Full text: Newspaper volume (1942, Bd. 1)

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135. Jahrgang 
AchlLSwLg-HolstàrîschL 
Bezugspreis: Ausgabe Aî/lN75 monaķl..(einschl. 18.6q^Postztgs-Gebühe). allSichl.3VH>- Bestellgew; 
Ausgabe 8 einschl- Illustrierter Wochenbeilage S^LM 2.00 (einschl. 22.6 Postzeļtungs-Gebühr), 
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Nr. 32 
Hilferufe au Loudo« uud Washington 
135. Jahrgang 
1342 
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Renösburger Tageblutt 
rrnzelgenprerie. Im AnzeigenreU Grundpreis für die 46 mm breite Millimcterzeile 14 Jttf im 
Tertteil Grundpreis für die 72 mm breite Millimeterzeile 32 HxS. Ermäßigte Grundpreise. Aufschlage 
sowie Nachlässe laut Preisliste Nr- 8. Ndchlaßstaffei A. Geschäftsbedingungen nach Maßgabe der Be 
stimmungen des Werberats. Die Behinderung der Lieferung rechtfertigt keinen Anspruch auf Rückzah 
lung des Bezugspreises. Für unverlangt eingehende Beiträge übernimmt die Schriftleitung keine Gewähr. 
Sonnabend, den 7. Februar 
Die Lage der Kriegshetzer wird immer schwieriger — Nach allen Kriegs 
schauplätzen sollen sie Material liefern, überall gleich steigender Bedarf 
Die Ohnmacht der Kriegshetzer auf allen 
Kriegsschauplätzen ist offenkundig. An der 
Ostfront wurden alle verzweifelten Angriffe 
der Sowjets zurückgeschlagen, wobei für die 
Angreifer außerordentlich hohe Verluste 
eintraten. Meldungen aus Moskau lassen 
erkennen, daß man auch hier das Zwecklose 
dieses Anrennens einzusehen beginnt, man 
will nur noch erreichen, daß auf Grund die 
ses hohen Blutzolls die Lieferungen aus 
den USA. und England flüssiger werden. 
Häufiger wird schon von harten deutschen 
Gegenangriffen, von den durch Kälte und 
Schnee bedingten Schwierigkeiten gespro 
chen, so daß man annehmen kann, daß die 
Offensivpläne der Sowjets auch auf der Ge 
genseite heute schon als gescheitert betrachtet 
werden. 
Wo gerade von Hilferufen gesprochen 
wird: Auch aus Nicderländisch-Jndien er 
schallt der Schrei nach Waffen. Man habe 
zwar genügend Truppen - 160 000 Ntann, 
Moon 20 vH. Weiße — aber es fehle drin 
gend an Kriegsmaterial, um den Japanern 
Widerstand leisten zu können. 
Der Ruf nach Kriegsmaterial erschallt 
auch aus der Wüste Nordasrikas. Hatte man 
sich zu Beginn der Offensive damit gerühmt, 
daß fast eine ganze Jahresproduktion aus 
England uud den USA. für die Aufrüstung 
der britischen Libyenarmee bereitgestellt 
worden sei, so erklärt man heute in Lon 
don, man müsse vor dem Ansturm Rommels 
zurückweichen, weil man Mangel an Kriegs 
material habe. Diesen Mangel hat ihnen 
aber erst General Rommel gebracht. Wenn 
man allein die hohen Verluste an Kraft- 
wagen (1220 Stück) betrachtet, dann weiß 
man, daß auch eine gut ausgerüstete Armee 
einen solchen Ausfall nicht leicht überwin 
den kann. Man gibt einen weiteren Mangel 
zu, nämlich den an Ausbesserungswerkstät 
ten für beschädigtes Material, vor allem 
für beschädigte Panzer. 
Soll man das Material, dessen laufende 
Herstellung vor allen Dingen auch in den 
USA. noch große Schwierigkeiten macht, 
nun an diese Plätze liefern oder an Tschi- 
angkaischek? Er vor allem ist ohne Liefe 
rung von Waffen und Munition nicht mehr 
in öer Lage, den Japanern anhaltenden 
Widerstand zu leisten. Das hat sogar ein 
Verantwortlicher des USA.-Senates er 
klärt, der ziemlich offen zugibt, daß die 
Tschungking-Chinesen für die Kriegshetzer 
lediglich Kanonenfutter waren und es mög 
lichst auch bleiben sollen. Man sieht zwar 
ein, daß mit dem fortschreitenden Vormarsch 
der Japaner in Burma über kurz vder 
lang der Versorgungsweg nach Tschungking 
gesperrt wird, aber man möchte sich Tschung- 
king-China auch darüber hinaus noch willig 
erhalten und verspricht ihnen daher die Ge 
währung einer Anleihe. Vielleicht ist man 
dort klug genug, um zu erkennen, daß mit 
den wachsenden Erfolgen Japans auch der 
Widerstand Rest-Chinas zwecklos wird. 
Die Briten lassen sehr deutlich erkennen, 
daß es bei ihren Sorgen um Burma nicht 
nur um dieses Gebiet selbst geht und die 
damit verbundene Offenhaltung des Ver 
sorgungsweges nach Tschungking^ sondern 
daß man in Burma auch schon die indische 
Provinz Bengalen verteidigt, das Kernstück 
der britischen Macht in Indien mit der 
größten Stadt Indiens, Kalkutta. Nach ja 
panischen Meldungen geht der Vormarsch 
auf Rangun von Norden und Nordosten gut 
voran, Rangun ist aber das Kernstück der 
Verteidigung Burmas. 
Beinahe am Rande schon liegt Singapur, 
das auch auf verstärkte Lieferung von 
Kriegsmaterial wartet und das vor allen 
Dingen den Schutz aus der Luft so sehr ver 
mißt. Die noch vorhandenen Fliegerver 
bände müssen sich heute in schwere Auf 
gaben teilen, denn gleichzeitig mit Singa 
pur gerät auch schon die Ersatzverteidigungs 
linie auf Java in Gefahr. Der zweite wich 
tige Stützpunkt, Soerabaja auf Java, hat 
schon mächtig unter den anhaltenden An 
griffen der japanischen Luftwaffe gelitten. 
Wann fallt Singapur? 
Funkmeldung unseres eigenen Tokioter 
Vertreters 
ab Tokio,?. Februar. 
Ganz Japan kennt nur eine Frage: 
Wann fällt Singapur? Diese Frage be 
herrscht alle Diskussionen, private und amt 
liche, in den Klubs und an der Börse, die 
in Erwartung einer großen Blütezeit der 
japanischen Wirtschaft unaufhaltsam steigt, 
auf der Straße, in den Büros, an den Uni 
versitäten, und selbst die Schuljugend nimmt 
leidenschaftlich an diesen Erörterungen teil. 
Ueberall sind riesige Karten zur Schau ge 
stellt, auf denen die japanischen Erfolge 
sichtbar gemacht sind. 
Niemand täuscht sich darüber, daß der 
Kampf um die britische Jnselfestung sehr 
schwer sein wird, aber niemand zweifelt 
auch daran, daß auch über Singapur bald 
das Sonnenbanner aufsteigen wird. Zu 
ständige Beobachter glauben, daß im Mürz 
oder April das Ziel erreicht sein dürfte. Die 
Regierung hat für den Fall Singapurs zum 
ersten Male Siegesfeiern in großem Stile 
erlaubt. Wie dem aber auch sei: Am morgi 
gen 8. Februar, an dem zwei Monate seit 
dem Kriegseintritt Japans vergangen sein 
werden, kann die Nation mit größtem Stolz 
auf die Waffentaten ihrer Soldaten zu 
rückblicken, denn diese Erfolge übertreffen 
tatsächlich die kühnsten Erwartungen. 
Inzwischen ergießt sich, während das Ar 
tillerieduell um Singapur in voller Schärfe 
entbrannt ist, ein riesiger Flüchtlingsstrom 
aus Singapur über See nach Niederländisch- 
Jndien, Australien und Indien,' Batavia 
ist bereits überfüllt. Das Los dieser Men 
schen ist erschütternd, denn wohin sie sich 
auch wenden, der Krieg folgt ihnen doch,' sie 
fliehen ins Ungewisse. Was kommt nach 
dem Fall Singapurs? Die Ansichten sind 
geteilt; die einen glauben, daß sich der ja 
panische Stoß gegen Holländisch-Jndien rich 
ten werde, die anderen meinen, daß er ge 
gen Port Darwin an der Nordspitze Austra 
liens gehen werde. Die Antwort auf diese 
Frage gibt allein die japanische Wehrmacht. 
Cripps war Churchill zu leuer 
dp Stockholm,?. Februar. 
Drahtbericht unseres Mitarbeiters. 
Die neue britische Kabinettsumbildung 
ist mager ausgefallen. Churchill hat nichts 
weiter getan, als den Kreis seiner persön- 
London umwirbt Indien 
om Berlin, 7. Februar. 
(Drahtbericht unseres diplomatischen 
Vertreters. 
In England ist plötzlich ei» zu großes 
Interesse an Indien erwacht, dessen Gründe 
zu durchsichtig sind, als daß man aus ihnen 
eine Wandlung der Meinungen schließen 
könnte. 
Der Minister für Indien, Amery, der 
bisher bei jeder passenden und unpassenden 
Gelegenheit den Indern erklärt hat, daß, sie 
auf eine Behandlung des Problems wäh 
rend des Krieges nicht zu rechnen hätten 
und der noch im November im Einverständ 
nis mit Churchill den Premier von Burma 
schnöde abfertigte, als er den Dominion- 
Status verlangte, hat jetzt in Leeds eine 
Rede gehalten, in der er Indien mit Lob 
über seine Kriegshilfe geradezu überschüt 
tete. Indien habe eine „glänzende Rolle" 
gespielt, zwei Drittel der indischen Armee, 
die eine Million Mann stark sei stehe außer 
halb der Grenzen Indiens. Es müsse aber 
noch mehr getan werden, um Indien zum 
„Arsenal des Ostens" zu machen, da Groß 
britannien bei seiner Knappheit an Mitteln 
nichts allein für die Ausrüstung und Aus 
bildung einer stärkeren indischen Armee 
leisten könne; wenn Indien selbst einig sei, 
so werde England der Freiheit Indiens 
nichts mehr in den Weg legen. 
Gleichzeitig fand im Haus der Lords, von 
denen nicht wenige ihre Reichtümer der 
Ausbeutung Indiens verdanken, eine aus 
gedehnte Indien-Debatte statt. Verschiedene 
Oberhausmitglieder machten geradezu re- 
rolutionäre Vorschläge. Man müßte in In 
dien einen „freien Bauernstand" schaffen, 
der an der Verteidigung des Landes gegen 
die Japaner interessiert sein würde. Die 
Löhnung der indischen Offiziere und Sol 
daten solle sofort verdoppelt werden und der 
Unterschied zwischen den britischen Mann 
schaften und Offizieren muß beseitigt wer 
den. Den Rat des Vizekönigs müsse man 
„indisieren" und ihm die Leitung der Ver 
teidigung und der Außenpolitik anver 
trauen. Verschiedene Lords verlangten so 
gar die Aushebung der Farbigen-Gesetze, 
weil diese das Imperium zu stürzen droh 
ten. Aus der Rede des kürzlich von Chur 
chill ins Oberhaus berufenen ehemaligen 
Unterhausabgeordneten und Mitglieds der 
Labour - Party, Wedgewood, wurde 
deutlich erkennbar, was England für seine 
plötzliche Reformfreuöigkeit von den In 
dern verlangt. 
Die indische Armee soll auf 3 Millionen 
Mann gebracht und in allen Provinzen sol 
len Heimwehren errichtet werden, damit 
Indien von sich aus in der Lage sei, einen 
japanischen Angriff abzuwehren. Von Ver 
sprechungen hält dieser neugebackene Lord 
allerdings nicht viel. Er empfiehlt deshalb, 
es so zu machen wie Churchill, und den In 
dern „Blut, Tränen und Schweiß" anzu 
bieten. 
Ein anderer Lord beantragte, hervorra 
gende Männer nach Indien zu schicken, da 
mit sie mit den indischen Führern in Ver 
bindung träten. Ueber allen diesen Vor 
schlägen steht das Wort „zu spät", denn 
in Indien sind alle politischen Richtungen 
darüber einig, daß englischen Versprechun 
gen, die in der Not abgegeben wurden, 
nicht zu trauen ist. Das indische Problem 
wird nicht mehr von England gelöst 
werden, das sich als unfähig und unwürdig 
erwiesen hat, ein Land, aus dem es seine 
größten Reichtümer gezogen hat, zum Wohl 
seiner fast 400 Millionen Einwohner zu ver 
walten. 
lichen Freunde und Anhänger zu vergrö 
ßern. Beaverbrook ist nun Minister für die 
gesamte Kriegsproduktion. Dafür hat Chur 
chill den Versuch, Sir Stafford Cripps zur 
Mitarbeit zu gewinnen, aufgeben müssen. 
Dieser Labour-Politiker sollte nach Chur 
chills Absichten das Ministerium für die 
Materialversorgung erhalten, das eines der 
drei Beaverbrook unterstellten Ministerien 
geworden ist. Sir Stafford Cripps weigerte 
sich oder stellte zum wenigsten so hohe For 
derungen für eine selbständige Arbeits 
weise seines Ministeriums, daß sie Chur 
chill ihm nicht erfüllen zu können glaubte. 
Auch mit den anderen Umbesetzungen ist 
wenig Staat zu machen. Wie weit reicht nun 
Beaverbrooks Arbeitsbereich? Sicherlich 
sind seinem Dach-Ministerium unterstellt 
das Ministerium für die Materiallieferun 
gen, das Ministerium für die Flugzeugpro 
duktion und das Ministerium für die 
Kriegstransporte, in das auch das ehe 
malige Schiffahrtsministerium aufgegangen 
ist. Praktisch unterstehen Beaverbrook für 
die Ausrüstung die Luftwaffe und die Han 
delsmarine. Dagegen bleibt es fraglich, ob 
auch die Admiralität dazu gezwungen wer 
den könnte, Veaverbrook Verfügungsge 
walt über die ihr bisher unterstehenden 
Werften abzutreten. 
Faruk verhinderie britischen StaaļL' 
streich in Aegypten! 
re. Istanbul, 7. Februar. 
Drahtbericht unseres Mitarbeiters. 
Nach den jetzt hier vorliegenden Nachrich 
ten aus Kairo besteht kein Zweifel mehr, 
daß König Faruk durch seinen Entschluß, 
öer Regierung Sirry Pascha das Vertrauen 
zu entziehen und sie zum Rücktritt zu 
zwingen, in letzter Minute einen Staats 
streich verhindert hat, den gewisse ägyptische 
Kreise im Zusammenspiel mit den Englän 
dern vorbereitet hatten. Das Ziel dieses 
Staatsstreiches war die Errichtung einer 
Militärdiktatur von Englands Gnaden, wo 
bei Sirry Pascha die Nolle des Diktators 
zugedacht war, der dann ohne Rücksicht 
nahme auf den Willen des Königs und des 
Parlaments die von den Engländern ver 
langte politische „Neuordnung Aegyptens" 
durchführen sollte. Den äußeren Anlaß zu 
der Regierungskrise bildet der ohne Wissen 
des Königs erfolgte Abbruch der diplomati 
schen Beziehungen Aegyptens zu Frank 
reich, den England forderte und auch durch 
gesetzt hat. Aus Kairo liegen weiter hier 
Meldungen vor, daß es dort nach der Be 
trauung Nahas Paschas mit der Kabinetts 
bildung zu großen englandfeinölichen Kund 
gebungen gekommen sei. 
Japaner 60 Kilometer vor Nangun 
sa. Rom, 7. Februar. 
(Drahtbericht unseres Mitarbeiters.) 
Die japanischen Truppen gehen auf allen 
Fronten mit bewundernswerter Schnellig 
keit vor. Sie stehen nach einer halbamt 
lichen Meldung schon 60 Kilometer Luft 
linie vor Rangun, das von Norden her ein 
gekreist ist. 
Trotz ASA.-Verstärkung vernichtet 
Einzelheiten zur siegreichen Seeschlacht bei Java 
DNB. Tokio, 6. Februar. Wie zu der See 
schlacht auf der Höhe von Java ergänzend 
verlautet, entdeckten japanische Marinebom 
ber am Tage nach dem Massenluftangriff 
auf Surabaya 30 Seemeilen südlich der In 
sel Kangean die niederländisch - indische 
Hauptflotte, die von Zerstörern begleitet 
ilnd durch mindestens ein USA.-Kriegsschiff 
vom Typ „Marblehad"-Kreuzerklasse ver 
stärkt war. Obwohl amtlicherseits hierüber 
noch nichts bekanntgegeben wurde, darf an 
genommen werden, daß sowohl Bomber wie 
Torpedoflugzeuge an der Vernichtung der 
niederländischen Kriegsflotte und ihrer 
nordamerikanischen Verstärkung mitwirk 
ten. 
Nach einer weiteren amtlichen Verlautba 
rung zu dem großen Erfolg der japanischen 
Marineluftwaffe in der Java-See sind zwei 
Kreuzer des feindlichen Geschwaders ver 
senkt worden. Es handelt sich dabei um den 
niederländischen Kreuzer „De Ruyter" und 
um einen weiteren Kreuzer vom Java-Typ. 
Ein weiterer Kreuzer dieser Klasse sowie 
der USA.-Kreuzer „Marblehead" wurden 
schwer beschädigt. Bei dem versenkten 
Transporter handelt es sich um ein 6000 
VRT. großes niederländisches Handelsschiff. 
Die für die Japaner so erfolgreich durch 
geführte Kampfhandlung erhielt die offi 
zielle Bezeichnung „Seeschlacht auf der Höhe 
von Java"
	        
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