Full text: Newspaper volume (1935, Bd. 1)

à- 
Staatssekretär Grauert über die neue 
Gemeindeordnung. 
Ein Grundstein zur Vereinheitlichung und Festigung des Reiches. 
bekannt und ex erhielt auf allen großen land 
wirtschaftlichen Ausstellungen die ersten Prei 
se zuerkannt. Als Nachfolger wird der bishe 
rige Meiereiverwalter Johannsen, Ries bei 
Flensburg, die Niebüller Meiereigenossen 
schaft am 1. Februar weiterführen. 
mo. Westerland, 31. Jan. Als Opfer der 
»freien Weide" wurde wieder einmal bei Arch 
sum ein Schaf von der Eisenbahn überfahren. 
Trotz größter Vorsicht des Zugpersonals lassen 
sich diese Opfer nicht ganz ausschalten, weil die 
Tiere durchweg frei umherstreifen und die 
Bahnübergänge ungeschützt sind. 
Ihren 8t. Geburtstag kann am 2. Februar 
die Witwe Friederike Kerksiek geb. Bern in 
Bredstedt in guter Rüstigkeit feiern, (fz.) 
Sei -n 81. Geburtstag feierte am Mittwoch 
Koogsinspektor Johannes Nissen in Gottes 
koog. Nissen wurde in Langenhorn geboren 
und wohnt seit 1884 auf Annenhof im Klei- 
seerkoog, woselbst er im Jahre 1888 als 
Koogsinspektor gewählt wurde und noch heute 
in voller Rüstigkeit sein Amt bekleidet. 
Ihre goldene Hochzeit können am 1. Februar 
die Eheleute Aufsichtsmann Siegfried Meier 
und Frau Christine, geb. Johannssen, im 
Marienkovg feiern. Das Jubelpaar ist frie 
sischer Abstammung. Meier wurde am 1. April 
1888 zu Maasbüll und seine Ehefrau am 
2, Januar 1862 auf dem Mitteldeich im Chr.- 
Albr.-Koog geboren, Der Gesundheitszustand 
des Jubelpaares läßt sehr zu wünschen übrig. 
Am goldenen Hochzeitstage wird das Jubel 
paar von seinen sechs Kindern und 19 Enkel 
kindern umgeben sein, (kv.) 
AU-UôcdscUleswiņ 
Vertiefung des Apenrader Hafens. 
Apenrade, 28. Jan. Man plant eine Vertie 
fung des neuen Hafens in Apenrade und der 
Fahrrinne bis auf 81/2 Meter, damit große Ge- 
treiöedampfer, die vom Schwarzen Meer kom 
men, um Teilladungen zu löschen, ungehin 
dert einlaufen können. Die Kosten werden 
auf 110 000 Kr geschätzt. Man erhofft von der 
Maßnahme eine Vermehrung der Hafenein 
nahmen, die im letzten Jahr erheblich zurück 
gegangen sind. 
Geschloffene deutsche Front bei 
den Amtsratswahlen im Kreis Hadersleben. 
Hadersleben, 28. Jan. Auch im Kreise Ha- 
dersleben werden sämtliche deutsche Gruppen 
und Organisationen geschlossen bei der bevor 
stehenden Amtsratswahl unter Leitung des 
Schleswigschen Wählervereins vorgehen. In 
diesem Sinne beschloß der genannte Verein 
einmütig in einer stark besuchten Versamm 
lung im Bürgerverein am Sonnabendabend. 
Es wird in eine energische Wahlarbeit einge 
treten werden. Als Spitzenkandidat wurde der 
langjährige frühere Vorsitzende des Kreis 
wühlervereins, Hofbesitzer Hansen, Fuglsang, 
aufgestellt, eine in allen Kreisen geschätzte Per 
sönlichkeit. 
Der Haushaltsplan der Stadt Tonder«. 
Tondern, 28. Jan. Am Freitagabend wurde 
der Haushaltsplan der Stadt Tondern in erster 
Lesung beraten. Der Voranschlag ist um 36 060 
auf 671570 Kronen gestiegen. Die Ursache ist 
namentlich das Anschwellen der Ausgaben für 
Unterstützungen Hilfsbedürftiger aller Art. 
Die eigentliche Armenlast ist um 6000 auf 
150 000 Kronen gewachsen,' dazu kommen 6000 
Kr. mehr, insgesamt 66 000 Kr., für Volksver 
sicherung, 37 000 Kr. mehr, insgesamt 63 000 
Kr. an Arbeitslosenversicherung. Aus den 
städtischen Werken erwartet man einige Mehr 
einnahmen: von der Gasanstalt 26 000 anstatt 
21500, vom Elektrizitätswerk 59 500 anstatt 
51 000 Kr., wogegen das öffentliche Schlacht 
haus der Stadt rund 10 000 Kr. Ausgaben ver 
ursacht. Infolgedessen muß die Steuerschraube 
weiter angezogen werden. Die Einnahme aus 
der Einkommensteuer ist vorläufig um 32 000 
Kr. höher als im Vorjahre angesetzt, nämlich 
auf 504 000 Kr — Es soll sich zeigen, ob es ge 
lingt, durch Abstriche oder sonstige Ersparnisse 
etwas Erleichterung zu schaffen. 
0 
Aus DilUmacscken 
Ei« Urnenfriedhof bei Albersdorf gefunden. 
Albersdorf, 30. Jan. Bei den Vorberei 
tungsarbeiten des Schrumer Weges wurde 
ein Urnenfriedhof angeschnitten, der aus der 
älteren Steinzeit stammt und etwa 2500 Jahre 
alt ist. Das Museum für vorgeschichtliche Al 
tertümer in Kiel ließ eine fachgemäße Oeff- 
nung der Gräber vornehmen, wobei 15 Urnen 
gefunden wurden, die aus starkem Ton herge 
stellt, ohne Verzierungen, aber von schöner 
Form sind. In den Aschenresten fand man als 
Beigabe eine eiserne Ballonnadel, eine Ge- 
wandnadel und eine Gürtelspange. Die Sach 
verständigen hoffen, daß sie bei weiterer Frei 
legung des Urnenfeldes auch die Einäsche 
rungsstelle sowie Waffen aus der gleichen 
Periode finden werden. 
" * * 
mm. Wrohm, 28. Jan. Der Bienenzuchtver 
ein für Tellrngstedt u. Umg. hatte seine Mit 
glieder zur Generalversammlung geladen. 
Nach dem Jahresbericht hat das verflossene 
Jahr nicht das gebracht, worauf die Imker ihre 
Hoffnung gesetzt hatten. Die Zahl der Mitglie 
der ist von 46 mit 580 Völkern auf 41 mit 453 
Vor Vertretern der deutschen Presse sprach 
am Mittwoch der Staatssekretär im Reichs 
und Preußischen Innenministerium, Grauert, 
über Bedeutung und Auswirkung der neuen 
Deutschen Gemeindeordnung. Er nannte 
dieses Gesetz vielleicht das wichtigste, das bis 
zum heutigen Tage von der Regierung er 
lassen worden sei. Es sei die erste Kodifikation 
aus Teilen des öffentlichen Rechts für ganz 
Deutschland, das die Grundlage bilden soll 
für die weitere Entwicklung der Reichsreform. 
Die Frage der Mitarbeit oder Zusammen 
arbeit zwischen Partei und Staat trete gerade 
in der Frage der Gemeindeordnung am deut 
lichsten hervor, da der nationalsozialistische 
Staat an der Grundidee der Selbstverwaltung 
habe festhalten und im Rahmen der Selbst 
verwaltung die Mitwirkung der Partei im 
gemeindlichen Leben habe gesetzlich regeln 
wollen. Es habe daher 
der Leiter der Gemeinde als Letzt- 
verantwortlicher 
in allen entscheidenden Fragen klar heraus 
gestellt und das genossenschaftliche Element 
der Steinschen Selbstverwaltung, die Mit 
wirkung der in der Gemeinde lebenden Bür 
ger, im Gesetz gesichert werden müssen. 
Die Gemeinderäte seien gehalten, als Ein 
zelpersönlichkeit ihre Meinung zu äußern. Sie 
seien bewußt nicht als Korporation auf 
gefaßt, sondern die Mitglieder des Gemeinde- 
rates sollten den Leiter der Gemeinde beraten, 
ohne an irgendwelche Weisungen gebunden zu 
sein. Darüber hinaus seien sogenannte 
Fachbeiräte geschaffen worden. 
Da das Volk durch die NSDAP, reprä 
sentiert werde, habe an Stelle der Wahl 
die das Volk repräsentierende NSDAP, 
treten muffen. 
Ferner sei in dem Gesetz die ehrenamtliche 
Tätigkeit zum Durchbruch gekommen. Es sei 
bewußt nicht in das Gesetz hineingenommen 
worden, daß die Gemeinderäte unbedingt Mit 
glieder der NSDAP, sein müßten. 
Auch Nichtparteimitglieder, die der Be 
auftragte der NSDAP, nach ihrer 
politischen Einstellung und ihrem fach 
lichen Können zur Mitarbeit für geeig 
net halte, sollten in den Gemeinderat 
berufen werden können. 
Vor einer schwierigen Aufgabe habe man in 
der Frage der 
Ernennung und Berufung der leiten 
den Gemeiudebeamteu 
gestanden. Entgegen der früheren Lage mußte 
auch hier wieder ein Teil des Volkes, das 
heißt die Partei, zur Mitwirkung heran 
gezogen werden. Dementsprechend wurde der 
Weg gefunden, daß zunächst die Stellen der 
hauptamtlichen Leiter ausgeschrieben werden. 
Diese Bewerbungen werden zunächst vom 
Beauftragten der NSDAP, nach der politischen 
und fachlichen Seite geprüft. Die Bewerbun 
gen dreier geeignet erscheinender Bewerber 
Völkern gesunken. Diese unerfreuliche Tat 
sache ist auf die immer geringerwerdenden 
Trachtverhültnisse zurückzuführen. Für die in 
Melöorf stattfindende bienenwirtschaftliche 
Ausstellung soll ein Ehrenpreis gestiftet wer 
den. Als Obmann für Königinnenzucht wurde 
Stührk sen., Wrohm, ernannt Eine rege Aus 
sprache erfolgte über den Wert der Bienen für 
die Landwirtschaft. Lebhaft begrüßt wurde der 
vom Kreisverein gefaßte Beschluß, in den ein 
zelnen Ortsvereinen Obmänner zu ernennen, 
bei denen sich die Tracht suchenden Wander 
imker und die Klee- und Rapsbau betreiben 
den Bauern Erkundigung und Vermittlung 
einholen können. 
Aus Holstein 
Schulschiff „Gorch Fock" wieder im Heimat 
hafen Kiel. 
Kiel, 30. Jan. Das Segelschulschiff „Gorch 
Fock" ist nach seiner Nordseefahrt am Diens 
tagabend wieder in Kiel eingetroffen. Nachdem 
das Schulschiff von den Landungsbrücken in 
Hamburg abgelegt hatte, ging es unter vollen 
Segeln alsdann die Elbe abwärts nach Bruns 
büttelkoog, wo bei bitterer Kälte die Stängen 
zur Kanalfahrt gestrichen wurden. Während 
der Elbefahrt befanden sich der Negierende 
Bürgermeister Krogmann, der als Segler be 
sonderes Interesse für das Ablcgemanöver 
zeigte, der Leiter der Reichsmarinedienststelle 
Hamburg, Admiral Lindau, der Polizeiherr 
Boltz, sowie der Hamburger Hafenkapitän von 
der Heyde an Bord. 
Sicherung von Naturdenkmälern 
im Kreise Plön. 
Plön» 28. Jan. Unter den Baumbeständen 
des Kreises Plön sind zahlreiche alte Exempla 
re vorhanden Um sie vor der Vernichtung zu 
bewahren, hat der Landrat in Plön mehrere 
Bäume unter Naturschutz gestellt. Zu diesen 
gehören: in Bösdorf: eine Kastanie; in Klaus 
dorf: die auf dem Dorfplatz stehende Pappel; 
in Groß-FIintbek: die im Pastoratsgarten ste- 
werden dann an die vorgesetzte Stelle ein 
gesandt, die nun die Genehmigung erteilt 
oder nicht. Mit der Genehmigung ist der 
Beamte bestimmt, der von der Gemeinde an 
gestellt wird. 
Nach der vom Führer getroffenen Ent 
scheidung soll, nachdem das Mitwirkungsrecht 
bei der Ernennung für die Partei sichergestellt 
ist, für die Verwaltungstätigkeit eine weitere 
Einmischung oder Mitwirkung von NSNAP.- 
Beauftragten nicht mehr stattfinden, weil diese 
Mitwirkung auch durch die Gemeinöeräte 
sichergestellt ist. 
Nur in zwei Punkten ist eine Ausnahme 
gemacht worden: bei der Hauptsatzung und 
bei der 
Verleihung oder Entziehung von Ehren 
bürger- und Ehrenrechten. 
Staatssekretär Grauert wandte sich dann der 
Kontrolle der Gemeindeleitung zu. Da die 
Kontrolle durch die Gemeinderäte verschwun 
den sei, habe sie automatisch auf den Staat 
übergehen müssen. Diese Kontrolle habe 
bereits früher bestanden und sei auch in der 
Gemeindeverfassung des Freiherrn vom 
Stein verankert gewesen. Der Staat habe sich 
in der neuen Gemeindeordnung im allge 
meinen auf ein negatives Aufsichtsrecht be 
schränkt: die Ablehnung untragbarer An 
ordnungen der Gemeindeverwaltungen. Nur 
in einem Punkt habe sich der Staat ein 
positives Aufsichtsrecht vorbehalten, ein An 
ordnungsrecht, wenn cs sich zum Beispiel um 
Haushaltsfragen und wirtschaftliche An 
gelegenheiten handelt. 
In einem Sonderparagraphen sei schließlich 
die Möglichkeit vorgesehen, der Gemeinde 
einen Staatskommissar zu geben, der in 
besonders gelagerten Fällen die Aufgaben des 
Gemeindeleiters übernehmen könne. Im 
Gesetz sei zum Ausdruck gebracht, daß die 
Staatsaufsicht so gehandhabt werden solle, daß 
die eigene Verantwortlichkeit des Gemeinde 
leiters nicht behindert und geschwächt werde. 
Diese Staatsaufsicht für die Gemeinde 
sei aus der Erkenntnis der früheren Entwick 
lung notwendig geworden, weil sich heraus 
gestellt habe, daß der Staat in der parlamen 
tarisch-demokratischen Zeit von der unteren 
Gemeinde aus zersetzt worden sei. 
Während früher jede Gemeinde ein Haus 
haltsschema nach eigenem Gutdünken auf 
stellen konnte, würden jetzt besondere Richt 
linien gegeben, die sich eng an die Reichs 
haushaltssatzung anlehnten. 
Staatssekretär Grauert schloß mit der 
Hoffnung, daß dieses Gesetz der Grundstein 
sein werde, um das Reich Adolf Hitlers so zu 
festigen und zu vereinheitliche», daß es Hun 
derte von Jahren bestehen bleiben werde. Um 
dieses Gesetz sei Hunderte von Jahren ge 
kämpft worden und es sei mit ihm der 
Beweis erbracht, daß die Regierung Adolf 
Hitlers und die Partei den ernsthaften Willen 
haben, die Reichsreform durchzuführen. 
hende Eibe; in Salzau: die „Schmützciche", die 
„Kroneneiche" und die „Galgeneiche". Auf 
Grund der gesetzlichen Bestimmungen dürfen 
die Naturdenkmäler nicht beseitigt oder beschä 
digt werden. In ihrer Umgebung dürfen auch 
keine Neklamcanschriften angebracht, Ver 
kaufsstellen eingerichtet oder Schutt abgeladen 
werden. 
Komposition einer 
schleswig-holsteinischen Heimatkantate. 
Bad Oldesloe, 30. Jan. Der pensionierte 
Lehrer Rahmsdorf hat hier eine schleswig 
holsteinische Heimatkantate komponiert. 
Rahmsöorf hat bereits einige Chöre mit hei 
matlichem und geschichtlichem Einschlag ver 
tont. Zu dem neuen Werk wurde er angeregt 
durch die im nächsten Jahre bevorstehende 
Tausendjahr-Feier seiner Vaterstadt Barm 
stedt. In die Komposition hat er Schleswig- 
Holsteins Geschichte, beginnend mit dem Jahre 
1460, hineinverwoben. Die Komposition hat 15 
Teile und ist für Soli, Chor und Orchester ge 
schrieben; jedes Lied hat außerdem einen Vor 
spruch. In Barmstedt besteht für die Auffüh 
rung dieses Werkes, das in Bad Oldesloe be 
reits vor einem kleineren Kreis aufgeführt 
worden ist, großes Interesse. 
Aus dem Kreisausschutz des Kreises 
Stormaru. 
Wandsbek, 29. Jan. Der Kreisausschuß be 
schloß in seiner letzten Sitzung zur Verbesse 
rung der Stromversorgung im Bramfelder 
Bezirk eine größere Kabellegung in Auftrag 
zu geben. Diese Beschaffung erfolgt im Nah 
men eines Projekts von 150 000 &Â. Für den 
Aufbau der Seidenraupenzucht im Kreise wur 
den 1200 #Ut Etatsmittel bewilligt. Die 
Seidenraupenzucht ist besonders für den 
Siedler und Kleinbauern ein geeigneter 
Nebenerwerb und verdient auch aus all 
gemeinen wirtschaftlichen Erwägungen stän 
dige Beachtung. Als Beihilfe für die vor 
geschichtlichen Ausgrabungen in Ahrensburg 
und Meiendorf wurde eine Kreisbeihilfe von 
2000 JUL bewilligt. 
x. Neuwünster, 30. Jan. 39 Fensterscheiben 
zertrümmert. Im Laufe der letzten Wochen 
sind in einer an der Ehndorfer Straße belege- 
nen Schweinemästerei 39 Fensterscheiben und 
zwei gußeiserne Fensterrahmen zertrümmert 
worden. Man nimmt an, daß Schuljungen die 
Täter waren. 
Aus dem Ģedcldsseutl 
Für den „Mann im Adamskostüm" 
ein Jahr Gefängnis. 
x. Neumünster, 30. Jan. Schülerinnen der 
Einfelder Schule hatten ihrer Lehrerin wie 
derholt gemeldet, daß sich ihnen ein Mann in 
nacktem Zustande zeige. Die Angaben wurden 
bestätigt durch einen unerhörten Vorfall an 
einem Junitage. Als die Lehrerin mit 20 
Mädchen einen Dauerlauf um den Einfelder 
See machte, stellte sich ihnen auf einem nur 
70 cm breiten Steg,, der über den Dosenbek 
führt, dieser Mann im Adamskostüm in den 
Weg, so daß alle unmittelbar an ihm vorbei 
mußten. Der Gendarmeriebeamte ermittelte 
nach monatelanger Fahndung den hiesigen 
30jährigen T. als Täter, den das Schöffenge 
richt zu IA Jahren Gefängnis verurteilte. 
Die Strafkammer als Berufungsinstanz setzte 
heute die Strafe auf ein Jahr herab. T. be 
stritt nach wie vor, der Täter zu sein. 
Alles Leugnen nützte nichts. 
dg. Kiel, 29. Jan. Man hätte es Viktor St. 
und Heinrich G. beinahe glauben können, daß 
sie das Getreide eines Gettorfer Landwirtes 
nicht gestohlen, sondern es beim Lohndreschen 
gesammelt hätten. Doch glich das gestohlene 
Getreide in dem Sack dem, das die beiden An 
geklagten verkauft hatten, wie ein Ei dem an 
deren, und dann war es auch sehr unwahr 
scheinlich, daß die kleinen Bauern, die aus 
einem Hofe im Lohn dreschen ließen, nach Be 
endigung der Arbeit nicht alles mitgenommen 
haben sollten, was in und unter der Maschine 
war. Und wenn schon! Dann hätten die bei 
den das Getreide auch nicht einfach konfis 
zieren dürfen. Vom Gettorfer Amtsrichter 
waren sie am 18. 10. v. I. zu 2 Monaten bzw. 
6 Wochen Gefängnis verurteilt worden und 
hatten gegen dieses Urteil Berufung einge 
legt. Einmal mußte vertagt werden, weil die 
Angeklagten mit neuen Zeugen kamen, die 
gehört werden mußten. In der Dienstagver 
handlung versuchte Viktor St. dasselbe Manö 
ver, indem er auf einmal behauptete, daß er 
in der Nacht, in der der Diebstahl verübt wor 
den war, eine Bierreise nach Eckernförde und 
Kiel gemacht habe. Er wollte durchaus frei 
kommen. Das ist der Wunsch aller Angeklag 
ten, jedoch nicht immer mit dem Ergebnis der 
Beweisaufnahme zu vereinbaren. Auch im 
Strafmaß war nichts zu machen; denn beide 
Angeklagte sind — wenn auch nicht erheblich, 
aber doch — einschlägig vorbestraft. So blieb 
es denn gemäß dem Antrage des Staats 
anwaltes beim erstinstanzlichen Urteil. 
Hohe Zuchthausstrafen für Erpresser. 
Kiel, 28. Jan Wegen Betruges und Erpres 
sung hatten sich vor der Großen Strafkammer 
Kiel der 86jährige La. aus Schleswig sowie der 
34 Jahre alte R. aus Bieber zu verantworten. 
Der Angeklagt La. hatte in Plön längere 
Zeit die Fürsorge eines 72jährigen hilfsberei 
ten Menschen genossen, den er aber weitge 
hendst ausnutzte. Als er nun einmal wieder 
dringend Geld benötigte, verabredete er mit 
dem Angeklagten N. ein gemeinsames Manö 
ver. Dieser mußte dem alten Mann erzählen, 
La. habe ihn bestohlen und ihn gleichzeitig 
bitten, den Schaden zu ersetzen. Auf diese 
Weise wurde der alte Mann um etwa 400 JUl 
geschädigt. Schließlich sprachen die Burschen 
noch Verdächtigungen gegen ihn aus, um ihn 
gefügiger machen zu können. Das Gericht ver 
urteilte die beiden Verbrecher für ihre gemeine 
Handlung zu je fünf Jahren Zuchthaus und 
zehn Jahren Ehrverlust. 
Wetteranssichten: Mäßige westliche bis norbwest- 
liche Winde, vorwiegend trüb und diesig, zeitweilig 
Niederschläge, einige Grad Wärme.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.