Full text: Newspaper volume (1935, Bd. 1)

128. Jahrgang. 
128- Jahrgang. 
Rendsburger TagebloLL 
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Störungsfeuer von Paris und Moskau 
Die Trinksprüche in Moskau und die europäische Verhetzungsrede von Franklin Bouillon im französischen Parlament. 
willens ist und sich in dem Willen zum Frie 
den mit Deutschland begegnet, während die 
Widerstände heute in Paris, Rom und Moskau 
liegen. 
* 
Die Kommentare der wichtigsten italienischen 
Zeitungen vom Donnerstag konzentrieren 
alles auf Stresa, das eine entscheidende Etappe 
für die Geschichte Europas werde. 
„Gazeta del Popolo" schreibt in einem of 
fenbar inspirierten Aufsatz, in einem Zeit 
punkt, wo Deutschland aufrüstet, könne man 
wahrhaftig keine Zeit verlieren mit inhaltlosen 
und trügerischen Konferenzen. Die Einberu 
fung der Konferenz von Stresa sei gut, diese 
eine Konferenz aber müsse auch genügen. Ent 
weder müsse Stresa die Möglichkeit der Ver 
ständigung mit Deutschland ergeben, d. h., 
Deutschland die Abmachungen von Nom und 
London annehmen, daun könne man wegen des 
Beschlusses verhandeln. Oder aber diese kou. 
krete Möglichkeit bestehe nicht, und dann muffe 
ernstlich sür die defensive Organisation des 
Friedens gesorgt werden. 
D» Die Berliner Verhandlungen sind be 
endet, die Verhandlungen in Moskau haben 
begonnen. Die bisherigen Erklärungen über 
das Ergebnis der Berliner Besprechungen 
sind sehr zurückhaltend. Die Darlegungen 
des englischen Außenministers vor dem Unter 
hause lassen keinen Schluß auf das tatsächliche 
Ergebnis zu. Wenn man aber Simons Er 
klärung im Unterhause mit einer offiziösen 
Verlautbarung in den „Times" zusammen 
hält, so kann man folgern, daß die abweichen 
den Meinungen sich auf den Ostpakt beziehen, 
während bezüglich einer Luftkonvention 
Uebereinstimmung erreicht worden zu sein 
scheint. Das Blatt schreibt bezüglich des Ost 
paktes: 
„Die deutschen Einwände gegen einen 
Ostpakt seien verständlich, aber nicht voll 
kommen überzeugend. Es müßte doch die 
Bildung einer Gruppe kollektiver Sicher 
heiten im Osten möglich sein. Wolle man 
sich nicht zum gegenseitigen Beistand ver 
pflichten, so könne man doch zumindestens 
zweiseitige Nichtangriffspakte abschließen. 
Jedenfalls könnte eine allgemeine östliche 
Luftkonvention einen geeigneten Rahmen 
Außenkommissar Litwinow 
anerkannte zunächst die Bedeutung des Ereig 
nisses einer Aussprache zwischen Sowjetunion 
und Großbritannien und fuhr dann wörtlich 
sort: 
Der Besuch Edens habe um so größere Be 
deutung, als im Augenblick Hindernisse 
für eine Aufrechterhaltung der friedlichen 
internationalen Ordnung auftauchten. Es 
gelte jetzt bereits als Leitsatz, daß die Ge 
fahr eines Krieges nur verhindert oder 
verkleinert werden könne durch kollektive 
Bemühungen aller Staaten, und beson 
ders der Großmächte. Er sei der Ansicht, 
daß die Zusammenarbeit zwischen Groß- 
Britannien und der Sowjet-Union für die 
Erhaltung des Friedens eine entscheidende 
Bedeutung haben könnte. Den Besuch 
des Lordsiegelbewahrers sehe er als Un 
terpfand sür eine künftige Znsammen- 
arbeit an. 
Lordsicgelbewahrer Eden 
erklärte in seiner Antwortrede, er hoffe, daß 
Die erste offizielle Stellungnahme über die Berliner Besprechung 
für Verteidigungsvereinbarungen geben. 
Die positive Seite der Verhandlungen 
bleibe jedenfalls die geplante westeuropäi 
sche Luftkonventiou. Das sei keineswegs 
gering einzuschätzen." 
Aus den vorstehenden Erklärungen der 
„Times" geht also ziemlich deutlich hervor, 
daß Deutschland bereit ist, an Verhandlun 
gen über eine Lnftkonvention teilzunehmen, 
dagegen einem OstsicherYeitspakt abgeneigt ist. 
Bei dieser Sachlage kommt es nun vor allen 
Dingen darauf an, was der Engländer Eden 
in Moskau erreicht. Soweit die russische Presse 
zu den Dingen Stellung nimmt, sind die Aus 
sichten nicht gerade günstig. Im Hintergründe 
aller russischen Politik steht die Vortragung 
des Bolschewismus nach Westen. Das neue 
nationalsozialistische Deutschland ist der stärk 
ste Wall gegen diese bolschewistischen Absichten 
gegenüber Westeuropa. Infolgedessen hat 
Rußland ein Interesse daran, Deutschland 
isoliert zu erhalte«. Diese Absicht spricht deut 
lich aus den offiziösen Stimmen der „Jsrve- 
stija". In zwei weit ausholenden außenpoliti 
schen Artikeln wird die außenpolitische Lage 
Englands dargestellt und mit besonderem 
Nachdruck dabei alle Schwierigkeiten betont, die 
Englands imperralen Interessen in Aste« und 
Sir John Simon wurde am Donnerstag Ereignisse unter Umständen hiernach eintreten 
vom König in Audienz empfangen und erstat- können." 
tete ihm % Stunden lang Bericht über seine * 
Besprechungen mit dem Führer. Im Unter- Eine Erklärung 
hause gab am Nachmittag der Außenminister, des englischen Außenministers, 
der bei seinem Erscheinen mit Beifall von „ f 
allen Bänken begrüßt wurde, eine Erklärung ILUlWmĶ Ullö EüZlllW. 
^ ' . 0 Eine herzliche Anerkennung sür Hitler und 
Lir <!ohn Simon sagte: „Das Unterhaus bemerkenswerte politische Gesamtäutzerungcn. 
Süß Set 93C1UCtj in ÖCtlttt einet DOtl iņeh- şW<*rTftt 98 föir cVnfin Siinnn 
0 is? Aufträge der englischen Regie- s^aft für Fox tönende Wochenschau einige 
S «. ausländischen Haup - Worte über seinen Berliner Besuch gespro- 
Eden. Sobald di^u- chen. Sie lauten: „Ich spreche hier in Berlin, 
f e £ ! J ~ Ji!? • tn iî' ttnrö eure Zusammen- nachdem ich namens der britischen Regierung 
m Norditalien folgen, wo id) eine zweitägige Aussprache mit dem Führer 
v U ?ln à^al zu treffen hoste. Unter ļmļļ Reichskanzler Hitler hatte. Es bereitet 
•'üf lvüf!! 1 / 11 sc îr- eg ņlcht wünschenswert, ,ņit große Freude, daß es mir vergönnt war, 
eme ,f l j C - tÔe ^ŗklarung über die ^age ab- j, en x^ter des große» deutsche« Volkes per- 
zugeben. die zur Zert noch geprüft wird. Un- ^lich kennen zu lerne«. Das britische Volk 
mrtorstierte Mutmaßungen, die rn einigen ^eiß nichts von Siegern und Besiegten- es 
land, sich Rußland nicht zu verderben, wird 
man am Schluß in der „Jswestija" noch deut 
licher, indem es heißt: 
„Infolge der eingetretenen Kräfteverschie 
bung könne heute England seine Politik 
der „Balance of power" (Kräfteausgleich) 
nicht mehr fortsetzen. Infolge der verän 
derten militärpolitischen und militürtech- 
nischen Voraussetzungen sei Deutschland 
auf der nächsten weltpolitischen Etappe 
Englands Feind. (!??) 
Man sieht hier deutlich das gleiche Störungs 
feuer wie in Frankreich, das schon jetzt eine 
für später von England geplante Friedens 
konferenz aller europäischen Mächte in Lon 
don dadurch zu sabotieren sucht, daß eine solche 
Rundkonferenz in London als eine für Frank 
reich gar nicht in Betracht kommende Möglich- 
Eine gefährliche Taktik. 
DNB. Paris, 29. März. (Erg. Funkmelbg.) ken, daß 1915 die parlamentarischen Ausschüsse 
Kammer und Senat gehen nicht, wie erwartet eine rege Tätigkeit zum Wohle des Landes 
wurde und wie die Regierung es gern gesehen entfaltet hätten. Sie hätten die Landesvcrtei- 
hätte, in die Ferien, sondern verlangen ihre digung durchgeführt. Sie Hütten damals gegen 
Tagung bis auf weiteres auf Grund einer die Bürokratie den Ausbau und die Vcrstär- 
autzenpolitischen Rede, die der Abgeordnete kung der Artilleriewaffe durchgesetzt. Gegen- 
Franklin Bouillon in der Nacht zum Freitag wärtig seien neue Kredite notwendig. Wolle 
gehalten hat. Abgeordneter Franklin Bouillon man sie erst nachträglich bewilligen? Eine an 
bekämpfte den Antrag, wonach das Parlament dauernde Tätigkeit der parlamentarischen 
von jetzt ab bis zum 23. Mai in die Ferien Ausschüsse und des Parlaments sei notwendig, 
gehen soll, und beschwor die Abgeordneten, un- Es wäre unverantwortlich, wenn das Parla- 
ter Hinweis auf die angeblich von Deutschland ment in die Ferien ginge, ohne zuvor eine« 
drohende Gefahr, nicht in die Ferien zu gehen. Meinungsaustausch über die Berliner Ver- 
Deutschland habe, so drückte sich Franklin Handlungen vorgenommen zu haben. 
Bouillon aus, Europa den Krieg erklärt. (?!!) Nachdem ein Kommunist und der sozialistl- 
Das Parlament müsse für die Sicherheit des sche Abgeordnete Leon Blum gesprochen Hat- 
Landes sorgen. Die Lage sei ähnlich wie 1914. ten, ergriff 
Es bestehe dieselbe Kriegsgefahr. (!?) Wer sich Ministerpräsident Flandin 
der Gefahr nicht bewußt sei, sei sich seiner das Wort und erklärte, er würde es normal 
Pflicht nicht bewußt. Man möge doch beden- finden^ wenn das Parlament jetzt in die Fe- 
keit anzusehen sei. Auch die Rede Franklin 
Bouillons, die wir an anderer Stelle wieder 
geben, spricht Bände. 
Noch stärker unterstrichen werden wird das 
russische Störungsfeuer durch die offiziellen Er 
klärungen auf dem Festessen zu Ehren Edens 
in Moskau. 
ŞMW 
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