Full text: Newspaper volume (1942, Bd. 1)

135. Jahrgang 
135. Jahrgang 
Renösburger Tageblatt 
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lung des Bezugspreis— TSr unverlangt eingebende Beiträge übernimmt die Schrlfkleitung keine Gewäbr. 
om. Berlin, 21. Februar. 
Drahtbericht unseres dipl. Vertreters. 
Nach seiner letzten Unterhausrede hat 
Churchill die Sitzung mit nachdenklichem 
Gesicht verlassen. Es war dem alten parla 
mentarischen Routinier nicht entgangen, 
daß er zum ersten Male auf eine ablehnen 
de, teilweise eisige Zurückhaltung des Un 
terhauses gestoßen war, die ihm nichts Gu 
tes verkündete. Die Frucht seines Nachden 
kens liegt in der neue« Kabinettsumbil 
dung, mit welcher er der parlamentarischen 
Kritik den Wind aus den Segeln zu nehmen 
hofft. Dieser Entschluß mag ihm sauer ge 
nug geworden sein, denn noch vor kurzem 
hatte er sich breitspurig vor das gesamte Ka 
binett gestellt und sich in der Pose des ,/gu 
ten Kameraden" gefallen, der seine Mitar- 
beiter nicht den Launen des Parlaments 
opfere. Nun hat er es doch getan, die Forde 
rung des Unterhauses nach Verkleinerung 
des engeren Kriegskabinetts erfüllt und zu 
gleich die Gelegenheit benützt, den erst vor 
14 Tagen zum Produktionsminister ernann 
ten Lord Beaverbrook, in welchem er 
einen der wenigen Mitbewerber um die 
Führmig des Staates fürchtet, aus dem Ka 
binett zu entfernen und nach den Vereinig 
ten Staaten zu schicken, wie vor einigen 
Jahren aus demselben Grund den Außen 
minister Lord Halifax. Dafür aber hat 
Churchill, um dem Parlament einen über 
zeugenden Beweis seiner Folgsamkeit zu 
geben, mit der Ernennung des Sir Stafford 
Cripps zum Mitglied des Kriegskabi 
netts einen Bissen verschlucken müssen, des 
sen Unverdaulichkeit auch durch den kräftig 
sten Schluck Whisky nicht gemildert wird. 
Dieser Mann, der wegen seiner bolschewisti 
schen Tendenzen aus der Arbeiterpartei 
zeitweise ausgeschlossen war, galt als eine 
der zweifelhaftesten Erscheinungen der eng 
lischen Politik, unter anderem, weil seine 
persönliche Lebensführung mit seiner radi 
kalen sozialistischen Predigt in allzu schrof 
fem Gegensatz stand. Es war der Abgeord 
nete Winston Churchill, der damals die Re 
de des bolschewistischen Dandy mit dem 
Ausdruck „ekelhaft" bezeichnete. 
Diesen Mann nun hat Churchill unter dem 
Druck der fortschreitenden Bolschewisierung 
der Presse, der öffentlichen Meinung, der 
Politik, vor allem aber der englischen society 
nicht nur in das Kabinett aufnehmen, son 
dern in den engeren Kreis seiner Berater 
ziehen müssen. Er hat sich mit dieser Konzes 
sion an Sir Stafford Cripps, einem der Vä 
ter des immer populärer werdenden Bünd 
nisses mit der Sowjetunion und besonderen 
Vertrauensmann Stalins, zweifellos über 
eine bedrohliche innerpolitische Situation 
hinweggeholfen, denn das Parlament wird 
die Taten dieses reorganisierten Kriegska 
binetts abzuwarten haben. Gleichzeitig aber 
hat Churchill in dem laufenden Prozeß der 
Bolschewisierung Englands einen wichtigen 
Schritt nach vorwärts getan, indem er den 
Mann, der diese Tendenzen der englischen 
Entwicklung am sichtbarsten verkörpert, maß 
gebenden Einfluß auf die Führung des Krie 
ges einräumte. Nach der Meldung eines 
schwedischen Blattes ist es zwischen dem 
Sowjetbotschafter Maisky und britischen 
Propagandastellen wegen der englischen Um 
dichtung der „Internationale" zu heftigen 
Meinungsverschiedenheiten gekommen, weil 
die beauftragte Dame aus dem Haßgesang 
der internationalen Arbeit einen dünnen 
Teeaufgutz für empfindliche englische Pluto- 
kraten gemacht hatte. Dies wird in Zukunft 
nicht mehr Vorkommens dafür wird Sir 
Stafford Cripps, der junge Mann Stalins, 
in England schon sorgen. 
* 
Weiter wird noch zu diesem Thema ge 
schrieben: 
Die Hereinnahme von Cripps in das 
Kriegskabinett bestätigt von neuem die 
Churchillsche Politik der Auslieferung Eu 
ropas an den Bolschewismus. Die „New 
Lork Times" bestätigen in ihrer heutigen auch bei der gestrigen 12. Kall 
Stellungnahme zur britischen Kabinettsum- trotz der allseitigen Kritik au 
bildung ausdrücklich, daß mit der Herein- gischen Fähigkeiten diesen Po 
nähme von Cripps die Anerkennung der Das Beispiel Beaverbrook, 
Moskauer Forderungen auf freie Hand in servativer seit dem 2. Mai 194: 
Europa nach Friedensschluß unterstrichen Churchills arbeitete und nunm 
worden sei, während die englische Presse die- ster Sündenbock mit unbestim 
ses Thema bezeichnenderweise gar nicht oder ben nach den USA. abgeschobe 
nur sehr verschleiert berührt. Mit der Her- zeigt noch einmal mit aller 
einnähme von Cripps in sein Kriegskabi- mit welchen Tricks Churchill 
nett krönt also Churchill seine Politik der seiner Kriegführung auf ande 
Bundesgenossenschaft mit Stalin, nachdem beim Einsetzen eines neuen 
er mit der Sturheit des verzweifelten Ha- weils diesen als Helfer und \ 
sardeurs nicht nur das ihm anvertraute Not pries. Ueber Beaverbrm 
britische Empire, sondern auch die europäi- der Londoner Rundfunk am 3 
sche Kultur aufs Spiel gesetzt hatte. er sei der Mann, dem vor r 
Wenn man sich noch einmal die Lage vor uaten die britische Flugzeugp, 
Augen führt, in die England durch die vertraut worden sei. Er habe 
schweren Schläge auf allen Kriegsschau- gewirkt, daß es ihm seither zu 
Plätzen versetzt worden war, dann gewinnt daß Großbritannien in der L, 
die durch Churchill inszenierte Kabinetts- der Defensive in die Offensive 
Umbildung ein besonderes Gesicht. Churchill, Seine Ernennung gelte als 
der zu Kriegsbeginn als Erster Lord der Maßnahme für Größbritannst 
Admiralität in das Kabinett Chamberlain im Jahre 1942, die nicht nur ei 
eintrat und seitdem, wenn auch zunächst dern auch eine Landofsensim 
hinter den Kulissen, die Reihe der Minister- Beaverbrook werde außerdei 
Wechsel beeinflußte, erstrebte von Anbeginn terial in bedeutendem Ausmas 
maßgeblichen und alleinigen Einfluß auf sieren. Seine Ernennung zum 
die militärischen Maßnahmen, obwohl seine Materialbeschaffung sei dah 
strategischen Fähigkeiten sich bereits im schlaggebender Bedeutung für 
Weltkriege als mehr denn mittelmäßig er- nien und den Kriegsausgang, 
wiesen haben. Churchill hatte bekanntlich, Das sagte man, bevor der 
obwohl er als federführender Ressortmini- seine Fähigkeiten beweisen ko 
ster die eigentliche Verantwortung trug, die her, nach der gescheiterten Luf 
britische Norwegen-Katastrophe zum Sturze Kanal, nach der Reihe schwe 
Chamberlains auszunutzen gewußt. Seit- lagen in Ostasien und nach de^ 
dem hat Churchill trotz der unaufhörlichen ten Offensive in Nordafrika, e 
Kette militärischer Niederlagen, für die er chill Beaverbrook nach den UZ 
die alleinige Schuld trägt, den Posten des i sich selbst vor jeglicher Be 
Verteidigungsministers beibehalten und ' drückt und sie andern zuschiebt. 
Auskslien in heiler Aufregung 
ll Gens, 21. Februar. 
Drahtbericht unseres Mitarbeiters. 
Der fünfte Kontingent ist seit der Bom 
bardierung von Port Darwin an der Nord 
küste Australiens durch die Japaner in hel 
ler Aufregung. Der australische Premier 
minister Curtin wies in einer Erklärung 
daraus hin, daß die Lage Australiens außer 
ordentlich ernst sei. Die Veröffentlichung der 
Totalmobilmachung folgte der Erklärung 
auf dem Fuße: zu weiteren Kriegsmaßnah 
men wurde ebenfalls umgehend geschritten, 
und der Premier wies seine Landsleute dar 
auf hin, daß von jedem Australier erwartet 
werden müsse, daß er im schlimmsten Falle 
sich selbst und sein Vermögen dem Staate 
zur Verfügung stelle. Wie weiter über Sai 
gon verlautet, soll sich in der australischen 
Oeffentlichkeit eine große Unzufriedenheit 
über den Abzug australischer Soldaten für 
andere Kriegsschauplätze der Briten breit 
machen. 
UnUt, di? Mrehien... 
ll. Genf, 21. Februar. 
Drahtbericht unseres Mitarbeiters. 
Der kühne deutsche U-Boot-Vorstoß ins 
Karibische Meer und die Beschießung der 
Erdölraffinerie« von Arnda und Curacao 
haben in den Schissahrtskreisen von Vene 
zuela eine wahre Panikstimmung ausgelöst. 
Aus Caracas wird hierzu gemeldet, daß auf 
Grund eines Regierungsbeschlusses 14 Tan 
ker, die sich auf der Schisfsroute nach den 
Vereinigten Staaten befinde», telegraphisch 
aufgefordert wurden, umgehend in ihre Hei 
mat zurückzukehren. Auch in Washington 
hat der deutsche Vorstoß höchste Bestürzung 
hervorgerufen. Roosevelt hat sofort Be 
sprechungen mit Sachverständigen aus der 
Marine und Rüstung ausgenommen, um 
die Bewaffnung von Handelsschiffen nun 
mehr beschleunigt durchzuführen. 
* 
DNB. Berlin, 20. Febr. Wie aus Lissabo- 
ner Schissahrtskreisen verlautet, hat die er 
folgreiche Tätigkeit der deutschen Untersee 
boote im Karibischen Meer die amerikani 
sche Oeffentlichkeit außerordentlich erregt. 
Nach den Angaben der amerikanischen Zei 
tungen befürchtet nran, daß schon bis zum 
17. Februar bei Aruba und Curacao zehn 
Tanker den deutschen Unterseebooten zum 
Opfer gefallen sind. Als versenkt werden u. 
a. angegeben die Tanker „Bolivar" (2631 
BRT.j, „Chapito" 2650 BRT.j, „Peterna- 
les" (3945 BRT.j, „Oranjestaat" (3296 
BRT.j, „San Nicolas" (2391 BRT.j, „Tia 
Juana" <2395 BRT.j, „Monogas" (2650 
BRT.j und „Arkansas". Die Tanker „San 
Nicolas" und „Arkansas" liegen im flachen 
Wasser auf Grund, die übrigen Tanker sind 
überfällig und werden vermißt. Weitere 
Tanker wurden durch Torpedotreffer beschä 
digt. Die steigenden Tankverluste erregen 
die amerikanische Oeffentlichkett umsomehr, 
als nun auch der neue Riesentanker „H. A. 
Blum" (Ladefähigkeit 19 400 Tonnenj vor 
der Küste von Virginia durch ein deutsches 
Unterseeboot versenkt wurde. 
Seit dem ersten Auftreten deutscher Un 
terseeboote vor der nordamerikanischen Kü 
ste sind nach amerikanischen Angaben schon 
etwa 49 Tanker verloren gegangen. 
)n Gibraltar in die Last geflogen 
DNB. Rom, 21. Febr. Stefani meldet aus 
Algeciras: Ein britischer, auf der Reede von 
Gebraltar vor Anker liegender Küüv-BRT.- 
Dampser wurde durch eine Explosion zer 
stört. Die britischen Behörden schreiben die 
Vernichtung des Schiffes einem Sabotage 
akt zu und nahmen zahlreiche Verhaftun 
gen vor. 
Großangriff der Japaner 
gegen Java und Australien 
Pik von Bali 3200 Meter hoch 
DNB. Tokio, 20. Febr. Das Hauptquar 
tier der Marine gibt amtlich bekannt, daß 
bei einem Großluftangriff auf Australiens 
größte Flotten- und Luftbasts Port Darwin 
am Donnerstag 26 Feindflugzeuge abge 
schossen oder am Boden zerstört wurden. 
Versenkt wurden ein 6099-Tonneu:-Krenzer, 
zwei Zerstörer, ein Tanker und ein U-Vvot- 
jäger sowie neun Transporter. Ein weite 
rer Zerstörer wurde schwer beschädigt. Ne 
ben großen Zerstörungen der Hafenanlagen 
wurden Flugzeughallen, Kasernen und an 
dere militärische Einrichtungen schwer ge 
troffen. Die eigenen Verluste beiragen zwei 
Flugzeuge. Bei den vernichteten 26 Feind 
flugzeugen handelt es sich um die gesamten 
dort stationierten Flugzeuge. Ein feind 
liches Hospitalschiff wurde beim Angriff be 
wußt geschont. 
Die australische Hafenstadt Port Darwin 
war am 19. und 20. 2., wie bereits gemeldet, 
Gegenstand heftiger Angriffe der japanische« 
Luftwaffe. 
Dieser nordaustralische Hafen war ein 
wichtiger Punkt in dem strategischen Drei 
eck Port Darwin — Singapur — Hongkong 
und außer Sydney der einzige Kriegshafen 
des australischen Kontinents. Da Port Dar 
win über gut angelegte Flugplätze verfügt, 
stellt er einen wichtigen Luftstützpunkt dar. 
Im Luftverkehr war es ein bedeutender 
Durchlaufpunkt der Linie der Imperial- 
Airways, die von Lonöon-Kairo-Bagdad- 
Kalkutta-Singapur über Port Darwin nach 
Sydney und Melbourne führte. 
Aus Bali gelandet 
Nach Meldungen des Newyorker Senders 
haben japanische Streikräfte auf Bali Lan 
dungen durchgeführt. 
Bali ist die westlichste der niederländi 
schen kleinen Sunda-Jnseln, von Java durch 
die Bali-Straße getrennt, im Innern als 
In den 
fruchtbaren Küstenebenen wird in der 
Hauptsache Reis, Tabak, Baumwolle und 
Kaffee angepflanzt. Die Insel ist 5615 qkm 
groß und zählt rund 950 000 Einwohner. 
Bali bildet mit der Insel Lombok eine Re 
sidentschaft. Hauptort ist Singaradscha. 
Feindliche Kriegsschiffe gekapert 
Fünf Zerstörer von den Japanern 
schwerstens beschädigt. 
Flugzeuge der japanischen Marine führ 
ten am 18. Februar einen Massenangriff auf 
Soerabaya (Java» durch, wobei 13 USA.- 
Maschinen abgeschossen und im Hafen fünf 
Zerstörer schwerstens beschädigt wurden. 
Andere Einheiten der Marineluftwaffe 
zerstörten am 17. Februar bei einem Angriff 
auf Koepang, der Hauptstadt Niederländisch- 
Timors, 20 militärische Gebäude. Ein Han 
delsschiff von 3000 BRT. wurde versenkt. 
Bei Operationen in den Gewässern Su 
matras kaperten Marineeinheiten einen 
englischen U-Boot-Jäger sowie ein Minen 
räumboot. Je ein englisches und ein hollän 
disches Handelsschiff wurden aufgebracht. 
Ein feindlicher Marineflugzeugtender wur 
de versenkt. 
Das kaiserliche Hauptquartier gab be 
kannt, daß Flugzeuge des japanischen Hee 
res nach dem Angriff auf den Flugplatz von 
Buitzenzorg (Java), wo 27 feindliche Flug 
zeuge vernichtet wurden, am Donnerstag 
den Flugplatz von Bandoeng angriffen und 
19 amerikanische und niederländische Flug 
zeuge abschössen. 
Die japanischen Streitkräfte auf Sumatra 
werden fortlaufend verstärkt. Das von den 
Japanern besetzte Gebiet umfaßt heute schon 
Djambi und Palembang. Dieser Distrikt ist 
gleichzeitig das reichste Kautschukgebiet ganz 
Sumatras. 
^ Japanische Bomber griffen erstmalig die 
Stadt Mandaley in Zentral-Burma mit 
großem Erfolg an. 
MĶHŞşşŞŅŞ 
... - . - - •
	        
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