Full text: Newspaper volume (1935, Bd. 1)

128. Jahrgang. 
128 Jahrgang. 
Renösburger Tageblatt 
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die Hände und., nach einem letzten Abschieds 
gruß von Hans Schemm schritt er aus der 
Halle. Langsam verließen die Fahnen und 
Standarten sowie die Trauergemeinde das 
Weihehaus. Als der Sarg herausgetragen 
wurde, grüßte die Menge stumm den Toten. 
Die Kirchenglocken Bayreuths klangen auf, 
und langsam setzte sich der Trauerzug in 
Bewegung. 
Der Trauerzng. 
Auf dem Weg zum Friedhof nahm hinter 
dem Spalier der SA., SS,. PO. und des Ar 
beitsdienstes die Bevölkerung mit stummem 
Gruß Abschied von ihrem geliebten Gauleiter. 
Dem Musikzug, der an der Spitze marschierte, 
folgten die Feldzeichen der SA., SS. und 
Motor-SA. der deutschen Ostmark, die Reichs 
fahne des NSLB., die Fahnen der HI. und 
des Jungvolks, die Ehrenstürme, eine Ehren 
abteilung des Arbeitsdienstes und drei Wagen 
mit den vielen Kränzen. Den Leichenwagen 
begleiteten an den Seiten Fackelträger. Hinter 
dem Sarge schritten die Anverwandten mit 
dem evangelischen Geistlichen. Dann schlossen 
sich dem Zuge unmittelbar an die Reichsleiter 
mit dem Stellvertreter des Führers und mit 
dem Adjutanten des Führers an der Spitze. 
Anschließend gingen die Gauleiter, die aus 
dem ganzen Reiche zu dem Begräbnis ihres 
alten Mitkämpfers herbeigeeilt waren, die 
Vertreter der Reichsregierung und bayrischen 
Staatsregierung mit Reichsstatthalter General 
Ritter v. Epp. In langer Reihe marschierten 
die Abordnungen der PO., der Reichswehr, der 
SA., der SS., der HI. und des Arbeitsdien 
stes. Den Sarg selbst zierte auf seiner letzten 
Fahrt die Hakenkreuzslagge, auf der die Dienst 
mütze und der Dolch des Verstorbenen lagen. 
Auf dem Friedhof. 
Vom Eingang des Friedhofes bis zum 
Grabe bildeten viele Hunderte von Fahnen der 
PO. und des Arbeitsdienstes des Gaues 
Spalier. Das Grab Hans Schemm's liegt ne 
ben dem Grab Siegfried Wagners, nicht werk 
davon das Grab Franz Liszts. Nachdem das 
Lied vom guten Kameraden verklungen war, 
hielt der Geistliche die Grabrede. 
Unter den Klängen des Bayrischen Präsen 
tiermarsches senkte sich der Sarg ins Grab. 
Nach dem letzten Gebet des Geistlichen rausch 
ten die Klänge des Horst-Wessel-Liedes, des 
Deutschland-Liedes nnd des Liedes der bayri 
schen Ostmark über das Grab. 
Mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand 
nahm der Führer nicht an der Beisetzung auf 
dem Friedhof, sondern nur an der Totenfeier 
im geschlossenen Raum, in der Ehrenhalle des 
„Hauses der Deutschen Erziehung" teil. Die 
Gedenkrede in der Ehrenhalle, die der Führer 
infolge seiner Erkältung nicht selbst halten 
konnte, wurde von seinem Stellvertreter Ru 
dolf Hetz übernommen. 
Sprechchor der Jugend, der in ergreifender 
Weise Baldur von Schirachs „In uns ist das 
Schweigen der Weihe" vortrug. Mit der 
Trauermusik aus der Götterdämmerung fand 
daun die Totenfeier in der Ehrenhalle ihren 
Ausklang. 
Der Führer reichte nochmals der Mutter 
und der Gattin seines verewigten Gauleiters 
die Motette von Palestrina „O süßer Tod" 
an. Der Stellvertreter des Führers trat wie 
der vor den Sarg und legte eine herrliche 
Kranzspende nieder. Stumm schließen sich Dr. 
Frick, Dr. Goebbels, der Beauftragte Görings 
und die übrigen mit ihren Kranzspenden an. 
Für die Reichswehr sprach Generalmajor 
Waeger den letzten Gruß. Es folgte ein 
DNB. Bayreuth, 9. März. Die Straßen 
Bayreuths belebten sich im Laufe des frühen 
Vormittags mehr und mehr. Vor dem Hause 
der Deutschen Erziehung, auf dem Platze, der 
heute zum ersten Male die lorbeerumkränz- 
ten Schilder mit dem Namen des toten Gau 
leiters trägt, stauen sich die Menschen. Gegen 
10 Uhr begannen dieşS.-Mannschasten mit 
der Absperrung. 
Um 10.30 Uhr traf der Führer mit dem 
Berliner Sonderzuge aus dem Bahnhöfe ein. 
Ferner sah man die Reichsminister Goebbels 
und Darre, den Reichspressechef Dr. Dietrich, 
Obergruppenführer Brückner und Korpsfüh 
rer Hühnlein. 
Inzwischen haben die Leidtragenden in der 
Ehrenhalle des Hauses der Deutschen Erzie 
hung Platz genommen. Es sind die Witwe des 
Verstorbenen, seine Mutter, sein 18jähriger 
Sohn und die beiden Brüder des Ministers 
anwesend. Hinter den Familienmitgliedern 
sitzen die beiden Ehrenbürgerinnen Bayreuths, 
Frau Winifred Wagner mit ihren Kin 
dern und Frgu Eva Chamberlain. 
Ein Raunen geht durch die Menge. Was 
alle im Stillen erhofft hatten, ist Tatsache ge 
worden. Der Führer ist persönlich eingetroffen. 
Er betritt soeben die Halle. Die sonst so ge 
wohnten Heilruse ersterben auf den Lippen 
der Trauerversammlung. Die Anwesenden be 
grüßen ihn mit erhobener Rechten. Der 
Führer schreitet zum Sarg und reckt die Hand 
zum Abschiedsgruß. Sodann drückt er der 
Witwe und der Mutter des Verstorbenen sicht 
lich bewegt sein Beileid aus. Zwei SA.-Füh- 
rer übergeben ihsm den riesengroßen Lorbeer 
kranz, den er darauf am Sarg niederlegt, 
hierbei noch einmal vor dem alten Partei 
genossen seine Rechte erhebend. Der Kranz des 
Führers trägt folgende Worte: 
„Meinem treuen alte« Gauleiter, dem 
Kampfgenossen um die Macht, dem Erzie 
her eines neuen Volkes, Haus Schemm, 
iu tiefer Bewegung nnd Dankbarkeit. 
Adolf Hitler." 
Nunmehr setzte das bayrische Staatsorchester, 
geleitet von Generalmusikdirektor K n up 
per t s b u s ch, mit den Klängen des Trauer 
marsches aus der siebenten Symphonie von 
Beethoven ein. Dann trug der Schauspieler 
S ch l e n k, München, einen Epilog vor, in dem 
erwähnt wurde, daß an der Stelle, wo jetzt der 
Sarg stehe, sich später das Standbild der 
deutschen Mutter erheben solle, die für Schemm 
stets die Verkörperung selbstloser Nächstenliebe 
und aufopfernden Gemeinschaftssinnes gewe 
sen sei. Der Regensburger Domchor sang als 
dann die Motette von Michael Bach „Ich 
weiß, daß mein Erlöser lebt". 
Der Stellvertreter des Führers, Rudolf 
Heß, trat anschließend an die Bahre. Er 
grüßte den Toten mit erhobener Rechten und 
nahm das Wort zu folgender Gedächtnisrede! 
„Für den Führer spreche ich zu Dir! Dein 
Führer und seine Bewegung, die der Inhalt 
Deines Lebens waren, nehmen Abschied von 
Dir. Du hast Deinen Dienst für Deutschland 
getan als alter Kämpfer, als bewährter treuer 
Gauleiter in langen schweren Jahren der 
Bewegung, als Erzieher Deines Volkes, als 
früher Diener des neuen Staates. Wie Du 
gelebt hast, bist Du gestorben! Tapfer dem 
Schicksal ins Auge sehend, männlich, wie Dein 
Tod selbst männlich war. Wie all Dein Sinnen 
und Trachten im Leben nur eines kannte, den 
Führer, die Bewegung, Deutschland, so war 
auch im Sterben angesichts Deines Todes 
Deine letzte Sorge, Dein letztes Wort der 
Führer, die Bewegung, Deutschland. Gehe in 
Ruhe von uns! Wir, die wir weiter käinpfen 
dürfen, wir stehen zusammen und bauen wei 
ter am neuen Deutschland, auf daß es durch 
die Jahrhunderte feststehe. Wir bauen weiter 
an diesem Deutschland, das Du so geliebt hast, 
für das Du gestritten und gelitten hast, in 
dessen Dienst Du starbst. Wie die Bewegung, 
die Du mit aufgebaut hast, unvergänglich ist 
in der Geschichte, so bist auch Du unvergäng 
lich in der Bewegung. Du, Schemm, lebst!" 
Der Regensburger Domchor stimmte darauf 
Die weihevolle Tranerfeicr im Hause der Teutschen Erziehung zu Bayreuth. 
Links der Führer neben der Witwe des tödlich verunglückten Staatsministers. Im 
Vordergrund von rechts nach links: Reichsstatthalter Ritter von Epp, Reichsminister 
Dr. Goebbels, der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß. 
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Im Zeichen der Standarten 
lassen Kameraden der PO. den Sarg mit den sterblichen Ueberresten ihres Gau 
leiters am Grabe nieder. 
Dr. Selle-Eysler. 
Unterredung von Nibbentrops mit Ward Price. 
DNB. Berlin, 9. März. Der Beauftragte der 
Reichsregierung für Abrüstungsfragen, von 
R i b b e n t r o p, hat dem bekannten Journa 
listen und Freund Lord Rothermeres, Ward 
Price, ein Interview gewährt, das sich mit 
der Wirkung der Veröffentlichung des briti 
schen Weißbuches auf das deutsche Volk befaßt 
und das wir nachstehend wiedergeben. Das 
Interview, das heute in der „Daily Mail" er 
schienen ist, hat folgenden Wortlaut: 
Ward Price: England hat mit Bedauern 
von der Unpäßlichkeit des Führers gehört. 
Ist sie ernster Natur, oder steckt etwas hin- 
' ter dem Gerücht, daß sie diplomatisch sei? 
Ribbentrop: Um Ihre parlamentarische 
Sprache zu gebrauchen: Die Antwort auf beide 
Fragen ist negativ. Der Führer brachte aus 
dem Saargebiet eine starke Heiserkeit mit. 
Aerztliche Verordnungen veranlaßten ihn, alle 
Verabredungen abzusagen, und um eine Ver 
schiebung des britischen Besuches zu bitten. 
WardPrice: Dann ist es also nicht wahr, 
daß die Verschiebung des britischen Minister- 
besuches mit der Veröffentlichung des Weiß 
buches etwas zu tun hat? 
Ribbentrop: Weißbücher scheinen das Pech 
zu haben, daß sie, wann immer sie auch er 
scheinen, Beunruhigung und alle möglichen 
Kombinationen hervorrufen. Eines aber mutz 
ich Ihnen sagen: Niemand in Deutschland ver 
steht den Teil des Schriftstückes, der sich mit 
Deutschland beschäftigt, und erst recht versteht 
niemand den Termin der Veröffentlichung am 
Vorabend eines britischen Besuches in Berlin. 
Ward Price: Dann stimmt es also, daß 
das Weißbuch in Deutschland Entrüstung 
hervorgerufen hat? 
Hier antwortete von Ribbentrop sehr 
ernst: „Entrüstung? Nein, vielmehr eine bit 
tere Enttäuschung." 
Denn, was ist geschehen? Als Antwort auf 
den versöhnlichen Geist des englisch-französi 
schen Communiques hat Deutschland am 15. 
Februar an England eine freundliche Auffor 
derung zu einer freien Besprechung des euro 
päischen Problems ergehen lassen. 
In seinem aufrichtigen Wunsche, zu einer 
Versöhnung'mit Frankreich und, um zu prak 
tischen Ergebnissen zu gelangen, im Interesse 
des Friedens hat Deutschland Großbritannien 
als eine Garantiemacht des Locarno-Paktes 
gebeten, in zweiseitigen Besprechungen in Ber 
lin seine Hand zu einer fairen Lösung des 
Problems zu reichen. Es schien ein neuer Geist, 
in dem diese Noten gewechselt und in dem die 
Einladung von Großbritannien angenommen 
wurde, ein neuer Geist vertrauensvoller Be 
ratung nnd freier Vereinbarung zwischen sou 
veränen Staaten. Nur ein solcher neuer Kurs 
versprach praktische Ergebnisse. Und ich bin der 
Meinung, daß England empfunden haben muß, 
wie herzlich die Begrüßung dieses neuen Kur 
ses in Deutschland war. Das englische Weiß 
buch hat nun ungefähr dieselbe abkühlende 
Wirkung auf diese hoffnungsfrohe Stimmung 
ausgelöst, wie die augenblickliche sibirische Kälte 
auf unseren Vorfrühling. Daß diese im übri»
	        
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