Full text: (Erstes Bändchen)

um durch seine Beredsamkeit die Aufruͤhrer zum 
Gehorsam zu bringen, welches auch wirklich ge⸗ 
schah. Obgleich er und Euripides grade keine guten 
Freunde waren, graͤmte er sich doch aufrichtig uͤber 
dessen Tod, betrat in Trauerkleidern den Schauplatz 
und nahm den Kranz von den Haͤuptern der Spie⸗ 
lenden. Weibliche Schoͤnheit bewegte ihn stets tief. 
Noch als Greis schrieb er Tragoͤdien, und als er 
von seinen Soͤhnen des Kindischwerdens angeklagt 
wurde, und daß er seine Hausangelegenheiten 
verabsaͤume, las er den Richtern seinen vor Kur⸗ 
zem erst verfaßten Oedip von Colonos vor, fra⸗ 
gend: ob dieß die Arbeit eines Wahnwitzigen sey. 
In seinem ein und neunzigsten Jahre starb er von 
Allen beweint, wie Einige behaupten, an einem 
Traubenkern, der ihm in die Luftroͤhre gerathen 
war, Andere — und was schoͤner waͤre — vor 
Freude daruͤber, daß sein leztes Trauerspiel, gleich 
seinem ersten, den Preis gewonnen haͤtte. 
Auch Euripides war gleich in That und 
Werk; zuerst versuchte er gymnastische Uebungen, 
dann studirte er die Wissenschaften, vorzuͤglich Rhe⸗
	        
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