Full text: Helgoland einst und jetzt

Frauen fröhlich und entgegenkommend, so treten sie vor uns hin, 
Freilich hat die Gründung und das Blühen des Seebades, welches 
Jen fast verarmten Helgoländern einen gewissen Wolstand schuf, 
zrofßse Veränderungen unter ihnen hervorgebracht; die alles be- 
leckende Cultur, durch die reichen Fremden besonders aus Hamburg 
and Berlin, auch nach dieser einsamen Insel hingetragen, hat auch 
hier nicht blofßs zum Besten gewirkt; die früheren einfachen Sitten 
sind geschwunden, die alte schöne Helgoländer Tracht ist auf den 
Aussterbe-Etat ‚gesetzt — die jungen Mädchen schämen sich dieser 
Tracht und ziehen es vor, sich städtisch zu kleiden — und, da 
Jas Geld in den zwei bis drei Monaten der Badezeit Jahr für Jahr 
wie eine nicht versiegende Quelle der Einahme hereinfliesst, so 
zlauben die meisten Helgoländer, dass dieselbe zugleich die Einahme- 
quelle des ganzen Jahres für sie sein müsste. So scheinen sie 
fast nur erpicht, die Fremden tüchtig zu brandschatzen; natur- 
gemäls gelingt dies den Industriellen und Restaurateuren besser, 
als den ärmeren Schiffern und so finden wir auch hier auf diesem 
kleinen Eiland bereits eine Kluft zwischen zwei Ständen, während 
ainstmals die kleine Gemeinde wie eine grofse Familie lebte. 
Uebrigens sind in den letzten Jahrzehnten viele Fremde hinzu- 
zekommen und durch Heirat Bürger geworden. 
Jetzt ist den Helgoländern eine neue Verwaltung geworden, 
welche die Wünsche der deutschredenden Bevölkerung besser ver- 
stehen kann, als englisches Gouvernement, Hoffentlich wird mit 
dieser Aenderung in der Leitung auch eine Verbesserung der 
anerkannten Schäden eintreten, ohne dass das Gute darunter leidet. 
Die wohlwollenden Worte, welche bei den betreffenden Ver- 
handlungen im Reichstage gesprochen wurden, lassen die Erfüllung 
dieser Hoffnung erwarten. 
Die vielfrch erörterte Frage, ob Helgoland für Deutschland 
in militärischer Hinsicht von gröfserer *:deutung werden kann, 
überlassen wir gern sachverständigeren reisen. Nur so viel sei 
bemerkt, dass sicherlich, wie durch die Eröffnung des Seebades 
im Jahre 1827 sich für die Insel eine neue Aera eröffnete, auch
	        
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