Full text: Newspaper volume (1942, Bd. 1)

135. Jahrgang 
AchlLSwig-HolliernLsthL 
135. Jahrgang 
Relrösburtzer TàgeblaL 
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Kt. 16 
Dienstag, den 20. Januar 
Einheitliche Front der Dreierpaktmächte 
Die Eroberung Fesdosias 
Schneidiges Vorgehe« des Ritterkreuz 
trägers Oberst Müller. 
DNB. Berlin, jg. U„ her heute 
gemeldeten Wiedereroberung von Feodofia 
hat Ritterkreuzträger Oberst Müller, 
Kommandeur eines deutschen Infanterie 
regiments, entscheidenden Anteil. Dank 
seiner umsichtigen Führung gelang es sei 
nem Regiment, de» nachstoßenden deutschen 
Truppen den Weg zum Angriff auf die 
letzten feindlichen Stellungen zu bahnen, 
so dah der deutsche Angriff in voller Stärke 
zur Auswirkung kommen konnte. 
Das Regiment brachte zunächst zwei bol 
schewistische Batterien zum Schweigen nud 
vernichtete vier bolschewistische Panzer- 
kampfwagen, die die deutschen Infanteri 
sten aufzuhalten versuchte». Dann durch 
brach es die Linien des feindlichen Lam 
dungskopfes und drang in die Stadt ein. 
Von den zahlreichen Bolschewisten, die im 
Lanse der harte» Kämpfe um Feodosta ge 
fangen genommen wurden, hat allein die 
ses Regiment 1000 eingebracht und außer 
dem große Mengen an Waffen »nd Gerä 
ten erbeutet. 
$!§ Mspitze kt Malaieu-Halbinsel 
erreich! 
Şchaņghai, 19. Ian. Den neuesten 
Nachrichten von der malaiischen Front zu 
folge wutche die Südspitze der Malaienhalb- 
nllei am Sonntagabend japanischer Zeit be 
reits von japanischen Trnppen erreicht. Die 
von Weste» und Norden in Richtung auf 
Singapur vorstoßenden japanischen Ver 
bände haben sich im Raume von Johur- 
Bharu, das der Insel Singapur unmittel 
bar gegenüber liegt, vereinigt und dadurch 
die Neste der britischen Truppen auf dem 
,^estlande rn Starke von etwa 29 ü»g Mann 
mehrmals eingeschlossen. Die Straßen- und 
Bahnverbindungen in Richtung Singapur 
wnrden in der Nähe von Johur-Bhar« ab 
geschnitten. 
Einer Domei-Mcldnng zufolge wurde das 
Banner der ausgehenden Sonne wenige 
Klm. v. der Insel Singapur entfernt gehißt. 
Bei Großangriffen auf die Flugplätze 
Tengah «nd Sempaug wurden von den 
Japanern 28 Feindflugzeuge abgeschossen 
oder am Boden zerstört. 
Dis zur lebten Bôïcone uņd bis zum 
letzten Wasserköpfen 
DNB. Berlin, 19. Jan. Mit beispielloser 
Härte haben deutsche und italienische Trup 
pen die Bergstellungen vo« Halfaya bis zur 
letzten Patrone und bis zum letzten Was- 
şiŗîŗopşen zäh verteidigt und dabei wahr 
haftes Heldentum bewiesen. Das ununter 
brochene zreuer schmerer britischer Artillerie, 
der heftige Beschuß britischer Schifsö- 
geschütze und zahlreiche feindliche Bomben- 
angrifse hatten die in treuer Wasfenkamc- 
radschast ausharrenden Achsentruppen nicht 
erschüttern können. Mit ungebrochener Aü- 
wehrkraft schlugen sie immer wieder die 
mit großer Uebermacht vordringenden bri 
tischen Verbände zurück. Tage- »nd nächte 
lang tobte ein harter Kampf «m die Berg 
stellungen uud felsigen Unterschlüpfe. Selbst 
als die Vorräte an Munition, Waffer nnd 
Proviant knapp wurden, trotzten die deut 
schen und italienischen Soldaten noch uner 
bittlich den britischen Vorstößen. 
Erst nach mehreren Tagen härtester 
Gegenwehr, als Durst und Hunger immer 
quälender wurden und die Hoffnung auf 
Munitionsnachschub infolge des schlechten 
Wetters aussichtslos blieb, mutzten die be 
währten Asrikakämpfer den Widerstand 
anfgcben, nachdem sie alle ihre Waffen und 
alles Kriegsgerät zerstört hatten. Den Bri 
ten fiel aus diese Weise nur ein wüstes Ter 
rain ohne brauchbares Kriegsmaterial in 
Lie Hände. 
Italienische und japanische Kommentare zum Abschluß 
der Militärkonvention in Berlin 
DNB. Berlin. 19. Jan. Der Abschluß der 
Militärkonvention zwischen Deutschland, 
Italien und Japan wird in der italienischen 
Presse ausführlich kommentiert. „Giornale 
d'Jtälia" erklärt hierzu, man könne die 
europäischen und asiatischen Kriegsschau 
plätze nicht trennen. Es gebe jetzt nur.noch 
einen einzigen Weltkriegsschauplatz. Der 
Kampf Japans habe unzweifelhaft einen 
großen Beitrag für die Aktionen Deutsch 
lands und Italiens geleistet, genau so wie 
der Krieg im Mittelmeer und im Atlantik 
die Voraussetzungen für die stolzen Siege 
Japans geschaffen habe. Auch „Corrierc 
delta Sera" betont, man müsse die Kümpfe 
im Atlantik, im Mittelmeer und im Pazifik 
als eine einzig große Schlacht ansehen. Ja 
pan selbst habe offen anerkannt, daß es seine 
raschen Erfolge dem Umstand verdanke, daß 
der größte Teil der feindlichen Streitkräfte 
im Atlantik und im Mittelmeer gebunden 
sei. Andererseits habe die japanische Be 
drohung der lebenswichtigen Zentren des 
britischen Imperiums dazu geführt, daß die 
Dominien keine Truppen und Flugzeuge 
mehr ins Mittelmeer entsenden könnten. 
Die militärische Zusammenarbeit zwischen 
den Staaten des Dreimächtepaktes sei also 
bereits im Gange. Das Berliner Militär 
abkommen habe die Voraussetzungen für 
eine noch aktivere Kriegsführung geschaffen. 
Der Sprecher der japanischen Regierung 
erklärte in der Pressekonferenz, das neue 
Militärabkommen werde in starkem Maße 
zum erfolgreichen Abschluß dieses Krieges 
beitragen. Der Pakt dokumentiere die noch 
engere Zusammenarbeit zwischen den be 
freundeten Großmächten. Die gesamte japa 
nische Presse veröffentlicht die Konvention 
in größter Ausmachung und spricht von ei 
nem epochemachenden Ereignis der Weltge 
schichte. So stellt die Zeitung „Tokio Asabi 
Schimbun" fest, die verbündeten Länder 
seien nunmehr in der Lage, auch auf mili 
tärischem Gebiet in engster Zusammenar 
beit das erstrebte Kriegsziel und damit die 
Neuordnung der Welt zu erreichen. Die 
Konvention sei die logische Folge des Bünö- 
nispaktes vom 11. Dezember 1911. 
Auch die Presse in Schanghai sieht in der 
Militärkonvention eine weitere Stärkung 
der Beziehungen zwischen Deutschland, Jta 
lien und Japan. Der Sprecher des japani 
scheu Militärs, Oberstleutnant Akiyama, 
erklärte, man erwarte von dem neuen Ab 
kommen einen großen Einfluß auf die ge 
samte militärische Lage und erblicke darin 
den Beginn einer einheitliche» Offensive. 
Die Ungeduld 
Bo» »«ferem eigene» Pariser Mitarbeiter 
fm Paris, im Januar. 
„Wenn die Franzosen an Geduld so viel 
leisten würden wie an Unerschrockenheit im 
Angriff, wäre die Welt nicht groß genug, 
um dem Eroberungsörang Frankreichs eine 
Grenze zu setzen." So ähnlich urteilt Kar 
dinal Richelieu in seinen Aufzeichnungen, 
die er seinen Landsleuten als „Testament" 
hinterließ, als er vor etwas länger als 
dreihundert Jahren starb. Richelieus Urteil 
ist nicht wortwörtlich zu nehmen. Mangel 
an Geduld ist wie der Schatten, den die 
Unerschrockenheit nicht abschütteln kann, und 
wie die Franzosen für diese Stärke mit 
einer Schwäche zahlen müssen, so müssen es 
andere Völker für die Eigenschaften, die sie 
auszeichnen, wieder mit entsprechenden 
Fehlern. 
Immerhin, Richelieu hatte gut gesehen. 
Mangel an Ausdauer ist zwar nicht für den 
einzelnen Franzosen ein typischer Charak 
terzug,' denn der einzelne Franzose ist so 
gar, als Bauer, in der Regel hartnäckig, 
zähe bis zum letzten. Aber dieser Mangel 
ist kennzeichnend für das politische Frank 
reich. Die Ungeduld, ausgeprägt bis zu ei 
ner leidenschaftlichen Freude am Wechseln, 
rst seit Cäsars Beobachtungen der ständige 
Begleiter der französischen Geschichte. Ihre 
letzte Form war ein Parlamentarismus, 
der in weniger als fünfzig Jahren hundert 
mal die Regierungen wechselte und es fer 
tig brachte, ein den Gütern des Friedens 
ergebenes Volk in das Abenteuer eines be 
rechenbar verloren gehenden Krieges zu 
überreden. 
Dieser Mangel macht sich nun wieder be 
merkbar. In seiner letzten Ansprache hat 
Marschall P e t a i n sich mit einer bemer 
kenswerten Offenheit darüber ausgespro 
chen. Seit Oktober ließ sich im Lande beob 
achten, wie die Ungeduld sich verbreitete. 
Nach reichlich einem Jahr, das seit dem 
Waffenstillstand in zunehmendem Maße die 
Bevölkerung aller Schichten um die Regie 
rung des Marschalls versammelt hatte, be- 
?. ûnn ' âls die külterwerdende Jahreszeit 
ich meldete, der innere Zusammenhang sich 
zu lockern. Nicht etwa, daß es irgendwo zu 
beunruhigenden Ereignissen gekommen 
wäre. Der Franzose ist lim allgemeinen) zu 
nüchtern, um sich von Revolten oder ähn 
lichen Kundgebungen der Unzufriedenheit 
unter den gegenwärtigen innen- und 
außenpolitischen Verhältnissen einen greif 
baren Erfolg zu versprechen. In erster Linie 
gilt das von den Massen der Jndustriear- 
beiterschaft, die bei geringem Lohn, knapper 
Ernährung und oft verkürzter Arbeitszeit 
sich gleichwohl ruhig verhalten haben und 
sogar als Muster vernünftiger, disziplinier 
ter Staatsbürger angesprochen werden 
dürfen. 
Die Herde der Unzufriedenheit liegen in 
den mittleren und oberen Bürgerschichten, 
und zwar in der Hauptsache bei den ältern 
Jahrgängen. Es sind oft die Leute, die — 
verhältnismäßig — am wenigsten zu ent 
behren haben, die sich aber nun einmal nicht 
abfinden können. Aehnlich wie sie es im 
Grunde waren, die durch das blinde, besser- 
misserische Festhalten an den Spielregeln 
einer überholten Zeit den Parteien- und 
Staatsbetrieb auf die schiefe Ebene gleiten 
ließen, so melden sie sich heute kritisch, ketze 
risch zu Wort, um die Stimmung zu ver 
derben. Von ihnen her gehen die dummen 
Gerüchte aus. Ohne sich über irgend eine 
der heute in Frankreich und in der Welt 
aufgeworfenen Fragen ein wirklich stich- 
und hiebfestes Urteil bilden zu können, ha 
ben sie über alles und jedes ihre Meinung, 
und diese ist genau so töricht wie vor drei 
Jahren. Dieselben Leute, die damals Da 
lad i e r vorwarfen, daß er nach München 
gefahren war, statt sofort den Krieg zu be 
ginnen, wissen heute selbstverständlich, daß 
der Krieg ein vorhersehbares Unheil ge 
wesen ist, und würden die Ratschläge, die 
sie heute der Regierung zuflüstern, befolgt, 
so würde die Lage Frankreichs katastrophal 
verschlechtert werden,' und hinterdrein wä 
ren sie dann wieder diejenigen gewesen, die 
alles das vorausgesehen hatten. 
Pètains Ansprache hat gezeigt, daß er und 
die Regierung nicht gesonnen sind, sich von 
solcher Stimmungsmache verleiten zu las 
sen. Ohne von dem Selbstbewußtsein, das 
dem Franzosen seine Vergangenheit, der 
natürliche Reichtum des Landes und die 
Größe seines Imperiums erlauben, etwas 
wesentliches preiszugeben, hat Pêtain sei 
nen Landsleuten wiederum geraten, die 
Tatsachen konkret, realistisch anzusehen. Er 
hat ihnen nichts versprochen, als daß sie auf 
ehrenwerte Weise inmitten einer an allen 
Ecken nun in Konflikt geratenen Welt re 
giert würden, wie von Treuhändern, die 
für ihre Tätigkeit außer der Hoffnung auf 
die verständnisvolle Zustimmung einer ge 
recht urteilenden Nachwelt nichts erwarten. 
Es ist bemerkenswert, daß außer der Ar 
beiterschaft keine Volksschicht für diese aske- 
rische Art von Regierung tieferes Verständ 
nis bezeugt als die Jugend. Abgesehen von 
einigen Hitzköpfen und ganz besonders im 
unbesetzten Gebiet folgt sie dem Marschall. 
Die dritte Republik, der Typ des schwatzen 
den, schmausenden, unsportlichen Politikers 
war ihr zuwider, und wenn die Nationale 
Revolution Pètains sie auch nicht gerade 
begeistern kann — denn dazu ist diese zu 
konservativ — so hat sie doch ihr Vertrauen 
gewonnen. 
* * * 
Aber die Juden nahmen sie nicht mit 
pa. Budapest, 20. Januar. 
Drahtbericht unseres Mitarbeiters. 
Die Mitglieder der USA.-Gesandtschaft 
und die Angehörigen der amerikanischen 
Kolonie in Ungar» haben jetzt in einem 
Sünderzug Budapest verlassen, um sich über 
Kroatien und Italien nach Marseille zu be 
geben, wo für sie ein Dampfer zur Ueber- 
fahrt bereitsteht. Es ist erwähnenswert, daß 
die Gesandtschaft die Mitnahme von etwa 
130 ungarischen Juden, die in der letzten 
Zeit die USA.-Staatsbürgerschaft erworben 
hatten, verweigerte. 
Die Türkei erhöht die Sienstzeit 
Drahtbericht unseres Mitarbeiters, 
re I st a n b u l, 20. Januar. 
Die Regierung hat der türkischen Natio 
nalversammlung einen Antrag auf Ver 
längerung der Militärdienstzeit von 2 auf 
3 Jahre vorgelegt. Die Gültigkeit des Ge 
setzes soll auf die Dauer des gegenwärtigen 
Krieges beschränkt bleiben. Das Gesetz wird 
beschleunigt verabschiedet werden. 
Die Anlertzaus-Revolte gegen 
Churchill 
dp. Stockholm, 20. Jan. 
Drahtbericht unseres Mitarbeiters. 
In London bereitet sich eine Art Revolte 
gegen Churchill vor. Eine Anzahl von Ab 
geordneten und Politikern, die während 
seines Aufenthaltes in Amerika sich über 
die Ursachen der Niederlagen in Singapur 
ihre Gedanken gemacht haben und jetzt be 
fürchten, daß der Premier nur dort wieder 
anfangen wolle, wo er vor seiner Abreise 
aufgehört habe, trat gestern zu einer Be 
sprechung zusammen, in der die nächsten 
Schritte der Opposition besprochen werden 
sollten. Sie reicht über alle Parteien hin 
weg, und ihr erstes Ziel dürfte sein, eine 
Unterhausdebatte herbeizuführen. 
Die „Times" haben im Leitartikel aus 
führlich auf Wunsch der Freunde Churchills 
gegen den Plan polemisiert, einen Empire- 
Kriegsrat einzurichten. Hier ist wohl der 
Einfluß des Premiers zu spüren. Er selber 
hat sich schon vor Monaten dem Gedanken 
eines Empire-Kriegsrates und der Auf 
nahme von Vertretern in das Kriegskabi 
nett widersetzt. 
Tavoy von den Japanern besetzt 
DNB. Stockholm, 20. Jan. Das britische 
Hauptquartier im Südwestpazifik gibt nach 
einer Reutermeldung zu, daß die Japaner 
die wichtige Hafenstadt Tavoy in Nieder- 
Burma besetzt haben. Die Engländer hät 
ten sich wegen der Ueberlegenheit der feind 
lichen Streitkräfte zurückgezogen. 
Tavoy ist die bedeutendste Stadt der 
Provinz Tenasserim und bildet ein Zen 
rum der burmesischen Zinnproünktion. Es 
hat etwa 100 000 Einwohner.
	        
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