Full text: Newspaper volume (1942, Bd. 1)

Stadt Rendsburg 
Donnerstag, den 12. März 1942. 
Heldengedenttag 
Der kommende Sonntag steht tm Zeichen 
der Helden, die ihr Leben opferten im 
Kampf für Führer und Reich. Um sie trau 
ert unser ganzes Volk, denn ihr Opfer 
sichert dem Reich die Zukunft und unserem 
Volk das Leben. 
In Rendsburg wird der Standortälteste 
Oberst Esser vormittags um 10 Uhr am 
Ehrenmal auf dem Garnisonfriedhof einen 
Kranz niederlegen. Bei allen Truppenein 
heiten finden schlichte militärische Feiern 
statt. In den Mittagsstunden ist Gemein- 
schastsempfang der Uebertragung einer be 
sonderen Gedenkfeier der Wehrmacht vor 
gesehen. 
Dre Hoheitsträger der NSDAP, werden 
. in allen Ortsgruppen unseres Kreises an 
i den Ehrenmalen Kränze niederlegen und 
.• ärr Gefallenen unseres Volkes gedenken. 
Die Beflaggung hat am Heldengedenktag 
vollstock zu erfolgen. 
7. Srgelfeîersļmrde in 8f. Binnen 
Das Programm der am kommenden 
Sonntag (Heldengedenktag) nachmittags 5 
Uhr in der St. Marienkirche stattfindenden 
7. Orgelfeierstunöe dieses Winter ist ganz 
auf den Gedanken einer würdigen Helden 
ehrung eingestellt. Der Rendsburger Män 
nerchor, der in diesem Jahre auf sein 100- 
jähriges Bestehen zurückblicken kann, bringt 
vier Chorlieüer, und zwar „Wanderers 
Nachtlied" von Kuhlau, „An das Vater 
land" von Konradin Kreutzer, „Dem An 
denken der Gefallenen" (mit Orgel) von 
Wohlgemuth und Silchers Lied „Der gute 
Kamerad". Die Leitung der Chöre liegt in 
Händen Werner Sprungs. Diese Münner- 
chorsätze wechseln mit Orgelsoli, Lesungen, 
einem gemeinsam gesungenen Volkschoral 
aus dem Weltkrieg 1914/18 und einer kur 
zen Ansprache ab. — Organist Werner 
Sprung spielt Orgelwerke von I. Rhein 
berger (Präludium in c-moll und „Klage"), 
Emil Sjögren (zwei Legenden), I. G. Wal 
ther und Joh. Seb. Bach (Präludium und 
Fuge in ö-moll). Eintritt und Programm 
zu dieser Veranstaltung sind frei! 
Punkt-Vorgriff für Jugendliche 
Der Sonderbeauftragte für die Spinn 
stoffwirtschaft hat Punkt-Erleichterungen 
für Jugendliche angeordnet. Auch in diesem 
Jahre ist die Herausgabe einer Zusatzklei- 
öerkarte zur dritten Reichskleiderkarte für 
solche Jugendliche angekündigt worden, die 
in gewissen Altersstufen einen besonders 
hohen Verschleiß an Kleidern haben oder 
die zum ersten Male in einen Beruf ein 
treten. Es handelt sich dabei um die 13—17- 
jährigen, insbesondere also auch um die zu 
Ostern aus der Schule zu Entlassenden. Da 
nun aber aus technischen Gründen mit der 
Herausgabe der geplanten Zusatzkleider 
karte nicht vor Ende März gerechnet werden 
kann, würden diejenigen Jugendlichen, die, 
wie z. B. die aus der Schule zu Entlassen 
den, sofort für notwendige Anschaffungen 
Punkte brauchen, in Schwierigkeiten gera 
ten, da die nächsten 20 Bezugsabschnitte der 
dritten Reichskleiderkarte für weibliche Ju 
gendliche erst am 1. April, für männliche 
erst am IS. April 1942 fällig werden. Hier 
greift nun die neue Durchführungsanord 
nung mit der Vorschrift ein, daß die mit 
dem Aufdruck „Gültig ab 1. 4. 1942" und 
„Gültig ab 18. 4. 1942" versehenen Bezugs 
abschnitte der dritten Reichskleiderkarte al 
ler in der Zeit zwischen dem 2. September 
1923 und dem 1. September 1928 geborenen 
Jugendlichen bereits am 10. März fällig 
werden. 
Vcrdnnkclungszeit: 8.—14. März 19.18—7.18 
* Der Staatssekretär für Fremdenverkehr 
hat die Gültigkeitsdauer seiner Anordnung 
zur Lenkung des Reiseverkehrs vom 24. 11. 
1941 bis zum 30. 4. 1942 verlängert. Gleich 
zeitig ist eine neue Anordnung zur Rege 
lung des Reiseverkehrs in der Zeit nach 
dem 1. Mai angekündigt worden. 
* Wir haben noch 15 Tage länger Zeit für 
das Verschicken der Osterpost. Der gestern 
an gleicher Stelle genannte Termin IS.März 
war eben so ein von uns unverschuldetes 
Versehen wie die Bemerkung:. . . das letzte 
Osterpaket zur Front. Es heißt also: Am 
25. März das letzte Osterpaket zur Post! 
Bekanntlich ist augenblicklich das Höchstge 
wicht für Sendungen aller Art an die Front 
100 Gramm, so daß mit unsrer gestrigen 
Notiz nur die allgemeine Osterpost gemeint 
sein kann. 
* * * 
Achtung, Flugmodellbauer! Der Baudienst ist für 
Gruppe 1 Sonntags von 9.30 bis 12.00 Uhr, sür Grup 
pe 2 Montags von 15.99 bis 18.99 Uhr u. für Gruppe 3 
Donnerstags von 14.99 bis 17.99 Uhr. Jeder Junge 
vom Jungvolk kann daran teilnehmen. 
* Die Prüsung der ausgebildeten Feldschere in 
Rendsburg findet nicht am Donnerstag, dem 12. März, 
sondern am Dienstag, dem 17. Marz, statt. 
* Marine-HI. Sämtl. Kam.-Führer heute 29 Uhr: 
Haus der Jugend. — Schar heute „19.39 Uhr: Weiche. 
Hohenivestedt. Am Heldengedenktag, dem 
18. 3. 42, wird in kur Kirche der Gefallenen 
des Kirchspiels gedacht werden. Der neue 
Heizkessel ist inzwischen aufgestellt und in 
Betrieb genommen, so daß die Kirche nach 
einer fast 3jährigen Pause nun wieder ge 
heizt sein wird. — Die Konfirmation findet 
am Palmsonntag, dem 29. 3., statt. Es wer 
den in diesem Jahr 80 Konfirmanden ein 
gesegnet werden. 
rb. Langwedel. Bestandene Prüfung. Der 
Forstarbeiter Bernhard Storm von hier, der 
vor zwei Jahren als Forstschutzgehilfe nach 
dem Warthegau abkommandiert wurde, hat 
nun nach Lehrgängen ans der Forstschule 
seine Försterprüfung mit sehr gut bestanden 
und wird im Mai eine Försterstelle im 
Warthegau übernehmen. Seine Frau mit 
fünf Kindern wird ihm demnächst nach dem 
Warthegau folgen. 
Hz. Schwabstcdt. Sein 80. Lebensjahr voll 
endet am 12. März der Bauer Joh. Schier 
holz in Hude bei Schwabstcdt. Er ist noch 
sehr rüstig und geistesfrisch und entstamm! 
einer alten Familie, die hier schon lange 
ansässig ist. Er hat früher aktiv bei den See 
soldaten gedient. Sein einziger Sohn fiel im 
Weltkrieg und seine Ehefrau starb vor Jah 
ren. Die Angehörigen der Familie Schier 
holz erreichten immer ein hohes Alter. So 
wird eine Schwester in diesem Jahre 87 
Jahre alt. — Ihr 80. Lebensjahr vollendet 
die Altenteilerin Sophia Speck, Wischhof bei 
Schwabstedt. Sie ist noch sehr rüstig und hat 
viele Jahrzehnte ihren Hof selbst verwaltet. 
Kieler Ritterkreuzträger sprach in der 
Kriegsmarinestadt. 
Kiel. Ritterkreuzträger Oberleutn. Cord 
Tietjen, ein ehemaliger Schüler der Hebbel 
schule, schilderte vor den begeistert mit 
gehenden Jungen der Kieler Oberschulen 
in der Aula seiner früheren Schule seinen 
Einsatz als Fallschirmjäger. Bor den Zu 
hörern erstand ein packendes Bild jener 
Kämpfe in Holland und Kreta, die den Mut 
und die Einsatzbereitschaft unserer Fall 
schirmjäger unter Beweis stellten. 
Feige Fahrerflucht. 
Kiel. Im Knooper Weg ereignete sich bei 
der Kreuzung Gutenbergstr.-Lehmberg ein 
schwerer Verkehrsunfall. Ein Personen 
kraftwagen stieß gegen eine ihm entgegen 
kommende schottische Karre, die von zwei 
Personen geschoben wurde. Hierbei wurde 
ein älterer Mann lebensgefährlich verletzt. 
Der Kraftfahrer fuhr, ohne zu halten, mit 
erhöhter Geschwindigkeit davon. 
125 Jahre Bütje-Stiftuug. 
Meldors. Im Rathaus zu Meldorf kam 
die Administration der Bütjeschen Stiftung 
zusammen, um die 128. Jahresrechnung 
dieser segensreichen Meldorfer Stiftung 
zu beschließen. Für 1941 beliefen sich Ein 
nahmen und Ausgaben der Stiftung auf 
je 17 221 JLJt. Die Einnahmen entstehen 
aus der Verpachtung von 49 Hektar Lände 
reien und aus Zinsen eines Kapitalvermö 
gens von rd. 180 000 JUt: Zu % kommen 
die Ueberschüsse der Stiftung der Meldorfer 
Oberschule, zu y 3 den Meldorfer Volks 
schulen zugute. Der Hauptzweck der Stif 
tung, „die Erhaltung und Verbesserung 
des Meldorfer Schulwesens", ist damit er 
füllt. Die Oberschule erhielt bis 1918 an 
Zuwendungen rund 400 000 und die Volks 
schulen rd. 200 000 JUt. Die Inflation ent 
wertete das bis 1918 auf 480 000 JIM ange 
sammelte Stiftungskapital auf rd. 73 000 
JUt. Das Barvermögen der Stiftung be 
läuft sich jetzt wieder auf 130 000 JUt) es 
kann nicht weiter anwachsen, weil seit 1938 
mit Genehmigung der Stiftungsaufsichts 
behörde die jährlichen Ueberschüsse nicht 
Die sieben Kleiden 
den Katnin 
Roman von Gist Gruber 
Lopyright 1940 by Kranich Berlag, Berlin 
42) Nachdruck verboten. 
„Ich hör' immer Handlung", brummt 
Herr Lustig. „Seit wann haben Normen 
Handlung? Spitzen und Seide, herrliche 
Dekorationen und wunderbar angezogene 
Mädel, das ja, aber Handlung? Die baut 
man bloß andeutungsweise für die Kritik 
ein, meist erst am Tage vor der General 
probe. Es merkt eh' kein Mensch was da 
von." 
„Aber der Herr Direktor", beharrt die 
Guöenius, „sagt doch —" 
„Herr Lustig hat leider recht", unterbricht 
Katrin. „In den letzten vier Wochen hat 
Herr Möderl schon fünf Librettisten hin- 
ausgeschimnen, weil keinem etwas zu den 
goldenen Flügeln einfällt. Und bis zur 
Premiere schmeißt er noch hundert weitere 
hinaus." 
„Und aus allen ihren Ideen, die sie nicht 
gehabt haben, macht er dann selber die 
Revue", sagt Annemarie kauend. „So ist es 
immer. Was geschieht denn eigentlich in 
dem Bild, das feststeht?" 
„Weiß ich?" murmelt Katrin. „Die Girls 
kommen als sehr sparsam befeöerte Bögel 
zur Vogelkönigin und wollen goldene Flü 
gel bekommen, damit sie nicht hinter den 
bunten Männchen zurückstehen müssen. 
Und da sinken vom Schnürboden goldschim 
mernde Schleiervorhänge herunter, wie 
Wolken, und wenn sie sich wieder erheben, 
dann haben alle Vögel goldene Gefieder 
und Flügel gekriegt, und der Obervogel, 
die Dünn, singt das Lied, das sie nicht und 
nicht erlernen kann." 
„Goldene Flügel tragen die Liebe..." 
tönt es über den Gang durch die geschlos 
sene Tür. 
„Du lieber Himmel!" seufzt Lustig auf. 
„Aber ich finde das Bild ausgezeichnet!" 
plädiert die Gudenius. 
„Die Musik ist nicht schlecht", gibt Katrin 
zu, „und die Kostüme sehen auf den Figuri 
nen reizend aus, aber —" 
Drüben setzt das Klavier aus, streitende 
Stimmen werden hörbar, und dann knallt 
die Tür zu. „Jetzt hat er sie hinausge 
schmissen", sagt Annemarie genußvoll. „Der 
arme Kestner!" 
Das Büro schmunzelt, jeder weiß, daß 
Annemarie eine stille Liebe für den Kor 
repetitor im gut wattierten Busen trägt. 
Wieder setzt das Klavier ein, aber diesmal 
hämmert es nicht unlustig, diesmal klingt 
es weich und lieblich herüber. „Auftritt der 
Girls", sagt Katrin, „das ist hübsch. Paßt 
ails, ich zeig' euch, wie es ist. Die kleinen 
Vögelchen kommen hereingeflattert und 
tanzen vor der Königin." 
Die Gudenius legt den Bleistift weg, An 
nemarie hört auf zu kauen, und auch Herr 
Lustig verläßt seinen Platz und kommt 
ganz nahe an das Gitter. 
Mit zierlichen Schritten und flatternden 
Handbewegungen trippelt Katrin im Takt 
der Musik durch das Zimmer, sie dreht und 
wendet sich, verneigt sich tief und schnellt 
wieder hoch und, nun die Musik zündender 
wird und synkopiert, knattert sie im Stepp 
schritt über das Parkett. Ihre Augen leuch 
ten, die Locken fliegen, der Musik hingege 
ben tanzt sie, und keiner der vier sieht, daß 
die Tür zum Zimmer des Direktors sich ge 
öffnet hat und Herr Möderl erstaunt der 
Szene zusieht. Ein vergnügtes Grinsen 
zieht über sein Raubvogelgesicht, behaglich 
lehnt er sich an den Türpfosten. 
Die Musik wird sanfter, spielerischer, das 
Motiv des Finaleliedes klingt auf. Lang- 
samer wird auch Katrins Tanz, und sic 
bleibt stehen. „Jetzt kauern die Girls auf 
dem Boden, die Schleier fallen über sie, 
und jetzt - Moment — jetzt ist die Ver 
wandlung. Die Schleier heben sich, die große 
Treppe wird sichtbar, über die singend der 
Obervogel herunterkommt, strahlend in gol 
denen Federn. Und aus allen Ecken und 
Winkeln tanzen die goldenen Vögel. Sie 
tragen große Fächer aus goldenen Strauß 
federn wie Flügel, und wenn die Dünn 
vorne an der Rampe steht und singt, liegen 
die vielen Girls mit ihren Fächern bedeckt 
wie eine große Schleppe hinter ihr und 
ziehen sich bis über die Treppe hinauf. Eine 
riesige Schleppe aus lauter lebendig wip 
penden Federn. Jetzt bin ich der Ober 
vogel, paßt auf!" 
Mit fließenden Bewegungen schreitet 
Katrin, und die Gudenius und Annemarie 
quieken auf vor Vergnügen, so wunderbar 
parodiert Katrin die Dönn. Und nun singt 
sie: 
„Goldene Flügel tragen die Liebe, 
Goldene Schleier fesseln den Blick, 
Goldener Zauber erfüllet die Träume, 
Sehnend erwart' ich das goldene Glück." 
Voll und weich klingt Katrins Stimme 
durch das Zimmer. Die Guöenius hat zu 
lachen aufgehört, mit offenem Munde starrt 
Annemarie, und Herr Lustig macht große 
Augen. „Sie können ja singen!" ruft er 
erstaunt, als das Lied.zu Ende ist. „Sie 
haben ja Stimme!" 
„Herrlich!" haucht die Gudenius, und 
Annemarie japst verblüfft: „Besser als die 
Dönn!" 
„Und richtiger", sagt Direktor Möderl von 
der Tür her. „Kommen Sie zu mir, bitte!" 
Die Guöenius klappt ehrfürchtig an ihren 
Schreibtisch, Herr Lustig kriecht beinahe in 
seinen Kassenschrank, und Annemarie greift 
nach ihrer Butterstulle. „Jetzt wird es aber 
was geben", sagt sie bedauernd, während 
Katrin hinter der direktorialen Tür ver 
schwindet. 
„Nehmen Sie Platz", sagt Möderl eifrig 
und schiebt Katrin einen Stuhl hin. „Mädel! 
Sie haben mich verblüfft! Ich habe es ja 
Ihrem Gang angesehen, daß Sie tanzen 
können, aber so stellte ich es mir nicht vor. 
Wo haben Sie denn das gelernt?" 
„Vom Zusehen", sagt Katrin lachend. „Ich 
hocke doch genug bei den Proben herum. 
mehr belegt, sondern restlos verteilt wer 
den. Nach Beendigung der Inflation wur 
den für Zwecke der Oberschule bis jetzt 
66 000 und für die Volksschulen 28 000 JIM 
gezahlt. 
Die jetzt 125 Jahre alte Stiftung, die der 
am 26. März 1817 verstorbene größte 
Freund des Meldorfer Schulwesens, Chri 
stian Bütje in Meldorf, testamentarisch 
festlegte, wird auch weiterhin zum Segen 
des Meldorfer Schulwesens fortwirken. 
Die Leiter der Westküstcn-Wirtschastsämter 
tagten. 
Meldorf. Die Leiter der innerhalb des 
Gebiets der schleswig-holsteinischen West 
küste liegenden Wirtschaftsämter trafen im 
Meldorfer Kreishaus zu einer Beratung 
wichtiger kriegswirtschaftlicher Angelegen 
heiten zusammen. 
Brunsbüttelkoog. 80. Geburtstag. Der 
Rentner Hermann Rolfs in Blangenmoor- 
Lehe begeht am 12. März in Frische und 
Rüstigkeit den 90. Geburtstag. 
Matthias Kruse-Elmshorn gestorben. 
Elmshorn. Kurz nach seinem 90. Geburts 
tage ist Mühlenbesitzer Matthias Kruse, 
Seniorchef der Firma Otto Blöcker, gestor 
ben. In manchem Ehrenamt hat der Heim 
gegangene seinen Mitbürgern gedient, u. a. 
über ein Jahrzehnt als Stadtverordneter. 
Er hat auch führend an dem Zustandekom 
men der wichtigen Hafenbahn mitgewirkt, 
vor allem aber wird ihm der Dank über das 
Grab hinaus folgen als dem Schöpfer der 
Liether Anlagen, einer herrlichen Er 
holungsstätte auf dem Dünensand der 
Liether Berge. 
Eine Hundertjährige. 
Westermoor. Am Freitag, 13. März, voll 
endet Frau Agneta Klaußen ihr 100. Le 
bensjahr. Sie ist am 13. März 1842 in 
Schlichting geboren und lebt jetzt bei ihrem 
hier wohnenden Enkel Klaus Thomsen. 
Frau Klaußen ist geistig noch rege, doch hat 
eine Erkältung sie vor längerer Zeit gesund 
heitlich so mitgenommen, daß sie seitdem ihr 
Bett nur noch selten verläßt. 
Jede angefaulte Kartoffel bedeutet eine 
Todesdrohung für alle gesunden! Darum: 
Seht eure Vorräte nach! 
Merzt alle verdorbenen Kartoffeln aus! 
Zeichn.: v. Lampe — Scherl-Bilderöienst-M. 
Das Steppen hat mir ein bißchen Mühe 
gemacht", gesteht sie, „aber dann hat mir 
der Ballettmeister es einmal ordentlich ge 
zeigt, und ich finde, daß es ausgezeichnet 
ist, statt der dummen Gymnastik frühmor 
gens zu tanzen. Es macht mir Spatz." 
„Und warum macht es Ihnen auf der 
Bühne keinen Spaß? Ich predige Ihnen 
seit Wochen, Sie sollen —" 
„Ich mag einmal nicht! Es ist kein Brot 
erwerb für mich, halbnackt auf der Bühne 
zu tanzen. Sie wissen, ich bin nicht ehr 
geizig." 
„Fräulein Katrin", sagt Möderl ernst, 
„es ist eine Sünde, Ihre Begabung nicht 
auszuwerten. Ich habe Sie im Sanatorium 
im Park oft genug singen hören, aber heute, 
im geschlossenen Raum, klang es ganz an 
ders. Ihre Stimme hat etwas, was die 
meisten Sängerinnen nicht haben: Wärme 
und Gefühl. Sie müssen —" 
„Ich muß gar nichts, Herr Direktor", sagt 
Katrin lachend. 
„Andere Mädel würden sich alle zehn 
Finger abschlecken, wenn sie so aussehen 
würden wie Sie, Ihre Stimme hätten und 
Tanztalent. Warum sind Sie so eigensin 
nig? Sie können ute Chorgirl bei mir um 
fünfzig Mark mehr verdienen als im Büro 
und haben noch massenhaft freie Zeit, mit 
der Sie anfangen können, was sie wollen." 
„Ich habe schon jetzt zuviel freie Zeit", 
sagt Katrin. „Nein, wirklich, Herr Direktor, 
ich bin vollkommen zufrieden im Büro. 
Geben Sie es auf, ich tauge nicht für die 
Bühne." 
. şch werde niemals aufhören, Ihnen 
eine wirkliche Karriere vorzuschlagen", be 
harrt Direktor Möderl. 
„Und ich werde niemals aufhören, sie ab 
zulehnen, Herr Möderl. Und jetzt gehe ich, 
wenn Sie erlauben, ich muß die Gagenliste 
fertig machen." 
(Forrjetzuttg jolgt.)
	        
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