Full text: Newspaper volume (1935, Bd. 1)

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128. Jahrgang. 
128. Jahrgang. 
Renösburger TagedloL 
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Die englische Reise nach Berlin. 
Hitler sehe nichts, was die Festigung der Ver 
hältnisse im Westen verhindern könne. Er habe 
wiederholt verkündet, daß die Rückerstattung 
des Saargebietes für immer den tausendjäh 
rigen Grenzstreit zwischen Deutschland und 
Frankreich abschließen müßte. 
Heule französischer Mmsierral. 
DNB. Paris, 26. Febr. (Eig. Funkmeldg.). 
Der französische Ministerrat tritt am Diens 
tagmorgen unter dem Vorsitz des Staatsprä 
sidenten zu einer Sitzung zusammen, um sich 
mit einer Reihe innen- und außenpolitischer 
Fragen zu beschäftigen. Außenminister Laval 
wird über seine Unterredungen mit dem 
österreichischen Bundeskanzler Schuschnigg so 
wie über die diplomatischen Verhandlungen 
zwischen Paris, London und Berlin berichten. 
Wie in gut unterrichteten Kreisen verlautet, 
wird auch der bevorstehende Besuch des eng 
lischen Außenministers in Paris erörtert wer 
den, weil die französische Regierung trotz des 
privaten Charakters des Besuches die Gele 
genheit zu einem eingehenden Meinungsaus 
tausch benutzen werde. Sir John Simon trifft 
am Donnerstagvormittag in der französischen 
Hauptstadt ein. Sehr wahrscheinlich wird der 
englische Botschafter am Donnerstagmittag ein 
Frühstück geben, zu dem auch der französische 
Außenminister Laval geladen wird. Dieses 
Frühstück soll nach Ansicht unterrichteter Krei 
se den Rahmen für die Unterredung der beiden 
Minister bilden, die sich vor allem wegen der 
Berliner Reise Sir John Simons sehr viel 
zu sagen hätten. Sir John Simon kehrt am 
Freitag nach London zurück. 
Die Reife nach Moskau noch fraglich 
„Ich hoffe, in sehr kurzer Zeit Berlin zu 
besuchen." 
So antwortete am Montagnachmittag im 
Unterhaus der englische Außenminister Sir 
John Simon auf eine Anfrage des Opposi 
tionsführers Lansbury. 
Lansbury fragte, ob Simon in der Lage sei, 
irgendeine Erklärung zu dem Vorschlag der 
deutschen Regierung abzugeben, daß ein di 
rekter Meinungsaustausch zwischen den beiden 
Regierungen als Folge der kürzlichen englisch- 
französischen Besprechungen in London statt 
finden solle. Simon erwiderte: „Jawohl. Nach 
Entgegennahme des deutschen Vorschlages über 
diesen Gegenstand fragte die englische Regie 
rung nach, ob sie richtigerweise annehmen 
könne, daß der Zweck dieser Zusammenkunft 
dahingehen würde, die Beratungen über alle 
in dem englisch-französischen Kommunique er 
wähnten Angelegenheiten um einen Abschnitt 
weiter zu tragen. Ich habe eine Antwort von 
der deutschen Regierung erhalten, in der sie 
mit dieser Beschreibung des Umfanges der 
vorgeschlagene» Zusammenkunft überein 
stimmt und mich einlädt, zu diesem Zweck nach 
Berlin zu kommen. Die englische Regierung 
l 1t der Ansicht, daß dies eine nützliche An 
legung ist, und ich hoffe, binnen sehr kurzem 
Berlin zu besuchen. Der Zeitpunkt und die an 
deren Einzelheiten müßten noch verabredet 
werden. Die französische und die italienische 
Regierung haben dem ihm vorgeschlagenen 
Gang des Verfahrens zugestimmt." 
Lansbury fragte hierauf: „Ist c-? beabsichtigt, 
Moskau oder irgendeine andere europäische 
Hauptstadt im Zusammenhang mit diesen ge 
planten Abmachungen zu besuchen?" 
Simon erwiderte hierauf: „Diese Frage 
wird zur Zeit erwogen." 
Ein Vesuch ZêMus in àkM? 
Zu der am Montag von Sir John Simon 
im Unterhaus gemachten Mitteilung, daß eine 
Ausdehnung seiner Reise von Berlin nach 
Moskau und andere» Hauptstädten erwogen 
werde, bemerkt der diplomatische Berichterstat- 
ier der englischen Zeitung „Morning Post", es 
sei so gut wie sicher, daß der Staatssekretär 
des Aeußeren Moskau besuchen werde, und es 
sei wahrscheinlich, daß er auch nach Warschau 
und Prag gehen werde. Der diplomatische Be 
richterstatter des „Daily Telegraph" sagt, un 
ter den britischen Ministern habe am Montag 
allgemeine Uebereinstimmung darüber ge 
herrscht, daß von einer Ausdehnung der Reise 
Timons wertvolle Ergebnisse erwartet werden 
könnten. Das Gerücht, wonach von sehr ein 
flußreicher britischer Seite Widerstand gegen 
diesen Gedanken geleistet worden sei, entbehre 
jeder Grundlage. Vor seinem Besuch in Mos 
kau werde Simon übrigens nach London zu 
rückkehren, um dem Kabinett über seine Ber 
liner Besprechungen Bericht zu erstatten. 
* 
Der parlamentarische Mitarbeiter der eng 
lischen Zeitung „Times" schreibt: Die Ankün 
digung des Staatssekretärs des Aeußeren, daß 
er Berlin in der nächsten Zeit einen Besuch 
abstatten werde, war das Ergebnis eines vom 
Kabinett in seiner gestrigen Sondersitzung ge 
faßten Beschlusses. Die Minister waren über 
einstimmend der Meinung, daß die Andeutung 
der deutschen Regierung, wonach jede in der 
englisch-französischen Erklärung aufgeworfene 
Frage auf einer Zusammenkunft zwischen bri 
tischen und deutschen Ministern geprüft wer 
den solle, sie zur Annahme der Einladung be 
rechtige. Man erwartet jetzt, daß Simon un 
gefähr Mitte nächster Woche nach Deutschland 
abreisen wird. Ob er allein reisen oder vom 
Großsiegelbewahrer Eden begleitet sein wird, 
ist noch nicht entschieden. 
Es verlautet, daß der Sowjet-Botschafter in 
London, Maisky, nunmehr der britischen Re 
gierung die formelle Einladung zu einem Be 
such eines Vertreters oder von Vertretern 
sem Hoffen und Glauben kam schließlich doch 
die Stunde, die wir damals ersehnt hatten. 
Und es mußte so sein. Das vergessen Sie nie! 
Als ich damals zum ersten Male redete, war 
unser Programm die größte Kampfansage des 
Jahrhunderts gegen diese Zeit, gegen den Geist 
dieser Zeit. Es war ein unendlich schweres 
Beginnen! Wer waren wir denn? Lauter Na 
menlose! Nicht ein Prominenter unter uns, 
kein Politiker, kein Parlamentarier. (Lebhafte 
Zustimmung.) An uns klebte damals noch der 
Schmutz des Schützengrabens. Sie alle, die 
uns entgegentraten, warfen uns vor: „Was 
wollt ihr denn, ihr seid ja gar nicht berufen." 
„Berufen", berufen warend amals nur die, die 
Deutschland in das Unglück brachten. 
Uns fehlte weiter das Salböl der damaligen 
Politiker. (Heiterkeit.) Wir hatten kein Kapi 
tal. Eine Bewegung, die von Menschen ge 
gründet wird, die keinen Namen haben, eine 
Partei, die gegründet wird ohne Kapital, er 
schien wie eine Aktiengesellschaft, bei der nichts 
einbezahlt wird. Irgend jemand mußte sich 
doch daran beteiligen, mit Namen und mit Ka 
pital, und beides hat uns damals gefehlt. Fast 
keinen Pfennig haben wir besessen, und alle 
Menschen, die wirklich Kapital hatten, sie 
wichen uns weit aus, sie sagten: „Hinweg von 
uns, denn ihr habt keinen Namen!" Und die 
einen Namen hatten, sagten: „Geht weg, denn 
ihr habt ja kein Kapital!" und außerdem hat 
ten wir keine Zeitung. 
Nun war die Frage: Wie wollten wir über 
haupt bekannt werden? Ein unerhört schwerer 
Entschluß, mit nichts, ohne Namen, mit einem 
Programm, das sich gegen alle wandte, an die 
Oeffentlichkeit zu treten. Es war ein gewalti 
ger Kampf, die Bewegung dem deutschen Volk 
überhaupt zum Bewußtsein zu bringen. Sie 
haben uns vorgeworfen die Rauheit unseres 
Tones, sie haben uns vorgeworfen die Bru 
talität unseres Kampfes. Sie warfen uns vor 
die Ungeschminktheit in unseren Reden. Glaubt 
jemand, wir hätten sonst je das Gehör der 
Oeffentlichkeit bekommen? Es war notwendig, 
daß wir so kämpften. Denn nur so konnten 
wir überhaupt den Weg zum Ohr der Nation 
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