Full text: Newspaper volume (1935, Bd. 1)

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Renösburgev TageblaL 
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yr. 42 
Dienstag, den 13. Februar 
3m Gedenken an einen großen Schweden. 
Sven Heöin, der Forscher und Politiker. 
Am 19. Februar wirb der bekannte 
schwedische Entdecker 70 Jahre alt. 
^Die weite Fläche Asiens hat er erforscht, 
statten, die vor ihm nie ein Europäer be 
treten, hat er gesehen, Bagdad, Babylon, 
Ninive, der Mount Everest und der Trans- 
Himalaja sind ihm bekannt wie seine Heimat. 
Fünfzig Jahre voll Erleben und Kämpfe 
haben ihn „von Pol zu Pol" geführt, haben 
ihm die Größe der Welt und ihre Enge ge 
zeigt. Siebzig Jahre ist er heute. Und er ruht 
sich nicht aus in seinem Zuhause, wie er es 
verdient hätte, er freut sich nicht auf „einen 
schönen Lebensabend", nein, irgendwo weit 
draußen in Asien, in der Wüste Gobi oder in 
China vielleicht verbringt er seinen Geburts 
tag, und denkt vielleicht an die Zeppelin- 
Expedition in das Innere Brasiliens, an der 
er sich beteiligen will, denkt vielleicht an ein 
anderes fernes Land, das er gründlicher noch 
zu erforschen beabsichtigt. Neue Taten, neue 
Forschungen, das ist sein Leben, das ist Sven 
Hedin, der große Schwede. 
Die bis heute umfassendste Uebersicht über 
sich selbst hat Sven Hedin in seinem Buch 
li} „Mein Leben als Entdecker" (F. A. Brockhans 
Verlag, Leipzig) gegeben. Von der ersten 
Reise, die den 20jährigen nach Balachany 
führte, bis zu der Steife um die Welt, die der 
60jährige 1928 beschloß — eine Fülle von 
Erlebnissen. Und eine Fülle von Er 
lebnissen spricht auch aus den anderen Wer 
ken: „Durch Asiens Wüsten", „Zu Land nach 
Indien", „Trans-Himalaja" und wie sie 
heißen. Der heiligste Mann der lamaistischen 
Welt, der Taschi Lama und sein Kult, das 
Quellgcbiet des Brahmaputra, das Reich des 
Dalai Lama, der alte und der neue Lopnor, 
der Kara Koschan, die Urwälder des Tarim, 
Kara Schahr, die schwarze Stadt, Timur Lenk, 
der Beherrscher Samarkands, der Hoang Ho, 
die Tanguten, der Dschagyn Gol — wieviel 
geheimnisvolles Leben und Geschehen enthal 
ten diese Bücher. 
Aber Sven Hedin ist nicht nur der große 
Entdecker und Forscher, nicht nur der große 
Erzähler seiner Erlebnisse, Sven Hedin ist 
auch Politiker, ja, man könnte sagen, poli 
tischer Seher. Seine Schwester Alma 
berichtet in einer „Mein Bruder Sven" be 
nannten Biographie von zwei Flugschriften, 
die er unter dem Titel „Ett varningsord" 
(Ein Warnungsruf) und „Zweite Warnung" 
1911 und 1914 erscheinen ließ, und die die sich 
immer mehr zuspitzende Lage Europas be 
trachteten. — Am 2. April 1914, zu einer Zeit, 
da alle Welt voll der Friedensworte war, 
sprach Sven Hedin im Norwegischen Stuöen- 
tenverein in Kristiania: „Unsere Versamm 
lung hebt sich gegen einen Horizont ab, der 
in blutroten, das Nahen des 
Sturmes verkündenden Wolken 
glüht. Die Herolde der Sturmwarnung 
haben schon sein verheerendes Vorwärts 
brausen angezeigt. Hört das Heulen draußen, 
hört die taktfesten Schläge der Brandung 
gegen die Küste. Mit gerefften Segeln sucht 
das Schiff einen Hafen zu erreichen. Die 
Vögel unter dem Himmel suchen ihre Nester 
auf, und wer klug ist, bestellt sein Haus, be 
vor der Sturm hereinbricht." — Bei der 
Feier des Mittsommertages 1914 spricht er 
von „einem Krieg, der jeden Tag ausbrechen 
kann". 
Während des Krieges nimmt dann der 
schwedische Forscher in vielen Veröf 
fentlichungen Stellung gegen die 
G r e u e l l tt g e n, die über das deutsche Heer 
verbreitet wurden. Immer und immer wie-: 
der setzt er — der Schwede — sich für die 
deutsche Sache ein. Unter dem Titel 
„Ein Volk in Waffen" lesen wir die Schilde 
rung seines Besuches an der deutschen West 
front im Jahre 1914, unter dem Titel „Nach 
Osten" hören wir von seinen Erlebnissen an 
der deutschen Front im Osten im Sommer 
1915. » 
Tief erschüttert Hedin der deutsche Zusam 
menbruch vom 9. November 1918, über den 
er 1920 („Der 9. November, ein Gruß an das 
Deutsche Volk", F. A. Brockhaus, Leipzig) 
schreibt. „Der 9. November! Man schaudert 
bei der Erinnerung an diesen Tag! — In Zu 
kunft werden seine Schatten Jahr für Jahr 
alle echten Germanen verfolgen. An diesem 
Tag zerriß das stärkste und stolzeste Reich der 
Erde zu einem Fetzen, der seither von seinem 
Feind mit empörender Grausamkeit und Ver 
achtung behandelt wurde." Und von dem 
Völkerbund, den damals die Mehrzahl der so 
genannten „gebildeten Deutschen" als die 
große völkerversöhnende und Deutschland 
unterstützende Macht priesen, sagt er mit 
Recht „er erscheine ihm viel eher als eine 
gegen Deutschland gerichtete Liga". „Wahr 
lich eine wunderliche Friedensaera, die mit 
den Tagen von Versailles eingeleitet wurde. 
Ihre Strahlen erglänzen immer sengender 
über der Erde. Ihre Tauben sind mit Raub- 
tierschnübeln und mit Raubtierkrallen be 
waffnet... Die Politik, die nach dem Frieden 
gegen Deutschland betrieben wird, ist ohne 
Zweifel die gigantischste Dummheit der Welt 
geschichte. Denn nur die dem deutschen Volke 
— trotz allem — innewohnende Manneszucht 
und hohe Kultur haben den Bolschewismus 
gehindert, seinen,Siegeszug bis an den Rhein 
auszudehnen. Die Entente wagt also ein 
hohes Spiel!" Ueber die Zukunft Deutsch 
lands aber schreibt der schwedische Forscher 
1920, als in Deutschland selbst nur Not und 
Verzweiflung herrschen, als in Deutschland 
selbst ganz wenige nur an eine Zukunft 
glauben, da urteilt Sven Hedin aus tiefer 
Welt- und Menschenkenntnis über die Zu 
kunft des deutschen Volkes und Reiches: „Von 
der Zukunft wissen wir nichts, und es ist ge 
fährlich, als Prophet aufzutreten. Doch ohue 
die geringste Sorge, von der Wirklichkeit 
desavouiert zu werden, und mit unerschütter 
licher Ueberzeugung wage ich zwei Prophe 
zeiungen auszusprechen: Zum ersten: Wenn 
die Politik der Entente noch längere Zeit von 
demselben unversöhnlichen Haß bestimmt 
wird wie jetzt, treiben wir in Europa einer 
Südslawiells Sokol-Verbände. 
Die àlken -er slawischen Völker. 
Bon unserem Belgrader Korrespondenten. 
Belgrad, im Februar. 
In dem südslawischen Wahlkampf stützt sich 
die Regierungspartei mit der Spitzenkandida 
tur des jetzigen Ministerpräsidenten Jeftitsch 
in der Hauptsache auf die großen nationalen 
Verbände und die Genossenschaften. Unter die 
sen Verbänden nimmt der südslawische Sokol 
die weitaus stärkste Stellung ein. Das Land 
zählt nur 13 Millionen Einwohner, aber die 
Sokoln haben nicht weniger als 350 000 Mit 
glieder. Sie erfassen also einen sehr starken 
Prozentsatz der Jugendlichen. Der südslawische 
Sokol stellt eine staatliche Organisation dar. 
Im Jahre 1931 wuķhe gesetzlich vereinbart, daß 
der jeweilige Thrörtfolger 'zugleich auch der 
Präsident des Sokol-Verbandes sein sollte. Es 
war äußerlich mehr als ein Symbol, wenn 
darum der junge 11jährige König von Jugo 
slawien Peter II. zum erstenmal nach der Er 
mordung Alexanders I. in der Uniform der 
Sokoln vor seinem Volke erschien. Diese 350 000 
Mann stellen neben dem Heere eine machtvolle 
Organisation der Jugendlichen im ganzen 
Lande dar, die vielleicht zurzeit neben den 
Schulen mit zum stärksten Erziehungsmittel 
für die südslawische Einheit werden. Die So 
koln genießen eine, wenn auch nicht gerade sehr 
große staatliche finanzielle Unterstützung und 
werden äußerst straff geleitet. 
Wenn man durch Jugoslawien fährt, mag cs 
im Norden durch die Wälder Kroatiens oder 
im Süden durch die fruchtbaren Täler von 
Serbien oder die strotzende Ebene des Banates 
sein, überall wird man auf die bunten Jäckchen 
und die Nationalmützen der Sokoln stoßen. 
Dreimal in der Woche treten sie zu ihren gym 
nastischen Uebungen an, die in der letzten Al 
tersstufe für die Jungens von über 18 Jahren 
bis zum 26. Lebensjahre auch zugleich eine 
wertvolle wehrpolitische Schulung darstellen. 
Den Turn- und Sportübungen geht ein kurzer 
Vortrag vorauf, in dem nationale, geschicht 
liche und wirtschaftspolitische Probleme behan 
delt werden. In einem Volke, in dem sehr 
wenig Zeitungen gelesen werden, bedeutet eine 
derartige systematische Unterweisung von einer 
zentralen Stelle her ein nicht zu, unterschätzen 
der Faktor der öffentlichen Meinungsbildung 
und der nationalen Erziehung. Naturgemäß 
haben sich die Sokoln am stärksten in den Städ 
ten, und zwar an den Grenzen entlang durch 
gesetzt. Es ist ja an sich schwer, in den weiten, 
fast menschen- und vegetationsleeren Karst 
wüsten an der dalmatinischen Küste entlang die 
Jugend in solchen Verbänden zu organisieren. 
In diesen Gegenden scheint es auch nicht ge 
boten zu sein, denn der Nationalstolz und die 
Schießkunst der Montenegriner und Bosniaken 
hat nicht umsonst einen gewissen Ruf. Die von 
der Regierung durchgeführte Entwaffnungs 
aktion in früheren Jahren hatte nicht gerade 
einen überwältigenden Erfolg . . . 
Uebrigens ist die Idee zur Gründung von 
Sokoln nicht von Südslawien ausgegangen. 
Man wird sich auch in Deutschland entsinnen, 
welche Bedeutung die polnischen Sokoln-Ver- 
eine in Posen, Westpreußen und zuletzt auch in 
Oberschlesien gewonnen hatten. Ueberall bei 
den Tschechen, Polen und Südslawen waren 
die Sokoln die Vorkämpfer der nationalen 
Freiheit und Selbständigkeit. Sokol heißt Fal 
ke, und Falken waren den slawischen Völkern 
Symbole von Mut, Entschlossenheit und 
Schnelligkeit. 1862 wurde von dem Tschechen 
Tirsch der erste Sokol-Verein gegründet. Die 
^Tschechen hatten aus dem deutschen Befrei 
ungskampf vom Geiste Jahns gelernt. Mit 
rasender Schnelligkeit schossen überall in der 
Tschechoslowakei die Sokol-Vereine wie Pilze 
128. Jahrgang. 
1335 
Katastrophe entgegen, mit -er verglichen der 
Weltkrieg ein Kinderspiel gewesen ist. Zum 
andern: Unter allen Umstünden wird Deutsch 
land einmal sich wieder erheben, sich erholen 
und seine alte Größe und Macht wieder« 
gewinnen? 
Der Politiker Hedin hat recht behalten. Der 
Forscher Hedin ist längst anerkannt. Der 
Mensch aber wird heute und immer uns allen 
Vorbild sein. Sein Name ist nicht nur seinen 
Landsleuten, er ist auch jedem Deutschen 
Symbol für die Sehnsucht nach der Ferne, 
Symbol für ein starkes Leben, Symbol für 
den Willen zur Tat und den Willen zum 
Werk. — 
Ein Telegramm Sven Hedins. 
Stockholm, 19. Februar. Dr. Sven Hedin hat 
am Montag seiner in Stockholm wohnenden 
Schwester aus Nanking telegraphisch mitge 
teilt, daß er sich bei ausgezeichneter Gesund 
heit befindet. Am 21. Februar hält Dr. Hedin 
einen Vortrag vor der chinesischen Regierung. 
Nach kurzen Besuchen in Hankau und Schang 
hai tritt Dr. Hedin von Nanking aus die Rück 
reise über Peking und Moskau nach Stockholm 
an. 
aus dem Boden. Unter dem Deckmantel der 
Sport- und Lcibespflege wurden die nationa 
len Ziele gefördert. Vor allem nahmen sich die 
Polen der Sokolidee an. In Russisch-Polen 
wurden sie von den Behörden unterdrückt. Die 
deutsche Vereinsgesctzgebung gestattete ihnen 
jedoch die Weiterführung ihrer Sokolvereine, 
die von den Gendarmen in Oesterreich-Ungarn 
wie im Reiche argwöhnisch überwacht wurden. 
Auch die galizischen Polen, die sich einer weit 
gehenden Freiheit erfreuten, pflegten den So- 
kolgedanken. 
Es ist typisch für die Energie, mit der die 
jungen slawischen Völker von den älteren Na 
tionen lernten, daß sie nicht nur die Sokoln 
zu wirklich ausgezeichneten Sportvereinigun 
gen machten, sondern auch die von Deutschland 
übernommene Idee der Genossenschaften mei 
sterhaft in Posen, in der Tschechei und neuer 
dings auch in Südslawien auszubauen ver 
standen. 
In der Nachkriegszeit hörten wir öfter von 
den großen Sokoln-Kongressen, die in Prag 
und in anderen Städten stattfanden. Es waren 
Der nationalsozialistische Staat 
zerbricht den Landesverrat. 
Urteil des Volksgerichtshofes in Sachen Sofnowski und Genoffen. 
DNB. Berlin, 18. Febr. Der Volksgerichts 
hof des Deutschen Reiches hat durch Urteil vom 
16. Februar 1935 wegen Verrats militärischer 
Geheimnisse die geschiedene Benita von F al 
len h a y n geb. vonZollikofer-Alten- 
klingen und die Renate von Ratzmer, 
beide aus Berlin, zum Tode verurteilt. Außer 
dem wurde wegen des gleichen Verbrechens 
gegen den polnischen Staatsangehörigen Georg 
von Sosnowski und die Irene von 
Jena auf lebenslanges Zuchthaus erkannt. 
Das Urteil gegen von Falkenhayn und von 
Natzmer ist, nachdem der Führer und Reichs 
kanzler von seinem Begnadigungsrecht keinen 
Gebrauch gemacht hat, heute früh vollstreckt 
worden. 
Der Volksgerichtshof des Deutschen Reiches 
hat ein hartes, aber gerechtes Urteil gesprochen, 
das vom ganzen deutschen Volke mit Genug 
tuung begrüßt werden wird. Immer war 
Landesverrat das ehrloseste Verbrechen, das 
es gibt, denn der Verrat von Geheimnissen, die 
zur Sicherheit von Staat und Volk notwendig 
sind, ist viel schlimmer als ein Mord, weil er 
Tausenden von Volksgenossen das Leben kosten 
kann. Wer aber für Geld, um sich ein gutes 
Leben zu bereiten, mit dem Leben seiner Volks 
genossen Schindluder treibt, hat die schwerste 
Strafe verwirkt, die es gibt. Er ist keiner Gttade 
würdig. Wenn nun, wie in diesem Falle, die 
Landesverräter noch Träger von Namen sind, 
die in der Geschichte Männer trugen, die 
Großes für ihr Volk geleistet haben, dann 
wiegt ein solches Verbrechen noch schwerer, 
denn auch der Name verpflichtet. Das Urteil 
zeigt, was jene zu erwarten haben, die Geld 
höher einschätzen als ihre Ehre, die Sicherheit 
ihres Volkes und Vaterlandes und das Leben 
ihrer Volksgenossen und Mitmenschen. Nicht 
nur der Volksgerichtshof hat hier gerichtet, 
sondern das ganze deutsche Volk.
	        
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