Full text: Newspaper volume (1934, Bd. 1)

127. Jahrgang. 
127. Jahrgang: 
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IonnerMg, den 15. März 
Reichsleiler Alfred Nofenberg 
NSK. Am 14. März wurde in der 
Reichsführerschule der NSDAP, in Ber 
nau ein Sonderkursus für die Schulungs 
leiter eröffnet. Der Beauftragte des Füh 
rers zur Ueberwachung der weltanschauli 
chen Erziehung der Bewegung, Reichslei 
ter Alfred Rosenberg, nahm da 
bei das Wort zu folgender richtunggeben 
der Ansprache: 
Es gab einmal eine Zeit, da große deutsche 
Träumer von einer „Erziehung des Menschen 
geschlechts" sprachen und alle ihre Kräfte dafür 
einsetzten, dem langersehnten Ziel einer „Hu 
manisierung der Menschheit" erfolgreich zu 
streben zu können. Niemand von uns wird 
diese große innere Bereitschaft und die Kraft 
des Ueberzeugungsmutes, der einst von L e s - 
sing und Herder ausging, gering schätzen, 
verdankt doch Deutschland ihnen viele seiner 
schönsten Antriebe. Und doch werden wir heute 
sagen müssen, daß, so reich die Schätze sind, die 
«ns die Großen des 18. Jahrhunderts hinter 
lassen haben, die Gedanken einer Mensch- 
Heils erziehung in den Händen kleiner Epi 
gonen des 19. Jahrhunderts doch in einen alles 
verflachenden Schematismus und schließlich in 
einen hohlen Internationalismus mündeten. 
Die Erziehung wurde im letzten halben 
Jahrhundert geradezu unbiologisch und 
allen inneren Gesetzen der Rassen und 
Völker entgegen als ein magisches Zau 
bermittel hingestellt. 
Das Wort, daß man durch Erziehung schließ 
lich alles erreichen könnte, und daß fast nur 
sie den Charakter des Menschen, sein Schicksal 
und sein Handeln bestimmen, wurde nahezu 
Zwangsglaubenssatz vieler Geschlechter und 
verhinderte immer wieder das Aufkommen 
eines den Seelegeboten und organischen Na 
turgesetzen entsprechenden Denkens. Die herr 
schenden, von rein wirtschaftlichen Interessen 
bestimmten Anschauungen besagten, daß Welt 
anschauungen nichts mehr und nichts weniger 
bedeuteten, als das Entwicklungsdogma unbe 
sehen auf alle Gebiete des Lebens auszudeh 
nen. Daraus folgt unausgesprochen der Glau 
benssatz, daß aus einem bestimmt gearteten 
Etwas eine ganz anders geartete Gestalt durch 
Erziehungsmethoden erreicht werden könne. 
Noch tiefer ausgedrückt, wurde damit gesagt, 
bas aus Nichts eine geistige und poli 
tische Figur geboren werden könne. 
Diese rein abstrakte Erziehungsphilosophie 
*var die Parallelerscheinung, genauer gesagt, 
die Voraussetzung des demokratischen 
politischen Gedankens und damit des parla 
mentarischen Systems. Denn auch dieses de 
mokratische System behauptete, daß durch Zu 
sammenlegung von vielerlei Gedanken ein 
üeuer schöpferischer Staatsgedanke, eine allen 
Erfordernissen entsprechende staatsmännische 
Tat geboren werden könne, ja, daß dieses Sy 
stem die eigentliche höchste Errungenschaft des 
Menschlichen Denkens darstelle. Nun sagt uns 
das Leben zwar tausendfach, daß nie aus Zu- 
Nmmenstampfen vieler Samenkörner eine Ge 
stalt entsteht, sondern daß für ewige Zeiten 
Mrr aus einem ganz bestimmt gearteten 
sauren der Weizen und aus einem anders ge 
rieten etwa die Gerste entsprießt. Aber die 
Gelehrtenwelt des 19. Jahrhunderts und die 
baturentfremöeten Menschen der Weltstädte 
batten das Sehen verlernt, mit der Kraft 
ber Anschauung aber schwand auch die Klarheit 
Zs Denkens dahin, und es hat einer jahr 
zehntelang sich vorwärtstastenden geistigen 
Evolution bedurft, um schließlich auch nach 
stywersten Erschütterungen des staatspoliti- 
Imen Lebens den Sieg über die Gedankenwelt 
Es 18. und 19. Jahrhunderts zu erringen. 
Heute glauben und wissen wir, daß eine 
Erziehung, welche sich zum Ziele setzt, 
einen einheitlichen Menschentypus zu 
Gebote des deutschen Menschen in das Zew 
trum unseres Denkens gestellt. 
, zu Mißachtung und Vergewalti- konstruieren. Aus irgendeinem Grunde — man 
wlger Naturgesetze führen muß, weiß nicht, wieso und weshalb — senkt sich 
y deshalb auch die sich aufbäumende nach dieser Auffassung ein Kulturkreis aus 
an diesen Erziehungsmethoden sich nebeliger Höhe hernieder auf ein Stückchen 
'S* '™“ 6 ?. c V-Ilc- und Staaten 6 , rS nä tfl# ba itlMW b 
mim Stalten netjeSen laßt. Şch-, im römische Kultnrkreis. Di- Menschen 
utterungen sind es dann, welche dre dieses Kreises sind anfänglich heroisch, schöpfe- 
u . letzten Entscheidungen aufrufen, xisch. Die Kultur erstarrt dann in Z i v i l i s a - 
eu> darüber, ob sie zu schwach sind, t ļ« tt und in Millionen-Stäöten bricht diese 
unterzugehen oder aber, ob sie die Zwrlrsatron und damit da- Menschentum gU- 
; ewigen Lebens anerkennen und sammen, set es, von innen zermürbt, sei es> 
gemeinsam eine Klärung und Fe- außen zerstört. Diese rein konstruktive 
ihnen verliehenen seelischen Ge- Lehre einer ins 20. Jahrhundert noch wie eine 
ihren wollen. Versteinerung hereinragenden Größe des 19. 
,ei nicht so, als ob auf irgendwelche Jahrhunderts ist heute von uns allen über- 
olle, „schicksalsmäßige" Weise der wunden und abgeworfen. Wir haben es dabei 
:r Menschheits- und Erziehungs- nicht mit einer Morphologie, d. h. mit einer 
n vorher bestinrmter, unabänder- G e st a l t e n l e y r e zu tun, sondern nur mit 
sin Philosoph in München hat sich einem Experiment an einem zum Untergang 
t Hilfe einer sogenannten „Kultirr- bestimmten Objekt. Hier haben wir von vorn 
eine solche „Schicksalsmäßigkeit" zu herein angegriffen und die seelisch-biologischen 
Der gleiche Herder, der von der Huma 
nität der Menschheit träumte, hat zugleich 
eines der schönsten Worte ausgesprochen, die 
am Ausgangspunkte aller deutschen Erziehung 
stehen können. Er sagte: „Es hat jede Nation 
i h r Zentrum der Glückseligkeit, wie jede Ku 
gel ihren Schwerpunkt." 
Damit ist in genialster Weise die Eigen 
gesetzlichkeit und Ewigkeit einer echten 
Volksgestalt, heute können wir sagen, 
einer Rassenseele, ausgesprochen 
worden, 
und in diesem Geiste sind wir alle Kinder 
Gottfried Herders und jener, die in diesem 
Sinne nach ihm gewirkt haben. Wir fühlen be 
glückt, auch st a a t l i ch Gestalter des deutschen 
Schicksals geworden zu sein, und nunmehr in 
einer Epoche leben zu dürfen, wo wir uns nicht 
Şerr im errgttlchê-r Mnlechrms, 
London, 14. März. Die Abrüstungsausspra 
che am Mittwoch im Unterhaus war, wie zu 
erwarten war, dadurch beeinträchtigt, daß die 
französische Antwort aus Paris noch aussteht. 
Der Labour-Abgeordnete Jones wiederholte 
die alten Angriffe seiner Partei auf die engli 
sche Politik im Mandschurei-Konflikt. Den 
Standpunkt der Regierung vertrat Lorösiegel- 
bewahrer Eden. Er meinte, es sei nicht an 
gängig, Einzelheiten über seine Unterhaltun 
gen mit den europäischen Regierungen zu ge 
ben, da nicht alle Antworten vorlägen. Der 
Minister bemühte sich, inoffiziell und ohne 
direkte Bezugnahme auf seine Reise, die 
Schwierigkeiten zu erklären, die einer Eini 
gung über eine Abrüstungskonvention im 
Wege stehen. Seine Ausführungen sind im 
wesentlichen eine Wiederholung des alten 
Klageliedes über mangelndes Vertrauen un 
ter den hauptbeteiligten Nationen. Er verbrei 
tete sich über die französischen Sicherheitsbe- 
öürfnisse und fügte hinzu, in Frankreich mache 
man sich nicht genügend klar, daß in Deutsch 
land das gleiche Verlangen nach Sicherheit be 
stehen könnte. 
Unverständlicherweise fühlte sich Eden be 
müßigt, einen Ausfall gegen den preußischen 
Ministerpräsidenten zu machen. Eden hat an 
scheinend im Drange der Geschäfte eine unzu 
reichende oder lückenhafte Uebersetzung der 
Rede des preußischen Ministerpräsidenten Gö- 
ring in Potsdam gelesen, sonst könnte er kaum 
einen derartigen unverständlichen Standpunkt 
einnehmen. Die Auslassungen Edens sind eher 
ein Ausdruck überstarker Empfindlichkeit als 
eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit 
Deutschland. Deshalb ist der Kritik Edens kein 
allzu großes Gewicht beizumessen. 
Der Ausklang der Rede Edens war schwach. 
Er bestritt zwar, daß England alle Hoffnungen 
auf eine Abrüstungskonvention aufgegeben 
hätte, und meinte, man solle die Lage nicht 
schwärzer malen, als sie ist. Anderseits eröff 
nete er auch keine Hoffnungen auf einen Er 
folg. Vielmehr betonte er, daß man bestenfalls 
mit einer kleinen bescheidenen Konvention zu 
frieden sein müßte. Er betonte, daß eine Eini 
gung auf der Grundlage der englischen Vor 
schläge zustande kommen müsse, d. h. daß sie 
wenigstens ein klein wenig Abrüstung enthal 
ten müsse. Schließlich unterstrich Eden erneut, 
daß England für den Völkerbund eintrete, der 
seine Aufgabe nur erfüllen könnte, wenn alle 
westeuropäischen Großmächte daran teilnäh 
men. 
Aus der Abrüstungsöebatte im Unterhaus ist 
im einzelnen folgendes hervorzuheben: Lord 
siegelbewahrer Eden erklärte im Namen der 
Regierung, es sei im Augenblick sehr uner 
wünscht, über die Antworten Bericht zu er 
statten, die er von den Regierungen Frank 
reichs, Deutschlands und Italiens auf seiner 
Rundreise erhalten habe. Er wolle jedoch über 
gewisse Eindrücke berichten, die er während 
seiner Reise erhalten habe,' jedoch trügen diese 
Mitteilungen keineswegs amtlichen Charakter. 
In den letzten Monaten habe er stets den Ein 
druck gehabt, daß die Abrüstungskonferenz un 
ter der Begrenzung ihres Titels leide. 
In den nächsten Wochen müsse jedoch über 
etwas viel Weitgehenderes entschieden 
werden als über die Zukunft der Abrü 
stungskonferenz. 
Man müsse daher den wirklichen Tatsachen 
ins Gesicht blicken, selbst wenn sie etwas unan 
genehm seien. Die lauge Verzögerung der Ab 
rüstungskonferenz sei nicht darauf zurückzu 
führen, daß sich die Sachverständigen nicht über 
die Zahl der Tanks, des Geschützkalibers usw. 
einigen könnten, sondern vielmehr darauf, daß 
die Staaten der Welt kein genügendes Ver 
trauen und nicht den genügenden Mut auf 
brächten. Wenn man die Beweggründe hierfür 
verstehen wolle, so müsse man sich bemühen, die 
Gesichtspunkte der Einwohner von Paris, wie 
die der Einwohner von Berlin zu verstehen. 
Er wolle daher versuchen, mit den Augen der 
Bewohner dieser beiden Städte zu sehen. 
Frankreich sei immer noch seit Ende des 
Krieges um seine Sicherheit besorgt. Mau 
müsse aber auch in Rechnung ziehen, daß 
Deutschland dieselben Gefühle, in anderer Ge 
stalt ausgedrückt, haben könne. Frankreich sei 
so überzeugt, keine Angriffsabsichten gegen 
irgendeinen anderen Staat zu haben, daß es 
auch glauben könne, daß ein anderes Land, dem 
keine entsprechenden Rüstungen erlaubt sind, 
sich nicht vollkommen sicher in der Nachbarschaft 
Frankreichs fühle. 
Eden fuhr fort: Wenn man versucht, durch 
die deutsche Brille zu sehen, dann ist es ohne 
Zweifel, daß Deutschlands eigene Sicherheit 
ebenso ein lebenswichtiges Interesse für die 
Deutschen sein kann, wie die französische Si 
cherheit für Frankreich. Deutschland würde 
ohne Zweifel erklären, daß es lange auf die 
Gleichberechtigung gewartet hat und die Deut 
schen kaum glauben können, daß Frankreich 
immer noch mehr Sicherheit wünscht. Da dies 
die gegenseitigen Meinungen nicht der Regie 
rungen, sondern der nationalen Gefühlsäuße 
rung seit mehreren Jahren sind, ist es klar, 
daß sie nicht leicht ausgesöhnt werden können. 
Solange aber noch ein Hoffnungsschimmer be 
steht, können wir nicht eine Niederlage aner 
kennen, und es ist sogar noch mehr als ein 
Hoffnungsschimmer vorhanden. Die englischen 
Interessen in dieser Angelegenheit sind dieje 
nigen Europas. Wir haben als Nation sehr 
viel aufs Spiel zu setzen, und zwar viel mehr 
als irgendein anderer Staat der Welt. 
Wettrüsten allein sei keiue Sicherheit. Wenn 
England auch noch so viel für seine Sicherheit 
durch Rüstungen tun würde, so dürfe man sich 
doch nicht einbilden, daß England sich jemals 
den Luxus der Isolierung leisten könne. Auf 
die Frage, „was denn getan werde, um das 
internationale Vertrauen wiederherzustellen 
und die Lücke zwischen Frankreich und Deutsch 
land zu überbrücken?", könne man antworten, 
daß die Lage zwar besorgniserregend, aber 
nicht verzweifelt fei. Jeder Monat in der Ver 
gangenheit habe die Aufgabe schwieriger gestal 
tet. 
Wir müssen zwei Ziele verwirklichen, sonst 
tragen wir nicht genügend zur Wiederherstel 
lung des Vertrauens in Europa bei: 
1. ist eine Vereinbarung zu verwirklichen —- 
nicht eine ideale Konvention, die eine gewisse 
den Wirklichkeiten der Gegenwart Rechnung 
tragende Abrüstung enthält, kurz: eine Kon 
vention auf Grundlage unserer neuerlichen 
Denkschrift,' 
2. muß versucht werden, das volle Ansehen 
des Völkerbundes wiederherzustellen, das die 
ser nur durch die aktive Mitgliedschaft aller- 
großen westeuropäischen Mächte genießen 
kann." 
Sie erste TUWg bts promŞgdmļes, 
der im Zuge der Neuregelung des gesamten 
Jagdwesens gebildet wurde, trat gestern i» 
R e n d s b n r g unter Leitung von Provinz- 
jägermeister Hamkens zusammen. Auf dieser 
Tagung, der auch Oberprästdent Lohse bei 
wohnte, wurden die Kreisjägermeister der 
Provinz berufen. Ausführlicher Bericht in der 
Beilage „Feld uud Wald", 
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