Full text: Newspaper volume (1935, Bd. 1)

128. Jahrgang» 
128. Jahrgang. 
Renösburger MgeblsL 
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Sonnabend, den 2. Febcnar 
früheren Eidesleistung im Weimarer Staat 
und dem heutigen Fahneneid heraus. Erst 
dieser Eid, in seiner unbedingten und persön 
lichen Form dem Führer des Reiches und 
Volkes geleistet, gibt dem Soldaten eine ein 
deutige und klare sittliche Grundlage seines 
Dienstes für Volk und Vaterland. Nur diese 
Bindung zwischen dem einen letzten ver 
antwortlichen Führer und seiner Gefolgschaft 
ist soldatisch, niemals aber ein Eid auf ein 
großes politisches Streitobjekt, wie es die 
Verfassung in den vergangenen 18 Jahren 
gewesen ist. Unter Hinweis auf die im Jahre 
1934 erlassenen „Pflichten des deutschen .Sol 
daten" beleuchtet Foertsch treffsicher den 
Unterschied zwischen überparteilich und 
unpolitisch. Auch von dem heutigen 
Soldaten wird Ueberparteilichkeit verlangt, 
dagegen könne es eine unpolitische Wehrmacht 
nicht geben, denn Politik ist alles, was das 
Leben der Nation gestaltet und ihren Bestand 
sichert. An solchem Wirken muß auch der 
Soldat seinen Anteil haben. Er findet heute 
sein staatliches und politisches Denken wieder 
im Rahmen des nationalsozialistischen Den 
kens. Die Wehrmacht ist Träger der Staats 
gewalt mit der Partei und zugleich Repräsen 
tant und Erzieher der Nation. Darum darf 
es in dem Verhältnis der Wehrmacht zu den 
Gliederungen der Partei kein Gegeneinander-, 
sondern nur ein Nebeneinander-Gehen geben. 
Wehrmacht und Partei, Wehrmacht und SA., 
SS., PO., HI. dienen dem gleichen Führer, 
dem sie verbunden sind im gleichen G e i st, 
aber auf verschiedenen Gebieten. 
* 
In dem Schlußkapitel des Buches wirft der 
Verfasser einen Blick in die Zukunft und 
Bedanken zur Zeitgeschichte 
Wie wird die künftige Wehrverfaffung aussehen 
Verständnisse trotz gleicher Grundlagen ent- ausgegai 
sprangen aus der verschiedenen Natur der hin, das 
beiden Gliederungen. Die Wehrmacht durfte Gefüge 
nicht um eines innerpolitischen Zieles willen von Da» 
die Sicherheit des Volkes nach außen aufs Revoluti 
Spiel setzen, zu einer Zeit, da das Volk noch gibt kein 
nicht reif war, um Entschlüssen von so un- die, öere 
geheurer Tragweite zu folgen, und zu einer sind, so 
Zeit, wo an den deutschen Grenzen Volk und wesen i 
Reich Gefahr drohte. Demgegenüber war der Revoluti 
Nationalsozialismus eine zunächst auf inner- Gebiete 
politische Machtergreifung gerichtete Bewe- beseitige 
gung, die mit der Erreichung eines inner- inneren 
politischen Zieles ihre erste Aufgabe erfüllt ändern 
sehen konnte. Allein durch ihre Überpartei- aber in 
liche Haltung hat sich die Wehrmacht dem Evolutir 
Führer als ein in sich geschlossenes festes Grundlo 
Machtmittel erhalten können. Das hat Adolf Wehrma 
Hitler anerkannt durch die Feststellung gehoben 
„wenn das Heer nicht in den wurde. 
Tagen der Revolution auf u u s c - macht zr 
rer Seite gestanden hätte, dann neuen S 
st ä n ö e n wir heute nicht hier". träger 
Im Verlage BroiÄeck & Co., Hamburg, 
erschien eine Broschüre „Die Wehrmacht im 
nationalsozialistischen Staat" von Major 
H. Foertsch (Preis 80 Pfg.j, deren grund 
sätzliche Bedeutung schon dadurch unterstrichen 
wird, baß Reichswehrminister Generaloberst 
von Blomberg ihr einen Vorspruch voran 
gestellt hat. Die Broschüre verdient besonders 
bei den tiefgehenden Mißverständnissen, 
denen das Verhältnis zwischen Heer und 
Volk im Auslande begegnet, aufmerksamste 
Beachtung im ganzen Volk, zumal auch die 
Ausführungen des Verfassers über die Not 
wendigkeit einer neuen Wehrverfaffung ein 
hohes aktuelles Interesse haben. Nachstehend 
geben wir einige wesentliche Gedankengänge, 
die der Verfasser in der Broschüre entwickelt, 
wieder. 
Wer die Wehrmacht uud ihre Stellung rich 
tig beurteilen will, so führt Major Foertsch 
aus, muß sich die Grundlage vor Augen 
halten, auf der die Wehrmacht beruht. Diese 
Grundlage ist einmal eine äußere, durch die 
jeweilige militärpolitische Lage bedingte, und 
zum zweiten eine innere, die günstig zu 
gestalten und gesund zir erhalten dem eigenen 
Volk und seiner Regierung obliegt. 
Nach 1918 baute die Reichswehr auf drei 
Grundlagen auf: der alten Armee, den Be 
stimmungen des Versailler Diktats und dem 
Weimarer Staat. 
Von diesen drei Grundlagen war lediglich 
die erste zu einem wirklichen Aufbau geeignet. 
Die Wehrmacht hat die Tradition der alten 
Armee, in der sie die Erhaltung ewiger Werte 
suchte, stets dankbar gepflegt und sich immer 
wieder nach ihren Höhepunkten gerichtet, ohne 
ihre Schwächen zu übersehen. Gegen die 
zweite Grundlage — den Versailler Vertrag 
t— hat die Armee mit allen Mitteln, die ihr 
zur Verfügung standen, angekämpft. Sie hat 
mit Erfolg in dem engen Rahmen, der ihr 
gesteckt war, die höchste Leistung zu erzielen 
gesucht. Aus dem Berufsheer wurde keine 
volksfremde Söldnertruppe, die sich an Partei 
und Machthaber verkaufte, wie es die Väter 
des Versailler Vertrages beabsichtigt hatten. 
Die dritte Grundlage — den Weimarer 
Staat — hat die Wehrmacht nicht unberück 
sichtigt lassen können. Sie hat aber auch nicht 
gezögert, diese Grundlage auszuschalten, 
wenn lebenswichtige Interessen der Wehr 
macht in Gefahr waren. 
Die überparteiliche Haltung der Wehrmacht 
in diesen Jahren ist viel angegriffen und miß 
verstanden worden. Sie war, so sagt Major 
Foertsch, nicht ein Ausweichen vor den Schwie 
rigkeiten der Zeit, sondern sie war ein Ab 
wehrkampf für die Selbsterhaltung der Wehr 
macht uud zugleich stärkste politische Leistung. 
In diesen Jahren schuf sich die Wehrmacht 
einen eigenen Staatsbegriff, der das Ueber- 
zeitliche und Dauernde des Staates und der 
Nation zur Grundlage hatte. So wurde die 
deutsche Wehrmacht durch ihre überparteiliche 
Haltung nach dem Wort ihres Schöpfers, des 
Generalobersten von Seeckt, die „innere 
Klammer des Reiches". Sie hat damit er 
reicht, daß der Führer vor der Macht 
ergreifung in einem Gespräch mit einem 
hohen Offizier feststellen konnte, daß es im 
Nachkriegsdeutschland nur zwei große 
Leistungen gäbe, nämlich den Aufbau 
der nationalsozialistischen Be 
wegung und den Aufbau der 
Wehrmacht. Obwohl, so sagt der Verfasser 
weiter, die Grundlagen der nationalsoziali 
stischen Bewegung und die der Wehrmacht 
gleicherweise im Vermächtnis des deutschen 
Frontsoldatentums, im Kampf gegen Ver 
sailles und in der Ablehnung des Weimarer 
Staates ruhten, hat es an Mißverständnissen 
zwischen der Wehrmacht und der national 
sozialistischen Bewegung in der Zeit vor der 
Machtergreifung nicht gefehlt. Diese Miß- 
Die Frage „warum die Wehrmacht die 
Revolution nicht selbst und früher gemacht 
habe, da ja von Armeen oft Revolutionen 
Deck «ņd der Ostpakt. 
Der Jagdbesuch des preußischen Minister 
präsidenten G ö r i n g in Polen hat in der 
ausländischen Presse ein fast noch stärkeres 
Echo als in der deutschen gefunden. Jagd 
besuche eines Ministers in einem benachbar 
ten Ausland sind zwar keine Seltenheit, aber 
die Polenreise Görings hatte schließlich doch 
eine tiefere Bedeutung, wenn sie mit Politik 
auch nichts zu tun hatte. Sic fiel nämlich mit 
dem Jahrestag des deutsch-polnischen Freund 
schaftsvertrages ungefähr zusammen, und da 
her war auch das Interesse des Auslandes, 
das in anderen Füllen etwas indiskret gewirkt 
hätte, begreiflich. Schon durch Erklärungen des 
Führers und Reichskanzlers und des polni 
schen Außenministers Beck wurde die beider 
seitige Auffassung unterstrichen, daß weder 
Polen noch Deutschland den Abschluß des Ver 
trages von 1933 im ersten Jahr seines Be 
stehens zu bereuen hat. Gegen Ende der Woche 
hat nun Polens Außenminister noch einmal 
vor dem Senat seines Landes die Bedeutung 
des deutsch-polnischen Abkommens hervorgeho 
ben. Die Kritik, die Oberst Beck bei dieser Ge 
legenheit an Frankreichs Ostpaktplänen geübt 
hat, entspricht durchaus der deutschen Anschau 
ung. Frankreich wird zwar weniger erbaut da 
von sein, daß sein östlicher Bundesgenosse an 
scheinend sehr wenig Lust hat, Frankreichs Ost 
paktpolitik mitzumachen, aber nach der Rede 
Becks vor dem polnischen Senat muß es sogar 
darauf gefaßt sein, daß Polen den ganzen be 
rühmten Ostpaktplan ablehnt. Die Schlußsätze 
zur Beckschen Erklärung möchten wir hier noch 
einmal zitieren, weil sie ebenso gut für 
Deutschland Geltung haben könnten: „Bei 
einem Ueberblick nicht von Worten und theo 
retischen Erklärungen, sondern von Handlun 
gen, die auf eine Besserung der nachbarlichen 
Beziehungen abzielen, dürfen wir kühn un 
seren Platz behaupten in dem Wettbewerb der 
Bemühungen zur Festigung des Friedens. Wer 
real und praktisch mehr getan hat als wir, mit 
dem werden wir diskutieren!" 
Während Frankreich und England die Lon 
doner Ministerkonferenz vorbereiten, hat der 
italienische Regierungschef einen innerpoliti 
schen Personalwechsel vorgenommen, der in der 
ganzen Welt stark beachtet wurde: sämtliche 
Ministerien außer denen, die Mussolini selbst 
innehat, wurden neu besetzt. Man ist leicht ge 
neigt, Ministerwechsel mit irgendwelchen Kri 
sen oder Unstimmigkeiten in Verbindung zu 
bringen. Meist stimmt das auch, nicht jedoch in 
Italien. Als seinerzeit Balbo seinen berühm 
ten transatlantischen Geschwaderflug absol 
viert hatte, wurde er zwar zum Luftmarschall 
ernannt, wenige Moirate später aber nach Li 
byen, also in die Wüste versetzt. Alle Welt 
sprach damals davon, daß Balbo plötzlich per 
sona in grata geworden sei, doch war das kei 
neswegs der Fall. Mussolini liebt es nicht, 
wenn ein Minister in seinem Fach erstarrt 
und mit der Zeit den Blick für die Erforder 
nisse anderer Gebiete des nationalen Lebens 
verliert. Daher mußte damals Balbo nach Li 
byen, und daher und aus keinem anderen 
Grunde wurde jetzt das italienische Ministe 
rium so überraschend wie radikal geändert. 
terhielten — ganz als ob sie Schiedsrichter 
eines Kontinents wären —, hat ein hervorra 
gender Brite, der eben Deutschland besucht 
hatte, der Marqueß of Lothian, einen beson 
deren Blick für die Realität der Dinge gezeigt, 
indem er in den „Times" für eine direkte 
deutsch-englische Besprechung eintrat. Lord Lo 
thian hat in Berlin mit dem Führer und 
Reichskanzler und mit einer ganzen Reihe 
Eine gute I anderer leitender Persönlichkeiten des neuen 
Wenn gute Reden sie begleiten
	        
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