Full text: Newspaper volume (1935, Bd. 1)

128. Jahrgang. 
128. Jahrgang. 
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Renösburser Tageblatt 
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Nr. 20 
Äonrmslag. den 24. Januar 
1835 
Ein Sieg des Handwerks. 
Der große Befähigungsnachweis. 
Einführungsrede des Reichshandwerksmeisters W. G. Schmidt auf der großen Kundgebung der Führerschaft 
des Reichsstandes des deutschen Handwerks in Berlin. 
DNB. Berlin, 23. Jan. Im Preußenhaus 
führte am Mittwoch nach der Rede des mit der 
Führung der Geschäfte beauftragten Neichs- 
wirtschaftsministers Reichsbankpräsident Dr. 
Schacht Reichshanöwerksmeister W. G. Schmidt 
etwa folgendes aus: 
Der Reichswirtschaftsminister hat jetzt im 
Benehmen mit dem Reichsarbeitsminister ans 
Grund des Gesetzes über den vorläufigen Auf 
bau des deutschen Handwerks vom 29. Novem 
ber 1933 die „Zweite" und „Dritte Verordnung 
über den vorläufigen Aufbau des deutschen 
Handwerks" erlassen. Während in der „Zwei 
ten Verordnung" das Führerprinzip bei den 
Handwerkskammern verankert wird, bringt die 
„Dritte Verordnung die gesetzliche Einführung 
des „Großen Befähigungsnachweises" und der 
Handwerkskarte mit den notwendigen Ueber- 
gangsbestimmungen. Von jetzt ab ist die Mei 
sterprüfung grundsätzliche Voraussetzung für 
die selbständige Ausübung eines Handwerks. 
Auf diese Weise wird es einmal in Zukunft 
nur solche selbständigen Handwerker geben, die 
eine ordnungsgemäße Lehrzeit mir abschließen 
der Gesellenprüsinlg und eine Gesellenzeit mit 
abschließender Meisterprüfung zurückgelegt ha 
ben. Damit hat der nationalsozialistische Staat, 
der im vorigen Jahre dem Handwerk die 
Pflichtinnung und die Ehrengerichtsbarkeit ge 
geben hatte, etwas geschaffen, um das die Hand- 
werkcrbewegung unter dem früheren Negie 
rungssystem Jahrzehnte lang vergeblich 'ge 
kämpft hatte. 
Der Abschluß eines Kampfes von mehr 
als sechs Jahrzehnten. 
1869 wurde für das ganze Reich mit der 
Reichsgewerbeordnung die liberalistische Ge 
werbefreiheit eingeführt. Die Folgen der Ge 
werbefreiheit waren für das Handwerk Locke 
rung und Verkümmerung der Gesellen- und 
Lehrlingsverhältnisse und mangelnde technische 
und geschäftliche Ausbildung der meisten Hand 
werker. Pflichtinnung u. großer Befähigungs 
nachweis wurden darum die lebenswichtigen 
Forderungen der Handwerkerbewegung. Der 
in liberalistischen Gedankengängen befangene 
Staat aber beschränkte sich auf schrittweise, 
mehr oder weniger kleine Zugeständ 
nisse: 
1881 Befugnis für Innungen, Gesellen- und 
Meisterprüfungen abzuhalten,' 
1897 Einführung der Handwerkskammer,' Vor 
schriften für das Halten und Anleiten von 
Lehrlingen,' 
1908 „Kleiner Befähigungsnachweis": Befug 
nis zum Halten und Anleiten von Lehr 
lingen wird grundsätzlich auf geprüfte 
„Meister" beschränkt,' 
1929 Einführung der Handwerksrolle, in wel 
che die selbständigen Handwerker und 
handwerkerlichen Nebenbetriebe eingetra 
gen werden: ein Nachweis einer bestimm 
ten Befähigung wird aber nicht gefordert. 
Nach der Machtübernahme des Nationalso 
zialismus und der Gründung des Reichsstan 
des des Deutschen Handwerks haben einzelne 
Handwerkskammern von sich aus Berufsaus 
weise eingeführt,' diese sind Vorläufer der 
neuen Handwerkskartc, denn dem Handwerker 
wurde darin zum ersten Mal die Zugehörig 
keit zum Handwerk bestätigt. Durch die natio 
nalsozialistische Revolution hat die Handwerks 
gesetzgebung eine ungeahnte Belebung und 
zweifellos auch ihren Höhepunkt erreicht. In 
schneller Folge erlebten wir 
1933 das Rahmengesetz „über den vorläufi 
gen Aufbau des deutschen Handwerks" vom 
29. 11. 1933; 
1934 die „Erste Verordnung" zu diesem Ge 
setz (vom 15. 6. 1934): Einführung der Pflicht 
innungen und Kreishandwerkerschaften und 
Schaffung der handwerklichen Ehrengerichts- 
barkeih 
1935 die jetzige „Zweite" und „Dritte" Ver 
ordnung: Führergrundsatz bei den Handwerks 
und Gewerbekammern, großer Befähigungs 
nachweis, Handwerkskarte. 
Damit ist dem Handwerk als Berufsstand 
sein Fortbestehen, auf das es auf Grund seiner 
Leistungen und seiner Tradition Anspruch hat, 
durch die Regierung unseres Führers und 
Reichskanzlers Adolf Hitler gewährleistet. Erst 
der nationalsozialistische Staat hat den uner 
freulichen Zustand beseitigt, daß manche an 
deren Länder Europas gerade auf Grund deut 
schen Gedankengutes in der Handwerksgesetz 
gebung weitergegangen waren als das Reich. 
Eine große Gefahr für das Handwerk 
gebannt. 
Gerade in der Wirtschaftskrise sind Unge 
lernte ohne die nötige Sachkenntnis und das 
erforderliche Verantwortungsgefühl ins Hanö- 
tverk geströmt und haben neue selbständige 
Handwerksbetriebe eröffnet,' noch heute ist das 
Handwerk zu 20 v.H. übersetzt. Die nicht vor 
gebildeten „Handwerker" reißen durch unlau 
teres Verhalten in großem Umfange die Auf 
träge an sich, und zwar besonders durch Ueber- 
vorteilung der Kunden oder durch Schmutzkon 
kurrenz,' solche Schädlinge ermöglichen Schleu 
derpreise, indem sie ihre Mitarbeiter unter 
Tarif entlohnen oder Steuern, Sozialüeiträge, 
Miets- und Geschäftsschulden nicht bezahlen. 
Damit haben sie einen Wettbewerb mit unglei 
chen Waffen eröffnet, dem der anständig und 
ehrbar arbeitende Handwerker nicht gewachsen 
sein konnte. Auch die Schwarzarbeiter und Ge 
legenheitsarbeiter untergruben das wirtschaft 
liche Dasein des geschulten Handwerksmeisters, 
zumal der Kunde selten minderwertige von 
guten, dauerhaften Leistungen unterscheiden 
kann. Entscheidend war schließlich, daß unge 
lernte Handwerker, Gelegenheitshandwerker 
und Schrvarzarbeiter mit ihren schlechten Lei 
stungen den Ruf des ganzen Handwerks schä 
digten und das Vertrauen zur Handwerksar 
beit erschütterten. Hätte jetzt v''ht der Gesetz 
geber eingegriffen, dann hätte dem ehrbaren 
Handwerk das immer weitere Absinken und 
schließliche Verschwinden gedroht. Diese Gefahr 
ist durch die neue Verordnung gebannt. 
Leistungsstcigernng und Berufsauslese. 
Der gesunde Wettbewerb soll durch die neue 
Verordnung nicht ausgeschaltet werden. Das 
Handwerk soll auch keine bevorzugte Stellung 
vor den anderen Berufsständen erhalten. Al 
lein die Leistung wird in Zukunft bestimmen, 
ob das Handwerk eine neue Blütezeit erlebt. 
Zunächst aber muß das Faule und Minder 
wertige im Handwerk abgestoßen, die Schwarz 
arbeit und die Preisschleuüerei verhindert und 
der Verbraucher nach Möglichkeit vor Pfusch 
arbeit gesichert werden. Der nationalsozialisti 
sche Staat muß bestrebt sein, die Leistungshöhe 
in den einzelnen Berufen zu heben. Hierzu ist 
eine berufsständische Auslese nötig, und sie 
läßt sich ohne eine Prüfung vor einer mit den 
nötigen Befugnissen ausgestatteten Stelle nicht 
durchführen. Auch aus diesem Grunde war der 
Große Befähigungsnachweis nötig. 
Großer Befähigungsnachweis und 
Handwerkskarte. 
Zum selbständigen Betrieb eines Handwerks 
als stehendes Gewerbe wird nur zugelassen, 
wer in die Handwerksrolle eingetragen ist. Es 
dürfen nur diejenigen Handwerker eingetragen 
werden, die für das von ihnen betriebene oder 
für ein verwandtes Handwerk die Meisterprü 
fung oder eine als Ersatz dafür anerkannte 
Prüfung bestanden haben oder die Befugnis 
zur Anleitung von Lehrlingen in einem dieser 
Handwerke besitzen. Ueber die Eintragung muß 
dem Handwerker stets eine Bescheinigung, 
nämlich die Handwerkskarte ausgestellt wer 
den. Wer den selbständigen Betrieb eines 
Handwerks als stehendes Gewerbe anfängt, 
muß gleichzeitig mit der Anzeige bei der Ge- 
werbepolizeibehöröe die von der Handwerks 
kammer ausgestellte Handwerkskarte vorlegen. 
Damit ist der Große Befähigungsnachweis 
unerschütterlich im Handwerk verankert. Die 
Uebertretung der Vorschriften wird bestraft,' es 
kann sogar die widerrechtliche Fortführung 
eines Betriebes polizeilich verhindert werden. 
Uebergangsvorschriften. 
Mit den Uebergangsvorschriften will der Ge 
setzgeber in weiser Mäßigung Härten der 
neuen Regelung vermeiden. Zwei wichtige 
Stichtage sind der Jahresanfang 1900 und der 
Jahresanfang 1932. Die Uebergangsbestim- 
mungen gelten zunächst für natürliche Per 
sonen, die schon in die Handwerksrolle einge 
tragen sind,' diese bleiben eingetragen,' wenn 
sie aber erst nach dem Jahresanfang 1900 ge 
boren und außerdem nach dem Jahresanfang 
1932 eingetragen worden sind, dann müssen sie 
bis Ende 1939 die Meisterprüfung nachholen,' 
sonst werden sie in der Handwerksrolle gelöscht; 
damit ist ihnen die Möglichkeit eines selbstän 
digen Handwerksbetriebes genommen. Ent 
sprechende Bestimmungen gelten für noch nicht 
eingetragene Handwerker, die beim Inkraft 
treten der Verordnung ein Handwerk als ste 
hendes Gewerbe selbständig betreiben und dies 
auch ordnungsmäßig angemeldet haben. 
Förderung deutscher Gütearbeit. 
Es soll niemand verwehrt werden, den Be 
ruf eines ehrsamen Handwerkers auszuüben 
oder zu ergreifen. Wer ihn aber erwählt, der 
soll auch die nötigen Voraussetzungen mit 
bringen und ausweisen, denn das liegt in sei 
nem eigensten Interesse und dient der Erhal 
tung einer wirtschaftlich gesunden Existenz. Es 
dient aber auch dem guten Namen deutschen 
Handwerkskönnens und damit deutscher Güte 
arbeit, und es wird gebieterisch vom Wohl des 
Volksganzen gefordert, dem unsere Arbeit und 
unser Können zu dienen hat. 
Zum Schluß brachte Landeshandwerksmei 
ster i. V. Kammerpräsident Lohmann den Dank 
des Groß-Berliner und Märkischen Handwerks 
an den Reichsstand dafür zum Ausdruck, daß 
dieser sich für die Einführung des Großen 
Befähigungsnachweises und der Handwerks 
karte eingesetzt hat. 
AußerrpoliW und Grenzpolitik. 
ki« Mg zur deutsch-dänischen Verständigung. 
Die Außenpolitik umfaßt das Verhältnis ei 
nes Staates zu den übrigen Staaten der Welt. 
Die Grenzpolitik im engeren Sinne beschäftigt 
sich nur mit der Stellung eines Staates und 
Volkes an einer Grenze. Sie hat daher meist 
ausschließlich mit einem anderen Volke zu tun 
und bezieht sich lediglich aus die widerstreiten 
den Interessen, die an einem bestimmten 
Grenzabschnitt aufeinanderstoßen. Deshalb 
folgt sie anderen Gesetzen als die Außenpoli 
tik. Da letztere das Wohl des ganzen Staates 
im Auge hat, die Grcnzpolitik im einzelnen 
stets örtlich begrenzte Interessen verficht, so 
ergibt sich daraus zwingend, daß die Grcnz 
politik sich in die Außenpolitik einfügen muß, 
wenn immer die Interessen der Gesamtheit 
über Einzelinteressen gehen sollen. 
Da der Nationalsozialismus geradezu die 
Lehre von der Höherwertigkeit des gemeinen 
Nutzens gegenüber Sonderinteresscn ist, so 
ordnet sich die nationalsozialistische Grcnzpoli 
tik freiwillig — d. h. ohne besondere Maßnah 
men „von oben" — in die große Linie der 
Außenpolitik ein. Die außenpolitische Linie 
des Führers und Reichskanzlers ist — wie zu 
letzt wieder beim Neujahrsempfang des diplo 
matischen Corps betont — die friedliche Zu 
sammenarbeit mit allen Völkern. Weder ge 
hässige Angriffe noch Provokationen haben den 
Führer in dieser Haltung schwankend machen 
können. Heute — nach 2jähriger Negierungs- 
zeit stellen sich bereits die ersten Früchte dieser 
Friedenspolitik ein und rechtfertigen vollauf 
die Opfer, die Deutschland dafür gebracht hat. 
Der Abschluß des deutsch-polnischen Abkom 
mens ist ein klassisches Beispiel aktiver Frie 
denspolitik. 
Ein Programmpunkt dieser auswärtigen 
Politik ist die Förderung freundschaftlicher Be 
ziehungen zu den drei skandinavischen Staaten. 
Diese Forderung wurde sofort nach der Macht 
übernahme aufgestellt und mit der Zeit immer 
schärfer herausgearbeitet. Das neue Deutsch 
land hat sich dabei nicht von der offen zur 
Schau getragenen Abneigung beirren lassen, 
die sich auch in Dänemark in weiten Kreisen 
des Volkes fand. Heute hat diese Festigkeit der 
Haltung nicht nur Achtung gewonnen, sondern 
auch praktische Erfolge gezeitigt. Das Handels 
und Wirtschaftsabkommen vom Anfang vori 
gen Jahres hat sich voll bewährt. Die Beden- 
tnng Deutschlands als Kunde Dänemarks hat 
sich im Laufe des Jahres 1934 wesentlich ge- 
Der Meister. 
NSK. Hinter einem umfangreichen Gesetzes 
titel: „Dritte Verordnung zur Ausführung des 
Gesetzes über den vorläufigen Aufbau des 
deutschen Handwerks vom 29. 11. 1933" ver 
birgt sich eine einschneidende Bestimmung, die 
Einführung der Handwerkskarte, die geeignet 
ist, für das deutsche Handwerk von weittra 
gendster Bedeutung zu werden. 
Klar und eindeutig ist in den vergangenen 
2 Jahren nationalsozialistischer Regierungs 
tätigkeit der Begriff des deutschen Handwer 
kers, den eine vergangene liberalistische Pe 
riode immer mehr verwässert hatte, herausge 
stellt worden. Mit Recht konnte der Reichs 
handwerksmeister Schmidt feststellen, daß mit 
diesen Bestimmungen der nationalsozialistische 
Staat, der im vorigen Jahre dem Handwerk 
-die Pflichtinnung und die Ehrengerichtsbar 
keit gegeben hatte, etwas geschaffen hat, um 
das die Handwerkerbewegung unter dem frü 
heren Negierungssystem Jahrzehnte lang ver 
geblich gekämpft hatte. 
Mit der Einführung des Befähigungsnach 
weises für die Handwerker ist der Boden für 
ein neues Gedeihen dieses Standes gelegt wor 
den, denn er hat dadurch seine eigenen Merk 
male gerichtet erhalten. 
Das K ö n n e n ist es, das den Handwerker 
wertvoll macht, das Bewußtsein, daß jeder, der 
zu diesem Stand sich bekennt, diese Voraus 
setzung mitbringen muß, wird die Stellung 
des Handwerkers im Wirtschaftsleben neu fun- 
dieren. Hier ist wirklich das Wertvolle 
alter Tradition neu belebt worden zum Nutzen 
aller.
	        
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