Full text: (Erstes Bändchen)

Nur wo die freye Handlung des Menschen 
ganzes Wesen zeigt, und so uns einen deutlichen 
Ausdruck seines Inneren giebt, koͤnnen wir ihn 
nach derselben beurtheilen. Einzelne Faͤhigkeiten 
und Thaten, abgebrochene Gedanken und Mei⸗ 
nungen beweisen nicht viel; eben so wenig als wir 
aus der bloßen Tapferkeit eines Kriegers auf seine 
uͤbrige Eigenschaften schließen koͤnnen. 
Um nun aber ohne lange Einleitung zu meinem 
Augenmerk zu gelangen, will ich mich gleich be⸗ 
streben zu beweisen, daß, wenn gleich der Mensch 
nach einzelnen Handlungen nicht beurtheilt werden 
kann, es doch kein aͤußeres Wirken giebt, durch 
welches das Innere der Seelcz klarer offenbart 
wird, als das in vorzuͤglichen Dichterwer—⸗ 
ken, denn aus diesen erkennt man des Verfassers 
Gemuͤth, Erziehung, Kenntnisse, Leidenschaften, 
Neigungen, Gewohnheiten, Bescheidenheit oder 
Eitelkeit, Tugenden oder Maͤngel, sammt ihren 
Verhaͤltnissen zu den Mitmenschen, der Nation und 
dem Zeitalter, weit mehr als in den meisten an⸗ 
deren menschlichen Unternehmungen. Und daher 
halte ich es fuͤr unrichtig, den Verfasser von dem 
Werke zu trennen, und irgend etwas in demselben
	        
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