Full text: (Erstes Bändchen)

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einem Auftrag des Klosters nach Rom gesandt 
ward, war seine Ehrfurcht fuͤr den Pabst und 
den Katholicismus noch so groß, daß er demuͤ⸗ 
thig und zerknirscht, auf bloßen Knieen die Treppe 
zur St. Peterskirche hinauf krach. 
Nichts destoweniger siegten sein Genie und 
seine gesunde Vernunft, denn er hatte in eben 
dem Grade lebendige Gefuͤhle fuͤr das Wahre 
und Natuͤrliche, als brennende Andacht fuͤr das 
Boͤttliche. Aus seinem ersten unruhigen Todes⸗ 
schlummer ward er im einsamen Winkel durch ei⸗ 
nes Freundes suͤßklingende Cither erweckt; und 
was der Weisheit Rath vielleicht nur langsam 
bewirkt haͤtte, dafuͤr eroͤffnete nun ploͤtzlich die 
Macht der Melodieen sein Herz. 
Wite seltsam leitet doch das Geschick die mensch⸗ 
lichen Handlungen! Leo der Zehnte hatte sich 
vorgenommen, eine große Kirche zur Ehre der 
katholischen Religion zu erbauen; und so gab er 
Luthern selbst den ersten Gedanken ein, den Grund⸗ 
stein zu einer Kirche fuͤr die reine Lehre zu legen. 
Und hier zeigte sich unser Reformator als Bau⸗ 
meister selbst groͤßer als Michael Angelo. Denn 
so wie jener das heidnische Pantheon, als leichtes
	        
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