Full text: (Erstes Bändchen)

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noͤthigt ist, unter Fremden in weiter Entfernung 
von den Eltern und dem geliebten Heerde zu le⸗ 
ben, um in die Schule zu gehen, ein troͤstendes 
Bild in Luther. Schaͤme dich nicht deiner Ar⸗ 
muth, noch daruͤber, daß dir der Reichere zu Huͤlfe 
kommt; auch Luther war arm, und sang in sei⸗ 
nem duͤnnen, blauen, abgetragenen Mantel auf 
der Straße vor Jedermanns Thuͤr, mit den uͤbri⸗ 
gen Chorknaben um Brod in Gottes Namen. 
Auch du, schwaͤrmerischer Juͤngling, der du 
dich scholastischen Spitzfindigkeiten und mystischen 
Traͤumen hingiebst, durch welche du zulezt deine 
Geisteskraft und Gesundheit verlierst, auch du fin⸗ 
dest in Luthers Leben eine lehrreiche Warnung; 
denn auch er fuͤllte eine Zeitlang sein Gehitn mit 
finsteren Gruͤbeleien, und blindem Aberglauben. 
Bleich und abgezehrt schwand er als Folge davon 
wie ein Schatten dahin. In dem Blitzstrahl, wel⸗ 
cher seinen Freund Alexius an seiner Seite toͤd⸗ 
tete, glaubte er den drohenden Wink des Him⸗ 
mels zu erkennen. Er ging daher ins Kloster, 
und erbot sich freyw riadrigsten schmutzig⸗ 
sten Arbeit. So ver“ seiner Seelenstaͤrke 
ganz das Zutrauen zu sickt st, als er spaͤter in
	        
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