine Volksabstimmung zu Ungunsten des An 
schlusses ausfallen würde. Abg. Otten erklärte, daß 
Preußen bei dem Anschluß weniger an dem eigent 
lichen Mecklenburg-Strelitz als vielmehr an dem 
Landesteil Ratzeburg liege, nnd zwar deshalb, um 
dein lübeckischen Staat dadurch die Kehle zuzu 
schnüren. 
Solche bissige Bemerkungen taffen erkennen, 
bis zu welchem Grade man Preußen mißtraut. 
Ob zu Recht oder Anrecht, sei hier dahingestellt. 
Jedenfalls hat der Kampf um die Reichsreform 
ein anderes Gesicht erhalten, seitdem offenbar ge- 
worden ist, daß Preußen wenig, am Ende gar 
keine Neigung hat, durch Aufteilung in norddeut 
sche Rcichsprovlnzen einen grundlegenden Akt zur 
Der Kampf um die Heimal. 
Ju der Vertreterversaininlung des Schlesung- 
schen Wählervercins für Nordschleswig berichtete 
Schmidt-Wodder über die vom Folkcthing verab 
schiedeten Bodcngcsetze. Leider hätten die Forde- 
rungen der in Nordschleswig ansässigen Deutschen 
keine Berücksichtigung gefunden, nicht einmal die 
Einsetzung eines deutschen Mitgliedes in den nord- 
schleswigschen Bodenausschuß sei gestattet worden. 
In der Diskussion, die volle Uebereinstimmung 
mit dem Wortführer Schmidt-Wodder ergab, 
wurde betont, im Kampf um die Heimat nicht zu 
erlahmen, diesen Kampf vielmehr mit allen zu 
Gebote stehenden Kräften aufzunehmen. Rach 
einem weiteren Bericht Schmidt-Wodders über den 
jetzigen Stand der Verhandlungen betreffend die 
deutschen Schulwünsche und nach der Beratung in 
terner Angelegenheiten wurde dem Abgeordneten 
der Dank der Versammlung ausgesprochen. Es 
wurde die Herausgabe eines NorÄfchleswigschen 
Kalenders beschlossen. 
Angebliches Geständnis Nickels. 
Wie dein Nordischen Nachrichtendienst aus 
Berlin gemeldet wird, hat der seit neun Mona 
ten in Untersuchungshaft befindliche frühere Pali- 
zeihauptmann Nickel gestanden, gemeinsam mit 
dein AutoLesitzer Wieberg aus einem Steinbruch 
bei Mülheim a. d. N. Dynamit gestohlen und die 
ses mit einem Auto „ach Hamburg-Altona ge 
schasst zu haben. Das Dynamit wurde spater zu» 
Anfertigung der Sprengkörper verwendet-
	        
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