Full text: Newspaper volume (1930, Bd. 2)

6d)îesw!g-Bolfteînîfd)e LanDeszsîlung 
123. Jahrgang. 
123. Jahrgang. 
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SienMq. den 22. Avril 
Nationalsozialisten. die ebenfalls auf einem Last 
kraftwagen nach Berlin unterwegs waren, in eine 
Rauferei geraten find. Auf beiden Seiten gab es 
Verletzte. Den Nationalsozialisten wurde für die 
Weiterfahrt polizeiliche. Bedeckung gewährt. 
Ueber den 
Verlauf des Leipziger Sonnabends 
wird noch gemeldet: Mit Rücksicht auf die stille 
Zeit waren Platzkonzerte und auch Umzüge mit 
Musik am Sonnabend nickt genehmigt worden. Ge 
gen das Verbot ist vor allem in den Abendstunden 
in mehreren Fällen verstoßen worden, weshalb sich 
polizeiliches Einschreiten nötig machte. Zn der 
Pfaffendorfer- und Lindenthaler Straße im Nor 
den der Stadt kam es in zwei Fällen zu erregten 
Auftritten und Widersätzlichkeiten. Dem entschlos 
senen Eingreifen der Schutzpolizei gelang es jedoch, 
schnell wieder Ordnung zu schaffen. Es wurde eine 
große Anzahl von Personen zwangsgestellt. Musik 
instrumente wurden polizeilich sichergestellt. Die 
am Abend in verschiedenen Sälen abgehaltenen 
Versammlungen der KPD. waren allgemein stark 
besucht, in einzelnen Fällen sogar überfüllt. 
M Der Kuiffefir mn Der Polizei 
• ermattel. 
Da sich unter den zirka 3000 Berliner Teil 
nehmern am Kommunistischen Reichssugendtvg 
einer der Täter von Leipzig befinden soll, so waren 
alle erreichbaren Beamten der Berliner politischen 
Polizei und zahlreiche Beamte der Schutzpolizei 
aufgeboten, um die Lastkraftwagen an der Elie- 
nicker Brücke abzufangen. Bis abends 8 Uhr waren 
18 Demonstranten, die sich nicht genügend auswei 
sen konnten, festgenommen und dem Berliner Po 
lizeipräsidium zugeführt. 
Wie aus Bombay gemeldet wird, hat dis Po 
lizei an allen Stellen, wo in Verletzung des Mo 
nopols Salz hergestellt wurde, eingegriffen und 
die Geräte vernichtet. 
In Kalkutta entfaltete die Polizei eine starke 
Tätigkeit, um eine Wiederholung der Unruhen zu 
verhindern. Panzerwagen und starke Polizeiab 
teilungen sind an allen wichtigen Punkten bereit 
gestellt. Die Wafienlager der Polizei sowie sämt 
liche Waffengeschäfte in der Stadt werden scharf 
bewacht. Flugzeuge kreisen ständig über dem 
ganzen Stadtgebiet. 
Mussolini fetzt den nationalen Rat der Korporationen ein, der den Anfang 
der berNjSstmröifchen ZufaMmenfasinng von Arbeitgebern und Arbeit 
nehmern bedeutet. 
Weiter wird gemeldet: Dis uniformierten 
Aufständischen chloroformierten die Beamten des 
Telephonamtes und brannten darauf das Gebäude 
nieder. Hierauf wurden alle telegraphischen Ver 
bindungen unterbrochen und die Drähte an drei 
verschiedenen Stellen durchschnitten. Vom Tele 
graphenamt begaben sich die Aufrührer nach dem 
Eisenbahnwachtdepot, wo ein als Offizier verklei 
deter Aufständischer auf die Wache losging. Die 
Posten salutierten. Bevor sie ihren Irrtum er 
kannten, wurden sie von dem Inder niederge 
schossen. Die Aufständischen erschossen hierauf den 
wachthabenden Sergeanten des Depots und bega 
ben sich nach dem Polizeiwachtdepot. das in ähn 
licher Weise überfallen und geplündert wurde 
Wie nunmehr feststeht, haben bei den Ueberfällen 
insgesamt neun Männer, darunter zwei Europäer, 
ihr Leben verloren. 
An den Ueberfällen haben nach den bisheri 
gen Feststellungen etwa 60 Personen teilgenom 
men. die zum größten Teil in die Berge geflohen 
sein dürften. Die betreffende Gegend wird von 
Polizeipatrouillen abgesucht. 
Der Vizekönig von Indien hat eine Sonder 
verordnung für Bengalen erlassen, die die Ver 
hütung von terroristischen Attentaten bezweckt. 
Die Vorgänge in Indien werden in England 
mit Sorge verfolgt. 
In Lahore hat die Polizei des Pendschab-Ge- 
bietes ein Bombenlager entdeckt. Mehrere ver 
dächtige Personen wurden verhaftet. 
Gandhi äußerte sich ans Befragen über die 
Vorgänge in Chittagong, daß sie als eine sehr 
ernste Angelegenheit zu betrachten seien, wenn sie 
nicht, wie die Unruhen in Kalkutta und Karachi, 
einen Einzelakt darstellten. Wenn die Lago aber 
auch durchaus ernst sei, so werde ihn das von der 
Fortsetzung seines Feldzuges nicht abhalten. So 
lange das britische Volk entschlossen sei. dem indi 
schen Volk eine unerwünschte Herrschaft aufzu 
zwingen, so lange sei diese britische Herrschaft tat- 
iäcklich rechtlos. 
Italiens Imfmlaft 
Ganz Italien beging am Montag, wie aus 
Rom berichtet wird, den Geburtstag Roms, der 
ssslt dem Fest der Arbeit zusammenfällt. Dieser 
tlerertag stand auch diesmal im Zeikben der Ein 
weihung zahlreicher neuen öffentlichen Bauten 
und gestaltete sich besonders festlich, da nach 
W^chenlangem Regen die südliche Sonne wieder zu 
sörem Recht kam. Im Mittelpunkt des Tages 
stand die Einsetzung des nationalen Rates der 
Korporationen, die Mustolini als Prästdent des 
au ^ ^ eiTT Kapital nach der Vereidigung der 
-Mitglieder in Gegenwart der Spitzen der italieni- 
Ichen Behörden und des diplomatischen Korps mit 
W"lZr Ansprache vornahm. Der Korporationsrat, 
in gewisser Beziehung dom deutschen Reichs- 
^lrtfchaftsrat vergleichbar ist. ist eine erweiterte 
Wützenorganisation der berufsständischen Arbeit- 
^eber- und Arbeitnehmerverbände. Seine Bildung 
"^deutet den ersten Schritt zur Verwirklichung des 
Angestrebten Kollektrvsystems. in dem nicht mehr 
Arbeitgeber und Arbeitnehmer getrennt organi- 
^rt. sondern nach einzelnen Produktionszweigen 
Ķiamincngefatzt werden sollen. Der nationale 
Reichsminister a. D. Dr. Scholz, der Par 
tei- und Fraktionsvorsitzende der Deutschen 
Volkspartei, nimmt in der Osterausgabe der 
„Königsberger Allgemeinen Zeitung" zur 
politischen Lage Stellung. Die neue Regie 
rung sei stark, nicht cuts Grund parlamentari 
scher Stimmenverhältnisse, sondern weil die 
grundsätzliche Zustimmung des gesamten 
deutschen Bürgertums hinter ihr stehe. Scholz 
geht dann auf die bisherige Arbeit der neuen 
Regierung im einzelnen ein und kommt wei 
ter zik den neuen Anşgaben der Politik. 
„Weite Kreise des deutschen Bürger 
tums", so schreibt er. „sind seit längerer Zeit, 
das muß offen ausgesprochen werden, des 
bisherigen Parteiwesens und des Streites 
innerhalb des gesamtbürgerlichen Lagers 
herzlich satt. Es hieße, die Zeichen der Zeit 
nicht verstehen, wenn man nicht versuchen 
wollte, hier, auch ohne Bindung an alte Par 
teischranken, größeren Zusammenschlüssen die 
Wege zu ebnen. Es muß gelingen, dieienigen 
Parteien und Gruppen des deutschen Volkes, 
die sich auf den Boden aktiver Mitarbeit am 
Staat stellen, zu stärkerer Zusammenarbeit 
mit dem Ziel engerer Bindungen zu vereini 
gen. Eine Zusammenfassung dieser aktiven 
bürgerlichen Kräfte bei einer künftigen Wahl 
wird auch, davon darf man überzeugt sein, 
ein gutes Mittel zur Bekämpfung der im 
bürgerlichen Lager weit verbreiteten Wahl 
müdigkeit bilden." 
Bei einem Zuchthausbrand in Columbus 
(Ohio) sind 333 Personen, zum größten Teil wohl 
Gefangene, verbrannt. Die Wärter ergriffen fast 
alle die Flucht und überließen die Gefangenen 
ihrem grausigen Schicksal. 
(Näheres auf der 2. und 3. Hauptblattseite.) 
Nach neuester Meldung wurden etwa 10 Kom 
munisten, die sich nicht ausweisen konnten, nach 
dem Polizeipräsidium gebracht. Nach dem „Vor 
wärts" wurden zwei Kommunisten in Haft behal 
ten. von denen einer als Täter dringend verdäch 
tig ist. 
Bei der Durchsuchung der nach Halle a. der 
Saale zurückkehrenden Kommunisten wurden zahl 
reiche Waffen gefunden. Etwa 100 Kommunisten, 
die sich nicht ausweisen konnten, wurden vorläufig 
festgenommen, bis auf drei, aber wieder entlassen. 
Diese drei stehen auf Grund gewisser Anzeichen in 
starkem Verdacht, an der Tötung der Leipziger 
Polizeibeamten beteiligt gewesen zu sein. 
Zusammenstöße mit Teilnehmern am Kommunistischen Reichsjugendtag 
haben den Tod zweier Polizeibeamten und eines Demonstranten verursacht. 
Daneben Schwer» und Leichtverletzte. 
Die Stadt Leipzig erlebte blutige Ostern. Es şĢagen. rüe Beamten suchten mit ihren Echuß- 
hat, nachdem es schon am Sonnabend zu Reibereien äffen und Gummiknüppeln sich der Angreifer zu 
gekommen war, am ersten Feiertag Zusammenstöße erwehren. Label wurde Polrzcrhauptmann Gall 
zwischen demonstrierenden Teilnehmern am Kam- G durch Schlage und SticG: verletzt, daß er tot 
munistischen Reichsjugendtag und der Polizei ge- zusammenbrach. -er Pollzcioberivachtme-sier 
geben, die zwei Beamte und einen Demonstranten Kappe R einige Stunden nach dem Vorfall schwe- 
das Leben kosteten. Neben Leichtverletzten sind *en Hieb- und «tichverletzungen erlegen. Ein 
einige Schwerverletzte zu verzeichnen. weiterer Beamter ichwebt in Todesgefahr. Drei 
Beamte wurden zum Teil erheblich verletzt. In 
Der Sinn des Osterfestes, des Festes der Auf- schwerster Notwehr sind einige Schüsse von den 
erstehung, ist auf lichte Hoffnung gestellt. Das in Beamten abgegeben worden. Einer der Unruhe- 
Leipzig an dem hohen christlichen Feiertag ge- stister hat einen tödlichen Schuß erhalten vier 
flossene Blut aber beweist aufs neue, wie nieder- weitere sind verletzt. Beim Abmarsch ist es zu 
druckend die dunklen Zeichen der Zeit noch immer Zwischenfällen nicht mebr gekommen. Der Polizei- 
gnd. wie maßlos erbittert der Kampf in Staat Präsident hat mit Rücksicht auf die Vorkommnisse 
und Gesellschaft ist. die für Montagnachmittag angesetzten Veranstal- 
Das tungen auf öffentlichen Plätzen und Straßen ver- 
Letpziger Polizeipräsidium &Cte ~ qr f . . ... 
. Am Augustusplatz wurden am Ostermontag 
berichtet über die Zusammenstöße: morgens ausfahrende Streifenwagen der Polizei 
An dem Reichssugendtag beteiligten sich rund von Demonstranten belästigt, die sich ihrer Fest- 
13 000 Vertonen. Die Umzüge wurden durch zahl- stellung durch die Flucht in die anliegenden Häu- 
reiche Plakate, Fahnen und Transparente unter- ier zu entziehen suchten. Beim Absuchen'des 
brachen. In einigen Fällen sind Plakate mit auf- Grundstücks Georgirina Nr. 3 wurde ein Beamter 
reizenden Aufschriften beschlagnahmt worden, in einem finsteren KŞrramn angegriffen. In 
Während es bei den Umzügen verbältnismäßig ge- der Notwehr gab er einen Schuß ab. durch den ein 
ordnet zuging, kam es bei einer Kundgebung auf Demonstrant so schwer verletzt wurde, daß er in das 
dem Augustusplatz zu schweren Ausschreitungen. Krankenhaus gebracht werden mußte. Eine An- 
Im Grimmaischen Steinweg hatten Kundaeber zahl Personen wurde festaenommen. Die auswär- 
veriucht. ein Auto aufzuhalten und umzustürzen, tigen Teilnehmer des Kommunistischen Iugend- 
Während es den einschreitenden Polizeibeamten tages haben zum großen Teil in Kraftwagen und 
gelang, dem Auto die Durchiabrt zu ermöglichen, mit der Balm die Rückfahrt angetreten 
wurden sie selbst von den Nachdrängenden ange- Aus Göbren bei Leipzig wird gemeldet, daß 
griffen und mit Latten und Fahnenstangen ge- dort Kommunisten auf einem Lastkraftwagen mit 
Mà m Prszeß m Bromberg. 
Heute findet vor dem Bromberger Be 
zirksgericht die Hauptverhandlnng im Prozeß 
gegen die Bromberger Pfadfinder Fritz 
Mielke, Heinz Prcnß, den Kalmarer Pfad 
finder Karl Bnrow und gegen den ehemaligen 
Führer der deutschen Jungenschaft in Polen, 
Dr. Walter Burchardt, statt. Die Anklage 
wirst den Pfadfindern vor, daß sie 1928 und 
1929 den „Pfadsinderbund" in Bromberg ge 
gründet und geführt hätten, und daß das Be 
stehen. die Organisation und der Zweck dieses 
Bundes vor der polnischen Regierung geheim 
gehalten werden sollten. , . 
Hsmîhf in Bmgaftr» 
^sberiälle durch verlrleidete Aufrührer. 
^Wendung von Chloroform. — 9 Tote. 
Chittagong, in Bengalen, kam es am 
"abend lu schweren Zusammenstößen zwischen 
100 Anhängern Gandhis und der Polizei, 
^lsenbahnstation und die Waffenlager der 
wurden niedergebrannt. Der Magistrat 
j aîtig-wng teilt mit. daß auch das Telephon- 
rm-'Ş^ert worden ist. Die Angreifer wa- 
modernen Waffen ausgerüstet. Zwei 
^amte. zwei Euraväer und drei Droschken- 
eiire wurden oetötct. Außerdem wurden 
‘ 9e Personen verletzt. 
tuîhers Mchsàr im Erneuermgsbund 
Der Vorstand des Bundes zur Erneuerung 
des Reiches hat von der Niederlegung des Vor 
sitzes durch den zum Reichsbankpräsidenten er 
nannten Reichskanzler a. D. Dr. Luther Kenntnis 
genommen. Er richtete an Luther die Bitte, den 
Ehrenvorsitz des Vorstandes zu übernehmen. Zum 
Vorsitzenden wurde für das laufende Jahr Graf 
von Roedern, Hamburg, gewählt.
	        
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