Full text: Newspaper volume (1934, Bd. 1)

Îà7. Jahrgang. 
127. Jahrgang; 
îìenàsburser TageblaL 
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Ein Jahr Kampf gegen die Kommune 
zelle des Bades eine derartige Geheimtür be 
finden könne. Bei polizeilichen Durchsuchun 
gen war selbstverständlich in dieser Zelle im 
mer gerade „jemand beim Ankleiden", so daß 
man auf eine besondere Besichtigung der Zelle 
verzichtete. Die Tür war von innen ebenfalls 
mit Ziegelsteinen ausgemauert, etwa einen 
halben Meter stark, und daher auch beim Ab 
klopfen der Wände nicht festzustellen. Die Po 
lizei versuchte natürlich bei jeder Durchsuchung 
des Hauses sich einen Plan von der Einrichtung 
zu machen und insbesondere festzustellen, in 
welchen Zimmern bestimmte Personen unter 
gebracht waren. Es wurde also ein Plan der 
Zimmernummern alifgestellt und angegeben, 
in welchem Zimmer bestimmte Funktionäre 
ihren Arbeitsplatz hatten. Die KPD. führte die 
Polizei dadurch irre, daß sie nach jeder Durch 
suchung sämtliche Zimmernummern änderte 
und alle Personen im Hause in andere Räume 
setzte, also einen großen Raumaustausch vor 
nahm, der eine vollkommen neue Lage schuf. 
Wenn die Polizei dann eine bestimmte Person 
suchen wollte, mußte sie wiederum stunden 
lang Durchsuchungen anstellen, ehe sie auf den 
Raum der betreffenden Person stieß, in dem 
natürlich längst alles Belastende beseitigt war. 
DNB. Berlin, 12. März. Das Geheime 
Staatspolizeiamt hatte am Montag Vertreter 
öer Oeffentlichkeit in das Horst-Wessel-Haus 
am Horst-Wessel-Platz, das frühere Karl-Lieb 
knecht-Haus, geladen, um hier, au der Stelle 
öer einstigen kommunistischen Zersetzungstä 
tigkeit, noch einmal eindringlich zu zeigen, in 
welcher Gefahr Deutschland vor einem Jahre 
schwebte. Gerade vor einem Jahr ist das Karl- 
Liebknecht-Haus von der Polizei besetzt und 
öamit die Zentrale der KPD. in Deutschland 
geschlossen worden. In diesem einen Jahre iü 
eine derartige Fülle von weiteren Entdeckun 
gen gemacht worden, hat man Material in 
einem derartigen Umfange über die Vorberei 
tung einer kommunistischen Revolution gefun 
den, Saß es dem Uneingeweihten fast wie ein 
Roman erscheinen mag. 
Bereits vor einem Jahre wurde die deutsche 
Presse durch die Nachricht überrascht, daß man 
im Karl-Liebknecht-Haus Falltüren, unterirdi 
sche Gänge, Geheimkeller, raffinierte Alarm 
vorrichtungen, durch die mit einem Fingeröruck 
alle Falltüren im Hause geschlossen werden 
konnten, geheime Telephone und besondere 
Ņerstecke gefunden habe. Es gab viele, die da 
mals diese Angaben zunächst anzweifelten, bis 
lie sich durch Augenschein selbst von der Richtig 
keit überzeugen konnten. Im Laufe des letzten 
Jahres ist man im Karl-Liebknecht-Haus fast 
jeden Tag auf eine neue Entdeckung gestoßen. 
Man hat das ganze Haus -Wand für Wand, 
Zimmer für Zimmer, Möbelstück für Möbel 
stück abgeklopft und untersucht und ist dabei zu 
den überraschendsten Ergebnissen gelangt. Es 
sei dabei bemerkt, daß erst am Montag, dem 12. 
März 1931 (!), im Karl-Liebknecht-Haus unter 
fliesen verborgen Waffen gefunden worden 
sind. 
^ Bei einem Gange durch das Haus sicht man 
Mnächst im Dachgeschoß die verkleideten Um 
gänge, die von sämtlichen Räumen öes Dach 
geschosses aus zugänglich sind und durch die 
gesuchte Personen kriechend immer wieder sich 
der Polizei entziehen konnten. In diesen Um 
gangen wurde wichtiges Material verwahrt. 
Man sieht den Ausguck des Veobachterpostens 
Ms dem Dach, der von dort mit einem Fern 
glas sowohl das Polizeipräsidium, wie auch den 
Hof der Polizeiunterkunft Alexander beobach- 
leu konnte, die bei Aktionen gegen das Karl- 
Liebknecht-Haus in den meisten Fällen ange 
setzt wurden, und der dadurch in der Lage war, 
Rechtzeitig zu warnen, wenn die Polizei zu 
ewer Aktion ausrückte. Man sieht die Blink- 
Errichtung, mit der man den Wasserturm in 
"er Danziger Straße anblinkte, auf dem sich 
Wenfalls stets ein kommunistischer Posten be- 
i^nd. Man sieht Möbelstücke, Wandbretter, die 
Msgehöhlt sind und in deren gut verschlossener 
Höhlung wichtige Geheimakten, insbesondere 
?ldressenlisten der illegalen Funktionäre ver 
fahrt waren. Da gibt es abnehmbare Fenster- 
better, unter denen die Hausmauern ausge 
höhlt sind. In zahlreichen solcher Verstecke hat 
^än noch in den letzten Wochen wichtige Akten 
gründen. Da gibt es Schächte, die von allen 
^lockwerken aus geheime Zugänge haben und 
grch hie sich sowohl Personen ungesehen von 
Stockwerk zu Stockwerk bewegen, als auch Ma- 
erial bei polizeilichen Durchsuchungen in Ber 
ücke gebracht werden konnten. Man sieht 
^larmvorrichtungen, sog. Schnarrkontakte, die 
^lvrt in Tätigkeit traten, wenn eine bestimmte 
von Unbefugten geöffnet wurde. So war 
T n äuch auf diese Weise beim Herannahen der 
Polizei stets gewarnt. In den Torwegen sieht 
tz dn noch die Spiegel, sog. Spione, in denen 
sj h Pförtner — selbst ungesehen — jeden sofort 
è,htz der das Haus betreten will. Man sieht 
vy Rlarmknöpse, mit denen bei Herannahen 
Polizei alle Räume gewarnt und alle 
te» Sf. n Etagentüren geschlossen werden konn- 
we 'pŅìê die Polizei dann mit Hilfe von Hand- 
Qeß ïetît in dem außerordentlich unübersichtlich 
te H^rrs, in dem sich jeder Uneingeweih- 
fw Şos verläuft, von Stockwerk zu Stockwerk 
angt mar, vergingen meist Stunden, in 
denen jeder Schein einer illegalen Tätigkeit 
restlos verwischt werden kannte. 
Bor kurzer Zeit entdeckte man, daß einer der 
Fahrstühle, mit denen aus dem Papierkeller 
das Papier in die Druckerei geschafft wurde, an 
einer bestimmten Stelle angehalten werden 
konnte und dann einen Ansgang nach der an 
deren Seite hatte, nach einem Raume zu, der 
unter dem Hof liegt und auf keinem Bauplan 
verzeichnet ist. In diesem Raum wurden rie 
sige Mengen Zersetzungsmaterial aufbewahrt. 
Im Makulaturkeller fand man, durch alte Zei 
tungen getarnt, ebenfalls große Mengen von 
Zersetzungsmaterial. Da gibt es eine große 
Sandkiste mit Streusand, die sich bei näherem 
Zusehen als Attrappe herausstellt, die hohl ist 
und in der sich beguem ein Mann verbergen 
kann. Falltüren und geheime Gänge sind 
Selbstverständlichkeiten in diesem Hause. 
In der Garage und in der Druckerei fand 
man harmlos aussehende Oelkanncn, die in 
der Diagonale aufgeteilt waren und in der 
einen Hälfte wichtiges geheimes Material bar 
gen. Vom Dach aus führte eine eiserne Leiter 
auf Dächer der Nebenhäuser, über die gesuchte 
Personen sehr leicht verschwinden konnten. Der 
geheime unterirdische Gang zur Bartelstraße 
ist ebenfalls zu sehen. Ferner hat das Haus so 
gar Zugänge zur Kanalisation, durch die man 
in Gefahrfüllen Waffen von Stadtteil zu Stadt 
teil bringen konnte. 
Der Clou vom Ganzen ist zweifellos das 
Bad im Keller. Hier entdeckte man beim Ab 
klopfen der Wände, beim BeAihren einer 
Schraube, die harmlos wie ein Niet in einem 
eisernen Träger saß, daß diese Schraube lose 
war und offenbar einen Kontakt auslöste. Als 
man der Sache nachging, stellte sich plötzlich 
eine gekachelte Wand als getarnte Tür heraus. 
Diese Tür führte in einen besonderen Keller, 
der einen weiteren Zugang nicht besaß. In die 
sem Keller hat man große Mengen von Waffen 
aller Art gefunden. Niemand wäre auf die 
Idee gekommen, daß sich in einer Auskleide- 
Die Besprechungen in Nom. 
Mussolini und Vatikan ziehen an einem Strang 
Das Muffolinifche und Vatikanische Rom und die Donauraumpolitik 
chische Bundeskanz- schastliche» u n d politischen Verhältnisse im 
ngarische Minister- Donauraum naturgemäß auch in seinem In 
ner außerordentlich teresse, allein die Bedeutung des italienischen 
en Unterredung in Planes lieben eben darin, daß er mit den eige- 
ten Verhandlungen uen Interessen Italiens auch die Lebensnot- 
ivar hat Mussolini wendigkeiten der anderen Völker und Staaten 
lbstündige Unterre- berücksichtige. Er freue sich, daß das in dieser 
ganz kurzen offizi- Beziehung zwischen Italien und Oesterreich 
herzlichen Charak- volle Uebereinstimmung bestehe. Italien, Oe- 
d traf der österrei- sterreich und Ungarn, so fuhr Dr. Dollfuß fort, 
fuß ein. Er wurde haben ja ein gleich starkes Interesse daran, an 
Zahnhof empfangen der Donau einen Zustand herstellen zu helfen, 
eine Unterredung in dem sich die wertvollen Kräfte in diesem für 
'» sie zu Tritt fort- das ganze europäische Leben so wichtigen Ge 
biet nicht im Kampf miteinander aufreiben, 
s bereits am Spät- sondern eher die Zusammenfassung dieser 
die Verhandlungen Kräfte in neuer entsprechender Form zum 
men. Er wurde um Zwecke der Wiedergesundnng des wirtschaftli- 
Zrivatauöie nz $cn und der gemeinsame« Kulturarbeit er- 
Unterhaltung fand möglichst ein Ziel, das niemanden von der 
g mit einem Essest Mitarbeit ausschließen wird, weil seine Errei 
chest statt, an der chung im Interesse aller liegt. 
H 'şTceÏÏi »>- 
Donanraumfragen 
nkt aus besprochen. Frankreich im Hintergrund. 
Umstünden DNB. Paris, 11. März. Die römischen Be 
nd vermiede» wer- prechungen werden von der Pariser Presse 
Restaurationsiraae îcsjr aufmerksam oerfolgt und eingehend ļom- 
i'eden ^ie Sterne rentiert. Ganz allgemein steht man in Frank- 
^ . . reich dem Plan Mussolinis nicht ablehnend 
Die antideutsche Tendenz der römischen Po 
litik fühlt man auch in den Balkanstaaten in 
Rumänien und Jugoslawen, wo man die harte 
Hand Mussolinis im Donauraum nicht zu stark 
werden zu lassen wünscht. Es regt sich sogar in 
den Balkanstaaten entschiedener Widerstand, 
der bei den engen wirtschaftlichen Beziehun- 
Der deutsche Gruß darf in den deutschen Schulen in Nordschleswig 
nicht angewendet werden 
u Schreiben des Rektors K o o p - Daraus geht klar hervor, daß in Dänemark 
Tingleff, ob man wirklich in Kopen- der Deutsche Gruß in deutschen Schulen nicht 
rdenken gegen den Gebrauch öes deut- angewendet werden darf. 
Die Entscheidung des dänischen Kultusmini 
sters ist überaus bezeichnend für die Furcht 
der dänischen Regierung vor der Kraft der 
nationalsozialistischen Weltanschauung, die sich 
aber trotzdem auch in Dänemark mehr und 
mehr durchsetzen wird, weil nur aus der Grund 
lage einer staatspolitischen Erneuerung auch 
im Norden eine dauernde Befriedung der poli 
tischen, sozialen und wirtschaftlichen Verhält 
nisse möglich ist. Auch in Dänemark werden 
Liberalismus und Marxismus im Entschei 
dungskampf nicht Sieger bleiben.
	        
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