Full text: (Erstes Bändchen)

torik und Ethik. Sokrates, dreyzehn Jahr juͤn⸗ 
ger als er, hielt viel von seinen Stuͤcken, wegen 
ihres Reichthums an Sinnspruͤchen und Lebensre⸗ 
geln; dadurch ist er ohne Zweifel verfuüͤhrt worden, 
seine Tragoͤdien mit philosophischen Sentenzen an⸗ 
zufuͤllen. Er stellte sich gerne das Grause und Ab⸗ 
scheuliche vor, und glaubte also, daß diese noth⸗ 
wendige Erfordernisse jeder Tragoͤdie waͤren. Man⸗ 
che seiner Stuͤcke schrieb er in einer finstern, schre⸗ 
kenvollen Hoͤhle. Von zwey Hausfrauen trennte 
er sich wegen ihrer Untreue und daher eutstand 
wohl sein Weiberhaß. Um Aristophanes Spott 
zu entgehen, verließ er Athen und reisste zum Koͤ⸗ 
nig Archelaus in Macedonien. Hier ward er in 
seinem fuͤnf und siebzigsten Jahr im Walde vor 
mehreten Jagdhunden zerrissen, welche, wie man 
glaubte, zwey neidische Poeten auf ihn gehezt 
hatten. 
Wir sehen, wie die Verschiedenheit der Werke 
mit den verschiedensten Charakteren und Lebens— 
weisen der Verfässer uͤbereinstimmt. Hierin aber 
gleichen sie sich doch alle drey, daß sie gesunde
	        
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