Full text: Newspaper volume (1935, Bd. 1)

128. Fahrgang. 
Schleswlg-HollîànschL 
128. Fahrgang. 
RenösburtzerägeblaL 
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Nr. 23 
Mnļag, den 4. §ebcuN 
I 1815 
Das neue Deutschland und Südamerika. 
Die Benennung einer Berliner Straße nach 
der Hauptstadt von Peru, die vor einigen 
Tagen anläßlich des 400jährigen Jubiläums 
der Stadt Lima feierlich erfolgte, beweist das 
große Interesse, das man in amtlichen deut 
schen Kreisen der Pflege der Beziehungen zu 
den südamerikanischen Ländern entgegen 
bringt. Und das mit Recht! — Sieht man doch 
die ibero-amerikanische Welt aus den Gärun 
gen und Wandlungen unserer Zeit als eine 
neue politische, wirtschaftliche und geistige 
Großmacht erstehen, die in die Geschicke der 
Zukunft einmal ebenso bestimmend eingreifen 
wird, wie es die nordamerikanische Republik 
vermocht hat. Denn der südamerikanische Kon 
tinent, nach jahrhundertelangem Schlaf seiner 
selbst bewußt werdend, beginnt allmählich 
seine mächtigen Glieder zu recken und unter 
Zurückweisung der nordamerikanischen Bevor 
mundung (Monroe-Doktrin!) seine eigenen 
staatlichen Wege zu gehen und die Leitung 
seiner Wirtschaft, die Ausbeutung seiner 
Bodenschätze selbst in die Hand zu nehmen. 
Das gilt nicht nur für die Riesenreiche Brasi 
lien und Argentinien, sondern in mehr oder 
weniger großem^Maße für jeden der 20 süd 
amerikanischen Staaten,' es gilt insbesondere 
für die großen Anrainer des Pazifischen Oze 
ans, des Meeres der Entscheidungen (wie die 
Nordamerikaner sagen), für die Staaten 
Mexiko, Columbien und Peru. 
Als der spanische Abenteurer Pizarro im 
Jahre 1531 mit 180 Mann in Peru einfiel, 
um in einem an Verwegenheit unerhörten 
Eroberungszug das glückliche Reich der peru 
anischen Sonnenkinder (Inkas) zu zerstören, 
war das Geschick Perus für drei Jahrhunderte 
festgelegt: es mußte Spanien Jahr für Jahr 
unermeßliche Mengen von Silber liefern und 
galt von allen reichen Ländern der neuen 
Welt als das reichste. Es war auch das treu 
este, denn als zu Beginn des 10. Jahrhun 
derts alle übrigen Teile Lateinamerikas von 
Spanien abfielen, blieb Peru allein ruhig, 
und der spanische Statthalter mußte im Jahre 
1821 erst durch argentinische Truppen verjagt 
werden. Damit beginnt auch für Peru der 
Leidensweg einer Selbständigkeit, der es — 
mit einem guten Zehntel rein spanischen 
Blutes unter 5'A Millionen Indios und 
Mischlingen — nicht gewachsen war und die 
den Namen Peru in der Welt fast vergessen 
ließ. Das änderte sich erst, als die peruani 
schen Erzbergwerke und Oelguellen in die 
Hände des nordamerikanischen Kapitalismus 
fielen. Schließlich war auch Peru nichts mehr 
als eine nordamerikanische Wirtschaftspro 
vinz, von den Vertretern der Wallstreet 
(Rockefeller, Morgan) beherrscht. Aber auch 
hier führte das Uebermaß kapitalistischer 
Ausbeutung und Bevormundung allmählich 
zu einer Gegenbewegung, die in der „Alianza 
Popular Revolucionaria Americana" Ideen 
und Forderungen vertritt, die in mehr als 
einer Beziehung an den deutschen National 
sozialismus erinnern. — „Peruanicemos al 
Peru!" — Wir wollen Peru peruanisch 
machen! — heißt es in einer von Mariategui, 
einem der Führer der Bewegung, geprägten 
Formel. „Peru peruanisch machen heißt, es 
zu einem National-Staat im vollen und 
höchsten Sinne des Wortes machen,' heißt, da 
für kämpfen, daß es ein Land der Freiheit und 
Gerechtigkeit werde. Und wir können Peru 
nicht peruanisch machen, solange die große 
Mehrheit der Peruaner in Unwissenheit und 
Elend lebt,' solange wir wirtschaftlich ein rei 
ner Kolonialstaat sind und durch ruinöse 
Ausländsanleihen die Quellen unseres Reich 
tums mit Hypotheken belasten. Wir können 
es nicht peruanisch machen, solange der Staat 
das Instrument der Unterdrückung, des Miß 
brauches und der Bereicherung für einige 
wenige ist". In diesen Sätzen kennzeichnen 
sich Geist und Ziele der Bewegung, die, ohne 
bisher zur Herrschaft gelangt zu sein, doch 
bereits bestimmend in die Geschicke des Lan 
des eingegriffen hat. 
„Der.Staat", schreibt ein anderer Führer 
der Bewegung, „vertritt in Peru nur die 
stärkeren, wirtschaftlich höher entwickelten 
Klassen,' da diesen aber die großen Massen 
des Volkes entgegenstehen, ist der Staat 
schwach". Niemals seit der Eroberung durch 
die Spanier ist die wirtschaftliche oder soziale 
Gestaltung des Landes durch nationale Kräfte 
erfolgt. Als die Herrschaft der Spanier zu 
Ende ging, trat der Imperialismus der 
Nordamerikaner und Engländer an ihre 
Stelle,' aus einer politischen Kolonie wurde 
Peru eine Wirtschaftskolonie. Die gleiche 
soziale Oberschicht, die früher als Beamten 
schaft des spanischen Königs das Land regierte, 
vertrat später in Aufsichtsräten und Direkto 
rien die Interessen des ausländischen Kapi 
tals. 
Den Höhepunkt dieser Entwicklung bildeten 
die Jahre 1919 bis 1930, in denen Augusts 
Leguia Diktator von Peru war. Die Wirt 
schaftspolitik Leguias bestand im wesentlichen 
in der Aufnahme immer neuer nordamerika 
nischer Anleihen gegen Gewährung von Kon-, 
zessionen auf die Bodenschätze des Landes. 
So stieg die Summe der in Peru angelegten 
nordamerikanischen Kapitalien ins Unge 
heure. Die International Petroleum Co., 
eine Tochtergesellschaft der Standard Oil, be 
saß 70% der peruanischen Petroleumproduk 
tion, und das Haus Morgan in der Cerro de 
Pasco Copper Corporation das Kupfermono 
pol. Andere nordamerikanische Trusts be 
herrschten die Produktion des Landes an 
Gold, Silber, Vanadium und Kohle, und die 
Eisenbahnen, Telegraphenlinien, die öffent 
lichen Werke, die Hafenanlagen befanden sich 
in dem Besitz ausländischer Gesellschaften. Die 
inländischen Nutznießer dieses Systems aber 
waren der Staatspräsident und die ihm nahe 
stehenden Kreise, während die Massen des 
peruanischen Volkes in tiefem Elend lebten. 
— Im August 1930 wurde Leguia gestürzt und 
mußte ins Ausland gehen. Ihm folgte als 
Diktator der Major Sanchez Cerro, dessen 
Herrschaft sich von derjenigen Leguias nur 
dadurch unterschied, daß an die Stelle einer 
Beamtendiktatur eine Militärdiktatur getre 
ten war. Cerro wurde im August 1933 er 
mordet, und an die Spitze der Negierung trat 
General Oscar Benabides, der in vielem der 
nationalen Bewegung der Alianza Rechnung 
trug. Unter seiner Führung bewegt sich 
Peru auf allen Gebieten sichtlich aufwärts. 
Produktion und Ausfuhr des Landes steigern 
sich von Jahr zu Jahr, und die Staatsfinan 
zen und die Währung sind in guter Ordnung. 
Im Außenhandel des Landes stehen die 
Vereinigten Staaten von Amerika vor Groß 
britannien an erster Stelle. Ihnen folgt 
Deutschland vor Japan, dessen Ausfuhr nach 
Peru sprunghaft in die Höhe geht und das 
auch ein guter Abnehmer peruanischer Er 
zeugnisse, vor allem der peruanischen Baum 
wolle, ist, so daß Peru auf die Handels 
beziehungen mit Japan trotz nordamerikani 
scher Mißbilligung großen Wert legt. — Für 
Deutschland wichtig ist vor allem die lang 
faserige Tanguis-Baumwolle. deren Anbau 
von Jahr zu Jahr zunimmt und auf die sich 
die Möglichkeit weitgehender Kompensations 
geschäfte gründet. — In der peruanischen 
Einfuhr stehen Textilwaren der verschieden 
sten Art an erster Stelle,' es folgen Metall- 
waren und Maschinen, deren Lieferung vor 
allem ein deutsches Geschäft ist und im Laufe 
der weiteren Entwicklung noch verstärkt wer 
den kann. Der deutsche Handel in Peru liegt 
seit Generationen in den Händen alteingeses 
sener deutscher Familien, die es dort zu An 
sehen und Reichtum gebracht haben und eine 
wertvolle Stütze nicht nur der deutschen 
Wirtschaft, sondern auch des Deutschtums 
überhaupt bilden. 
Die amtliche Mitteilung: 
Der englisch-französische Berhandlungsabschlutz. 
Gleichberechligrmg in einem System der Sicherheit. — Vorschlag eines Lnftabkommens. — Deutschland soll 
als gleichberechtigte Nation wieder nach Genf kommen. 
Integrität 
Kurz nach 20 Uhr wurde die folgende amt 
liche Mitteilung über die am Sonntag beende 
ten englisch-französischen Besprechungen ver 
öffentlicht: 
Der Zweck der in London erfolgten Zu 
sammenkunft zwischen den britischen und fran 
zösischen Ministern war, den Frieden der Welt 
durch engere Zusammenarbeit in einem Geiste 
freundschaftlichsten Vertrauens zu fördern und 
die Neigungen (tendencies) zu beseitigen, die, 
wenn ihnen nicht Einhalt geboten wird, dazu 
angetan sind, zu einem Rüstungsrennen zu 
führen und die Kriegsgefahren zu vermehren. 
Mit diesem Ziel haben sich die britischen und 
die französischen Minister an eine Prüfung der 
allgemeinen Lage gemacht. Sie nahmen die 
besonders wichtige Nolle zur Kenntnis, die von 
dem Völkerbund bei den kürzlichen Regelun 
gen gewisser internationaler Probleme gespielt 
worden ist, und begrüßen die erfolgreichen Er 
gebnisse als Beweis des versöhnlichen Geistes 
aller der Negierungen, die an diesen Regelun 
gen teilnehmen. Sie erklären ihre Entschlossen 
heit, sowohl mit Bezug auf die Probleme ihrer 
eigenen Länder, als auch die des Völkerbundes, 
eine Politik zu verfolgen, die von denselben 
Methoden der Versöhnung und der Zusam 
menarbeit eingegeben ist. 
Mit Bezug auf die vor kurzem in Rom er 
zielten französisch-italienischen Vereinbarun 
gen haben die britischen Minister im Namen 
der britischen Regierung herzlich die Erklä 
rung begrüßt, durch die die französische und 
die italienische Regierung ihre Absicht erklärt 
haben, die traditionelle Freundschaft zu ent 
wickeln, die die beiden Nationen vereint und 
haben die britische Negierung mit der Absicht 
der französischen und der italienischen Negie 
rung assoziiert, in einem Geiste gegenseitigen 
Vertrauens in der Aufrechterhaltung allgemei 
nen Friedens zusammenzuwirken. 
Die britischen Minister haben die Glück 
wünsche der britischen Regierung zum Abschluß 
des Abkommens von Rom über Mitteleuropa 
ausgedrückt und haben festgestellt, daß als eine 
Folge der Erklärungen, die von der britischen 
Regierung im Zusammenhang mit den Regie 
rungen Frankreichs und Italiens am 17. Fe 
bruar und am 27. September letzten Jahres 
abgegeben worden sind, die britische Regierung 
sich als unter den Mächten befindlich betrach 
tet, die, wie dies in dem Abkommen von Rom 
vorgesehen ist, gemeinsam beraten Werden, 
wenn die Unabhängigkeit und 
Oesterreichs bedroht werden. 
Die britischen und französischen Minister 
hoffen, daß der ermutigende Fortschritt, der so 
erzielt worden ist, jetzt mittels der direkten und 
wirksamen Mitarbeit Deutschlands fortgesetzt 
wird. Sie stimmen überein, daß weder Deutsch 
land noch irgendeine andere Macht, deren Rü 
stungen durch die Friedensverträge bestimmt 
worden sind, berechtigt ist, durch einseitige Ak 
tion diese Verpflichtungen abzuändern. Aber 
sie stimmen weiter darin überein, daß nichts 
zur Wiederherstellung des Vertrauens und der 
Aussichten des Friedens unter den Nationen 
mehr beitragen würde, als eine allgemeine 
Regelung, die frei zwischen Deutschland und 
den anderen Mächten abgeschlossen wird. Diese 
allgemeine Regelung würde Vorsorge für die 
Organisation der Sicherheit in Europa treffen, 
insbesondere mittels des Abschlusses von Pak 
ten, die frei zwischen allen interessierten Par 
teien abgeschlossen werden und gegenseitige 
Unterstützung in Osteuropa und das System 
sicherstellen, das in dem proces verbal von 
Rom für Mitteleuropa angekündigt ist. Zu 
gleich und in Uebereinstimmung mit den Be 
dingungen der Erklärung vom 11. Dezember 
1932 bezüglich Gleichberechtigung in einem 
System der Sicherheit würde diese Regelung 
Vereinbarungen über Rüstungen im allgemei 
nen Herstellen, die im Falle Deutschlands die 
Bestimmungen des Artikels 5 des Vertrages 
von Versailles, die augenblicklich die Rüstun 
gen und bewaffneten Streitkräfte Deutschlands 
beschränke», ersetzen würden. Es würde auch 
ein Teil der allgemeinen Regelung sein, daß 
Deutschland seinen Platz im Völkerbund zwecks 
aktiver Mitgliedschaft wieder einnimmt. Die 
französische Regierung und die Regierung des 
vereinigten Königreiches hoffen, daß die ande 
ren in Betracht kommenden Regierungen diese 
Ansichten teilen. Im Verlauf dieser Zusam 
menkünfte haben die britischen und französi 
schen Minister unter dem Eindruck der beson 
deren Gefahren für den Frieden gestanden, 
die durch moderne Entwicklungen in der Luft 
geschaffen worden sind und deren Mißbrauch 
zu plötzlichem Luftangriff eines Landes auf 
das andere führen können. Sie haben die Mög 
lichkeit erwogen, Vorsorge gegen diese Gefah- 
NSK. Aus Tokio kommt die interessante 
Meldung, daß Japan die Zusammenfassung 
verschiedener Jugendgrnppen, in denen etwa 
4 Millionen Jungvolk organisiert sind, zu ei 
nem einheitlichen Block plant, um die vater 
ländische Erziehung einheitlicher zu gestalten 
und die Jugend für den Landesverteidigungs 
dienst vorbilden zu können. 
Diese Absicht erinnert lebhaft an eine Ent 
wicklung, die wir aus allernächster Nähe in 
unserem eigenen Staat miterlebt haben. Aus 
den verschiedensten Gebieten des öffentlichen 
Lebens hat bekanntlich der Nationalsozialis 
mus Schule gemacht. In Europa und in Ueber- 
see sind zahlreiche wirtschaftspolitische Maß-^ 
nahmen der nationalsozialistischen Staqtsfüh- 
rung, nachdem sie in Deutschland ihre Feuer 
probe bestanden haben, auf die eigenen Ver 
hältnisse mit Erfolg angewandt worden. Wir 
erinnern hier nur an grundlegende reforme- 
rische Regierungstaten Roosevelts, an bulga 
rische Agrarmaßnahmen, an englische Arbeits 
dienstlager, an steuerpolitische Eingriffe zu 
gunsten der französischen Landwirtschaft, an 
polnische Siedlungspläne usw. Jetzt ist man 
im Fernen Osten auf den Wert einer Reichs- 
jugendführung aufmerksam geworden und 
scheint sich ihre Grundtendenzen zu eigen ma 
chen zu wollen. 
Bei Japan soll freilich nicht verkannt wer 
den, daß es bereits vor dem Kriege aus 
Deutschland seine besten Instrukteure und 
Instruktionen bezog und nicht zuletzt seinen 
starken innen- und außenpolitischen Auf 
schwung dem deutschen Vorbild verdankt. Der 
Gedanke einer nationalen Staatsjugenö, wie 
er in Deutschland verwirklicht wird, hat sich 
bereits in der kurzen Zeit seiner Aktivierung 
soweit bewährt, daß es nicht Wunder nimmt, 
wenn er die Grenzen des Reiches überschreitet 
und selbst in Asien Fuß zu fassen beginnt. Die 
politische Zielklarheit Japans, die jetzt in der 
Bildung einer Staatsjugend begriffen ist, hat 
damit den besten Beweis für die erfolgreiche 
Jugendarbeit Deutschlands erbracht.
	        
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