Full text: (Erstes Bändchen)

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„Was ich irtte, was ich strebte, 
Was ich litt und was ich lebte 
Sind hier Blumen nur im Strauß.“ 
Der erhabene Schiller verband Goethes 
ernste, tiefe Seite, mit Klopstocks lyrischet Begei⸗ 
sterung; aber er war minder naiv und munter, we⸗ 
niger National⸗-Dichter als Goethe. So stieg et 
denn oft hoͤher, weil er immer das Hohe suchte. 
Goethe dagegen, der gleich Shakefpear auf allen 
Fluren der Poesie zu Hause war, der alles, was 
ihm ausstieß, betrachtete und untersuchte, fand seine 
groͤßte Lust in der Abwechselung und der Betrach⸗ 
tung und Darstellung der verschiedenartigsten Ge⸗ 
genstaͤnde. Schiller hatte mehr Begeisterung als 
Goethe aber weniger Genie. Mit Wohlrede stellte 
er oft (zuweilen allzu philosophisch) Beyspiele der 
Tugend und des Lasters auf. Der Andre durch⸗ 
schauete tiefer das menschliche Herz, stellte die Le⸗ 
bensverhaͤltnisse lebendiger und ansprechender dar. 
Indessen besaß Schiller wegen seiner Begeisterung, 
seiner Geisteskraft, und seiner im Erfinden fruchtba⸗ 
ten Phantasie ein groͤßeres Talent, die Zuschauer auf
	        
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