Full text: (Erstes Bändchen)

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Eß war mein Vorsatz diesesmal nicht von den 
Lebenden zu reden: wie aber vermag ich den 
schoͤnen Stern am Abendhimmel, der obgleich er 
niedersinkt, dennoch mit seinem klaren Strahlenlicht 
leuchtet, zu umgehen. Wie gehe ich schweigend 
der Buche vorbey, die schon ihr maͤchtiges Haupt 
erhob in der Geburtsstunde der Blumen, deren welke 
Blaͤtter der Herbstwind um ihren Fuß wirbelt, waͤh⸗ 
rend frisch und gesund ihre starken Zweige des juͤn⸗ 
geren Geschlechts neu aufgeworfenes frisches Grab 
beschatten?. Aber ich beschraͤnke mich hier blos zu 
fragen: In welchem Dichter fand man groͤßeres 
Genie, verbunden mit mehr Vielseitigkeit? Kann 
sich irgend ein Gefuͤhl in dem menschlichen Herzen 
regen, welches Goethe nicht in seinen Gesaͤngen 
und Werken meisterlich gedollmetscht hat? Welche 
Dichtungsart giebt es, die nicht bis zur Vollendung 
von diesem vortrefflichen Manne geübt waͤre? Er 
hat sich in dem Lyrischen, Epischen und Dramati⸗ 
schen ausgezeichnet; er hat griechische, roͤmische, 
romantische, italienische, franzoͤsische und deutsche 
Stoffe, jeden nach seiner Art und Weise behandelt. 
In ihm verbindet sich Schillers Ernst mit Wielands 
Munterkeit. Ist es ein Wunder, wenn das Herz 
Die Dichter im Leben.
	        
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