Full text: (Erstes Bändchen)

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So ist also bewiesen, daß ebenso, wie zur 
Zeugung gesunder Kinder, gesunde Aeltern gehoͤ⸗ 
ren, auch gesunde Verfasser erforderlich sind, um 
gute Werke hervorzubringen. Ferner. daß es un⸗ 
moͤglich ist, die Natur des Wahren, des Schoͤnen 
und des Guten recht klar einzusehen, und fleißig 
mehrere Stunden des Tages seine wir⸗ 
kende Seele damit zu beschaͤftigen, ohne 
diese zu lieben, ihnen zu huldigen und ohne sie 
auszuuͤben. Alle Sterbliche sind mitunter Schwaͤ⸗ 
chen unterworfen; das wissen wir, und hanc ve- 
niam damus petimusque vissicim; aber zu dem 
Niedrigen und Unedeln, kann weder der wahre 
Mensch, noch der wahre Dichter sich herablassen. 
Ein schlechtee Baum kann keine gute Fruͤchte tra⸗ 
gen; Heucheley und Affectation betruͤgen nicht den 
Weisen. Willst du unsere Herzen fuͤr das Hohe 
und Edle ruͤhren, mußt du selbst erst geruͤhrt seyn. 
Ohne Wahrheit, Aufrichtigkeit und Tugend, bleibt 
die Poesie nur ein elendes Spiel der verderbten 
Phantasie. Des Dichters Lorbeerkrone muß mit 
dem Eichenkranz des Buͤrgers verbunden 
seyn. Ohne diese Verbindung waͤre es besser, sie
	        
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