Full text: (Erstes Bändchen)

dieses wirksamen und lebenskraͤftigen Dichters den 
hestigsten oft entgegengesezten Empfindungen offen 
stand? Goethe aber kann durchaus nicht mit Vol— 
taire verglichen werden; denn seine Seele war kein 
Kamaͤleon, sondern koͤnnte eher eine fruchtbare Erde 
genannt werden, in der die Fruͤchte gleich wie der 
Rheinwein, der auf dem Johannisberg waͤchst, eine 
edlere Ratur empfingen. Wenn er sich kuͤhn er⸗ 
hebt, geschieht es auf eine natuͤrliche naive Weise, 
die himmlischen Vorstellungen mit dem wirklichen 
kLeben zu verbinden: Steigt er noch kuͤhner nieder, 
so ist es, um das Charakteristische und die Ueber⸗ 
teste des Guten selbst in der Verderbtheit darzu⸗ 
stellen. Und ist nicht der Herbst-Wald, mit seinen 
gelben Blaͤttern unter dem Goͤnner vft anziehender 
fuͤr den Mahler, reicher fuͤr seine Kunst, als der 
junge Fruͤhling in seiner ganzen unveraͤnderten 
Schoͤne. Wir brauchen nur Goethes Leben von ihm 
selbst, mit der Aufrichtigkeit eines Juͤnglings, und 
der Reife eines Greises geschrieben, zu lesen, um 
zu erfahren, wie so durchaus das Wesen und die 
persoͤnlichen Verhaͤltnisse des Verfassers Anlaß zu 
seinen Werken gegeben haben; und daß er mit vol⸗ 
lem Rechte von sich selbst singt:
	        
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