Full text: Newspaper volume (1935, Bd. 1)

Bet? Tag in Wort und BŞ 
Amschau in die Welt. 
Was verursachte die Explosion? 
Eine Fabrik brennļ nieder. 
DNB. Kassel, 8. März. Freitag früh erfolgte 
in der unmittelbar an der Bahnstrecke Frank 
furt-Kassel liegenden Mitteldeutschen Teer 
produkte- und Dachpappensabrik Grifte eine 
Explosion. Nach der Detonation schoß aus dem 
Fabrikgebäude eine haushohe Stichflamme. 
Die ganze Fabrikanlage war in kurzer Zeit 
ein einziges Feuermeer. Da die Ortsfeuer- 
wehr und die Wehren der Umgebung zur Be 
kämpfung des Feuers nicht ausreichten, wurde 
der Ueberlandlöschzug aus Kassel herbeigeru 
fen. Den vereinten Bemühungen gelang es, 
ein Uebergreifen des Feuers auf einen großen 
Getreideschuppen und eine Ziegelei zu ver 
hindern. Die Löscharbeiten waren wegen gro 
ßer Rauchentwicklung, schlechter Wasserver- 
hültnisse und großer Hitze sehr schwierig. Das 
Wasser mußte aus der Eder, die 200 Meter 
entfernt ist, geholt werden. Da noch keine Ar 
beiter in der Fabrik waren, sind Explosion 
und Feuer keine Menschenleben zum Opfer 
gefallen. 
Weiter wird gemeldet: Es besteht keine 
Aussicht mehr, das Fabrikgebäude zu retten,' 
die Fabrik wird vollständig ausbrennen. Das 
Feuer dürste an den leicht brennbaren Mate 
rialien, die auf dem Faürikgelände liegen, noch 
tagelang Nahrung finden. Eine ungeheure 
Rauchwolke zeigt auf viele Kilometer Ent 
fernung den Brandherd an. Ein Teil des Ge 
bäudes ist bereits eingestürzt. Wäre das Feuer 
nicht von dem Getreideschuppen ferngehalten 
worden, so wäre über den Ort Grifte schweres 
Unglück hereingebrochen. Auch die Gefahr, die 
zuerst für die Eisenbahnlinie Kassel—Frank 
furt bestand, ist beseitigt, nachdem sich der 
Wind gedreht hat. Tie Löscharbeiten wurden 
außerdem dadurch sehr erschwert, daß die 
Schlauchleitungen unter den Bahngleisen hin 
durch gelegt werden mußten, um den Eisen 
bahnverkehr nicht zu unterbrechen. Die Beleg 
schaft der Fabrik war 20 Mann stark. 
Feuer im Vallsaal. 
Es gehl auch ohne Pamk. 
DNB. Düsseldorf, 8. März. Frettagmorgen 
gegen 4 Uhr brach auf der linken Bühnenseite 
des mit 1800 Personen besetzten großen Saales 
des Düsseldorfer Zoos Feuer aus, das leicht 
katastrophale Ausmaße hätte annehmen kön 
nen. Bei Eintreffen der Feuerwehr wurden 
die Dekorationen der Bühne und ein Teil der 
aus akustischen Gründen angebrachten Decken 
schürze brennend vorgefunden. Die Ent 
leerung des Saales, wo der Hausball (früher 
Köcheball) stattfand, vollzog sich ohne Panik, so 
gar ziemlich geordnet dank den zahlreichen 
Ausgängen und dank dem Eingreifen des 
Personals, so daß keine Verletzungen der Be 
sucher vorgekommen sind. 
Der Feuerwehr gelang es innerhalb einer 
halben Stunde, mit vier Schlauchleitungen die 
Gefahr für den großen Zoosaal vollkommen 
abzuwenden. Die Löscharbeiten nahmen die 
Züge noch etwa 3 Stunden in Anspruch. Das 
Mobiliar und die abgegebenen Garderoben 
stücke blieben unversehrt. Der Schaden am 
Gebäude ist gering. Von der umfangreichen 
Dekoration sind 80 Prozent infolge vorschrifts 
mäßiger Schwerentflammbarmachung ebenfalls 
unbeschädigt geblieben. 
* * * 
Em Einsiedler steig! vom Mm. 
In Cincinnati hat sich ein 76jähriger Ein 
siedler namens Steinberger eingefunden, der 
seit 36 Jahren auf dem Gipfel eines 25 Meter 
hohen Baumes gelebt hat und jetzt zum ersten 
Male wieder zur Zivilisation zurückgekehrt ist. 
Protest gegen das Weißbuch. 
Steinberger, früher Kunstlehrer an dem ame 
rikanischen Wittenberg-College, war im Jahre 
1898 zur Zeit des spanisch-amerikanischen 
Krieges der Welt überdrüssig geworden und 
hatte sich auf den einsamen Baum zurückge 
zogen. Er ist jetzt sehr erstaunt und teilweise 
begeistert über die neuen technischen Errun 
genschaften wie Rundfunk, Kraftwagen und 
moderne Eisenbahnen, die während seines 
Einsiedlertums geschaffen wurden, meinte je 
doch, daß die modernen Wohnungen viel zu 
bequem seien und ihre Bewohner verwöhnten. 
* * * 
Im Landesmuseum Hannover: 
Ser älļeste Wm der Well. 
DNB. Hannover, 8. Mürz. Museumsdirektor 
Prof. Dr. Jacob-Friesen übergab am Freitag 
abend den ältesten Pflug der Welt, der aus 
der Zeit 3400 vor Christi Geburt stammt, also 
über 3000 Jahre alt ist, der Öffentlichkeit. Er 
wurde vor einigen Jahren im Kreise Aurich 
beim Torfftechen gefunden und durch den 
Lehrer Kettler in Georgsfeld geborgen. Er 
war vollständig in dem „schwarzen Torf", dem 
älteren Bleichmoostorf, eingebettet, der an 
dieser Stelle 90 cm meßdick ist. Wegen der 
Einzigartigkeit des Fundes und seiner großen 
Bedeutung für die deutsche Vorgeschichte wur 
de der dem Landesmuseum in Hannover über 
wiesen, wo er jetzt nach jahrelanger fachmän 
nischer Behandlung in einem großen Schau 
kasten ausgestellt wird. 
Seehundsjäger in Not. 
Vier HM erfroren aufgefunden. 
Bon einem Helsingborger Dampfer wurden 
vier junge lettische Seehnndjäger in einem 
Boot treibend aufgefunden. Sie waren sechs 
Tage lang auf dem Meere umhergetrieben 
und hatten fürchterliche Qualen ausgestanden. 
Alle vier waren mehr tot denn lebend, als sie 
an Bord des Dampfers genommen wurden,' 
man hegt ernsteste Befürchtung, daß ihr Leben 
nicht zu retten ist. In schwerem Sturm waren 
sie von ihrem Mutterschiff abgekommen und 
fast über die ganze Ostsee getrieben, bevor der 
schwedische Dampfer sie entdeckte. 
Zu CMşibêîls neuem Wàeîord 
wird im einzelnen gemeldet: Malcolm Camp 
bell legte in südlicher Richtung 277,727 Meilen 
stunden — 438,912 Kilometerstunden zurück, in 
nördlicher Richtung erreichte er mit Rücken 
wind die Geschwindigkeit von 281,030 Meilen- 
stunöen — 452,274 Kilometerstunden. Im 
Durchschnitt legte er also eine Meile in 13:20 
Sekunden zurück. Damit hat er zum vierten 
Male auf dieser floridanischen Strecke den 
Weltrekord verbessert. Er erzielte im Jahre 
1931 395,469 Kilometer, 1932 408,721 Kilome 
ter, 1933 437,914 Kilometer und 1935 445,593 
Kilometer. Campbell benutzte seinen Ueber- 
rennwagen „Blauer Vogel" (Typ Schneider- 
Pokal), der schon beim Bau durch seine strom 
linienförmige Karosserie Aussehen erregte. 
700 Jahre alter Fastnachtsbrauch. 
Das kleine schwäbische Städtchen Munder- 
kingen an der Donau gehört unumstritten zu 
den ältesten traditionellen Städten der Fast 
nachtsbräuche. Alte Chroniken berichten schon 
von einer Fastnachtsaufführung aus dem 
Jahre 892. In diesem Jahre nun kann Mun- 
derkingen auf das 700jährige Bestehen eines 
noch heute in der gleichen originellen Wetze 
geübten Brauches — das Munderkinger 
Brunnenspringen — zurückblicken. Es wurde 
erstmals im Jahre 1235 unter Graf Rüdiger 
und Rudolf aufgeführt. In einer alten Ur 
kunde des Herzogs Albrecht vom Erzhaus 
Oesterreich über die Bürger von Munderichin 
gen wird die Ausübung dieses Brauches er 
wähnt. Bis um die Zeit von 1800 wurde das 
Brunnenspringen am Aschermittwoch ausge 
führt, von da ab am Fastnachtsdienstag. 
Die „Farben-Aera" der Herrenmode. 
Der amerikanische Modenkönig und Leiter 
der Internationalen Herrenschneiderausstel 
lung propagiert eitze neue Mode in der Her 
renkleidung, die — wie er kürzlich vor einer 
Reihe von Pressevertretern ausführte — die 
„Aera der Farbe!" heraufführen wird. Er ist 
für einen grellfarbigen Stromlinienstil in der 
Männerkleidung und erschien bei einer kürz 
lich stattgefunden Konferenz in einem sehr 
extravaganten Aufzug. Zu einem Jackett aus 
modernem Plaidstoff trug er bizarr geschweifte 
farbige Beinkleider und eine Weste aus ge 
tupfter Seide. Seinen Versprechungen gemäß 
wird die neue Herrenmode taubenblaue 
Fräcke, weinfarbene Smokings, safrangelbe 
Westen und burgunderrote Schuhe bringen. 
John Tranum ist tot. 
Der bekannte dänische 
Fallschirmspringer und In 
haber des Weltrekords im 
Fallschirmabsprung ist bei 
einem neuen Versuch, einen 
Absprung aus 9000 Meter 
Höhe vorzunehmen, erstickt. 
Ihren FmgZmbönrä» bM§! 
Die einzige weibliche Vertreterin Englands 
auf der Abrüstungskonferenz, Mrs. Corbet 
Ashby, hat aus Protest gegen die Veröffent 
lichung des Weißbuches dem englischen 
Ministerpräsidenten ihren Rücktritt erklärt. 
In ihrem Schreiben bezeichnet sie die Ver 
öffentlichung des Weißbuches als die größte 
moralische Katastrophe, die England seit dem 
Versailler Vertrag erlebt habe. 
Dr. Sà-Eysler. 
Die englische Polizeifachzeitschrift „Police 
Review" schlug kürzlich vor, die Fingerab 
drücke von sämtlichen Einwohnern Groß 
britanniens mit ultravioletten Strahlen 
zu tätowieren,' die Tätowierung würde 
für das bloße Auge unsichtbar sein, aber nach 
erneuter ultravioletter Bestrahlung zum Vor 
schein kommen. Der Vorschlag wurde gemacht, 
als anläßlich geheimnisvoller, noch immer nicht 
aufgeklärter Morde festgestellt wurde, daß in 
Großbritannien nicht weniger als 15 000 
Frauen vermißt werden, und daß diese Zahl 
sich Woche für Woche vermehrt. Die britische 
Polizeizentrale Scotland Iard hat die Vor 
schläge der „Police Review" abgelehnt,' denn 
die Aufnahme und Registrierung von 60 Mil 
lionen Fingerabdrücken würden mehr Arbeit 
und Unkosten bereiten, als die Sache wert sei. 
Inzwischen hat die Newyorker Polizei 
auf Anregung mehrerer Zeitungen die sieben 
Millionen Einwohner von Newyork City auf 
gefordert, sich im Laufe der nächsten beiden 
Jahre zur Abnahme ihrer Fingerabdrücke zur 
Verfügung zu stellen. Wenn jeder Newyorker 
dieser Aufforderung Folge leisten würde, Hüt 
ten, nach Angabe amerikanischer Zeitungen, 
etwa 100 Beamte vierundzwanzig Monate lang 
nichts anderes zu tun, als Fingerabdrücke zu 
photographieren und zu registrieren. Mexi 
ko ist übrigens schon dabei, seine gesamte Be 
völkerung zu daktyloskopieren, eine Absicht, 
deren Dauer auf mindestens sieben Jahre ge 
schätzt wird. 
Tranunrs Cnèc. 
Sterbend rettete er zwei Menschen. 
Wie jetzt bekannt wird, haben sich auch die 
Passagiere in den beiden Flugzeugen in Le 
bensgefahr befunden, die zusammen mit der 
Führermaschine aufstiegen, in der sich Tra 
num befand, als er seinen Rekordsprung un 
ternehmen wollte. Es waren ein Direktor der 
Filmgesellschaft Balli und ein Pressephoto 
graph der Zeitung „Politiken", die zusammen 
mit dem Falmschirmspringer die Veranstal 
tung ins Werk gesetzt hatten. Tie beiden Pas 
sagiere haben in beträchtlicher Höhe das Be 
wußtsein verloren, ohne daß die Piloten es 
zunächst bemerkten. Sie sind allem Anschein 
nach nur dadurch mit dem Leben davongekom 
men, daß ihre Flugzeuge dem Manöver der 
führenden Maschine sofort folgten, als diese 
niederging. * 
Tie Geretteten haben jedoch ernste Frost 
verletzungen an Händen und im Gesicht erlit 
ten. Sie liegen zusammen mit dem einen der 
drei aufgestiegenen Piloten, einem dänischen 
Militärflieger, im Krankenhaus. Inzwischen 
ist der Sauerstoffapparat, den Tranum bei sich 
hatte, von Sachverständigen genau geprüft 
worden. Er war leer und sonst völlig in Ord 
nung. Es besteht nur die Möglichkeit, daß der 
gestorbene Rekordspringer, der ja in seinem 
Leben mit vielen Sauerstoffapparaten gearbei 
tet hat und sie kannte, krank wurde, mehr als 
gewöhnlich Sauerstoff nahm und schließlich 
nicht mehr die Kraft hatte, den Hahn zu 
schließen, so daß der ganze Inhalt dem Behäl 
ter entströmte. 
Tranums Leiche soll nach Esbjerg gebracht 
werden. Tort wird auf seinen Wunsch der 
kühne Sportsmann zur letzten Ruhe gebettet. 
Auf dem Kölpinsee in Mecklenburg sank ein 
hölzerner Schleppkahn mit 48 000 Mauerstei 
nen infolge fortgesetzter Reibung mit dem 
Eise während der Fahrt nach Plau. Schiffer, 
Frau und Bootsmann retteten sich auf den 
Schlepper. 
Kurze Psft. 
Am Kaiserdamm in Berlin wurde gestern 
die große Wassersportaussteüung feierlich er 
öffnet. Reichssportführer von Tschammer und 
Osten begrüßte es in einer Ansprache, daß die 
Marine ihre Verbundenheit mit dem Wasser 
sport wie dem Sport überhaupt durch eine 
Sonderschau Ausdruck gibt. 
In einem Hamburger Kommunistenprozeß, 
der im Zeichen des Namens und der Tätigkeit 
des ehemaligen Kommunistenführers Fiete 
Schulze steht, wurde gestern, am 16. Verhand 
lungstage, die Beweisaufnahme geschlossen. 
Am Montag beginnt das Plädoyer des Staats 
anwalts. kleberfälle auf SA.-Lokale und SA.« 
Züge bilden den Gegenstand des Prozesses. 
Im Jahre 1934 ereigneten sich auf däuische« 
Straßen 13 932 Verkehrsunfälle gegen 12 291 
im Vorjahre. An 11199 Unfällen waren Kraft- 
wagen beteiligt. 253 gegen 194 Personen fan 
den den Tod. Die Zahl der Verletzten betrug 
7469 gegen 6355 im Jahre vorher. 
Jahrelang verschwanden aus den Kühlräu 
men des Aachener Schlachthofes ganze 
Schweine und Rinder, Speckseiten usw. spur 
los. Jetzt wurde die Diebes- und Hehlerbande 
gestellt. Vorläufig sind vier Personen verhaf 
tet. 
Hochwasser- und Frostschäden werden aus 
dem Memelgebiet gemeldet. Hier und dort 
mußten die Leute sich mit ihrem Vieh aus den 
Dachboden retten. Eisschollen des Rußstromes 
fegten Heu- und Strohschober weg. Um die 
Wintersaat dürfte es in diesem Gebiet gesche 
hen sein. 
£d&£-u Tunk, 
Mukden. 
In der Nacht auf den 8. März versuchten 
Schmuggler in Xingkow zu landen,' sie wurden 
von der Zollwache überrascht. Es kam zu ei 
nem Feuergefecht, bei dem 4 Zollbeamte 
getötet und 5 verletzt wurden. Ein 
Schmugglerboot kenterte, das nach Mitteilung 
der Polizei 15 Tote und Verwundete an Bord 
hatte. Zwei Boote der Zollpolizei gingen in 
See und nahmen 9 Schmuggler gefangen. 
Vom Aufstand in Griechenland. 
Griechische Negierungstruppen beim Marsch in das Aufstands- 
gebiet. , Dr. (êellê.lîgsïe*.
	        
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