Full text: Newspaper volume (1942, Bd. 1)

135. Jahrgang 
AchleswLg-Hollîànschê 
135. Jahrgang 
LanöesZeitun 
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Freitag, den 8. Zanuar 
1842 
Mlķk Scfinigt Den («glissen ittgggg gal gen HS! 
DNB. Stockholm, 8. Jan. Die brüske Ab 
kehr Australiens vom englischen Mutter 
land, bas die Verteidigung dieses entlege 
nen Dominiums nicht mehr gewährleisten 
kann, hat in der britischen Öeffentlichkeit 
offenbar erhebliche Beunruhigung hervor 
gerufen. Deshalb hat es der Londoner 
Nachrichtendienst für nötig gehalten, eine 
Entschuldigung für den australischen „Sci- 
tensprung" mit dem auf die reiche Erbschaft 
des Empires" lüsternen Vetter senjeits des 
Atlantik zu erfinden. Nach der bezeichnen 
den Versicherung, daß Australien jetzt kein 
„unzivilisiertes Land" sei, wird wörtlich 
erklärt: 
Als der erste Schock von Japan kam, war 
es verständlich, daß Australien in Sorge 
war, und daß Curtin sagte: „Australien 
schaut nach Amerika". Denn dieser Krieg ist 
ein gemeinsamer Krieg, daher kann man 
Curtin verstehen. Wir kämpfen aus sehr 
realistischen Gründen, nicht, um der Welt 
geschichte eine neue Seite der Romantik hin 
zuzufügen. Churchill steht ebenfalls nach 
Washington. Australien wünscht jedoch, daß 
der sogenannten australischen Ecke im Pazi 
fik mehr Aufmerksamkeit entgegengebracht 
wird". 
Es wird damit also ausdrücklich zuge 
geben, daß nicht nur Australiens Minister 
präsident Curtin, sondern sogar der in die 
Enge getriebene Bankrotteur Churchill selbst 
in der völligen Unterordnung unter das 
Diktat des machtgierigen Judenpräsidenten 
im Weißen Hause zu Washington seine» 
letzten Rettungsanker sieht. 
Der beginnende Konkurs des einst so 
stolzen britischen Empires findet auch in 
einer Erklärung des stellvertretenden Mi 
nisterpräsidenten Attlee seine Bestätigung, 
der sich bemühte, den Bittgang Churchills 
nach Washington vor dem Unterhaus zu 
beschönigen. 
Das Haus solle die „zwingenden Gründe" 
anerkennen, so bettelte Attlee, die Churchill 
veranlaßt haben, den Atlantik zu über 
queren. Der Besuch des Premierministers, 
Beaverbrooks und der hohen Stabsoffiziere,' 
die sie begleiteten, habe zu einer Einigung 
und zu einem Zusammenwirken in einem 
solchen Grade geführt, daß er nicht glaube, 
daß durch andere Mittel als persönlichen 
Kontakt eine solche Einigung hätte Zustande 
kommen können. 
Wie man sieht, findet es Attlee bereits 
ganz in Ordnung, daß die augenblicklichen 
Lenker der Geschicke des britischen Empires 
wie irgendwelche mittelamerikanischen Mi 
niatur-Präsidenten von Dollars Gnaden 
zum Befehlsempfang in Washington erschei 
nen. 
Scharfe Kritik an der vstasienposisit 
î/ņmer bedrohlicher werdende Lage 
der Brrten in Oftasien löste nach einer Reu- 
ter-Meidung im Unterhaus eine lebhafte 
Debatte aus bei der die Maßnahmen der 
Regierung scharfstens kritisiert wurden. 
Der Abgeordnete Southey fragte, was der 
Grund gewesen sei, um die Schlachtschiffe 
„Prince of Wales" und „Repulse" allein 
nach Singapur zu schicken. Der Abgeordnete 
Percy Harris betonte, daß die Lage im Pa 
zifik ein gutes Teil Ansklärung erfordere. 
Er warnte davor, den Pazifik als zweit 
klassigen Kriegsschauplatz zu betrachten. 
Der nationalliberale Abgeordnete Gran 
ville erklärte u. a.: „Es muß etwas nicht in 
Ordnung sein, wenn der Premierminister 
von Australien sich direkt mit Roosevelt 
in Verbindung setzen muß." Besonders 
scharf kritisierte der Labour-Abgeordnete 
Stokes die Politik Churchills, indem er 
sagte: „Ich bin manchmal ärgerlich über die 
Selbstzufriedenheit der alten Männer im 
Kabinett, die keine richtige Erfahrung in 
der Führung eines Krieges besitzen. Ich 
muß mich über eine lange Reihe von Feh 
lern beklagen, die den Chefs der General- 
stäbe oder dem Verteidigungsminister 
(Churchills oder dem Kriegskabinett zuge 
schrieben werden müssen..." 
Veikeeer britischer Rückzug 
in Westmalaia 
DNB. Stockholm, 8. Jan. Wie Reu 
ter aus Singapur meldet, mutzten sich die 
britischen Truppen einem am Donnerstag 
vom britischen Hauptquartier ausgegebenen 
Communique zufolge aus der westlichen 
Malaienhalbiusel weiter zurückziehen, nach 
dem es der japanische« Infanterie gelungen 
war, in ihre Verteidigungslinien einzu 
brechen. Sie zögen sich bis südlich des Slim- 
Flusses in Unter-Perak zurück und erlitten 
„einige Verluste". In dem Communique 
wird weiter von „schwerem feindlichem 
Druck" auf die untere Perak-Front im gan 
zen Verlaus des Mittwoch gesprochen. 
Der Slim-Fluß ist ein Nebenfluß des 
Bernam-Flusses, der Perak von Selangor 
trennt. 
Ei« amtlicher Bericht des japani 
schen Hauptquartiers meldet, daß Armee 
flugzeuge in wiederholten Angriffen auf 
das Singapurer Gebiet Flugplätze bom 
bardiert haben. Militärische Anlagen wur 
den zerstört, sechs Spitfire abgeschossen. 
Japanische Stoßtrupps nahmen am Mitt 
wochnachmittag eine nicht näher bezeichnete 
Stadt in der Malaia-Provinz Selangor. 
* * * 
Der Prozeß gegen die Massenmörder 
von Abbeville 
handlungstag im Prozeß gegen die Haupt- 
verantwortlichen des Blutbades von Abbè- 
ville brachte am Mittwoch in Amiens die 
Vernehmung der Angeklagten Leutnant Ca 
ron und Sergeant Mollet. Die beiden ver 
suchen, bei dem Verhör jede Verantwortung 
von sich abzuwälzen und machten ihrerseits 
den inzwischen verstorbenen Hauptmann 
Dingeon für die Ermordung der 21 Zivilge 
fangenen am 20. Mai 1940 verantwortlich. 
Im übrigen setzten sich die Aussagen von 
Earon und Mollet aus den unglaublichsten 
Widersprüchen zusammen. Auch widerriefen 
die beiden ihre bereits früher gemachten 
Aussagen zum größten Teil. So behauptete 
Mollet einmal, bei der Erschießung über 
haupt nicht zugegen gewesen zu sein, wäh 
rend er dann wieder angesichts des erdrük- 
keuden Beweismaterials zugeben mußte, 
daß er nicht nur selbst geschossen hat, sondern 
auch den Soldaten Befehl gab, auf die an die 
Wand gestellten Zivilisten zu feuern. Caron 
behauptet sogar, er habe die Hinrichtung ver 
hindern wollen, sei aber leider einige Minu 
ten zu spät gekommen. Es sei ihm jedoch ge- 
lunden, die Ermordung der restlichen 57 De 
portierten zu verhindern. Obschon der Leut 
nant sich völlig reinzuwaschen versuchte, 
mußte er schließlich doch zugeben, daß er kurz 
vor dem Massaker in den Keller des Kioskes 
gegangen sei, um, wie er sich ausdrückte, die 
gequälten und vor Schmerz wimmernden 
Zivilisten zu beruhigen. Worin diese „Beru 
higung" bestand, enthüllte die Vernehmung 
einiger Zeugen. Danach war Caron in trun 
kenem Zustande in den Keller eingedrungen 
und brachte durch sein wildes Gebaren, dem 
er mit gezogenem Revolver und der Dro 
hung, die Gefangenen alle niederzuschießen, 
noch Nachdruck verlieh, die Panik auf den 
Höhepunkt. 
Zur endgültigen Klärung der Vorgänge 
am Morgen des Bluttages und der Rolle, die 
die beiden Angeklagten dabei gespielt 
hatten, wird sich das Kriegsgericht am Frei 
tag zu einem Lokaltermin nach Abbeville 
begeben. 
Neuer USA.-Botschaster in der Türkei. 
Wie Reuter meldet, wurde der bisherige 
USA.-Botschaster in der Sowjetunion 
Steinhardt als Nachfolger Mac Murrays 
zum Botschafter in der Türkei ernannt. 
Beide befinden sich gegenwärtig in den 
Bereinigten Staaten. 
Heldenmütige Infanterie 
DNB. Berlin, 8. Jan. Ein vorgeschobe 
nes deutsches Jnfanteriebataillon hielt im 
Südteil der Ostfront einen kleinen Ort an 
der Bahnlinie. In der Neujahrsnacht wur 
den unsere Infanteristen von zahlenmäßig 
überlegenen Feindkräften angegriffen. Die 
Bolschewisten stießen beiderseits des Bahn 
hofs vor, umgingen die Flankensicherung 
des Bataillons und schlossen es ein. Ganz 
auf sich allein gestellt, hielt das Bataillon in 
heldenmütiger Abwehr seine Stellung, ob 
wohl der Gegner seine Angriffe mit Pan 
zerunterstützung während mehrerer Tage 
und zum Teil auch in der Nacht wiederholte. 
Erst als Mangel an Munition und Ver 
pflegung eintrat, mußte sich der Bataillons 
kommandeur entschließen, sich mit seinen 
tapferen Soldaten zu den eigenen Truppen 
durchzuschlagen. In der Nacht zum 4. Ja 
nuar trat er zum Angriff an, der zu einem 
Durchbruch des Umschließungringes führte. 
Nach heftigem Kampf, der, wie schon an den 
Vortagen, den Bolschewisten schwere blu 
tige Verluste brachte, erreichte das Jnfan 
teriebataillon die eigenen Linien. 
Schneidiger Gegenangriff 
einer deuļschen Division 
An einer Stelle des mittleren Frontab 
schnitts war es den Bolschewisten infolge 
des hier zahlenmäßig besonders starken Ein 
satzes ihrer Kräfte gelungen, einen Ein 
bruch j« -je deutschen Stellungen zu er 
zwingen. Die Einbruchsstelle war von den 
Truppen der hier eingesetzten deutschen Jn- 
santeriedivisio» sofort abgeriegelt worden, 
und am 7. 1. traten die Truppen dieser Di 
vision trotz des herrschenden Schneetreibens 
znm Gegenangriff au. 
Dem trotz der ungünstigen Wetterlage 
mit großem Schneid vorgetragenen deutsche» 
Angriff konnte der Feind nicht widerstehen, 
sondern mußte unter schweren Verlusten au 
Mensche» und Material das Kampsfeld räu 
men. Auch eine Ortschaft, die von den deut 
schen Truppen zur Vermeidung unnötiger 
Verluste geräumt gewesen war, wurde im 
Gegenstoß wieder genommen. 
Kriegswichtige Ziele Leningrads unter 
deutschem Artilleriebeschuß. 
DNB. Berlin, 8. Jan. Vor Leningrad 
eingesetzte Artillerie des deutschen Heeres 
nahm im Laufe des Mittwoch erneut kriegs 
wichtige Ziele in Leningrad unter wirk 
sames Feuer. Obwohl das stellenweise herr 
schende starke Schneetreiben die Sicht sehr 
erschwerte, wurden mehrere gutliegende 
Treffer in Kasernen, Fabrikanlagen und in 
einem Elektrizitätswerk erzielt. 
Feindliche Kampfflugzeuge versuchten im 
Laufe des Tages, die von den deutschen 
Truppen besetzte Küste der Leningrader 
Bucht anzufliegen. Sie wurden jedoch von 
der deutschen Flakartillerie unter Feuer ge 
nommen und zum Abdrehen gezwungen. 
Zwei bolschewistische Flugzeuge wurden ab 
geschossen. 
Gegen eine« in- deutscher Hand befind 
lichen Brückenkopf im Südteil der Ostfront 
unternahmen die Bolschewisten am 7. Jan. 
mehrere heftige Angriffe, die völlig ergeb 
nislos blieben. Die deutschen Soldaten füg 
ten dem Feind schwerste Verluste zu. — Im 
mittleren Teil der Ostfront verhinderte ein 
Vorstoß deutscher Pauzerkampswagen die 
Durchführung eines bolschewistischen An- 
üriffs. 
Der Führer verlieh Ritterkreuze 
DNB. Berlin, 8. Jan. Der Führer und 
Oberste Befehlshaber der Wehrmacht ver 
lieh das Ritterkreuz an: 
Generalleutnant Schlieper, Komman 
deur einer Infanteriedivision, 
Generalmajor M a r t i n e k, Führer einer 
Infanteriedivision, 
Oberstleutnant I. G. Bayerlein, Chef 
des Generalstabes deutsches Asrikakorps, 
Major Herrmann, Bataillonskomman 
deur in einem Infanterieregiment, 
Leutnant M a r t i «, im Stab eines Infan 
terieregiments, 
Leutnant Meyer, Flugzeugführer iu 
einem Zerftörergeschwader, 
Obcrgesreiter S ch ö p s e r, in einem Jnsan- 
terieregiment. 
Mieder blusige Verluste der Sowjels 
au der Sstftenk 
DNB. Aus dem Führerhauptquartier, 8. 
Jan. Das Oberkommando der Wehrmacht 
gibt bekannt: 
Im mittleren und nördlichen Abschnitt 
der Ostfront wiederholte der Feind auch 
gestern unter blutigen Verlusten seine An 
griffe. An einzelnen Stelle« sind die Kämpfe 
noch im Gauge. 
Die Lustwaffe griff Kaianlagen und 
Schisssziele im Haseu von Feodosia erfolg 
reich au. An den übrigen Frontabschnitten 
setzte sie die wirksame Bekämpfung der an 
greifenden Sowjets sort und bombardierte 
rückwärtige Verbindungen des Feindes. 
Vor der schottischen Küste versenkten 
Kampfflugzeuge bei Tage ein Handelsschiss 
von 6000 BRT. Ein weiteres Schiss wurde 
durch Bombenwurf schwer beschädigt. 
In Nordasrika lebhaftes feindliches Ar 
tilleriefeuer im Raum von Sollum. An den 
übrigen Abschnitten der Front keine wesent 
liche Kampftätigkeit. 
Die Luftangriffe aus britische Flugplätze 
aus der Insel Malta wurden mit Erfolg 
fortgesetzt. 
In den frühen Morgenstunde» des 7. Ja 
nuar warfen einige britische Flugzeuge 
wahllos Bombe« auf Orte in Westdeutsch 
land und im norddeutschen Küstengebiet. 
Schaden entstand nicht. 
Vcttenkreuzer „Mbe" gesunken 
DNB. Rom, 8. Januar. Der italienische 
Wehrmachtbericht vom Donnerstag hat fol 
genden Wortlaut: 
^ In der Nacht zum 18. Dezember griffe» 
Sturmkampsmittel der Kriegsmarine, die 
in den Hafen von Alexandrien eingedrun 
gen waren, zwei vor Anker liegende eng 
lische Schlachtschissc an. Erst jetzt trifft die 
Bestätigung ein, daß ein Schlachtschiff von 
der Valiant-Klasse schwer beschädigt und ins 
Trockendock übergeführt wurde, wo es sich 
zur Zeit noch befindet. 
Auf Grund von schwimmenden Schiffs 
teilen, die von unseren Einheiten aufge 
funden wurden, konnte man feststellen, daß 
der englische Kreuzer „Phoebe", der vor 
Tobruk von italienischen Torpedoflugzeu 
gen durch drei Torpedos getrosse« wurde 
(siehe Wehrmachtbcricht vom 2. Dezember 
1941), gesunken ist. 
Der heftig blasende Ghibli verhinderte 
bedeutende Operationen in der westliche» 
Cyrenaika. 
Auf den Stellungen von Sollum und Hal- 
faya übte der Feind weiterhin einen star 
ken Druck aus. 
Wegen ungünstiger Witterungsverhält- 
nisse geringe Fliegertätigkeit aus beiden 
Seiten. Unsere Luftwaffe griff militärische 
Ziele an, wo Brände verursacht wurden. 
Die Luftwaffe des Feindes wars Bomben 
aus Tripolis, die nur unbedeutende Schä 
den verursachten. 
Die Luftangriffe der Luftwaffe der Achse 
aus Malta wurden fortgesetzt. 
Reichspostmiuister Dr. h. c. Ohnesorge gaļ 
Donnerstag zu Ehren des italienischen Ver- 
kehrsministers Host Venturi einen Emp 
fang im Hotel Adlon.
	        
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