Full text: (Erstes Bändchen)

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dem finsteren Kloster, er erkohr sie zu seiner gluͤck⸗ 
lichen Hausfrau; und als er starb, troͤstete sein 
unstorblicher Ruhm die trauernde Wittwe, denn 
wahrlich!! er hatte fich ein Denkmal errichtet, 
dauernder als von Erz. 
In seinem Umgang mit Melanchton steht er ale 
ein Muster von wahrer aufrichtiger Freundschaft vor 
uns: Luther, stark und gesund, kuͤhn, voll Feuer 
und rasch bey der That, mit seltenem Genie begabt; 
zuweilen aber auch zu rasch, jaͤhzornig, aufbrau⸗ 
send. Der Andere: gelehrter, vorsichtiger, mil⸗ 
der, feiner; aber auch schwaͤcher, langsamer, oft 
schwankend, stets furchtsam. Luther hat, auf lustige 
zugleich aber auch auf kraͤftige Weise, den Unter⸗ 
fchied zwischen seinem Freund und ihm geschildert, 
indem er sagt: Meister Philipp hat eine Stimme 
wie eine Nachtigall, ich aber bin geschaffen mit ge— 
ballter Faust, drein zu schlagen. 
So wußte das Verhaͤltniß immer zwischen Ge 
lehrten seyn; so ziemt es sich einander dasjenige 
mitzutheilen, was sie sich durch thaͤtigen Fleiß und 
gluͤckliche Naturgaben erwarben, so muͤssen sie sich 
rinander lieben, einander hochachten. 
Diesem herrlichen Beyspiel, ehrwuͤrdige Vaͤ⸗
	        
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