Full text: Newspaper volume (1935, Bd. 1)

128. Jahrgang. 
128. Jahrgang. 
Renösburger Sagebla# 
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Ob der Staatsmann die Konföderation nicht 
sprengte, weil er die Gefahren sah, — oder ob 
der Ritter bei seinem Eide blieb, den er auf 
die Verfassung des Landes und des Ordens 
abgelegt hatte. Das lief jetzt auf dasselbe 
hinaus. 
Ob er sich an das Gesetz des Politikers hielt, 
die Grenzen des Möglichen zu erkennen und 
hart an der Schwelle des Unmöglichen das 
politische Ziel aufzurichten — oder an das 
des .Soldaten, niemals den Posten zu ver 
lassen, auch wenn er verloren schien. 
Immer handelte er unter dem Gesetz des 
Reichs. 
Aber wir haben kein Recht und keinen An 
laß, den Ritter von dem Staatsmann zu tren 
nen. „Keiner kannte wie er die Lebensbedin 
gungen dieses Landes", darüber sind sich die 
baltischen Historiker einig. Und wir können 
uns ihrem Urteil anschließen, daß sich in ihm 
Charakterstärke und Tatkraft verbanden mit 
politischer Größe. Eins das andere durch 
dringend und belebend, eines dem andern erst 
die volle Wirksamkeit sichernd. 
So erklärt sich die lebendige Kraft seiner 
Persönlichkeit bei seinen Mitlebenden und 
durch die Jahrhunderte. Anekdoten und 
Sage, die bei allen Wundern, die sie um die 
Persönlichkeiten der Geschichte ranken, doch 
stets die Summe ihres Lebens ziehen, zeigen 
ihn gerecht, kühn, entschlossen, aufrecht und 
fromm. Niemals zaghaft und der Tatkraft 
bar. Man erzählt sich gern, wie er — am 
28. Februar 1635 — gestorben sei: Nicht im 
Bett, sondern vor dem Altar sitzend in Wams 
und Kleidung. So war man ihn sich zu den 
ken gewohnt: Männlich und gefaßt. 
Und wenn er noch der Folie bedürfte für 
seine Größe: die nach ihm kamen, würden sie 
bieten. Vom ersten bis zum letzten. Bis zu 
jenem Ketteler — ein Westfale wie Pletten 
berg — der das Land verkaufte und polnischer 
Vasall wurde und sich dann Herzog von Kur 
land nannte. 
Auf verlorenem Posten. 
Walter von Plettenberg, der letzte große Herrenmeister des Deutschen Ordens in Livland. 
der Schriftleituug: Vor Landtag erschienen. Damit stellte er sich außer- kein Volk, das alle Schicksale überdauert hätte, 
hrte sich der 400. Todestag halb der Konföderation und war ihr Feind. Viel konnte erreicht werden in weiser Mäßi- 
nes deutscher Geschichte. Der Stufe um Stufe hatte Plettenberg zuerst die gung, in versöhnendem Ausgleich: in Jahr- 
Deutschen Ordens in Liv- Uebermacht des Erzbischofs gebrochen, dann Hunderten konnte so das Bewußtsein eines 
Plettenberg, gehört zu jenen seinen politischen Einfluß zu mindern gewußt, gemeinsamen Schicksals Tradition werden, 
fttalten, die durch Charakter Jetzt — so schien es — waren die Dinge reif Äeußerer und innerer Friede waren darum 
Deutschtum an den Grenzen zur Entscheidung. Und Plettenberg versagte, notwendig. Plettenberg gab dem Land beides, 
gt und getragen haben. Die Gesandten der Städte kehrten unverrichte- Die Entscheidung aber, die man in Wolmar 
igen Geschlecht kann diese ter Dinge zurück. „Ich kann nicht Stand gegen von ihm forderte, bedeutete Krieg mit Polen, 
ch die Erfüllung einer ihr Stand schirmen." „Tie Lande müssen einig denn sie richtete sich gegen den Erzbischof und 
ichen Aufgabe noch Vorbild sein." Der politischen Weisheit schien die der stand unter dem Schutz des polnischen 
lberger insbesondere, weil Größe des Entschlusses zu fehlen. Königs. 
sche Größe gegen eigenen Aber wo waren die Lebensbedingungen Ein Krieg mit Polen aber bedeutete Unter- 
fnteressententum die An- politischer Größe im Land? werfung der Herrenmeister allerdings 
nnschaft, des Reiches, sah, Vier Bischöfe, ein Erzbischof und der Orden konnte — so lehrten die Beispiele — bei recht- 
digte. teilten sich seit Jahrhunderten in die Regie- zeitigem Einlenken Herzog werden mit gemal 
ter des Deutschtums im rung. Jede Macht hatte ihre Vasallen und tigen Machtbefugnissen im Innern. Aber 
aber besonders in der Ge- ihre Privilegien. Zwischen diesen Mächten Herzog von Polen. 
weil sie sich wieder auf die stand der Adel, der für seinen Ueberschutz Der Plettenberger war nicht gewohnt, das 
lut und Rasse und ihre Ver- Raum fand in den Pfründen und Klöstern Wohl des Landes für seine eigene Größe zu 
nt. Sie werden dem zu- der Stifter und in den Schlössern des Ordens, verkaufen. So erscheint sein Verhalten auf 
dem Landtag zu Wolmar in einem neuen 
Licht. Seine scheinbar größte Schwäche war 
seine reifste Tat. 
Und das war ihr Sinn: Er hielt zum Reich. 
Sein Hochmeister war gegen seinen aus 
drücklichen Rat in einen Krieg mit Polen ein 
getreten und hatte ihn — 1625 — als Herzog 
von Preußen, aber als polnischer Vasall be 
endet. Im selben Jahr noch wurde der Plet 
tenberger Vasall des Kaisers und reichs- 
umnittelbarer Fürst. 
Ob ihn politische Einsicht lenkte in jenem 
entscheidenden Augenblick zu Wolmar, oder ob 
allein die Stärke seines Charakters ihm sein 
Verhalten vorschrieb, erscheint jetzt bedeu 
tungslos. Der Erfolg war in beiden Fällen 
In der Regensburger Walhalla steht Plet 
tenbergs Büste. Eine südafrikanische Bucht 
nannten begeisterte Seefahrer die Plettenberg- 
Bay. Die Deutschen Livlands bewahrten sein 
Andenken durch Jahrhunderte und den 
Historikern bedeutet sein Name soviel wie der 
Hermann von Salzas. 
Er entstammte dem westfälischen Geschlecht 
derer von Plettenberg und man stellt ihn gern 
neben Theodor Neuhof, den König von Korsika 
— dessen Stammsitz wenige Kilometer von 
Plettenberg entfernt, bei Werdohl lag. Doch 
hat er nichts mit ihm gemein als seine Heimat. 
Den Neuhof mißbrauchte die Weltgeschichte zu 
einem blutigen Scherz — sie errichtete in Ab 
ständen von zwei Jahrhunderten Königs 
throne in Westfalen und in Korsika und 
tauschte die Landesväter aus — Dem Pletten 
berger aber stellte sie eine Aufgabe. 
Nicht nur dem Heerführer, der zweimal die 
gewaltige Uebermacht der Russen schlug und 
dann mit dem schmückenden Beiwort „der 
Russenbezwinger" durch die Jahrhunderte 
ging, sondern vor allem dem Staatsmann. 
Gewiß kennen ihn Ueberlieferung und Sage 
zuerst und fast ausschließlich als den großen 
Heerführer, den Sieger von Maholm und 
Pleskow, der mit 4000 Rittern 40 000 Russen 
schlug. Wunder über Wunder ranken sie um 
diese Siege und um ebensoviel Wunder machen 
sie ihn ärmer an wahrer Größe. 
Die zeigte sich 20 Jahre später in einem 
Augenblick, der ihm die Früchte seiner langen 
beharrlichen und ausgleichenden Regierung zu 
bringen schien. Er zögerte damals und griff 
nicht ein in die Entwicklung, die zur Ent 
scheidung drängte. So glitten die Dinge wie 
der zurück in ihr ewig gestörtes Gleichgewicht. 
— Seither deuteten viele die Ruhe, mit der er 
über den Parteien stand, als eine Trägheit 
seines Temperaments. 
1526, während des Landtages zu Wolmar, 
traten vor ihn die Abgesandten der drei 
großen Städte des Landes: Reval, Riga und 
Dorpat. Die drei Städte wollten nur einem 
Herrn huldigen. Plettenberg sollte sie schir 
men. Orden, Ritterschaft und Adel unter 
stützten diese Bitte. An die Stelle des Jahr 
hunderte alten Gegensatzes Erzbischof — Her 
renmeister, der dem Lande so oft in entscheiden 
den Augenblicken die innere Kraft genommen 
hatte, schien endlich die starke Zentralgewalt 
zu treten. Der Erzbischof hatte mit den Russen 
verhandelt, das hatte ihm das Mißtrauen der 
Ritter eingebracht. Die Reformation war ins 
Land gekommen, sie hatte seine Macht in den 
Städten untergraben. Er war nicht auf dem 
Schacht-Rede aus der Leipziger Frühjahrsmesse 
in einer charakteristischen Ziffer zusammen 
fassen: Vor dem Kriege hatte Deutschland 
25 Milliarden Reichsmark Forderungen und 
15 Jahre später mehr als 25 Milliarden Reichs 
mark Schulden an das Ausland. Deutschland 
hat alles getan, um die ihm aufgezwungene 
Umstellung zu vollziehen und seine Schulden 
abzuzahlen. Das Ausland hat aber den Erfolg 
dieser Anstrengungen durch seine Handels 
restriktionen und Währungsdumping vereitelt. 
Außerdem ist ein Teil unserer Gläubiger 
staaten zu dem System der Clearings über 
gegangen und hat damit dem Welthandel 
einen neuen Schlag versetzt. Diese Clearing 
verträge haben nicht nur unseren Transithan 
del fast vollständig zum Erliegen gebracht, sie 
haben darüber hinaus durch den Bürokratis 
mus und durch ihre Formularwirtschaft den 
fremden Käufer abgeschreckt, in Deutschland 
einzukaufen. Ferner haben sie den Rohstoffver- 
Dr. Schacht hielt am Montagabend auf der 
Leipziger Frühjahrsmesse einen Vortrag über 
„Deutschland in der Weltwirtschaft". Er führte 
u. a. aus: 
Wirtschaftspolitik ist keine Wissenschaft, son 
dern eine Kunst. Handwerkszeug und Metho 
den dieser Kunst kann man sich aneignen, und 
sie müssen gelernt sein. Das Können in der 
Kunst aber muß man haben, das kann man 
nicht lernen. Um die Kenntnis von Handwerks 
zeug und Methoden ergibt sich eine Flut von 
Forschungs- und Streitschriften, von Reden 
und Erörterungen, von Proklamationen und 
Deklamationen. Das Können aber wird von 
alledem nicht berührt: es bedingt zwar die 
volle Kenntnis von Handwerkszeug und Me 
thoden, aber es ist begründet in Seele, Glaube, 
Hingabe, Willen, mit einem Wort in dem, was 
man Weltanschauung nennt und was keine 
Angelegenheit des Intellektes ist, sondern des 
Gefühls. Darum gibt es eine nationalsoziali 
stische Wirtschaftspolitik, so gut wie es eine 
merkantilistische, eine physiokratische oder eine 
liberalistische Wirtschaftspolitik gegeben hat. 
Darum ist es eine Irrlehre, wenn man von 
exakten Wirtschaftsmethoden und von unver 
änderlichen Wirtschaftsgesetzen spricht. Der 
Wirtschaftspolitiker muß auch scheinbar Un- 
inögliches möglich machen können. 
Wir wollen uns keinem Zweifel darüber hin 
geben, daß Deutschland heute vor wirtschafts 
politischen Aufgaben steht, die dem normalen 
Nationalökonomen als beinahe unlösbar er 
scheinen. Dazu kommt, daß wir die Lösung fin 
den müssen zu einer Zeit, wo noch ein erheb 
licher Teil in der Auslandswelt sich unserem 
geistigen Ringen gegenüber feindlich einstellt. 
Noch sträuben sich zahllose materielle Inter 
essenten gegen die Anerkennung dieses Geistes,
	        
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